Mittwoch, August 22, 2007

Anleitung zum Unglücklichsein

Ein Mann will ein Bild aufhängen. Den Nagel hat er, nicht aber den Hammer. Der Nachbar hat einen. Also beschließt unser Mann, hinüberzugehen und ihn auszuborgen. Doch da kommt ihm ein Zweifel: Was, wenn der Nachbar mir den Hammer nicht leihen will? Gestern schon grüßte er mich nur so flüchtig. Vielleicht war er in Eile. Aber vielleicht war die Eile nur vorgeschützt, und er hat etwas gegen mich. Und was? Ich habe ihm nichts angetan; der bildet sich da etwas ein. Wenn jemand von mir ein Werkzeug borgen wollte, ich gäbe es ihm sofort. Und warum er nicht? Wie kann man einem Mitmenschen einen so einfachen Gefallen abschlagen? Leute wie dieser Kerl vergiften einem das Leben. Und dann bildet er sich noch ein, ich sei auf ihn angewiesen. Bloß weil er einen Hammer hat. Jetzt reicht's mir wirklich. – Und so stürmt er hinüber, läutet, der Nachbar öffnet, doch bevor er "Guten Tag" sagen kann, schreit ihn unser Mann an: "Behalten Sie sich Ihren Hammer, Sie Rüpel!"

Paul Watzlawick


Ingrid Jahn erwähnte diese Geschichte vor einiger Zeit in ihrem Blog. Das hat mich beschäftigt, weil sich in meinem Kopf häufig auch eine Wut befindet, ein ganzer Streit Platz nimmt, sich aufbläst - und am Ende ist immer alles ganz anders oder läuft sonstwie völlig verquer.

Ach. "Ich dachte, dass du dachtest, dass ich gedacht hätte."

Morgen ist Donnerstag und ich muss weiterhin funktionieren.

Wie immer.

Kommentare:

antje hat gesagt…

Hallo,
hast Du das ganze Buch gelesen? Am Ende steht nämlich die Lösung für diese Probleme. Ist natürlich nicht von heute auf morgen mal eben zu schaffen, aber es hilft, wenn man sie sich hin und wieder ins Gedächtnis ruft.
Herzlich Antje

Ursel hat gesagt…

JA,

es lohnt sich auf alle Fälle, das (dünne!) Buch ganz zu lesen :))

LG Ursel

kvinna hat gesagt…

Ich wusste gar nicht, dass es in dem Zusammenhang ein Buch gibt... ich hatte den Text aus dem Netz gefischt, er war mir vage bekannt. Werd' mich mal umtun...