Dienstag, Februar 13, 2007

Wut!!!

"Alte Xanthippe!", "Furie!", "Zicke!" - das hört frau sich landläufig an, wenn ihr der Kragen platzt. Ein wütender Mann dagegen scheint etwas zu sein, das - zwar oft augenzwinkernde - aber eben doch Ehr-Furcht auslöst. Mir fällt jedenfalls spontan kein männliches Äquivalent zu den weiblichen Titulierungen ein, dass ähnlich abfällig und ärgerlich klänge.

Der wütende Mann flößt Respekt ein, die erboste Frau ist hässlich.

Ich habe es mühsam gelernt, mir Luft zu machen und für mich oder meine Kinder einzutreten, wenn mir etwas stinkt. Ich denke, die Kinder gaben den Ausschlag, denn sonst hätte ich vielleicht nie meine Ängste überwunden. Mut und Wut klingen nicht nur ähnlich, sie haben auch viel miteinander zu tun.

Was mich zur Zeit fuchst, beschäftigt bedrängt, ist die Tatsache, dass es mir einfach noch nicht immer und überall gelingt, den Mund aufzumachen, zu protestieren und herumzubrüllen. Dass ich mich noch immer einschüchtern lasse. Oder sogar reflexartig von vornherein meine Meinung herunterschlucke.

Ich weiß, dass das ein Kindheitstrauma ist, ich weiß genau, woher das kommt, aber es klebt noch an mir und hindert mich oft genug daran, das brave Mädchen zum Teufel zu jagen.

Ich will das loswerden, mich nicht in Vergangenem wälzen. Und das geht nicht auf Knopfdruck und auch nicht meditativ. Schön wär's.

Konfrontation?

Kommentare:

Stephanie hat gesagt…

Wie wäre es damit: die bewusste und gestrenge Mutter tobt und wütete nicht, sondern sagt mit klaren oder scharfen Worten, was sie von einer Situation hält, weist Übergriffe in die Schranken und zeigt souverän, wo es ihrer Meinung nach lang zu gehen hat.
Ich denke, dass frau das vielleicht hier und da vorher üben muss (ich musste das auch, bezw. muss es gelegentlich immer noch). Das schüttelt frau nicht einfach aus dem Handgelenk. Und es setzt auch voraus, dass ich weiß, was ich will und nicht mehr hinzunehmen gedenke.
Als meine Schulkinder klein waren habe ich mit diesem Konzept mühsam angefangen. Und auch heute noch stehe ich manchmal fassungslos vor ignorantem Verhalten oder scheinbar unüberwindbar Dummheit so mancher Erwachsener.
Ich glaube es geht nicht darum vom „Braven“ zum „Bösen“ Mädchen zu werden, sondern eine kompetente Mutter zu sein. Auch deine Mädchenzeit, liebe Kvinna ist vorbei!
beste Grüße, Stephanie

Stephanie hat gesagt…

PS. eine Mutter ist nämlich nicht nur zum Erziehen (hinter verschlossenen Türen) der eigenen Kinder da.
Mütter trugen und tragen schon immer Verantwortung für alles Leben und sollten ihre mütterliche Kompetenz auch wahrnehmen.

Sam hat gesagt…

Wenn Deine Wut erstmal eine echte ist
ists Dir wurscht, ob hässlich bist dabei, ob Du etwas bezweckst damit, (Respekt kriegen oder (Ehr-)Furcht auslösen oder was auch immer)
und Du fragst auch nicht danach.

Warst Du also überhaupt schon mal richtig wütend?

JEDES gewachsene, empfundene Gefühl das Du ins Leben lässt, also LEBST, hat Wirkung. Auf Dich und Dein Umfeld. Jedes unterdrückte, zugerichtete, geformte gedachte Empfinden- also die Farce davon - auch.

kvinna hat gesagt…

Es geht nicht um Wut AUF meine Kinder. Es geht um Wut im Allgemeinen und um Wut FÜR meine Kinder.

