Donnerstag, Mai 10, 2007

Nackt!

Hm. Anuja hat einen nackten Weihnachtsmann in ihren Blog gestellt, die Reaktionen waren unterschiedlich. Mir gefällt er zwar, aber - um Missverständnissen vorzubeugen - von der Bettkante schubsen tät' ich ihn trotzdem. :)

Doch, ich gucke mir gern nackte Männer an. Ein Schlüsselerlebnis war ein einziger Ausbüxer in den "Damenkarneval", als es im Überraschungsprogramm "Menstrip" (nee, nich' so Sonnenbankheinis, schon richtig leckere Jungs!) gab. Da lief mir das Wasser im Munde zusammen, und zum ersten Mal konnte ich FÜHLEN, warum Männer sich so gern strippende Frauen ansehen. Und mein daheimgebliebener Liebster musste es büßen, als ich nach Hause kam. Sich auswärts Appetitt zu holen und dann umso genussvoller zu Hause zu essen, das hat schon was. :) :) :)

Seltsamerweise war Nacktheit in meiner Herkunftsfamilie immer ein völlig unkompliziertes Thema. Nur die beschreibenden Worte waren verklemmt und verzwickt. Die Scheide "Muschi" zu nennen, das geht mir bis heute nicht über die Lippen. Und "Pillermann" finde ich überaus lächerlich.

Ja, wenn frau Kinder hat, muss sie sich auch mit diesen Aspekten gründlich auseinandersetzen. Und meine Kinder lernen "Scheide" und "Penis", "Hoden" und "Brüste" und ein paar Kosenamen nebenher, aber wirklich, ich finde es wichtig, die Dinge unkompliziert bei ihrem Namen zu nennen, dann ist auch das Verhältnis dazu und zu allem, was damit zusammenhängt, ein einfaches. Hoffe ich.

Ich gehe gern in die Sauna und möchte mal behaupten, ich bewege mich nackt ebenso selbstverständlich und natürlich wie in angezogenem Zustand. Schwieriger wird's, wenn ich merke, meine Umgebung hat ein Problem damit.

Heute war ich wieder beim Rudertraining und konnte im Gegensatz zu den anderen Damen, mit denen ich die Umkleide teilte, nicht widerstehen, in den See zu springen und einige Züge zu schwimmen. Ja. Nun musste ich mir das nasse Zeug von der Haut pellen. Achjottedoch! Plötzlich fühlte ich mich wieder mal außen vor:

Erstens: wie kann sie, wo es doch regnet und überhaupt, in den See springen,
Zweitens: also ich mach' das nicht, die Schminke verläuft und der Goldschmuck geht verloren und ach je, das Haarspray!
Drittens: und jetzt zieht sie sich auch noch nackt aus, huaaa, nix wie raus hier!

Glücklicherweise war da noch eine übrig, die's ebenso unkompliziert nahm wie ich. Und nächstes mal such' ich mir 'ne Einzelumkleide!!

Hm. Das ist so eine Sache. Wenn andere ein Problem damit haben, kann frau eben nicht so wie sie will.

Kommentare:

Corriendo Mundo hat gesagt…

Ich möchte doch noch mal sagen, daß es mir gar nicht um die Nacktheit des Weihnachtsmannes ging beim Post, sondern tatsächlich um den darüberstehenden Satz von Herrn Einstein bezüglich unserer Hirnfunktionen "Es ist schwieriger, eine vorgefaßte Meinung
zu zertrümmern als ein Atom".
Damit meinte ich lediglich, daß es für unser Glaubenssystem verwirrend ist, einen Weihnachtsmann am Karibikstrand im Sommer anzutreffen, noch dazu ohne roten Mantel und Mütze. Nun ist der gute Mann auf dem Foto halt nackt, hätte er eine Badehose angehabt, wäre es in Bezug auf den Spruch nicht viel anders gewesen.
Mich hat es eher erstaunt, daß der Fokus der Kommentare sich lediglich auf die Nacktheit richtete, und er einer "qualitativen Bewertung" unterzogen wurde. Mal abgesehen von der wirklich unschuldigen Frage nach dem Plüsch-Elch.
So kann es gehen: Du sagst was, und schon passiert was völlig anderes, an das du nicht einmal im Traum dachtest zuvor.

