Dienstag, August 28, 2007

Zu nah?

Im letzten Winter entdeckte ich diese beiden Bäume in einem Nachbarort im Vorgarten. Völlig ohne Laub sah dieses Paar dramatisch aus, als brächten die beiden sich gegenseitig um. Vor einigen Wochen war ich zufällig wieder in der Gegend und hatte meinen Fotoapparat dabei.

Aber mit Laub ist der Eindruck ein ganz anderer. Ich frage mich, ob die beiden durch Zufall und Natur so eng in diesem Vorgarten stehen oder ob Menschen sie absichtlich so gepflanz haben...

Große Nähe hat so viele verschiedene Aspekte, dass ich zu keiner richtigen Meinung komme. Da ist einmal innige Liebe, aber unten in der staubigen Ecke lauert die Penetranz, das "Zuviel". Dann die Frage der Freiwilligkeit und des Verordneten?

Ich meine, sind zwei sich freiwillig sehr nah oder wegen der Umstände? Aber was heißt schon freiwillig.

Na ja, die beiden Bäume haben ihre große Nähe überlebt. Also doch Natur? Aber vielleicht wollte nur keiner klein beigeben. Keinem von beiden war der Freiraum wichtig genug, um zu sagen:"Wenn ich die Freiheit nicht kriegen kann, sterbe ich lieber!"

Oder aber sie können voneinander nicht lassen. Der eine kann einfach nicht ohne den andern und alles ist gut.

Ich werd' mir die Beiden im Winter noch einmal ansehen...

Kommentare:

antje hat gesagt…

Ich glaube freiwillig heißt, dass Du Entscheidungen treffen kannst. Und das können/dürfen viele Menschen, realistisch betrachtet, ziemlich oft. Wir können ganz frei entscheiden wie viel Nähe wir zulassen etc.. Jedenfalls hier in unseren Breiten. Und so haben wir's dann deutlich besser als die Bäume, die jetzt zusammen bleiben müssen, bis ein Mensch sie trennt...
Herzlich, Antje

Corriendo Mundo hat gesagt…

"Wir können ganz frei entscheiden wie viel Nähe wir zulassen etc.. "
Wenn das so stimmen würde, das wäre paradisisch. Guck´dir mal an, wieviel Kinder die freien Entscheidungen haben, solange sie abhängig sind und währenddessen kräftig dressiert werden - um dann später als Erwachsene alles andere als frei zu sein. Wovon hängen denn dann die "freien Entscheidungen" ab, wer trifft die und aus welchen Beweggründen.
"Was ist Nähe", wieviel davon lasse ich zu und möchte ich gerne haben, mit wem und wann und warum - muß alles höchst individuell beantwortet werden.
Wenn einer da für alle spricht, zum Beispiel als Psychotherapeut o.ä., geht es schon wieder am einzelnen Menschen und den jeweiligen Bedürfnissen vorbei.
Nur soviel zu einem wirklich weiten weiten Feld, Anuja und der ziemlich freie Rabe

Corriendo Mundo hat gesagt…

PS: Vielleicht sind es gar nicht zwei Bäume, sondern ein und dieselbe Wurzel - ich sah kürzlich einen sehr hohen, alten und prächtigen Baum im Siebengebirge, der hatte sich aus einer Wurzel und einem Stamm so ab etwa 1,50 Meter Höhe in zwei sehr gleichförmige Stämme geteilt und wuchs auf diese Weise kerzengerade zum Himmel weiter.

kvinna hat gesagt…

Hm, freier Wille ist in der Tat ein weites Feld. Deshalb hab' ich da auch nur kurz 'drangetippt.

Im Gegensatz zu den Bäumen habe ich aber noch eine dritte Möglichkeit zwischen "zu nah" und "weg": nämlich "nicht ganz so nah". Aber das macht es auch nicht immer leichter.

Nur zu oft spielen wir doch "Komm' her! Geh' weg!"

Und, Anuja, es sind tatsächlich zwei Bäume. Warum das Bild sich im Blog nicht vergrößern lässt, weiß ich nicht, aber ginge das, könnte man sehen, dass der dickere Baum eine Birke ist und der andere eine Buche.

Nackt sah das daher um so dramatischer aus...

IrisH hat gesagt…

Vielleicht sind die Bäume von zwei Verliebten eingepflanzt worden mit ganz viel Liebe- sodass es den Bäumen in Endeffekt nichts ausmacht so eng zu stehen. Denn in der Tat würde ja sehr wahrscheinlich sonst einer den anderen kaputt machen. Es scheint ihnen doch recht gut zu ergehen.
LG von Iris

kvinna hat gesagt…

Ja, so in vollem Grün sieht das schön aus. Aber wie gesagt, im Winter wirkte das ganz anders... na ja, jetzt fällt ja bald das Laub, dann müssen sie Farbe bekennen...

IrisH hat gesagt…

Ich kenne hier bei uns auch drei Bäume die sehen im Winter aus als seien sie schon tod. Und man könnte nicht glauben, dass sie wieder austreiben. Im Sommer dagegegen strotzen sie nur so von grün. ich werde die Bilder mal raussuchen.... Da sieht man welche Kraft in der Natur steckt!

kvinna hat gesagt…

Hm, ich meinte mehr das UNTER der Oberfläche.

Zwei Gestalten, die sich gegenseitig an die Gurgel gehen, wenn man so will, die Art und Weise, wie die hellen und dunklen Äste ineinander verschlungen sind. Was aktuell natürlich noch immer unter dem Grün versteckt ist.

Wenn Pflanzen sich tatsächlich gegenseitig umbringen - pflanze NIE Salbei und Thymian zusammen ;) - ist das erst dann sichtbar, wenn es zu spät ist.