Mittwoch, Oktober 25, 2006

Holz und Stein

Ich mach' ja immer eine Feier aus meinem Frühstück. Erst mal'n Kaffee - na ja, in letzter Zeit auch mal öfter einen Tee - wenn die Kinder verteilt sind und dann in aller Ruhe Brote machen, schon mal opulenter und mit Käse, Käse, Käse. Was das angeht, bin ich echt ein Freak. Faszinierend, was man aus Milch alles machen kann, geschmacklich und die Konsistenz betreffend.

Dann kann der Tag kommen...

Am Sonntag werden wir mit unseren Kindern einen Ausflug machen zum Bergbaumuseum in Bochum. Nun beschäftige ich mich schon länger mit dem Thema Kohle.

Eine Essenz ist: der Bergbau ist in unserem Land unrentabel geworden, weil er menschlicher wurde. In der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts lag die durchschnittliche Lebenserwartung eines Bergmanns bei 45 Jahren. Atemschutz oder Lärmschutz waren Fremdworte. Aber eben: diese Dinge kosten Geld.

Und alles, was die Arbeitswelt unter Tage menschlicher macht, macht die Preise kaputt. Deshalb beziehen wir das Zeug jetzt aus Asien. In den dortigen Bergwerken fragt noch keiner nach Humanität.

Wenn man sich das mal auf der Zunge zergehen lässt...

Ich bin schon mal in den Rammelsberg im Harz 'reingefahren, wo ist da eigentlich der Unterschied, ob man mit einem Aufzug in die Tiefe fährt oder mit einer Lok geradeaus in einen Berg hinein, in jedem Falle hat man doch Tonnen Gesteins über sich. Und nach knapp zwei Stunden wollte ich raus, raus, raus.

Erdrückend, beängstigend, zerstörerisch, kein Tageslicht zu sehen. Und das ein Arbeitsleben lang, wieviel Sonne sieht ein Bergmann in seinem Leben?

Metall, Erze, Kohle, was immer, das können sich doch nur Männer ausgedacht haben? Okay, es haben auch Frauen unter Tage gearbeitet, ich weiß.

Aber Steine und Metalle scheinen so vereinnahmend zu sein. Wieviel angenehmer ist dagegen Holz.

Unser Haus ist aus Backstein und ein eigenes Kapitel. Aber wir haben in Holz angebaut. Und wenn ich die Männer, die mit Zement und Eisen das Fundament gemacht haben, mit den Zimmerleuten vergleiche, die das Holz aufgestellt haben, dann tun sich da zwei völlig verschiedene Welten auf.

Die Baustoffe machen etwas mit einem. Sie haben ihre eigene Kraft. Die Betonbauer: Ärger, Unzufriedenheit, Mühsal. Die Zimmerleute: Heiterkeit, Stolz, wortloses Verstehen.

Wobei das mit dem Zement und gebranntem Baumaterial auch noch mal so eine Sache ist. Vielleicht hat das mit Wasser zu tun?

Kommentare:

Artemis hat gesagt…

Hallo Kvinna,
willkommen unter den Bloggern! :)


Interessant, was du über die Baustoffe anmerkst und was sie mit einem machen. Ich denke an den kühlen Stein, aus dem unser großes Haus in Frankreich gebaut ist: Linderung und Ruhe, wenn man aus der flirrenden Hitze zurück ins Haus kommt... Der Stein hat sogar einen Geruch!

Dann gibt es ja auch noch die großen, duftenden Holzstiegen, die man in manchen Häusern findet. Ihr Knarzen und Knacken ist so ein vertrautes Geräusch, macht diese Holzriesen lebendig - wie faule Schlangen die sich durchs Haus winden...

Liebe Grüße,
Artemis

kvinna hat gesagt…

Hallo Artemis, schön, dass du `reinschaust!

Ich wohn' in einem alten Haus und halte den Backstein, aus dem es gebaut ist, für einen natürlichen Baustoff. Erdiger, mir näher.Die Böden sind aus Holz und auch vom Erdreich unter uns trennt uns kein Beton.

Ich kann dir nur Recht geben, es ächzt und atmet, ein lebendiger Organismus.

Der Holzanbau ist leider noch nicht fertig, noch nicht bewohnt, aber er strahlt etwas viel sanfteres, gutmütigeres aus als ein Rohbau aus Beton und gepressten Steinen.