Auf der Wöchnerinnen-Station bin ich zur Furie geworden, als mir klar wurde, WAS der GUTHRIE-Test für mein Kind bedeutet und dass man ihn, UM MICH NICHT AUFZUREGEN, ohne mich an meinem Kind durchgeführt hatte.

Das war das erste Mal, dass ich Wut für meine Kinder eingesetzt habe und gerade den Weißkitteln gegenüber musste ich das dann noch öfter tun.

Das war bei mir der erste Auslöser, überhaupt wegen IRGENDETWAS in die Offensive zu gehen, für mich oder meine Brut einzutreten.

Doch, ich kenne Wut. Es braucht eine Zeit, bis ich wirklich wütend bin und noch länger, bis sie so groß ist, dass ich nicht mehr imstande bin, sie zu zügeln. Hinterher fühlt es sich an wie Sonnenbrand.

Bei meinen Kindern muss ich mich einfach zügeln, schon deshalb, weil ich ja von ihnen verlange, sich mit Worten zu einigen anstatt sich gegenseitig zu verhauen.

Ich bin mit zwanzig Jahren sehr gewaltsam zu Hause ausgezogen, weil ich an meine Grenzen gestoßen war: meine Mutter hatte mich endlich so wütend gemacht, dass ich buchstäblich rot gesehen habe und bis heute nicht sicher bin, welche Kraft mich davon abgehalten hat, mit dem Messer auf sie loszugehen.

Das war mit Sicherheit die größte Wut, die ich je gefühlt habe.

Mich hält auch nicht meine Hässlichkeit vom Wutausbruch zurück, sondern die Angst vor den Folgen: als ca. Acht- oder Neunjährige habe ich nach einem Streit mit meiner Mutter (sic! Schon wieder!) aus Wut einen Stuhl umgeworfen, ich weiß noch, dass sie wutentbrannt ins Zimmer zurückstürzte und ich davor und vor ihrem Ausdruck erschrak, den Rest habe ich verdrängt, sie muß mich furchtbar verhauen haben.

Wahrscheinlich ist dass der Schlüssel für mein heutiges Verhalten und ihr dürft mir gern vorwerfen, dass ich mich hier therapiere.

Ich muss das aushebeln.

Das Belächeln und die Verärgerung über weibliche Wutausbrüche ist nur so eine Sache, die ich nebenher in meiner Umwelt warnehme, wo ich mich und euch frage: wie kommt das eigentlich?

Für mich jedenfalls ist das der kleinere Grund.

Sam hat gesagt…

Für mich las sich das wie der grössere Grund...

Sam mit Brille
und grad wenig Zeit

Corriendo Mundo hat gesagt…

Belächeln von weiblicher Wut? Das kenne ich so nicht.
Aber ich kenne eisige Verachtung, Ignoranz, offenen Krieg, uralte jahrtausendealte Totschläger-Methoden, denn ich arbeite in einem Beruf, in dem Konfrontation nicht selten ist, ob mit einem von den ca. 96 % Kollegen oder anderen Autofahrern.

Bevor ich zu einem Kollegen gehe, um mit ihm "was zu klären", überlege ich mir inzwischen kurz, ob es mir das wert ist und ich gerade zu solch einem Affentanz aufgelegt bin oder ob es meine Tagesform übersteigt.
Du mußt nämlich richtig dagegenhalten, einknicken ist nicht, und das erfordert Energie. Und Mut. Mut, ein richtiges Arschloch zu sein - bzw. dafür gehalten zu werden.

Besonders bei den Muselmanen-Kollegen ist das eine Gratwanderung, weil bei denen noch ganz andere Programmierungen ablaufen, von wegen "Gesichtsverlust" und so. Und dann noch "Gesichtsverlust gegenüber einer Frau - vor Kollegen."
Für die ist eine große Schande, was für unsereins gerade mal ein Schulterzucken wert ist. Und da schlägt mir dann wirklich eiskalte pure Verachtung entgegen - brrrr. Aber manchmal muß das eben sein.
In der Regel schaltet sich dann irgendwann ein muselmanischer Mittelsmann ein, der dann total freundlich zu mir ist und dafür sorgt, daß der Kollege nicht noch mehr Gesicht verliert.
"Du darfst mich gar nicht ansprechen" habe ich auch schon öfter gehört.

