Donnerstag, November 02, 2006

NEIN!

"Ich kann nicht!" heißt manchmal auch ganz einfach "Ich will nicht!". Schon klar!

Ich will mich nicht verbiegen, um gemocht zu werden.

Mit einer alten Freundin bin ich mal - mitten in Barcelona, die Spanier dachten wahrscheinlich, die spinnen, die deutschen Weiber! - furchtbar in Streit geraten wegen einer Nichtigkeit.

Sie hatte mir geschildert, wie sie sich nach einem üppigen Abendessen auf dem Heimweg hinter ein Auto "so'n Transit oder so!" hockte, um zu pinkeln. Ich bemerkte, laut denkend, "Ein Ford!" und das war zuviel.

Sie regte sich ganz grauenhaft darüber auf, dass ich so eine olle Haarspalterin bin, dass ich immer mein Wissen raushängen muss und dass ich doch wirklich mal lernen könnte, meine Klappe zu halten. Dann wäre ich wirklich liebenswert.

Ach je! Ich kann sie ja verstehen.

Wahrscheinlich habe ich tatsächlich eine Profilneurose, muss unbedingt zeigen, dass ich das kann, das weiß, das gelesen habe...

Ja! Kann schon sein!

Mal drängt es mich mehr, mal weniger, mich darzustellen und wenn es ganz schlimm kommt, geht es mir selbst auf die Nerven.

ABER ICH MUSS MICH MITTEILEN! Sonst ersticke ich. Wenn es gut läuft und der Druck gleichmäßig abfließt, ist es ganz nett mit mir. Meine Prinzessin nennt mich ihr Lexikon.

Nur wenn sich zuviel aufstaut, dann werde ich neurotisch und oberlehrerhaft... dann kann's gruselig werden. Jedenfalls erinnere ich mich, dass ich damals in Spanien einen unheimlichen Widerwillen gefühlt habe, dieses Bedürfnis zu unterdrücken.

Wie früher in der Schule, wenn die Lehrer mich beseite nahmen und meinten: "Hör mal, du solltest wirklich dieses oder jenes an dir ändern..." dann grollte es in mir drin und ich dachte: "Wieso denn? Nur, damit die andern mit mir spielen?" Das konnte ich nicht einsehen.

Weiß nicht, was das ist. Hab' mich schon öfter gefragt, ob das angeboren ist oder was.

Kommentare:

Corriendo Mundo hat gesagt…

Hier ein wenig Löwensenf:
Vielleicht ist ein Schrei nach Anerkennung, vielleicht der dringende Wunsch nach Bestätigung, daß dein Bild der Welt das alleinig richtige ist? Vielleicht hat es auch verschiedene Gründe und vielleicht sind die auch gar nicht wichtig. Wer weiß.
Ganz oft beobachte ich, daß das, was so schön "Austausch" genannt wird, lediglich ein Entleeren von eigenem Müll auf eine andere Person ist. Du beschreibst diesen Vorgang so schön mit "gleichmäßiger Druckabfluß." Wie wär´s mit Sport oder Musik, da kann man auch gleichmäßig Druck abfließen lassen, non-verbal und wertungsfrei.
Ja, es ist ziemlich anstrengend, wenn jemand immer das letzte Wort behalten möchte und auch dann nicht Ruhe gibt, wenn schon alles gesagt ist.
Mich für Andere ändern, sehe ich auch immer noch nicht ein. Aber für mich selbst tue ich es gerne, und das hat sich bisher meistens gelohnt. Und darüberhinaus ist es spannend, immer wieder was Neues, noch Unbekanntes auszuprobieren. Zum Beispiel auch: Nicht re-agieren, nicht argumentieren, keine Rechtfertigungen mehr, einfach mal gar nichts sagen und beobachten, wie sich die Dinge trotzdem oder gerade deswegen bewegen, oder was auch immer. Könnte das Leben leichter machen.
Der alte Spruch "Du hast recht und ich hab´ meine Ruhe" ist gar nicht so dumm, finden Labbatú y ElCuervoExperimental

kvinna hat gesagt…
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kvinna hat gesagt…

Oder auch Nuhr: "Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal die Fresse halten!"

Mir ist schon klar, dass ich mit dieser mangelnden Sensibilität für andere anstrengend bin. Das mein Leben ohne das oft einfacher wäre.

"dass mein Weltbild das alleinig richtige ist", das will ich gern bestätigt haben, stimmt. Oft, um Recht zu behalten - und das hasse ich an mir! - aber manchmal auch aus einer Unsicherheit heraus, aus Zweifel: "Stimmt das denn auch, was ich da empfinde?"

Mich von außen bestätigen lassen. Und das ist der Punkt: ich bin zu weit weg von mir selber.

Inzwischen komme ich viel mehr unter Menschen als früher, und ich denke, dass ist auch entscheidend. Leider ist der Sport eingeschlafen, und wahrscheinlich liegt da der Hase im Pfeffer. Gesunder Geist in gesundem Körper, da ist was dran.

