Dienstag, November 07, 2006

Gesundheit!

Sonntag ist mein einer Sohn, mein mittleres Kind, sieben Jahre alt geworden. Er hat eine Armbanduhr von uns bekommen, da er schon lange sicher die Uhr lesen kann. Er ist so'n kleiner Genauer, wir kriegen jetzt dauernd die Zeit angesagt. ;0)

Nachmittags saßen wir mit 17 Leuten zum Kaffee. Ich hatte Coppenrath & Wiese (Riesenerkältung, keine LUST einen ganzen Tag in der KÜCHE zu stehen) backen lassen und hab' die Kuchen im Ofen warmgemacht. Dabei ist es mir gelungen, mir beide Hände zu verbrennen.

Die Prinzessin brachte einen neuen Mann mit. Sie ist frisch verliebt. Ich gönne es ihr von Herzen, aber nun will sie mich auch glücklich sehen. Lass' mal, Schatz, das wird schon!

Auch meine Eltern waren da, jedenfalls körperlich. Mein Vater hat sich, glaube ich, ganz gut unterhalten. Aber meine Mutter war völlig im Medikamentennebel verschwunden, nur die Kinder haben sie ein wenig erreichen können. Nun macht sie sich auch noch dünne, ihre Kleidung schlackert beängstigend an ihr.

Ach, Mama!

Heute war ich beim Frauenarzt, die übliche Vorsorge. Eine Überschrift auf der Brigitte: "Wie gefährlich ist es, eine Frau zu sein?" Irgend ein Gesundheitsreport.

Ich kann mir nicht helfen, in letzer Zeit fühle ich mich in meiner Eigenschaft als Frau kontrolliert und gegängelt von der Schulmedizin. Anscheinend wird es immer schlimmer.

Plötzlich wollen sie uns auch noch an den Muttermund, die Herren Mediziner. Gegen Krebs impfen. Damit wir geschützt sind. Überall eindringen, alles kontrollieren, erforschen.

Sie können halt' nicht aus ihrer Haut, wollen alles ganz genau wissen; wiegen, messen zählen.

Wen geht es was an, ob eine wechselnde Sexualpartner hat und sie damit in eine statistische Risikogruppe gehört? Mich macht dieses Deckmäntelchen schulmedizinischer Gesundheit "Es ist ja nur zu deinem Besten!" tierisch misstrauisch.

Die letzte Sicherheit. Die absolute. Die muss unbedingt errungen werden.

Warum?

Kommentare:

Artemis hat gesagt…

Hallo Kvinna,
ich hatte vor einigen Monaten ein langes Gespräch mit meiner Mutter. Als über 40jährige gehört sie ja zu einer der angeblichen schulmedizinischen Risiko-Gruppen und wurde von ihrem Frauenarzt scharf zurecht gewiesen, als sie einmal vergessen hat, zur Mammographie zu gehen.
Jedes Jahr hat sie wochenlang ein laues Gefühl im Magen - was werden die Ergebnisse bringen? Hat sie vielleicht Brustkrebs? Hat sie keinen? Oder - schlimmer - hat ihr Körper die Ärzte ausgetrickst (es ist erwiesenermaßen ziemlich schwer, die Ergebnisse der Brustuntersuchung richtig zu auszuwerten) und sie hat irgendwo einen unentdeckten Tumor?

Der Vorsorge- und Kontrollwahn führt zu Misstrauen: im besten Fall gegen die Ärzte, im schlimmsten (und häufigeren Fall) gegen den eigenen Körper. Was könnte der denn nicht noch alles ausbrüten, so ganz unkontrolliert, ungeimpft, ungeschützt?

In diesem Zusammenhang kann ich übrigens das Buch "Das Medizinkartell" von Kurt Langbein und Bert Ehgartner wärmstens empfehlen. Viele der Fakten sind erschreckend, aber es gibt auch mehr Grund zur Hoffnung als gedacht.

Meine Mutter hat zu meiner Frauenärztin gewechselt und beschlossen, nicht mehr zur Mammographie zu gehen (nachdem sie sich darüber informiert hat, wie hilfreich die denn wirklich ist...). Sie meint, dass die Ängste, Sorgen und das Misstrauen gegen ihren eigenen Körper, die die Brustuntersuchung begleiten, sie eindeutig kranker machen, als sie in Kauf nehmen möchte.

