Montag, April 06, 2015

Es ist ...

... mit meinem Verstand so, dass ich ihn stets beschäftigen muss - sonst fängt er irgendwann unweigerlich an, MICH zu zerlegen. Mir ist aufgegangen, dass ich permanent alles um mich herum analysiere, ich kann gar nicht anders! Leider führt das oft genug zu Fehlschlüssen, die dann alles schlimmer machen, weil viel zu viele Variablen vorhanden sind, die ich irgendwann doch zu meinen Ungunsten auslege.

Ich habe nun die wunderbare Entdeckung gemacht, dass eines mich unweigerlich herausholt aus dieser trüben Schraube: der Gang an die frische Luft. Da genügen dann oft schon ein paar Sträucher und ein bisschen Erde, irgendetwas, das auch nur halbwegs natürlich ist, um mich zu retten. Oder interessante Architektur, besonders "altes Zeug" ... oder Kunst ... oder alles zusammen!

Gestern habe ich mich dann also auf den Weg gemacht, eine nahe Klosteranlage zu besuchen, um mal die Gedankenkreise aufzuhellen.

Eine gute Entscheidung!

Der ursprüngliche Park wurde vier oder fünf Jahre früher als der von Schloss Sanssouci in Potsdam errichtet. Es ist zumindest nicht völlig auszuschließen, dass König Friedrich II. die Anlage gesehen hat, bevor er selbst die Pläne für seinen Schlossgarten zu Papier brachte. Und "sans souci", "ohne Sorge" - das passt doch ganz wunderbar zu meiner Zielsetzung an diesem Tag ...


 Außerhalb führt ein Weg gewissermaßen um die ganze Anlage herum. Was mir auch sehr gut getan hat, waren die Giersch-Sprösslinge am Weg, die, wenn sie noch nicht entfaltet sind, richtig gut schmecken. Im Gegensatz zu den hochgewachsenen, die eher was von Seife haben, geschmacklich.
Insgesamt hat mich überrascht, wie weit das Grün im Gelände und unmittelbar darum herum schon war; ist die Akelei andernorts auch schon kurz vor der Blüte? Aronstäbe sah ich zwei verschiedene und viele Sträucher waren schon in vollem Blust - sonst herum sind es bislang nur die Schlehen, die im nackten Gesträuch weithin sichtbar herausstechen ...

Donnerstag, März 12, 2015

Nachdem sie dann die Entscheidung getroffen hatte, setzte sich scheinbar alles von selbst in Bewegung.

Sie fand sofort eine Wohnung, die ganz klar "Ja!" sagte zu ihr und ging also zum staatlichen Amt, um zu erfragen, ob sie diese vorläufig bezahlt bekäme.

Das staatliche Amt hatte viele, viele Fragen und wollte eine Menge Unterlagen und Nachweise von ihr sehen. Sie hat sie alle fristgerecht beigebracht und also nickte das staatliche Amt: Die Wohnung ist angemessen, Deine Bedürftigkeit prüfen wir noch.

Da nahm sie alles Notwendige in Angriff und zog sechs Wochen nach Schlüsselübergabe ein. Es gab viel zu bedenken, zu regeln, es gab Streit, es musste eine Menge transportiert werden und das staatliche Amt prüfte noch immer.

Nach drei Monaten hatte das staatliche Amt noch immer keine Entscheidung getroffen, der Vermieter schickte Mahnungen. Sie fühlte sich überhaupt nicht wohl damit und die Angst vor einer Räumungsklage saß ihr im Nacken.

Sie ging zum städtischen Amt, das hatte auch viele Fragen und wollte eine Menge Papier von ihr haben, aber es zahlte sehr schnell einen kleinen monatlichen Zuschuss und nachdem sie einige Sachen verkauft hatte, konnte sie die Mieten und die Kaution sukzessive zahlen.

Das staatliche Amt schwieg noch immer. Sie rief an und bekam die Antwort, der abschlägige Bescheid sei soeben per Post raus gegangen, aber schon an der Stimme der Beamtin, die die Begründung am Telefon vortrug, konnte sie hören, dass diese selbst an der Stichhaltigkeit der Ablehnung zweifelte.