Danke für den Senf!

kvinna hat gesagt…

P.S.: Dieses Phänomen mit dem Müll abladen beobachte ich auch. Mit echtem Zuhören hat das wenig zu tun. Aber in einem guten Gespräch genausoviel zu geben, wie man bekommt, verlangt eine gewisse Achtsamkeit.

sternstunden hat gesagt…

Hi Kvinna,
ich hab manchmal das Problem,dass ich mein ich müsst immer reden und stelle dann fest,dass ich entkräftet und energetisch leer bin.
Auf Aurafotos,die ich mal machen ließ war mein Herzchakra weit offen. Die Beraterin emppfahl mir zu üben nicht nur
Energie durch diese Chakras rauszulassen sondern sie auch zu wieder aufzufüllen:durch Spaziergänge draußen in der Natur zum Beispiel.
Es hilft mir auch meinen Rededrang zu verstehen wenn ich versuche rauszufinden was mir in dem Moment WIRKLICH fehlt.Ein warmes Bad,ein schönes Lied oder ein Spaziergang mit den Hunden tut mir dann zum Beispiel gut.
Vielleicht müssen wir alle noch ein bißchen üben mit uns selbst zu kommunizieren!?
Grüße,Stela

Stephanie hat gesagt…
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Stephanie hat gesagt…

Tendenziell Haarspalterei ?
Vielleicht Jungfrau im Tierkreiszeichen? ;-)
Die Jungfrau kommt ja oft in astrologischen Darstellungen nicht gut weg, aber wir haben viele wunderbare verdammenswerte Eigenschaften, die anderen auf die Nerven gehen. Mitteilen und erklären eine Lieblingseigenschaft.
Schau doch mal nach, was du sonst noch alles Schönes bei dir entdeckst!
Gruß Stephanie

Stephanie hat gesagt…

Sorry, der gelöschte Text geht auf mein pedantisches Konto
Stephanie

kvinna hat gesagt…

Das mit dem schulmeistern sagt man unserm Sternzeichen generell nach, stimmt.

Undifferenziertheit hasse ich.

Komisch eigentlich, dass ich die Erbsenzählerei, die die Wissenschaft auf dem Weg zu ihren Ergebnissen - von Erkenntnissen kann man da wohl nicht sprechen! - trotzdem anprangere, oder?

Da hab' ich wohl noch einiges zu entdecken... :0)

Stephanie hat gesagt…

Ja, ja was alles so nach gesagt wird, die Frage ist nur, wie gut können die Nicht - Jungfrauen beurteilen was uns antreibt und wir (Göttin sein Dank) nicht aus unserer Haut wollen.

Was hälst du denn von dieser (weiblichen) Bewertung der Jungfraueigenschaften?

"Sehend und Wissend, mit Klugheit und Bedachtsamkeit, Weitsicht und Geduld, Erklärend und Lehrend, Ernsthaftigkeit und Beharrlichkeit und Angemessenheit der Mittel.
Abwägen und überdenken und die Wurzel des Seins erkennen und so ist sie mehr Priesterin, als Analytikerin, mehr Mutter, als JungFrau, mehr Wissende, als Handelnde."

In der Jungfrau steckt ein ungeheures Potetial, lass dich nicht verdrießen.
Kritisch / realistisch hinsehen ist nun mal unsere Natur! ;-)

kvinna hat gesagt…

Jip!

Gefällt mir. Nur rausfahren aus dieser Gedankenwelt :) hinein ins Handeln, das müsst' ich öfter...

Stephanie hat gesagt…

was meinst du denn mit Handeln?
Deinen Alltag nimmst du doch bestimmt in beide Hände, deine Kinder händelst du sicher auch gut und überhaupt scheinst du in mancher Hinsicht eine Handfeste zu sein. Wo ist dein Handlungsbedarf?
Fragt Stephanie

kvinna hat gesagt…

Uff! Gute Frage. Von Frauen in meiner Umgebung kommt mitunter der Rat: "Schmeiß' den Kerl doch 'raus!". Von daher ist dein Vorschlag "vor's Schienbein treten" noch ziemlich human.

Nee! 'Rauswerfen will ich ihn gar nicht. Im Grunde stelle ich nicht einmal die Beziehung in Frage.

Aber irgend etwas muss passieren. So geht es nicht weiter!

P.S.: Danke für die Streicheleinheit! :)

Stephanie hat gesagt…

Einen Rausschmiss sehe ich auch nicht so recht als Handlung. Oft ist es nur eine Kurzschlusshandlung.
Was geht denn nicht weiter?
Was muss denn passieren?
Was soll denn passieren?
Wo willst du denn hin?
Fühl dich noch ein bisschen gestreichelt
Gruß Stephanie

kvinna hat gesagt…

Ich denke, mit einer Trennung würden die Probleme auch erst richtig anfangen.

Nicht wegen Geld. Nicht, weil die Kinder "den Vater entbehrten". Nicht, weil mir der Partner fehlte.

Sondern weil der Riss dann vollständig wäre. Bisher ist es "nur" ein Knacks.

Tja, was will ich?

Mehr Miteinander.
Mehr Verständnis.
Mehr Geduld.
Mehr Kompromissbereitschaft.
Mehr Sich-Einbringen.

Das sind die Dinge, die ich gebe, so gut ich kann. Und die will ich auch bekommen.

Weil ich alle meine Kräfte brauche, um heil durch diesen Alltag zu kommen. Und sie nicht im "Gegeneinander" verschwenden will.

Schnurr!