Was die von dir beschriebene und so wahrgenommene Reaktion der anderen auf dein Schwimmverhalten betrifft: Vielleicht ist es ja auch an der Zeit, sich andere Gesellschaft zu suchen.

Frohe Weihnachten schon mal vorab für alle, Anuja

der Gauzibauz hat gesagt…

Mir geht es auch so, viele Sachen machen mir nix aus, erst die Reaktion von den Andern lässt peinlichkeit aufkommen.

kvinna hat gesagt…

Je nun, DIESE Damen hab' ich zum ersten Mal getroffen und mir wirklich nix gedacht dabei, mich unter Frauen meines Alters zu entblößen. Echt!

Ich will mir den Schuh auch gar nicht anziehn, wie gesagt, dann geh' ich nächstes Mal halt' in 'ne andere Ecke. Hmpf.

Ja, Anuja, leider ist das Einstein-Zitat ziemlich in den Hintergrund geraten über die nackte Haut.

Vorgefasste Meinungen = Vorurteile = Schubladendenken, ja, sind auch mit besten Vorsätzen schwer wegzukriegen. Spontan denke ich da an die Normungen in "Schöne neue Welt".

Selbst wenn es dem Kopf gelingt, die Richtung zu ändern, bis der Bauch nachkommt und nicht mehr dazwischenfunkt, das dauert.

Denke ich.

Anonym hat gesagt…

Hi Kvinna,
ich selbst bin übrigens eine überzeugte Nacktbaderin ,-schwimmerin und nackt- im-Haus-herum-Rennerin.
Nackte Männer stören mich da nicht sondern gefallen mir u.U. wo sie hingehören und zu erwarten sind:
in der Sauna,beim Baden etc.nur wenn ich irgendwo hinkomme und poff da liegt Einer ,steht Einer volle Breitseite, völlig aus dem Zusammenhang gerissen- das stört mich.
Die abweisenden geschockten Reaktionen meiner Umwelt kenne ich auch,kürzlich hab ich sogar in meinem eigenen Garten im Bikini gebadet weil die Kinder Gäste hatten und mich darum baten.
Liebe Grüße,Stela (unangemeldet)

artemis hat gesagt…

Ich war übers Wochende in Göteborg, und gestern im Naturhistorischen Museum.
Da gab's unter anderem eine Ausstellung zum Thema "Die Macht der Liebe" (was also Sex und Liebe so alles im Tierreich bewirken). Einige Räume waren auch dem Menschen gewidmet.

Da gab's unter anderem eine riesige Tafel mit vielen vielen Penisfotos, vor der sich verständlicherweise ein paar 3jährige vor Lachen am Boden gerollt haben. Irgendwie hat so eine Massenansammlung anonymer, kreuz und quer stehender/hängender Gemächte tatsächlich etwas äußerst Lustiges an sich.

Daneben hangen viele viele Gipsabdruck-Vaginas an der Wand - die haben interessanterweise niemanden zum Lachen gebracht. Sie verschwammen nämlich nach einiger Betrachtung nämlich zu einem Haufen interessanter Formen, und irgendwann kam's mir so vor, als hinge da ein Haufen Schmetterlinge an der Wand.

Das Ganze war betitelt mit: "Bin ich normal?"

Ich schreib das jetzt nicht, um die vielzitierte skandinavische Offenheit zu loben.

Ich glaube, sogar die alleroffensten Menschen brauchen wohl eine kurze "Eingewöhnungsphase", wenn ihnen etwas Nacktes über den Weg läuft - besonders wenn's unerwartet kommt. Da sind ja immerhin sehr verletzliche, persönliche Dinge, die da ans Licht kommen.