Donnerstag, August 23, 2007

Etwas über Spinnen - ohne Fotos! ;)

In der Ecke in der Küche, in der ich mich mit Abstand am häufigsten aufhalte, befindet sich auch das Fenster - klein und auf Brusthöhe. Davor wächst eine prächtige Ackerkratzdistel, die fast bis an die Fensterbank reicht und inzwischen auch schon Samen ausbildet.

Nicht nur daran erkenne ich unzweifelhaft den nahenden Herbst: überall um's Haus herum sind die Kreuzspinnen wieder erschienen, als habe jemand ein geheimes Startsignal gegeben. Meist behaupten sie ihre Plätze, bis die ersten Fröste sie vertreiben und oft spannen zwei oder drei von ihnen ihre Netze vor meinem Küchenfenster.

In dieser Zeit sind draußen wenige andere Spinnen zu sehen, drinnen tummeln sich wie üblich die Zitter- und Hauswinkelspinnen. Seltener sind einmal größere Springspinnen im Haus.

Nur im Keller ist das Spinnenleben meistens gleich: zwei oder drei große Hauswinkelspinnen am Boden und jede Menge Zitterspinnen an der Decke.

Kleines Drama am Rande: nachdem mir eines Abends eine dicke schwarzbehaarte Achtbeinige etwas lustlos - offenbar angeschlagen - den Weg querte, konnte ich am anderen Tag fasziniert beobachten, wie eine von den so transparent, filigran und gläsern wirkenden Zitterspinnen sich auf den Boden herabließ und eben dieser Hauswinkelspinne, die doch noch soviel kräftiger AUSSAH, den Garaus machte.

Auf der Arbeitsfläche unter oben erwähntem Küchenfenster hat die Kompostschüssel ihren Platz, in der ich die organischen Abfälle des Tages sammele, um sie dann in die Biotonne zu leeren. Naturgemäß sehr interessant für Fliegen, die es ohnehin wegen des Fensters an diese Stelle zieht.

Wenn ich in meinem Haus eine Spinne wäre, würde ich also auch dort mein Netz bauen, is' ja logisch. Deshalb sind Netze, Spinnen- und Fliegenkot an dieser Stelle gar nicht ungewöhnlich.

Mein neuester Gast hat mich trotzdem sehr überrascht: tatsächlich eine junge Kreuzspinne. Seit zwei Wochen leistet sie mir Gesellschaft bei vielen täglichen Verrichtungen. Das ist ziemlich ungewöhnlich, ich habe noch nie eine Kreuzspinne IN einer menschlichen Behausung angetroffen, nicht mal in Kellern und schon gar nicht dauerhaft.

Aber es scheint ihr da zu gefallen und ich freue mich, dass sie mir solche "hautnahen" Einblicke gewährt.

Zwei, drei Tage nach ihrem Erscheinen fand ich eine Haut auf der Fensterbank, und die Spinne war eine Zeit lang nicht zu sehen, da hängen ein paar getrocknete Rosen am Fenstergriff, die kommen ihr offenbar sehr gelegen. Als sie dann wieder erschien, sah sie aus wie frisch gewaschen und hatte eine noch feinere Zeichnung.

Sie fängt jeden Tag ein bis zwei Fliegen, braucht maximal eine Stunde, bis von der Fliege nichts mehr übrig ist als ein glänzender, kleiner schwarzer Krümel. Rücksichtsvollerweise lässt sie diesen dann in die Kompostschüssel fallen ;D und sitzt ansonsten still in der Mitte ihres Netzes. Einzig ihr Kot zeichnet sich hell auf der Gummidichtung der Fensterscheibe ab. Manchmal bewegt sie reihum alle ihre acht Beine, wie jemand, der nach langem Stehen das Standbein lockert und entlastet.

Vor einigen Tagen näherte sich vom oberen Fensterrand her eine Spinne einer anderen Art, die ich noch nicht identifiziert habe, aber sie war auch nicht klein und sah sehr interressant aus. Sobald sie die Befestigungsfäden des Netzes betrat, begann die Kreuzspinne im Zentrum, ihr Netzt heftig zu schütteln, ähnlich wie die Zitterspinnen das tun, nur nicht im Kreis sondern auf und ab.

Die andere Spinne trat sofort den Rückzug an und ich zeigte ihr dann die prächtigen Jagdgründe in unserer Garage...

Ich fühle mich ein bisschen verbündet mit der Kreuzspinne und nachdem sie in den letzten Tagen sehr fette Beute gemacht hat, scheint sie tatsächlich runder geworden zu sein.

Eine gute Methode, das Wetter vorherzusagen, wäre übrigens, jeden Abend das Netz zu zerstören. Je größer es am andern Morgen ist, desto schöner das Wetter des beginnenden Tages. Das habe ich aber noch nie übers Herz gebracht und werde bei "meiner" Kreuzspinne nicht damit anfangen.

Letzte Nacht nun hat sie offenbar das große Netz, das schon mehrer Tage alt war und auch schon etwas mitgenommen aussah, selbst zerstört und wahrscheinlich aufgefressen. Nun sitzt sie in den Trockenrosen und ich bin wirklich gespannt, was als nächstes passiert.

Kommentare:

der Gauzibauz hat gesagt…

Hast du denn KEINEN KOMPOST im Garten?

kvinna hat gesagt…

Doch, habe ich. Die Sache ist so: als ich dieses Haus kennenlernte, gab es auf dem Hof noch einen schönen, großen Kompost und der wurde auch gebraucht wegen des ebefalls großen Gemüsegartens.

Als wir hier eingezogen sind, hatten sich die Umstände sehr gewandelt, aber ich schätzte den Kompost trotzdem sehr, denn obwohl wir das Endprodukt eigentlich nicht brauchten, war's eine bequeme Art der Entsorgung: voll geworden wäre diese betonierte Grube so leicht nicht...

Irgendwann war bei einer Gartenaktion so viel guter Mutterboden übrig, dass mein Mann damit die Grube völlig fülllte und später darüber pflasterte.

Was dazu führte, dass ich kurzentschlossen an einem Samstag in aller Eile einen großen Schnellkomposter kaufte.

Der war dann nach drei oder vier Jahren doch mal voll...

Diese Masse habe ich dann bei der Neugestaltung unserer Rasenfläche unterfräsen lassen - sonst hätte ich nicht gewusst, wohin damit! -und im letzten Jahr kam dann die kostenlose Biotonne.

Nun nutze ich beides, weil die Biotonne prima ist für geruchsintensive Küchenabfälle und bei häufigerem Rasenmähen der Schnellkomposter als Ausweichmöglichkeit noch prima ist.

Und bis DER wieder voll ist, finde ich vielleicht das passende Gemüsebeet dafür... :)

der Gauzibauz hat gesagt…

Ah !