Dienstag, Januar 16, 2007

"Hüpf' mal!" oder: Einschulung, 2. Etappe

Tja, vielleicht war meine Einstellung falsch.

Als mein Ältester vor einigen Jahren die "Schuleingangsuntersuchung" über sich ergehen lassen musste, haben wir gemeinschaftlich die Untersuchung des Hodenstandes verweigert - ich erntete Kopfschütteln, setzte mich aber durch. Erstens hatte uns niemand vorher gesagt, dass er sich ausziehen müsste und zweitens wusste ich definitiv, dass alles in Ordnung ist. Einem Schulkameraden meines Sohnes ist in diesem Amt ohne Vorwarnung die Hose heruntergerissen worden. Entsprechend misstrauisch bin ich also gegen diese Einrichtung.

Solches blieb meiner Tochter erspart, sie mußte sich "nur" oben herum frei machen. Nach kurzem Zögern machte sie den Zirkus aber mit. Malen, Sprachtest, Sehtest, Hörtest,wiegen, messen.

Nun habe ich ja so meine Schwierigkeiten mit Kinderärzten, die im Beisein der Kinder über diese reden wie über Gegenstände. Für eine Amtsärztin war dieses Exemplar zwar recht menschlich, das Fließband merkte man ihr aber trotzdem an.

Tja, nun sollte meine Tochter also hüpfen. Beidbeinig und auf einem Bein. Sie wollte nicht. Da ich auch keine großen Anstalten machte, sie zu überreden - dabei wäre ich mir genauso lächerlich vorgekommen wie sie sich beim Hüpfen, ich kenn' ja meine Tochter - wurden wir also 'rausgeschickt für einen zweiten Anlauf.

Ich weiß nicht, ob die Damen sich dachten, sie gäben mir damit Gelegenheit, mein Kind beiseite zu nehmen und flüsternd mit irgendwas zu erpressen. Wir verbrachten ein paar heitere Minuten auf dem Flur, wärend derer mir kein Kniff einfiel, mein Kind zu überzeugen. Ich probierte auch nicht herum, je mehr ich auf sie einrede, desto sinnloser.

Einerseits wünsch' ich sie mir schon manchmal ein kleines bisschen konformer, dass sie bei der einen oder anderen Sache auf den Punkt funktioniert. Andererseits geht mir aber auch diese unmenschliche Massenabfertigung gegen den Strich.

Nun müssen wir nochmal hin. Zum Hüpfen.

Wenn sie nicht will, dann will sie halt' nicht. Natürlich muss sie manchmal trotzdem, schon klar. Aber wo hört die Sozialkompetenz auf und fängt die Dressur an?

Kommentare:

Sam hat gesagt…

Ich gratulier Dir zu Deiner Tochter!
Und als Elter bist Du auch eine angenehme Ausnahmeerscheinung!

Ich wundere mich oft über diese ansonsten verbreitete Ärzte- und Therapeutenhörigkeit der Eltern. Naja, passt gut ins deutsche Klischee: "alles richtig machen" und "sich ja keine Vorwürfe machen lassen müssen"- das triffts fast noch besser.

kvinna hat gesagt…

Danke für die Blumen!

"Qualitätsprodukt Kind", deutsche Wertarbeit! :)

Mich ärgert nur, dass ich nicht mehr aufbrachte als gleichgültiges Schulterzucken.

Ich hätte der Frau einen Vogel zeigen sollen, als sie sagte, dass sei doch schließlich zumutbar. Ich habe ihr nur gesagt, ob sie sich nicht komisch vorkäme, wenn sie mir jetzt "einen vorhüpfen" sollte.

Grässlich, wenn man nicht durchdringt. Diese Schulmediziner sind manchmal sowas von verstopft...

Jedenfalls bemühe ich mich, meinen Kindern die richtige Einstellung zu solchen "Autoritäten" zu vermitteln.

Sam hat gesagt…

Diese Medizinerin will den Lagesinn, das Gleichgewicht überprüfen.
Wenn sie das erklärt, gibts sicher kein Hüpfproblem. Wenns Kind nicht hüpft, gibts evtl. nen Vermerk bezüglich Sozialverhalten. Aber egal wie und was, das Kind wird bewertet, dafür ist die Dame zuständig.

Artemis hat gesagt…

Dumme Frage: gab's das schon immer?
Ich kann mich nicht erinnern, für die Einschulung vermessen und gewogen worden zu sein, hüpfen musste ich auch nicht, und ebenso nix hören - bei meinem jüngeren Bruder war das genauso.
Eine kleine "Wahlnichte" von mir ist diesen Herbst eingeschult worden, und mir wurde nix von derlei Prozeduren berichtet...

Gewogen, geimpft und gemessen wurde dann immer nur während des Schuljahres; die Schüler durften in kleinen Grüppchen den Unterricht verlassen und zum Schularzt spazieren - meiner Meinung nach pädagogisch sehr schlau eingefädelt :D

kvinna hat gesagt…

@Artemis: na, dann ist das in Österreich wohl anders geregelt. :)Bei uns gibt's 9 Vorsorgeuntersuchungen von der Geburt bis zum Vorschulalter, deren Ergebnisse von der Kinderärztin unseres Vertrauens im dem Kind gehörenden Heft protokolliert werden.

Allerdings sind diese "U's", wie sie landläufig genannt werden, ebensowenig gesetzlich vorgeschrieben wie die Impfungen. Daher müssen U-Heft und Impfpass zur amtlichen Einschulungsuntersuchung mitgebracht werden.

@Sam: mir ist schon klar, WARUM mein Kind hüpfen sollte. Und ich ich weiß auch, dass auf dem Weg dieser amtlichen Untersuchung Defizite erkannt werden sollen, da es Eltern gibt, die sich um sowas gar nicht kümmern.

Dummerweise habe ICH meiner Tochter das WARUM nicht so richtig erklärt, halt' nur, dass es Kinder gibt, die das nicht können und die Frau Doktor das wissen muss.

Ich hätte mir von der Dame halt' ein wenig mehr Menschenkenntnis gewünscht.

Aber, bitte, wie aussagekräftig sind denn diese 15 Minuten?

Ausserdem wird inzwischen im Kindergarten ausführlich Buch geführt über die kindliche Entwicklung, das U-Heft hätte die Dame auch mal ansehen können und ein Profi sieht einem Kind beim 'reinkommen die motorischen Fähigkeiten an.

Sagt mir eine Mitmutter, die Ergotherapeutin für Kinder ist, sagt unsere Kinderärztin, die im übrigen laut gelacht hat, als ich von dem Erlebnis erzählte.

Zum einen ist das Paragraphenreiterei, zum andern weigere ich mich, mein Kind zu dressieren. Und wenn das hundertmal einen Eintrag wegen mangelndem Sozialverhalten gibt.

Dazu bin ich selbst zu wenig autoritätsgläubig.

Mich gruselt's einfach, wenn ich mir vorstelle, ich sollte meine Kinder zu braven Ja-Sagern erziehen.