Dienstag, April 24, 2007

Bauch!

"Du siehst aus wie eine schwangere Jungfrau!" beliebte meine Mutter zu scherzen, als ich noch in der Grundschule war. Später regte sie sich dann am Strand alljährlich darüber auf, dass ich mich nie im Bikini zeigte und meinen Bauch wo es nur ging in weiten T-Shirts verbarg. Gleichzeitig stichelte sie permanent an meiner Form herum.

Mein Vater schwieg dazu. Sein Bauch ist ungeheuerlich und der Rest von ihm eigentlich schlank. Ist das erblich? Ist es im Kopf oder im Organismus? Solche Fragen beschäftigen mich.

Mit Anfang zwanzig wog ich 57 kg bei 1,78 m Körperhöhe und hatte einen Schmerbauch. Zumindest habe ich das so empfunden. Ich mochte das nicht. Hatte nie wirklich ein Körpergefühl, als würde meine Seele ihn nicht ganz ausfüllen, den Körper.

In meinem 27. Lebensjahr wurde ich dann zum ersten Mal schwanger und plötzlich konnte der Bauch gar nicht groß genug sein. Meine Mutter gab damit an.

Und ich fand meinen Körper in einem Kurs für Schwangerschaftsgymnastik. Plötzlich war der Körper etwas nicht nur widerwillig akzeptiertes, sondern jemand, mit dem man kommunizieren konnte.

Die Geburt unseres ersten Sohnes wurde dennoch ein Unfall. Der Bezug zu meinem Bauch fehlte, würde ich heute mal sagen. Ich wollte nicht loslassen, es kam zum Kaiserschnitt nach vergeblichen Presswehen, mein Kind wurde regelrecht zurück in den Bauch geschoben und dann aus mir herausgeschnitten.

Tagelang fühlte ich mich wie vom Bus überfahren, hatte Angst, mit meinem Kind allein zu sein und der Bauch war sozusagen eine No-go-Area. Ausgeblendet. Und mein Sohn hasste die Welt!

Ich hatte keine Versagensgefühle, aber etwas war falsch gelaufen und das nagte an mir, auch ohne, dass ich mich schuldig fühlte.

Etwas mit meinem Körper war unaufhaltsam in Gang gekommen. Ich begann, ihn zu begreifen, ihn kennenzulernen. Die beiden anderen Geburten ersparten mir den stationären Aufenthalt im Krankenhaus, mein Körper und ich, wir wurden eine Einheit und brachten die Kinder gemeinsam auf die Welt.

Die Kaiserschnittnarbe freilich, die ist ein eigenes Kapitel. Ich hadere bis heute damit. Kosmetisch okay, liegt das Problem eher in den Schichten darunter. Es ist einfach alles zusammengewachsen, alles miteinander, statt jedes für sich. Und der Bauch wallt darüber. Als sei da eine Barierre. Seit der zweiten und dritten Schwangerschaft habe ich gelegentlich Ischiasbeschwerden, die besser werden, wenn ich mich bewege. Eine Osteopathin hat mir erklärt, dass die Schmerzen durchaus von der Narbenspannung herrühren können, weil ja alles zusammengewachsen ist und aneinander zieht.

Gelegentlich werde ich gefragt, ob ich wieder schwanger bin. Ich trage BH's, damit mein Bauch nicht weiter aus meiner Silouette ragt als meine Brüste. Nach der letzten Geburt war der Bauch schon mal flacher als er jetzt ist.

Doch, ich treibe Sport. Gerne auch. Mein Körper freut sich, wenn er sich spürt. Schließlich ist er ein Säugetier, das bewegt werden will. Und braucht dann auch weniger Schokoladentrost.

Mein Körper ist nicht mehr mein Feind - wie damals beim Schulsport - aber mein Bauch ist noch nicht mein Freund.

So! Nachdem ich heute früh bei Artemis gelesen habe, musste ich mich mal ausschütten.

P.S.: Den Rest von meiner physischen Erscheinung mag ich sehr!

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