Samstag, April 07, 2007

Starke Männer braucht die Frau??

Mir geht was im Kopf 'rum und lässt mir keine Ruhe. Um zum Punkt zu kommen, muss ich ein wenig ausholen. Aber vielleicht hilft das ja auch mir, die Angelegenheit klarer zu sehen.

In meinem Umfeld, bei meinen Altersgenossen, wimmelt es zur Zeit von scheiternden Beziehungen und viele Neuigkeiten beginnen mit:"Weißt du schon, wer jetzt vor die Tür gesetzt wurde / ausgezogen ist / sich getrennt hat / wieder eingezogen ist?" Teilweise ist es echt erschütternd, weil es oft diejenigen betrifft von denen man das niiieee.... aber man kann den Menschen ja nur vor den Kopf sehen!

Manchmal kommt's mir vor wie eine Art irrsinniges "Bäumchen, wechsel' dich!". Womit ich nicht gewertet haben möchte. Eher graust's mich, weil's mein Weltbild erschüttert.

Nun ist da eine, die alleinerziehend ist und deren Ex-Mann keinen Unterhalt zahlt, weil er sich für pleite erklärt hat und somit den Staat löhnen lässt. Er könnte aber in Wahrheit sehr wohl für seine Kinder aufkommen. Sie ist ihm um jeden Euro hinterhergerannt, sie hat's halt' nicht so dick.

Für mich sieht das so aus: sie hat es sich gefallen lassen und er hat sein geknicktes Ego - SIE hat IHN verlassen - immer wieder daran aufgerichtet, dass sie quasi als Bittstellerin kam, wenn's um Geld ging. Besonders viel gezahlt hat er aber trotzdem nicht.

So. Nun hat sie sich neu verliebt und dieser Mann zahlt bereits für SEINE zwei Kinder aus SEINER geschiedenen Ehe und wenn die beiden ihre Liebe amtlich machen, soll er auch noch für IHRE beiden Kinder zahlen, denn der Staat zieht sich dann gerne zurück.

Das ihm das stinkt, ist natürlich klar. Und logischerweise fühlt sie sich damit auch nicht gut.

Jetzt wollen sie ihrem Ex-Mann endlich richtig auf die Pelle rücken.

Was mir daran so zu schaffen macht: die Frau ist nicht auf den Kopf gefallen und hat für jedes Problem nach der Trennung eine Lösung gefunden, aber den Dreck, den ihr der Geschiedene zu schlucken gab, hat sie hingenommen, ob nun wegen der Kinder oder nicht, sie hat ihm das durchgehen lassen mit dem Geld.

Musste da wirklich erst ein "starker Mann" in ihr Leben treten und sie coachen, damit sie sich das nicht länger gefallen lässt? Auch in anderen Lebensbereichen hat sie offensichtlich einen Mann gebraucht, der ihr mal sagt, was sie sich alles nicht gefallen lassen sollte. Das ist jetzt ziemlich zynisch, aber mir lässt das keine Ruhe.

Es geht mir auch nicht um die Geschichte selbst. Es ist nur ein ziemlich gutes Beispiel für meine dunkle Ahnung, dass ich selbst in der Weibchen-Falle sitze. Denn bei ihrem "Sich-gefallen-lassen" sehe ich Parallelen zu meinem eigenen Leben.

Oder ist in Wahrheit alles viel komplizierter?

Kommentare:

Sam hat gesagt…

Ja, das bestätigt auch meine -inzwischen abgeschlossene- Theorie, dass frau (ich mein Frau Durchschnitt) ohne Männercoaching nicht klarkommt, egal in welcher Hinsicht.
Und bildet meiner Ansicht nach die Basis für den Feminismus, wie jeder -ismus sich auf Vorstellungen stützt, die etwas unterbinden sollen was schmerzt.

Corriendo Mundo hat gesagt…

Ist es möglich, daß Ihr ein etwas einseitig-überhängendes Frauenbild habt und zuwenig ermunternde Beispiele in der Umgebung? Es gibt auch viele gestandene Frauen, die ihr Leben sehr gut managen und einen Mann nicht brauchen dazu.
Und übrigens gibt es auch eine Menge Männer, die ihr Leben nicht ohne gehöriges Frauen-Coaching hinbekommen.
Optimistischer als der Durchschnitt, was die "Spezies Frau" betrifft, und immer wieder überrascht von Frau ihr seiner Belastbarkeitskapazitotalität (die es zugegebenermaßen noch oft für eigene und durchweg egomanisch orientierte Zwecke zu entdecken gilt), Anuja

Sam hat gesagt…

Es geht mir nicht um ermunternde Beispiele (die es immer gibt) sondern darum, dass es ist wies ist - und ich das nicht schlimm finde, MICH schmerzt es nicht, also brauch ich keine Ermunterung.

Ich selbst hatte/habe prima Männercoaching, viele Dinge, die ich von Männern lern(t)e, lernte ich ganz einfach deswegen von Männern, da ich keine Frauen traf, die es draufgehabt hätten. (Mir wär das Geschlecht wurscht gewesen)

U.a. deshalb kann ich mich auch mit dem feministischen Gedankengut nicht anfreunden.

kvinna hat gesagt…

"...gibt es auch eine Menge Männer, die ihr Leben nicht ohne gehöriges Frauen-Coaching hinbekommen..." - ja, vielleicht ist es das.

Ein Leben, das auf Gegenseitigkeit ausgerichtet ist.

Mir kommt da grad' Yin und Yang in den Sinn.

Doch, ich hätt' mein Leben auch allein auf die Beine stellen können. Bloß, warum auch immer, Kinder kriegen zu wollen war bei mir nie eine Frage und ohne DIESEN Kerl hätte ich DIESE Kinder nicht gekriegt.

Dabei war ich keine von diesen geborenen Erzieherinnen wie all' meine Altersgenossinnen damals, als Teenie konnte ich nicht viel anfangen mit Kindern.

Also, hätte ich die Kinder nicht, wär' Eigenleben nicht wirklich ein Problem. Aber die Kinder bedingen Partnerschaft, wahrscheinlich schon.

Nicht wegen Geld und Unterhalt. Manchmal habe ich das Gefühl, dass sie mich auffressen. Das ist zuviel für eine allein. Obwohl ich sie liebe.

Ich weiß, dass es Frauen gibt, die das könnnen. Ich kann das nicht.

Na ja, und das erklärt auch ein bisschen den beschriebenen Fall: der Alltag zehrt, der Ausnahmezustand zehrt nochmehr, und dann fehlt vielleicht einfach die Kraft, auch noch den Kampf mit dem Ex konsequent zum Ende zu bringen.

Als Frau war ich ihr da keine konstruktive Hilfe. Weil's in meinem Leben ähnlich geht: für diese oder jene konsequente Auseinandersetzung fehlt mir auch einfach die Kraft.

Aber irgendwann muss ja mal der Leidensdruck groß genug sein...

kvinna hat gesagt…

Nein, eigentlich ist es nicht schlimm, dass Frauen Männer brauchen und Männer Frauen. Solange alles so rund ist wie bei Yin und Yang. Problematisch wird's bei Ungleichgewichten, sprich: Unzufriedenheiten.