Sie stieg in den Ring mit den Behörden und bekam Recht; dabei geschah es, dass das staatliche und das städtische Amt parallel Zahlungen an sie leisteten. Da aber das staatliche Amt von den Zahlungen des städtischen Amtes wusste, behielt es Leistungen in der Höhe ein, in der sie diese vom städtischen Amt bekam - obwohl beide Ämter behauptet hatten, parallele Zahlungen seien nicht möglich.

Also alles gut, da ja einer vom anderen wusste und somit der Informationspflicht Genüge getan sei. Dachte sie.

Dann kam Post vom städtischen Amt, sie habe ja Leistungen vom staatlichen Amt bekommen und daher das Geld von städtischer Seite zu Unrecht erhalten. Sie solle es bitte vollständig zurück zahlen; sollte sie nicht entsprechend flüssig sein, solle sie den Wunsch nach Teilzahlung bitte ausführlich begründen und ihre finanziellen Verhältnisse offen legen.

Da fragte sie sich schon, wie sie sich denn noch nackiger machen könnte, als sie es schon getan hatte? Hilfeleistungen hatte sie ja nicht beantragt, weil ihr das Geld aus den Taschen quoll!?

Sie stieg noch einmal mit den Ämtern in den Ring, denn schließlich hatte ja das primär in der Pflicht stehende staatliche Amt Geld in der Höhe einbehalten, in der das städtische Amt an sie gezahlt hatte, ohne dies wirklich zu müssen.

Tatsächlich zahlte das staatliche Amt an das städtische Amt den Löwenanteil der in Frage stehenden Summe - nachdem es sich von dem städtischen Amt ausgiebig hatte bitten lassen.

Den kleineren Teil konnte sie gerade so selbst zahlen, da sie, nachdem sie weitere ausstehende Gelder vom staatlichen Amt in einer Summe bekommen hatte, alle ihre während der Zahlungslücke gemachten Schulden reihum beglich.

Leider war das nicht alles. Heute hat sie dann einen Brief vom städtischen Amt bekommen, dass sie für ihren Fehler ein Bußgeld zahlen soll.

Und irgendwie findet sie das gemein. Ich kann sie verstehen.

Edit kann ergänzen:
Dem Bescheid angefügt war eine Rechtsbehelfsbelehrung, die besagt, dass sie innerhalb eines Monats Klage dagegen erheben kann - beim Verwaltungsgericht in der Landeshauptstadt. Ein befreundeter Anwalt schüttelte darüber den Kopf: üblicherweise ist das richtige Mittel ein Einspruch gegen den Bescheid bei der betroffenen Behörde - also dem städtischen Amt - vor Ort.

Sie hat es sich nicht nehmen lassen, die Landeshauptstadt aufzusuchen. Der Rechtspfleger als Urkundsbeamter des dortigen Verwaltungsgerichts  ließ sie wissen, dass die Rechtsbehelfsbelehrung wahrscheinlich (!!!) wirklich falsch sei. Er nahm aber dennoch die Klage auf und riet ihr, auf die Post vom Gericht zu warten.

Jetzt mal im Ernst: Hat das städtische Amt absichtlich die falsche Belehrung darunter gesetzt, weil es sich dachte, diesen Weg nähme sie ohnehin nicht auf sich? Der Gedanke drängt sich jedenfalls auf.

Die Chancen, dass das Ganze nun eingestellt wird, stehen jedenfalls nicht schlecht.

Mittwoch, Januar 28, 2015

Counting My Blessings ...

... neulich hielt ich an einer Engstelle mit dem Auto an, um einem entgegenkommenden Pkw mit Pfedeanhänger die Passage zu erleichtern. Heute machte vor einer Anhöhe der Fahrer eines ähnlichen Gespanns (... das Universum lässt vielleicht grüßen - ;-) oder auch nicht!) mir beim Entgegenkommen Hand- und Lichtzeichen. Also geriet ich nicht in die Radarfalle auf der anderen Seite.

Den weißen Graureiher habe ich heute nach längerer Zeit einmal wieder gesehen, auf einem Acker zwischen zwei Ortsteilen.

Und sie traf ich heute erstmals wieder hinter der Theke des kleinen Schreibwarenladens an. Sie freute sich, mich zu sehen und ich hatte das Gefühl, sie lechzte nach Normalität. Also quatschten wir ein wenig, wie wir das immer getan haben. Das Grauenhafte, das habe ich mit keinem Wort erwähnt.

