Donnerstag, Dezember 21, 2006

Respekt!

Neulich im Kindergarten aufgeschnappt: "...dass die das nicht schafft, wo die doch den ganzen Tag zu Hause hockt!" lästerten zwei berufstätige Mütter auf der Treppe über eine andere, die "NUR Hausfrau und Mutter" ist.

Verachtung aller Orten für die, die zu Hause verblöden. Und die, die das nicht tun, sind womöglich Rabenmütter. Eine Zwickmühle? Als Frau noch keine Wahl hatte, hatte sie dies Dilemma nicht. War sie da in ihrer Rolle als Nesthüterin besser angesehen?

Wirklich, toll, wenn eine das geregelt kriegt, Kinder, Haushalt und Beruf. Doch! Das ist eine Leistung!

Aber wieso eigentlich?

Ich meine, in meiner Lebenswelt sieht es meistens so aus, dass, wenn beide Elternteile arbeiten gehen, die Frau diejenige ist, die trotzdem noch zu 100% den Haushalt schmeißt, weil ER "das nicht geregelt kriegt, das nicht sieht..." im Grunde doch wohl manchmal auch, weil sie nicht zufrieden damit ist, wie er's macht und es sich dann eben lieber selbst aufhalst, oder?

Bäh, diese alte Leier von der Rollenverteilung, ich kann's nicht mehr hören.

Haben wir Frauen in der Realität unsere Männer zu unfähigen Embryonen gemacht, weil sie es uns eh' nicht recht machen?

Wenn ich mich mal für einige Tage aus dem Staub mache - was ich nur tue, wenn mein Holder Urlaub hat - führt er den Haushalt ganz prima. Anders, als ich das täte, aber das habe ich inzwischen gelernt, zuzulassen. Die Kinder kriegen jedenfalls was sie brauchen.

Ich hab' das mal ein paar Monate gemacht, Berufstätigkeit und Haushalt und Kinder. Und seltsamerweise wurde da stillschweigend damit gerechnet, dass sich an der Arbeitsteilung innerhalb der Familie nix ändert.

Obwohl ich faktisch meinem Haushalt jede Woche 15 Arbeitstunden entzogen und diese außer Haus verbracht habe.

Das hat mich schon geärgert. Aber nachher hat sich das dann von selbst erledigt, ich habe mich gerade bei Ingrid unter ihrem Post Global lang und breit dazu ausgelassen.

Das piekt noch immer, dass dieser Mann, der mir mal klargemacht hat, dass sein Einkommen genausogut meines ist, hier im Grunde lebt wie ein Junggeselle bei Mama, egal, wieviel ich grad' am Hals hab'.

Aber wenn ich als Frau schon selbst keinen Respekt vor meiner Tätigkeit habe und mich als NUR-Hausfrau tituliere, wie soll dann irgend jemand sonst Achtung haben vor diesem Beruf?

Das hat mir vor Jahren mal meine Therapeutin klargemacht, und genauso ist das: müsste mein Mann jemanden einstellen, der all' das macht, was ich leiste, das könnte er gar nicht bezahlen!

He, ich bin unbezahlbar! :0)

Der Stumpfsinn, der mich damals in diese Firma getrieben hat, in die Berufstätigkeit, der ist weg. Ich habe meine Fühler ausgestreckt, mir Horizonte geöffnet, neue Menschen in mein Leben gelassen. Ich bin irgendwie zufriedener.

Aber die Diskussion über die Arbeitsteilung, die ist noch nicht beendet innerhalb meiner Ehe.

Kommentare:

Corriendo Mundo hat gesagt…

"Rein faktisch" kann ich auch nicht allzu viel Hochachtung entwickeln, wenn mir jemand erzählt, daß er immerhin 15 Stunden die Woche aushäusig arbeitet. Bei mir sind es "rein faktisch" 12 Stunden am TAG. Und, würdest du das respektieren und anerkennen? Respektierst du wirklich die Arbeit deines Mannes und seinen Einsatz dort? Ich frage nur deshalb, weil du ja Anerkennung und Respekt willst für dich - von den anderen. Das funktioniert in der Regel aber nicht; besser, du vergißt die Anderen und machst einfach nur, was du willst. Glaube ich. Labbatú und der Rabe, nichts wissend

Corriendo Mundo hat gesagt…

Und nochwas - du bist ja rein faktisch nicht die Hausangestellte deines Mannes, oder? Dann kann er dich doch auch gar nicht dementsprechend ein-schätzen. Wäre es nicht einfach nur furchtbar, wenn er genau das täte?

Ach, und deiner Therapeutin muß ich auch widersprechen. Meine Intuition und die Geschichte der Menschheit sagen mir, daß ein Mann sich im Falle einer Arbeitsverweigerung seiner Gattin nicht eine zusätzliche Hausangestellte, sondern eine andere Frau nehmen würde.

