Mittwoch, April 18, 2007

Menschen und andere Säugetiere...

Das seltsame sexuelle Gebaren in gleichgeschlechtlichen Zwangsgemeinschaften von Nutztieren hat mich schon als Teenie gewundert.

Ab der Geschlechtsreife hat mein Opa die männlichen Kaninchen herausgesucht und zusammen in einen Stall getan, ab einem gewissen Alter unter freiem Himmel. Nun, eine KaninchenHERDE ist ja so schon keine natürliche Konstellation und wenn sie dazu noch nur aus jungen Rammlern besteht, schon gar nicht.

Jetzt leuchtete mir damals schon ein, dass so ein Männchen dann irgendwann mal "aufspringt", aus seinem natürlichen Sexualtrieb heraus. Nur, wie kommt der Besprungene dazu, sich - wenn auch nur kurz - wie ein Weibchen zu verhalten?

Zur Zeit beobachte ich solches auch bei meinen direkten Nachbarinnen, den Milchkühen. Da ist also eine weibliche Kuh willig, besprungen zu werden und eine ihrer Freundinnen tut ihr den Gefallen. So gut sie kann.

Und diese Tiere sind ja nun noch viel weiter von ihrer Natur entfernt als die Schlachtkaninchen meines Opas: der hat nämlich seinen Häsinnen durchaus auf konservativem Weg befruchten lassen, während die Kühe hier noch nie einen Stier gesehen haben.

Regelmäßig ist der Besamer auf dem Hof, weil ja nun mal jede von diesen 28 Milchkühen einmal im Jahr ein Kälbchen haben muss (das ihr sofort nach der Geburt weggenommen wird, aber das ist ein anderes Kapitel!), damit die Milchleistung konstant bleibt.

Hm, jetzt habe ich weit ausgeholt, aber ich war immer der Meinung, dass die widernatürliche Lebensweise dieser Geschöpfe keine hinreichende Erklärung dafür ist, dass Männchen sich wie Weibchen verhalten und umgekehrt.

Und gestern, als ich eine Kuh sah, deren Hinterteil obenauf schon wund war von den vielen fruchtlosen Aufspringversuchen ihrer Kollegin kam mir der Gedanke, dass es schlicht um Gespür geht.

Ein Verhaltensforscher würde jetzt wahrscheinlich eine Versuchsreihe starten, um den einzelnen Aspekten auf die Spur zu kommen und sie zu BEWEISEN. Irgendein FUNKTIONIEREN daraus zu machen.

Ich drücke das lieber volkstümlich aus: Das eine Tier fühlt beim andern das Bedürfnis so stark, dass es nicht nur helfen will, sondern auch weiß, welche Handlung in die richtige Richtung geht.

Ist das nun Verzweiflung oder Barmherzigkeit?

Das bringt mich jetzt auf die menschliche Redensart:"Dazu gehören Zwei!" Einer, der ein Bedürfnis hat und einer, der es erfüllt. Es lässt sich auf beliebige menschliche Interaktionen übertragen. Positive und negative Bedürfnisse. Und hängt auch immer davon ab, wie stark die Intentionen beider Parteien sind.

Und wie gut das Gespür füreinander ist...

Kommentare:

der Gauzibauz hat gesagt…

WO IST DEIN BILD?

kvinna hat gesagt…

Herrje! Im März ganz unten.

Anonym hat gesagt…

hallo, kvinna, bin gerade in deinen blog gestolpert.
Du wunderst dich, warum kühe einander bespringen und führst es auf die unnatürliche haltung zurück.
Ich habe über 20 jahre einen bauernhof gehabt, auch mit kühen, das ist normal, dass sie, wenn sie brünftig sind, gewissermaßen in der hitze des gefechts aufreiten.
sie sind dann auch generell ziemlich aufgeregt und "wibbelig"
Grüße,doris

Anonym hat gesagt…

Sogar unsere Ziegen tun das manchmal obwohl sie nicht in Hitze sind, dann schreien sie nach dem bock.Vielleicht ist das alles auch gar nicht so tiefgründig und sie freuen sich ihres Lebens.
Gauzi

kvinna hat gesagt…

Ja, ne, das die Tiere brünftig werden, is' normal und logisch. Aber wieso wechselt eins die Rolle?

In der freien Wildbahn würde das brünftige Tier ja vom jeweils andern Geschlecht sein Bedürfnis befriedigt bekommen.

Hier ist das aber so, wie wenn zwei Frauen miteinander tanzen, eine eben den "Herrn" mimt, obwohl sie naturgemäß den Part der "Dame" hätte.

der Gauzibauz hat gesagt…

Was beim Mensch geht, geht auch bei den Tieren ;)