Samstag, März 03, 2007

Für Gabriela

Die traurige Traurigkeit (Märchen)
Es war eine kleine Frau, die den staubigen Feldweg entlang kam. Sie war wohl schon recht alt, doch ihr Gang war leicht, und ihr Lächeln hatte den frischen Glanz eines unbekümmerten Mädchens. Bei der zusammengekauerten Gestalt blieb sie stehen und sah hinunter. Sie konnte nicht viel erkennen. Das Wesen, das da im Staub des Weges saß, schien fast körperlos. Es erinnerte an eine graue Flanelldecke mit menschlichen Konturen. Die kleine Frau bückte sich ein wenig und fragte: "Wer bist du?" Zwei fast leblose Augen blickten müde auf. "Ich? Ich bin die Traurigkeit", flüsterte die Stimme stockend und so leise, dass sie kaum zu hören war. "Ach die Traurigkeit!" rief die kleine Frau erfreut aus, als würde sie eine alte Bekannte begrüßen. "Du kennst mich?" fragte die Traurigkeit misstrauisch. "Natürlich kenne ich dich! Immer wieder einmal hast du mich ein Stück des Weges begleitet." "Ja aber...", argwöhnte die Traurigkeit, "warum flüchtest du dann nicht vor mir? Hast du denn keine Angst?" "Warum sollte ich vor dir davonlaufen, meine Liebe? Du weißt doch selbst nur zu gut, das du jeden Flüchtigen einholst. Aber, was ich dich fragen will: Warum siehst du so mutlos aus?"Ich.....ich bin traurig", antwortete die graue Gestalt mit brüchiger Stimme. Die kleine, alte Frau setzte sich zu ihr. "Traurig bist du also", sagte sie und, nickte verständnisvoll mit dem Kopf. "Erzähl mir doch, was dich so bedrückt." Die Traurigkeit seufzte tief. Sollte ihr diesmal wirklich jemand zuhören wollen? Wie oft hatte sie sich das schon gewünscht. "Ach, weißt du", begann sie zögernd und äußerst verwundert, "es ist so, dass mich einfach niemand mag. Es ist nun mal meine Bestimmung, unter die Menschen zu gehen und für eine gewisse Zeit bei ihnen zu verweilen. Aber wenn ich zu ihnen komme, schrecken sie zurück. Sie fürchten sich vor mir und meiden mich wie die Pest." Die Traurigkeit schluckte schwer. "Sie haben Sätze erfunden, mit denen sie mich bannen wollen. Sie sagen: Papperlapapp, das Leben ist heiter. Und ihr falsches Lachen führt zu Magenkrämpfen und Atemnot. Sie sagen: Gelobt sei, was hart macht. Und dann bekommen sie Herzschmerzen. Sie sagen: Man muss sich nur zusammenreißen. Und sie spüren das Reißen in den Schultern und im Rücken. Sie sagen: Nur Schwächlinge weinen. Und die aufgestauten Tränen sprengen fast ihre Köpfe. Oder aber sie betäuben sich mit Alkohol und Drogen, damit sie mich nicht fühlen müssen." "Oh ja", bestätigte die alte Frau, "solche Menschen sind mir schon oft begegnet." Die Traurigkeit sank noch ein wenig mehr in sich zusammen. "Und dabei will ich den Menschen doch nur helfen.Wenn ich ganz nah bei ihnen bin, können sie sich selbst begegnen. Ich helfe ihnen, ein Nest zu bauen, um ihre Wunden zu pflegen. Wer traurig ist hat eine besonders dünne Haut. Manches Leid bricht wieder auf wie eine schlecht verheilte Wunde, und das tut sehr weh. Aber nur, wer die Trauer zulässt und all die ungeweinten Tränen weint, kann seine Wunden wirklich heilen. Doch die Menschen wollen gar nicht, dass ich ihnen dabei helfe. Statt dessen schminken sie sich ein grelles Lachen über ihre Narben. Oder sie legen sich einen dicken Panzer aus Bitterkeit zu." Die Traurigkeit schwieg. Ihr Weinen war erst schwach, dann stärker und schließlich ganz verzweifelt. Die kleine, alte Frau nahm die zusammengesunkene Gestalt tröstend in ihre Arme. Wie weich und sanft sie sich anfühlt, dachte sie und streichelte zärtlich das zitternde Bündel. "Weine nur, Traurigkeit", flüsterte sie liebevoll, "ruh dich aus, damit du wieder Kraft sammeln kannst. Du sollst von nun an nicht mehr alleine wandern. Ich werde dich begleiten, damit die Mutlosigkeit nicht noch mehr an Macht gewinnt." Die Traurigkeit hörte auf zu weinen. Sie richtete sich auf und betrachtete erstaunt ihre neue Gefährtin: "Aber... aber - wer bist eigentlich du?" "Ich?" sagte die kleine, alte Frau schmunzelnd, und dann lächelte sie wieder so unbekümmert wie ein kleines Mädchen. "Ich bin die Hoffnung"

Kommentare:

Ursel hat gesagt…

Hallo Kvinna !

Ist das Märchen nicht von einem Johannes ?? Mir fällt der Nachname nicht mehr ein..

LG Ursel

Ursel hat gesagt…

Körner, Heinz Körner, aber der hat ein Märchen namens "Johannes" geschrieben...

Fein, dass Du die Spirale, wie auch immer, wieder los bist.

Wir haben noch bis Mai Zeit zu überlegen, was wir machen.

Und tendentiell fände ich es auch mal wieder schön ohne (nach 9 Jahren schwanger, Spirale, schwanger, Spirale)..

Du machst mir ja richtig Lust, auf das Teil zu verzichten :))

LG Ursel

kvinna hat gesagt…

Hm, also das Märchen fand ich ohne Autorenangabe auf einer Website für verwaiste Eltern. Ich habe nach Worten gesucht und keine eigenen gefunden.

Aber was Gabriela so schreibt, scheint sie, na ja, damit umgehen zu können.

Was die Spirale angeht, so habe ich meinem Mann vor ungefähr einem Jahr eine einfache Rechnung aufgemacht: fast vierzehn Jahre Beziehung, davon vier Jahre der Östrogenhammer Diane 35 für mich, drei Schwangerschaften, davon ein Notkaiserschnitt und drei Stillzeiten, anschließend 5 Jahre Gestagen im Bauch, (keine Menstruation, wie auch immer frau dazu stehen mag: gegen Ende war mir das suspekt).

Ob denn vielleicht auch mal sein Körper mittels Vasektomie zur Familienplanung beitragen könnte?

Und ja, ich bin ihm dankbar, dass er diesen Schritt für uns getan hat. Es lief auch völlig unkompliziert und nun ist mein Körper frei.

Das hat schon was...

Langsam frage ich mich ernsthaft, ob frau unter wie auch immer geartetem Hormoneinfluss :) überhaupt sie selbst sein kann.

Sam hat gesagt…

Klar!
Diese wie auch immer gearteten Hormoneinflüsse gehören zu uns, machen "uns" mit aus!
He, was wär das Leben ohne Kurven, Berge und Täler!

Ursel hat gesagt…

Ja, Sam,

aber ich hab' dann doch lieber meine iegenen und keine künstlichen Hormone !!

Ich habe auch nur ne Kupferspirale

Ursel