Montag, Mai 07, 2007

Trier

Ich habe es mühevoll lernen müssen und mir beim ersten Mal im Jahre 2003 regelrecht Gewalt angetan, um eine ganze Woche Urlaub zu nehmen von meinen Kindern, meinem Mann. UM endlich mit mir allein zu sein, mich selbst in einer andern Umgebung zu erleben.
Damals bin ich nach Barcelona geflogen, allein. Ich, die ich vorher noch nie ein Flugzeug betreten habe, in eine Stadt, in der die einzige Fremdsprache, die ich beherrsche, nämlich Englisch, oft genug gar nichts nützt. Kvinna ganz allein in der großen, fremden Welt. Abseits der Wege, Gaudi sehen und mir alles selbst erschließen.

Ja, und nach diesem Sprung ins kalte Wasser wurde es von mal zu mal besser, so dass ich im letzten Jahr endlich voller Vorfreude und Lust an der Freiheit meinen Urlaub planen konnte. Trier sollte es sein, als Grundschülerin war ich mal dort und es hatte mir gefallen, all' dies Altertum in allen Winkeln, damals hatte mich das schwer beeindruckt.
"Fahr' doch mit dem Zug, das ist stressfreier und du kannst lesen unterwegs!" riet mir mein Liebster und ich hörte auf ihn. Rückblickend kann ich auch sagen, er hatte Recht, es steigerte den Erholungswert, obwohl ich etwas beengt saß. Ohnehin hätte ich ihm den Bus dalassen und mit dem kleinen Zweitwagen fahren müssen, was ungleich unkomfortabler und langwieriger gewesen wäre.

Es war Oktober.


Das Ankommen im Hotelzimmer war eine Landung. Hurra, hier habe ich meine Ruhe und kann kommen und gehen wann ich will. Keiner stört mich, niemandem muss ich hinterherräumen, jemand räumt mal FÜR MICH auf!


Morgens üppig frühstücken, ein Fahrrad leihen oder zu Fuß los, abends essen gehen. Alle Sinne öffnen: Gucken, Hören, Riechen, Schmecken. Menschen begegnen! Einen feinen Wein haben sie da an der Mosel. :) Und, husch, abends im Zimmer raus aus den Klamotten und noch rasch in die SAAAUUUNA! Je nach Befinden vielleicht noch ausgehen... nee, letzteres habe ich dann nicht gemacht, tatsächlich, ich war ja nicht auf Beute aus und schlaaafen ist auch eine schöne Beschäftigung.

Auf einem Abendweg bin ich dann am Theater vorbeigekommen, spontan ging ich 'rein und sah mir die Entführung aus dem Serail an, eine Oper von Mozart, sowas habe ich noch nie gemacht und schon gar nicht spontan. Es war schön. In der Pause bin ich zwischen den Menschen im Foyer herumgelaufen, fühlte mich wie in einer glücklichen kleinen Blase, wie eine Zuschauerin, sammelte Gesprächsbrocken und optische Eindrücke und ließ das alles sacken und auf mich wirken.

Danach hatte ich Hunger. Und es war schon nach elf! Bin daraufhin tatsächlich in einer Studentkneipe hinterm Theater gelandet, wo ich einen ausgezeichneten Auflauf bekam. Wie herrlich, einfach so geduzt zu werden! Das ist so lange her...

Morgens um sechs machte das öffentliche Schwimmbad auf, wow, dachte ich, das gönnste dir mal, 200m zu Fuß vom Hotel ein Schwimmbad für dich allein... Pustekuchen, die Trierer sind Frühaufsteher, dass ich nicht 'ne Nummer ziehen musste für's Bahnenschwimmen war echt alles... da habe ich aber gestaunt! :)

Trier selbst allerdings - na ja. In meiner Erinnerung war es eine Stadt mit Charakter. Was ich aber jetzt gesehen habe, war der übliche Konsum, den es überall gibt, all' die bekannten Ketten. Eigene Gesichter hatten die Häuser nur ab dem ersten Stock aufwärts.