Soviel weiß ich, obwohl ich nie verheiratet war und mir auch keine Kleinfamilie mehr angeschafft oder gar aufdrängen habe lasse in diesem Leben: Sich gegenseitig was aufzurechnen ist der Tod der Liebe.
Wie ja die "Institution Familie" in ihrem Kern mit den dazugehörigen Erwartungen, Aufgaben etc. pp. sowieso nichts mit Liebe oder echter Frei-willigkeit zu tun haben kann.
Naja, nichts für ungut, alles fließt, Labbatú und ElCuervo ...

kvinna hat gesagt…

Ja, du arbeitest 12 Stunden am Tag aushäusig. Ich habe nur an drei Tagen je 5 Stunden woanders gearbeitet.

Verdammt, rechnest du etwa nicht auf?

Wenn du zu Hause bist, hast du Feierabend. Soviel Arbeit kann ein Ein-Mensch-und-ein-Rabe-Haushalt ja nicht machen.

Fensterputzen und Hausaufgaben kontrollieren empfindest DU wahrscheinlich als nette Abwechslung, na danke!

Hausarbeit ist nicht hoch angesehen und das ist der Punkt. Ein Fünf-Menschen-und-eine-Katze-Haushalt-mit-Garten ist vom Anforderungsprofil her so anspruchsvoll wie mittleres Management, glaub's mir.

Organisationstalent, Einfühlungsvermögen, Teamfähigkeit, Körpereinsatz, Geduld, Toleranz,...ich wollte diese Kinder auch. Hätte mir vorher irgendjemand klargemacht, was das wirklich bedeutet, hätte ich's trotzdem gemacht. Aber mit andern Augen. Die habe ich mir nun erst anlernen müssen.

Ich entwickle und verändere mich ständig und das gefällt mir. Ich wachse. Und muss mich nicht über einen Lohnstreifen definieren.

Was ich über meine Unbezahlbarkeit schrieb, diente nur der Verdeutlichung. In der Realität würde der Mann sich eine neue Frau 'ranholen, logo. Weil er sich's anders nicht leisten kann. Genau wie die geschiedene Prinzessin sich nun einen neuen Mann 'ranholt.

Und zwar nicht nur für's versorgt sein. Erzieh' du doch mal Kinder und mach' alles ohne Partner mit dir selbst aus! Versuch's! Und selbst in Ingrids Tantengesellschaft wird's ein Aufrechnen geben, glaub's mir!

Und, ja, ich respektiere die Arbeit meines Mannes und seinen täglichen, manchmal nächtlichen, Einsatz dort. Und das sage ich ihm auch. Ausdrücklich! Dass ich froh bin, dass wir uns keine Sorgen um Geld machen müssen, weil er sein gerüttelt Maß an Arbeit dazu beiträgt. Aber ich will nicht, dass er sich auf diesen Lorbeeren ausruht.

Aber ich habe nicht den leichteren Job. "ErziehungsURLAUB", das ist auch so ein Killer-Wort. Lächerlich. Das heißt ja jetzt neutraler "Elternzeit". Aber knapp daneben ist auch vorbei. "FamilienARBEIT", das wär's.

Und ob ich dabei verblöde und mich begnüge, das liegt noch immer bei mir selbst.

Also bitte, etwas mehr RESPEKT!

Corriendo Mundo hat gesagt…

Ne, so klappt es nicht. So gibt es keinen Respekt:
"Wenn du zu Hause bist, hast du Feierabend. Soviel Arbeit kann ein Ein-Mensch-und-ein-Rabe-Haushalt ja nicht machen."
Ach ja, ist das so bei mir, wenn ich zuhause bin? Wie du das so schön weißt. Ich glaube, du würdest nicht mit mir tauschen wollen, kann das sein?
"...und mach' alles ohne Partner mit dir selbst aus. " ???
Mach ich - schon lange und gerne, mal abgesehen vom Raben, der ab und zu an meiner Seite weilt.

Weißt du, ich finde, du jammerst ganz schön rum und offensichtlich glaubst du, du bräuchtest es, von anderen zu hören, wie toll du bist und wie toll du doch alles schaffst. In Wahrheit bereitest du dir und anderen mit dieser unterschwelligen und doch so offensichtlichen Erwartungshaltung, die unerfüllt bleiben muß, die Hölle.
Niemand ist verantwortlich dafür, daß du Bestätigung im Außen brauchst und scheinbar nicht bekommst, dort, wo du bist. Ich übrigens auch nicht.
Diese Werbung mit der Hausfrau und Mutter und dem kleinen Familienunternehmen ist übrigens wirklich genial, so viele Frauen geben sich mit dieser "neuen Position" zufrieden, auch im Taxi hatte ich diesen Slogan schön öfter mal in der ein oder anderen Form.
Jetzt fliege ich mal weiter, weit weg, und komme nicht wieder, um dir keinen Respekt zu zollen, es ist wieder mit mir durchgegangen... Feierabend, sofort!!!