Montag, August 13, 2007

Hausfrau sein...

So, nun hat mich allmählich der Alltag wieder. Termine bis dorthinaus, jeder Tag hat sein eigenes Programm. Und: Ruhe im Haus. Sechs Stunden, die ich mir einteilen kann, wie ich will. Oder besser gesagt, wie die Spülmaschine, die Kleiderschränke und der Staubsauger wollen.

Hausfrau sein... okay, der Kram muss gemacht werden. Und es macht mir Freude, wenn alles reibungslos läuft, ich mal Erfolge verbuchen kann. Aber manche Sachen gehen mir einfach gnadenlos auf den Geist. Manchmal zieht mich DER Job ganz schön runter. Dann sitze ich vor einem Korb gefalteter Wäsche, starre vor mich hin und habe weder die körperliche noch die geistige Kraft, das Zeug nach oben zu bringen und in die Schränke zu räumen... uääh. Das ist zwar keine wäschespezifische Verstimmung - das kann sich auch darin äußern, das die Küche tagelang aussieht wie Hulle - aber depressiv ist es allemal. Manchmal.

Und Mutter sein? Ja, ich liebe meine Kinder. Ich will nicht, dass sie zu kurz kommen. Oft habe ich das Gefühl, nicht liebevoll genug zu sein. Das eigentlich anstrengende an ihnen ist, dass frau zu jeder Zeit genau wissen muss, was sie sagt und was sie will. Unentschlossenheit und Inkonsequenz rächen sich furchtbar. Das Setzen klarer Grenzen - um sich selbst nicht aufzulösen in all' dem - ist das Salz in der Suppe.

Wenn ich mich in Mitmütterkreisen so umsehe, hat jede irgendwas für sich gefunden. Die eine ist aktiv in der Kirchengemeinde, die andere macht sich im eigenen Haus selbstständig als Kosmetikerin, die nächste schafft sich zwei sehr große Hunde an...

Und ich?? Hm. Eins ist mir klar geworden: angestellt sein ist schwierig mit einem Fünf-Personen-Haushalt im Nacken. Urlaub abstimmen zu müssen, empfinde ich als eine unverhältnissmäßige Einschränkung meiner Freiheit. Da müsste der Job schon richtig dicke Kohle bringen. Die dem Unternehmen Familie entzogene Arbeitszeit muss sich rentieren, ganz zu schweigen von der ganzen Umorganisation, die notwendig wird, wenn ICH "aushäusig" berufstätig wäre.

Mal eben so zwanzig Wochenstunden weniger für Haushalt und Familie, das steckt frau nicht so locker weg.

Okay, es ist schon Luxus, wenn einem keiner reinredet, wann man wo zu sein hat. Das ist der Vorzug des "Nicht-berufstätig-seins", die große Flexibilität. Andererseits braucht's schon etwas mehr als ein "Jodeldiplom", um sich wieder "runder" zu fühlen.

"Meins" möchte ich sagen können und es darf ruhig was einbringen, pekuniär. Da bin ich wohl zu sehr Vaters Tocher :)

Kommentare:

Corriendo Mundo hat gesagt…

"Das Setzen klarer Grenzen - um sich selbst nicht aufzulösen in all' dem - ist das Salz in der Suppe."
Wenn der Grund für´s Grenzensetzen der genannte ist, wissen (spüren)die Kinderchen das schon längst - sicher freuen sie sich mit dir, wenn du dich einfach mal auflöst....
Der Rabe
(Anuja unterschreibt das hier vorsichtshalber lieber nicht, sonst heißt es wieder, weil sie keine eigenen Kinder habe, wüßte sie nichts von Kinderseelen)

Willst du was tun, weil du Anerkennung von außen willst oder weil dir was für dich fehlt?
Ich fände es auch stumpf so auf Dauer, ein Haus sauberzuhalten und ständig anderen Menschen hinterherzuräumen. Genauso stumpfsinnig, wie fremde Leute von a nach b zu fahren für zuwenig Geld. So langsam hätte ich auch gerne mal wieder eine Aufgabe.
Schönen Gruß, Anuja

kvinna hat gesagt…

Klar wäre es schön, wenn ab und an mal einer sagte: "He, das hast du/das haben Sie gut gemacht!" So einen Satz gelegentlich zu hören, täte mir gut, dass weiß ich genau.

Aber, nein, das ist nicht der Grund, warum ich überlege, was ich NOCH tun könnte, was ich WILL.

So weit bin ich immerhin schon.

Ich muss zusehen, wo ich bleibe, wenn von mir etwas übrig sein soll, so die Kinder eines Tages ihrer Wege gehen. Mich selbst irgendwo lassen.

Denn die Abhängigkeit der Kinder, sosehr sie auch kontinuierlich zurückgeht, bewirkt gelegentlich ein "sich aufgefressen fühlen" meinerseits.

Und, ja, es füllt mich auch nicht aus, es sind Kapazitäten frei.

Auch wenn das wie ein Widerspruch klingt.

der Gauzibauz hat gesagt…

Also ich bin davon überzeugt, dass ein gesunder Körper Spass am TUN hat. Nur so, nicht zwecks Anerkennung. Früher hat es mich ungemein befriedigt wenn alles glänzte.Ich hätt an manchen Tagen ganz Wangen kehren können und die Lust kommt BEIM Putzen, da kann frau sich reinsteigern. Ist es euch nie so gegangen?
Heutzutage ist es auch anders, mein Gott...als ich noch Karotten um die Wette schälte...
Bescheuert? Glaub schon.

kvinna hat gesagt…

Tja, leider ist Hausarbeit doch sehr heruntergekommen: genau wie in der Industrialisierung entfremdet die Maschine die Hausfrau von ihrer Arbeit.

Erinnerst du dich an Sams Erfahrungen mit der Handwäsche?

Ich glaube, der Bezug zum Tun ist ein ganzes Stück weit verkommen.

Leider habe ich aber auch zu selten Befriedigung durch's Ergebnis: ich bin fast nie zufrieden mit dem, was ich geschafft habe.

Das hat zwar viele Gründe, aber Lust kann so nun mal nicht aufkommen.

Corriendo Mundo hat gesagt…

Lust am Tun - wunderbar.
Aber wie ich schon mal an anderer Stelle sagte: Hausputz war noch nie mein Steckenpferd. Umso erstaunlicher, daß ich während der Zeit im Seminarzentrum ständig das ganze Haus geputzt habe - und zwar sorgfältig. Wat mut, dat mut. Und körperlich arbeite ich schon gerne. Hätte aber ehrlich mehr Lust auf Holzhacken - zum Beispiel. Oder auch schon mal akribische Tätigkeiten. Gerne sowas wie
Gemüseschälen und -schneiden.
Doch - ich kenne die Freude an "gewöhnlichen Tätigkeiten". Anuja