Kämpfe mit Männern, die voraussetzen, daß ich ihnen die Vorfahrt lassen muß, weil Frauen das nun mal so tun (und das tun sie doch auch, gell!) sind bislang glimpflich aber schon oft haarscharf vor sich gegangen. Die Angreifer in der Blechkiste, die mir fast in die Seite fahren (während ich durch die inzwischen geöffnete Beifahrerscheibe rufe, ob sie mir vielleicht im Beisein meines Fahrgastes mutwillig in die Seite fahren wollen!), sind in der Regel sehr verwirrt, auf soviel Sturheit bei einer FahrerIn zu stoßen und haben mich daraufhin schon oft übelst beschimpft, obwohl sie klar im Unrecht waren. Die bei solchen Positionierungen anwesenden Fahrgäste haben sich auch meistens sehr über deren Unverschämtheit und solcherlei klares GEBIETERGEBAREN gewundert.

Ich sehe inzwischen auch zu, daß ich möglichst "kräftesparend ausraste", wenn es denn mal wieder soweit ist. Manchmal ist es auch nur äußerlich und innerlich bleibe ich völlig unbewegt, gleichzeitig erstaunt darüber, wie laut ich gerade schreie.
Es ist eine sehr spannungs-reiche Untersuchung, soviel steht fest.
Übung macht die Meisterin - Fehler passieren immer wieder - und mit der Zeit werde sogar ich mit meinem etwas aufschäumenden weil sehr schnellem und daher ungeduldigem Naturell gelassener.

Männer hassen es jedenfalls wie die Pest, wenn eine Frau sie offen
konfrontiert.

Und: Sie haben ungeheuer viele subtilen Kommunikationsspielchen untereinander, mit denen sie ihre Reviere abstecken, und die auch klar sind für alle Beteiligten.
Aber als Frau darfst du nicht ins Terrain eindringen, dann schlagen sie um sich und strafen ab - z.B. mit Verachtung und Geringschätzung.

Lohnen tut sich das ganze Kämpfen auf der Straße nicht wirklich, aber es ist eine Erfahrung, die ich mache. Eine Art Schulung/Übung für mich selbst gegen die vielen subtilen Totschläger, für die ich ein feines Gespür habe. Und die mir zugenüge bekannt sind.
Auch das mich-schlecht-fühlen nach so einer blödsinnigen Konfrontation gehört dazu.
Freude am Gewinnen kenne ich dabei eher nicht - da gibt es wirklich schönere Freuden !!! Aber wat mut, dat mut.

Labbatú y ElCuervoPeacemaker

kvinna hat gesagt…

Lächerlich gemacht zu werden, weil ich berechtigten Ärger herauslasse, das kenne ich sehr gut. Das war in meinem Elternhaus mein täglich Brot: "Was ist denn mit dir los? Haben wir zunehmenden Mond?" oder, noch besser, ab der Pubertät:"Hast du die Hormone durcheinander?".

Auf der Straße herrschen die Instinkte, Urtriebe. Das ist der Dschungel. Auf jeden Fall :). Glücklicher Weise hatte ich da noch nie Konflikte mit orientalischen Zeitgenossen, Labbatú, darum beneide ich dich nicht.

Auf anderem Gebiet hat mich dieser morgenländische Männerstolz schon mal rasend gemacht, da war ich allerdings nur indirekt beteiligt. Brrr!

Ja, inzwischen überlege ich mir auch, ob mir etwas den Ärger wert ist. Der Unterschied zu früher ist aber, dass ich, wenn ich mich dagegen entscheide, auch die eigentliche Angelegenheit abschüttele, statt ewig noch mit mir zu hadern und mich zu ärgern.