Gut, dass du das auch ansprichst.
Ich finde es erschreckend, wenn Menschen das Gefühl gegeben wird, dass ein Körper etwas ist, was grundsätzlich zu "Fehlern" neigt und unberechenbar ist, und daher mit Spritzen, Salben und teuren Geräten ausspioniert, kontrolliert und gezähmt werden muss.

Liebe Grüße,
Artemis

der Gauzibauz hat gesagt…

Hallo Kvinna,
als ich vor 3 1/2 Jahren meine Riesenzyste entfernt bekam wollte man
hinterher kontrollieren ob meine Nieren richtig arbeiten.Ich selber wusste dass
alles in Ordnung war, sonst hätte ich Wassereinlagerungen gehabt, wie so oft und selbst das hätt nicht viel heissen müssen. Ich weigere mich also mir das Kontrastmittel spritzen zu lassen und erkläre dem "Facharzt", dass alles gut
sei.Daraufhin sagt er:Woher wollen sie das wissen!
Grüsse

sternstunden hat gesagt…

Hi Kvinna,
ich denk mal unser "Gesundheitssystem" ist schon mal von Grund auf total verkehrt weil es ja von der Krankheit der Menschen lebt und rein gewinnorientiert arbeitet.
Ein Arzt,der nicht sämtliche Möglichkeiten bei der Diagnostik anwendet-auch wenn sie überflüssig oder teuer sind, kriegt ein Riesenproblem, falls später rauskommt dass er etwas nicht erkannt hat, was vielleicht hätte erkannt werden können.
Das ist alles so verfilzt und es gehört immer mehr Mut dazu, als Patientin zu sagen:"Nein ich hab ein gutes Gefühl ich laß dies oder das nicht machen oder untersuchen."Gemeinerweise wird einem dieses Gefühl ja auch noch abgesprochen indem wir von Fällen berichtet bekommen wo die Patienten gar nichts merkten.
Meine Schwester hat Riesenärger mit der Frauenärztin bekommen, weil sie in der Schwangerschaft irgendwann mal gesagt hat:" Jetzt ist Schluß mit immer neuen Untersuchungen,ich WEISS dass mein Kind gesund ist!" Sie stand im Verdacht, sich mit Ringelröteln angesteckt zu haben,das Kind war gesund.
Es gibt Menschen, die brauchen ständig diese beruhigende Versicherung eines Arztes,dass alles o.k. ist und sie sind zuweilen sehr einfallsreich darin, Symptome zu entwickweln die dann erkannt und behandelt werden müssen .Meine Mutter war so eine und ich hab mit fünfzehn richtig Krach mit ihr gekriegt, als ich eine Blasenspiegelung,zu der sie mich angemeldet hatte, verweigerte.(es war ihre Art Liebe zu zeigen,indem sie ihren Lieben diesselbe Fürsorge zukommen ließ,die sie selbst so schätzte)
Natürlich gibt es Probleme genug bei denen die Schulmedizin sehr erfolgreich arbeitet z.B.die ganze Unfall und Notfallmedizin,das willich nicht in Abrede stellen!Aber ansonsten gilt für mich:viel Mißtrauen den Ärzten gegenüber und Vertrauen für das eigene Körpergefühl entwickeln.
Liebe Grüße,Stela

kvinna hat gesagt…

Jip! Grundsätzlich misstraue ich erstmal jedem Weißkittel! Das habe ich aber auch mühsam gelernt.

Die Schwangerschaften waren da sehr hilfreich, man kommt da auch leichter mit Leuten zusammen, die ganz selbstverständlich davon ausgehen, das der Körper klüger ist als jeder Doc. Oder jedenfalls bin ich in dieser Lebensphase für so etwas aufmerksamer geworden...

Bei meiner Mutter kommt es mir dagegen so vor, als sei ihre ganze Generation meilenweit vom eigenen Körper entfernt und pharmaziegläubig.

Die Beispiele sind so unzählig wie wahrhaft traurig.

Aber die fünfziger Jahre müssen in dieser Hinsicht auch echt schlimm gewesen sein. Hygiene bis zum Erbrechen...vielleicht eine Folge des Krieges?!

Und in den Siebzigern musste eine Wöchnerin doch tatsächlich Mundschutz tragen, wenn sie ihr Kind im Arm hielt.

Vielleicht hat mich dieser Anblick schon als Säugling traumatisiert... ;0)