Wer bin ich, ihr die womöglich mühsam bewahrte Fassung zu rauben?

Herrgott, wenn sie Normalität von mir haben will, bin ich bereit, sie ihr vollständig zu Füßen zu legen, so viel sie braucht. Mir kommen schon wieder die Tränen. Aber wenn ich tatsächlich in dieser Weise etwas für sie tun kann, wenn das ein bisschen hilft, dann will ich wirklich froh sein darüber!

Donnerstag, Januar 01, 2015

Randnotiz: Assoziationskette ...

Ein Werk über Entwicklungspsychologie lesend blieb mein Aug' und Hirn hängen an der mutmaßlich hierarchischen Ordnung basaler menschlicher Bedürfnisse und ihrer "methaphorisch-symbolischen" Befriedigung. Mit so gearteten Stichworten im Koffer stieß ich auf Janov, den ich bis dahin nicht kannte und einen Textauszug, in welchem er die Bedüfnispyramide Maslows - den ich bis dahin auch noch nicht kannte - erhellend und schlüssig, na ja, mehr oder weniger demontiert.


Fühlt sich saugut an. Und zieht wieder viele andere "Aha!"-Lichter nach sich.

Soeben sitze ich am Rechner, beschäftigt mit anderweitiger Recherche, als WDR2 mir etwas erzählt über "Tears For Fears", die nicht nur namentlich sondern auch textlich Bezüge herstellen zu  - sic! -Janov und seine Urschrei-Therapie.

Passt ins aktuelle Thema, also wieder hinein ins Google. "Mad World", richtig, ich erinnere mich! Und von da ist es nicht weit zu "Donnie Darko". Richtig, den Film kenne ich.

Passt aktuell ausgezeichnet zu dem, was in mir ist.

Raum. Zeit. Moral. Erwachsenwerden. Aufeinanderprallen unterschiedlichster, tja, da sind sie wieder:
die Paradigmen ...

Sehr fein! Freu!

Donnerstag, Dezember 25, 2014

Light A Candle ...

... war gestern in der Nacht nur einer der Gospels in unserer schönen Dorfkirche, vorgetragen vom vortrefflichen örtlichen Chor, dessen Name folgerichtig "Good News" ist.

So fasse ich mir ein Herz, schaue mutvoll auf was immer da kommen mag und zünde lieber gleich zwei Flammen an!

Zwar bin ich keine Freundin von "Viel Hilft Viel" und halte mich eher an "Alles Ist Gift Im Übermaß", im gegeben Fall hat aber das Zweifache noch eine eigene Aussage und damit stimmt es dann doch für mich.

Ich wünsche uns allen eine friedvolle Weihnacht, eine Kraft spendende stille Zeit "zwischen den Jahren" und ein 2015, mit dem es jeder von uns aufnehmen kann.

Sonntag, Dezember 14, 2014

In manchen ...

... Situationen dieser Tage frage ich mich, wie geht SIE jetzt damit um. Sie wacht auf, vielleicht am Morgen, vielleicht mitten in der Nacht, vielleicht nach betäubtem Schlaf, vielleicht nach wilden Träumen. Sie kommt zu Bewusstsein und muss sich klar machen, dass es kein Zurück gibt, nur noch ein schreiendes "Nie wieder!".

Vielleicht hadert sie mit sich, vielleicht mit den Anderen. Weihnachten naht und für sie gibt es sicher keins.

Ich kenne sie ein bisschen, unsere Kinder haben denselben Kindergarten und dieselbe Grundschule besucht. Oft haben wir morgens an der Schulbushaltestelle geplauscht. Später hatte sie sich von ihrem Mann getrennt und arbeitete im Schreibwarenladen um die Ecke, da ergab sich manches persönlichere Gespräch.

Das ist es, was die Ereignisse für mich so nah rückt, was mehr daraus macht als eine schreckliche Zeitungsnachricht. Als mir langsam klar wurde, um wen es sich handelt, wünschte ich: "Lass' es nicht SIE sein!" Aber das ist in Wirklichkeit müßig, wenn nicht makaber. Schließlich macht es das Grauen nicht kleiner, wenn es weiter weg ist.

Ihre 15jährige Tochter ist in der vorigen Woche tot gefahren worden, als sie mit dem Fahrrad unterwegs war.