Ja,es erfordert Durchhaltevermögen, auf sachlichem Wege zum Ziel zu kommen, keine Frage. Die Kinder sind meine täglichen Sparringspartner - wobei ich da noch höllisch aufpassen muss, nicht in eine Diskussion um des Diskutierens Willen hineingezogen zu werden, aber das ist eine andere Baustelle. :)

Zur Zeit ist es so, dass ich meine eigene Wut konstruktiv einzusetzen lernen muss - das geht! - und gleichzeitig meinen Kindern das richtige mit auf den Weg gebe: "Du darfst wütend sein! Es ist dein gutes Recht! Nur musst du so damit umgehen, dass du weder dir noch deiner Umgebung Schaden zufügst!"

Ich finde, es gibt ein Recht auf Wut. Aber anscheinend wird das einhellig verleugnet.

Sam hat gesagt…

Da kannst Du zu Deinen Kindern gleich sagen: Ihr dürft Euch ärgern (und ich wette, das täten sie auch ohne Deine Erlaubnis)
Ärgern und Wut sind zwei paar Stiefel. Ärger oder Wut rauslassen dementsprechend auch.

Ich kenns, dass weibliche "Wut" belächelt wird, wenn sie 1. inszeniert wird ("Drama-Queen") 2. Ausdruck von Ärger ist ("Was will DIE denn?")

>>Nur musst du so damit (mit Wut) umgehen, dass du weder dir noch deiner Umgebung Schaden zufügst!"<<

Was soll ein Kind denn mit sowas anfangen? Das ist Psychotherapeutenschmarrn für Erwachsene, die nicht mehr spüren, was sie empfinden. Die in der Therapiestunde Kissen verprügeln und sich dabei nicht blöd vorkommen.

Kinder wissen, dass sie weder das ungeliebte Schwesterlein aus dem Fenster schmeissen dürfen noch dem Nachbarsjungen den Bagger auf den Kopf hauen - oder sagen wir - sie lernen das spätestens aus dem Ergebnis ihrer Handlungen. Mehr müssen sie auch nicht wissen.

Daran, dass Du es mit Wut zu tun hast, merkst Du, dass Dir keine Lächerlichkeit entgegenschlägt, sondern, wie auch Labbatú schon schreibt: eisige Abwehr, ich sag noch: Zurückweichen, Furcht.

Das kannst Du übrigens auch bei Kindern beobachten. Ein wirklich wütendes Kind, egal wie klein, wird NIEMALS belächelt, eher schon verprügelt, weil es die Verdränger der eigenen Wut so nervt in seiner Klarheit des Ausdrucks.

Dein "Recht auf Wut" hast Du dann verwirklicht, wenn Du sie nicht mehr hinterfragst bezüglich Umgang damit, Reaktion der Umgebung, Sinn, Nutzen etc. Machst ja mit Freude oder Trauer auch nicht. (Obwohl: Trauer ist ja auch ein Tabu, an der wird folgerichtig genauso rumgebogen wie an der Wut.)

Wenn Du Deine Wut lebst, trauen sich Deine Kinder das auch.

kvinna hat gesagt…

Auch die wahre Wut wird verniedlicht! Das spüre ich aus der erstickenden, lebensbedrohlichen Verzweiflung, an die ich mich erinnere. Wäre ich nicht wirklich wütend gewesen, hätte mich das Lächeln nur geärgert und nicht tief getroffen.

Mir wurde suggeriert, ich dürfe keine Wut empfinden.

Und meinen Kindern halte ich auch keine abgehobenen Vorträge. Ich sage nur klar: "Du darfst sauer sein, du hast recht! Aber deshalb deine Schwester zu treten, ist nicht in Ordnung!"

Ist das falsch? Und ich renne, laufe aus dem Haus, um keinen Schaden anzurichten, um niemand zu verhauen. Schütze mich vor mir selber.

Ärger oder Wut?

Ich erinnere mich an einen Wutausbruch von mir, bei dem mein Mann, na ja, zumindest unsicher und sehr still geworden ist, ja, doch, den Kopf eingezogen hat.

Da ich aber zivilisiert bin, darf mir doch gar nicht egal sein, wie die Folgen sind. Und ich rede hier nicht von eingeschlagenen Glastüren.

Sonst müsste ich morden.