Doch, es war ein schöner Urlaub.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Hallo Kvinna, ich wohne in Trier und auch wenn sich die Stadt an den Konsum angepasst hat, sie bleibt einfach eine schöne Stadt. ich bin hier nicht geboren, sondern bin eine Berlinerin und wohne hier seit 22 Jahren. natürlich hat mich die Liebe hier her gelockt. doch ich habe es bis heute nicht bereut. zugegeben, die Menschen hier sind etwas konservativ. doch hier entdecke ich immer wieder neue Überraschungen. die Vororte von Trier sind besonders sehenswert. zB. Pallien oder Olewig oder warst du auf dem Petrisberg?
Die wirklich schönen Dinge hier, sehen wir nicht so schnell, die brauchen Zeit.
Liebe Grüße

kvinna hat gesagt…

Hm, ich geh' gern abseits der Wege und betrachte den Ort auf meine Weise. Ich habe viel Schönes gesehen und erlebt. Meine Enttäuschung speiste sich aus der falschen Erwartung, als 36-jährige das gleiche Trier zu sehn wie damals als 9-jährige. :)
Leider dauerte das Bilderladen furchtbar lange bei diesem Post und ich war irgendwann entnervt. Ich habe nämlich auch noch Bilder von "hinter den Kulissen" gemacht.
Und die Trierer waren durchweg sympathisch. Sie konnten es allesamt nicht recht glauben, dass jemand herkommt, um in ihrer Stadt URLAUB zu machen, das war schon lustig.

sternstunden hat gesagt…

Hi Kvinna,
ich finde es ganz wurst wo Eine Urlaub macht,Hauptsache mal weg von zu Hause.
Ich war schon so ewig nicht mehr alleine weg,bin richtig sehnsüchtig geworden.Dein Post hat mich an eine Urlaubsreise allein vor zwanzig Jahren erinnert, auch nach Barcelona.
Es war echt aufregend,denn ich hatte versehentlich ein Zimmer im Rotlichtmilieu genommen und da war die ganze Nacht Ramba-Zamba...
Alleinreisen ist immer ein Abenteuer-muss ich auch unbedingt mal wieder machen!
Grüße ,Stela

Sam hat gesagt…

Hm, ich war vor 14!! Jahren zuletzt allein im Urlaub (und seitdem auch nur einmal mit Kind).

Ihr werdet es nicht glauben, ich bin nach Barcelona geflogen:)
D.h. fast wär ich nicht geflogen, weil ich Gedankenlose mein Taschenmesser einschieben hatte, wie immer, und das an der Schleuse nicht dalassen wollte, weil ich das sehr mochte, etwa so wie ein Lieblingsschmuckstück. Allerdings war ich sichtbar schwanger und hab den Sicherheitsleuten versprochen dass ich weder die Sitze noch den Piloten damit aufschlitzen will sondern es zum Brotzeitmachen brauche, Fingernägelsaubermachen und überhaupt: Talisman! usw. - laber, Ohrabquatsch- hinter mir eine Schlange.
Mei. Heut hätten sie mich allein für den Versuch verhaftet, schwanger hin oder her... Ich fand damals wieder mal fliegen so toll! Die Beschleunigung beim Starten, dann der Fensterplatz und nicht eine Wolke über den Alpen, die zahllosen Seen, die zwischen den Bergen voll Firnschnee funkelten, es war göttlich, sogar das Essen dazu. Und mein Sitznachbar hat mir am Stück Witze von der Art: "Kommt einer zum Arzt..." erzählt.
Komisch. An den Flug denke ich am liebsten! Vom restlichen Urlaub blieb mir vor allem das Bild eines Landes mit viel zuwenig Trinkwasser, die Tristesse, sich im Supermarkt immer mit Kunsstoffkanistern voll Wasser eindecken zu müssen, und wie die Kanister und anderer Müll dann überall rumlagen in dieser eigentlich so stolzen, kargen und duftenden Landschaft. Ich empfand es damals so als ob die Spanier ihr Land nicht wirklich schätzten oder es gar nicht richtig "erkannten"

Und hab mich beim Heimkommen über die Saftigkeit der Erde hier gefreut.