Donnerstag, Dezember 07, 2006

Religion 1

Ich habe den Broder gelesen und sacken lassen.

Einige Stellen im Buch habe ich mir dick unterstrichen, weil ich beim Lesen dachte: "Ja, genau, das ist es!"

Trotzdem habe ich ambivalente Gefühle gegenüber den Aussagen dieses Buches. Weil mir die Belege fehlen für manche Behauptungen. Papier ist schließlich geduldig.

Ich denke, unsere Unsicherheit und mangelnde Konsequenz im Umgang mit Moslems rührt auch daher, dass wir nicht mehr so fest verhaftet in unserer christlichen Religion sind, wie viele "Menschen mit Migrationshintergrund" im Islam.

Das macht uns unsicher, dass jemand seinen Glauben so konsequent lebt. Das heißt aber nicht, dass dieser Jemand sich nicht anpassen muss. Christen in muslimisch geprägten Ländern tun das schließlich auch.

Und dann ist da noch das schlechte Gewissen. Da stimme ich dem Autor weitgehend zu. Ich glaube, dass es in meiner Generation vielen so geht wie mir: als ich Kind war, war der Nachwuchs der "türkischen Gastarbeiter" tabu. "Spiel nicht mit den Schmuddelkindern!", war das Motto. In meinem katholischen (<-ich betone das immer wieder gern!) Heimatdorf waren sie die Außenseiter.

Dass sie da lieber freiwillig eine Parallelgesellschaft errichteten, könnte ein naheliegender Gedanke sein. Also haben wir sie dazu getrieben?

Pustekuchen! Das erklärt zwar unser schlechtes Gewissen "Wir wollen doch nicht weiter so gemein zu ihnen sein!", rechtfertigt aber noch längst nicht, dass wir uns von ihnen alles gefallen lassen.

Die Italiener im Dorf hatten es auch schwer - und die wahren katholisch! Sind die aggressiv geworden? Nö. Und die Ägypter waren voll integriert. Ob die Christen waren, weiß ich gar nicht...

Kommentare:

der Gauzibauz hat gesagt…

Hi Kvinna,
ich denke es geht um Fundamentalismus.
Bei uns hat es wenige,kenne nur das Opus
Dei bei den Katholen.Da hört man nicht viel von.Von den gemässigten Sunniten und Schiiten auch nicht.Auffallen tun nur die Fundamentalen um Bush, aber die
sind nicht bei uns - und halt die Islamisten,dieses Verbrechervolk.Mit Glauben und Hingabe an Gott hat das nix zu tun.Mich macht das überhaupt nicht unsicher, dass die ihren Glauben konsequent leben, das tu ich schliesslich auch.Aber das und andern seine Meinung aufzwingen sind zwei völlig verschiedene Dinge.Und letztendlich wehren die sich nur gegen was Neues weil sie Angst haben dass
sie ihre Frauen nicht mehr unter der Knute halten können und ihre unangefochtene Autorität verlieren.
Grüsse

kvinna hat gesagt…

Na ja, wenn du mal den Koran ein bisschen querliest, findest du da einige Suren, die sich widersprechen.

Das ist genau wie in der Bibel. Da spielen soviele Dinge mit hinein, die Subjektivität des Verfassers, die Zeit, das viele hin- und herübersetzen... wobei der Koran nur auf arabisch gültig ist, natürlich existieren aber dennoch Übersetzungen, wär' ja sonst wie die Bibel in jahrhundertealtem Aramäisch...

Letztlich ist die Schrift nur die Grundlage (eine ungenaue noch dazu) und es liegt bei jedem einzelnen, was er für sich daraus macht. Das könnte einfach sein, ist aber in Wahrheit mit ziemlicher Verantwortung behaftet.

Verantwortung, die jeder einzelne für sich trägt. Und deshalb glaube ich auch nicht, dass es "den Christen" oder "den Moslem" gibt.

Islam und Islamismus, das ist so eine Sache. Wenn ich sehe, dass eine Vierzehnjährige nicht mit auf Klassenfahrt darf, weil die Familie um ihre Tugend fürchtet, dann ist die für mich ganz klar nicht integriert. Und das ist noch lange kein Fundamentalismus.

Aber genau da fangen die Probleme an.