Mittwoch, Januar 24, 2007

Verkäufer

Als braves Mädchen hatte ich lange ein Problem damit, Türen vor Nasen zuzuschlagen oder Telefonverbindungen kommentarlos zu unterbrechen. Das hat mich schon manche ungeduldige Minute gekostet, in der Informationen in mein Ohr geflößt wurden, um die ich gar nicht gebeten hatte. Und dann auch noch Skrupel, wenn ich den Antrag abschlägig bescheide.

Kommt dazu, dass ich selbst Schulungen mitgemacht habe, wie man mit Kunden umgeht, damit sie erwartungsgemäß funktionieren. Das befähigt mich, herauszuhören, wie versiert, skrupellos oder beschämt die auf mich losgelassene Person ist - anhand des Werkzeugs, dessen sie sich bedient.

Manchmal tun sie mir einfach leid, besonders die Drücker und die Lotterietelefonierer. Weil ich merke, wenn sie sich total unbehaglich fühlen.

Inzwischen bin ich aber in der Lage, sie freundlich abzuwürgen.

Umso überraschter war ich heute morgen, als ich einen Anruf von einer regionalen Tageszeitung bekam bezüglich "meiner Zufriedenheit mit dem Format und meiner Bereitschaft zum Abonnement" nach einer Woche kostenlosem Probelesen: gerade legte ich mir freundliche Ablehnung zurecht, als die Dame sagte "Wahrscheinlich wollen Sie nicht abonnieren?".

"Pfffft....." machte der in meinem Innern entweichende Dampf unhörbar und ich sagte:

"Richtig!"

Kommentare:

Sam hat gesagt…

Ja, mir tun die Verkaufen-MüsserInnen auch immer leid. Bloss, wenn die mein "NEIN" einfach nicht glauben akzeptieren zu müssen, lege ich auf.
Bei automatischen Anrufen leg ich einfach den Hörer hin, bis der Spuk vorbei ist. Damit denen diese Belästigung wenigstens was kostet - mich ärgern solche Aufdringlichkeiten nämlich tierisch.

Bei Drückern, diesen wirklich armen Hunden, mach ich es anders. Denen nehme ich ein paar Abos ab, kündige diese aber nach ein paar Tagen per Einschreiben. Ich informier die Drücker auch drüber, was und warum ich das so mache (BEVOR ich mir die ganzen Sprüche und "Umfragen" von ihnen anhöre) Die paar Kröten ist mir das wert.
Die Drücker kriegen dann nämlich ihre Provision/Quote, aber der Drücker-Treiber zahlt drauf dabei.
Inzwischen machen das, glaube ich, schon viele so, was diese unguten Gschäfterln für die Treiber langsam uninteressant macht.

der Gauzibauz hat gesagt…

Das ist wohl auch eine Möglichkeit.

Ich war berüchtigt als ich noch im Hochhaus wohnte,am Ende kamen sie nicht mehr zu mir.
Mich hat geärgert,dass die immer dann wenn ich das Essen auf dem Herd hatte
kamen.Hier auf dem land kommt ganz selten jemand an die Tür.Die seltenen Besucher weichen zurück wenn ich meinen ungewaschenen,ungekämmten Kopf aus dem oberen Fenster strecke,den Rest gibt ihnen dann noch die Katze die meinen Rücken als Bock benutzt und
mit Karacho über mich weg springt.

Den Vogel hab ich mal abgeschossen als wir noch Schlangen hatten.
Wir wohnten im 3.Stock,es klingelt ich mach auf,Typ von der GEZ kommt in die Küche und - wird kreidebleich weil die Mokkassinschlangen sich im Glaskasten auf der Elektroheizung
räkeln.Der dachte ich hätte ihn absichtlich erschreckt,ich selber hatte mir garnichts dabei gedacht.

Jetzt belästigt einen nur noch das Telefon,es scheint aussichtslos zu sein.
Grüsse

kvinna hat gesagt…

Wo du grad' schreibst, auf dem Land - hier bei uns kommen ungefähr einmal im Jahr die Zeuginnen Jehovas vorbei. Mein Mann macht sich immer einen Spaß daraus, sie mit seinen Bibelkenntnissen in Grund und Boden zu diskutieren :) ich hab' dafür meistens keine Zeit.

Das ist ja eigentlich auch das Nervigste, dass einem die Zeit gestohlen wird.