Freitag, September 07, 2007

Kühe sind auch nur Menschen...

Also, irgendwie soll das wohl nicht sein mit meinem ausführlichen Reisebericht über die Schweiz! Ich habe auch nicht mehr die rechte Lust dazu. Ich glaube, ich greife mir lieber hie und da ein paar Aspekte und mach' dann einen Post dazu. Sozusagen in kleinen Häppchen.


Vorletzte Nacht haben sich die Rindviecher von nebenan mehrmals in mein Bewußtsein geschoben, wenn sie so nah sind - sie stehen nicht immer auf der Wiese zwischen unserem Haus und dem Kuhstall - sind sie auch noch mehr als sonst in meinen Gedanken.


In der besagten Nacht nun bin ich mit dem "Flatsch! Flaaatsch!"-geräusch von plumpsenden Kuhfladen eingeschlafen und am folgenden Morgen auch mit diesem Geräusch wieder aufgewacht... :)

Überhaupt sind die Laute der Milchkühe ungeheuer vielfältig. Langes, tiefgezogenes Brummen, Röhren, manchmal vielstimmig, manchmal ein Solo. Schnauben, prusten. Ihre Mimik, ihre ganze Körpersprache...

Als ich selbst Milch gab, fühlte ich mich ihnen manchmal gleichgestellt und seither sehe ich sie sowieso mit andern Augen an.

In dem Dorf, aus dem ich komme, gab es alles an Viehzeug - vor allem Schweine und den entsprechenden Gestank, jede Menge Federvieh, Pferde.... nur keine Kühe. Als wir hierher gezogen sind, habe ich mir Kühe zum ersten Mal überhaupt richtig bewusst angesehen.

Heute klingt das albern, aber damals war ich echt erstaunt, WIE GROß Kühe sind. Und hab' dem Bauern nebenan Löcher in den Bauch gefragt, bis ich das Milchgeschäft einigermaßen verstanden habe. Was das für die Kuh im einzelnen heißt. Und was für den Bauern.


Der Geruch ist mir jedenfalls allemal lieber als der von Schweinen :D man kann sich daran gewöhnen, finde ich. Und es fiele mir nie, niemals ein, mich womöglich über Lärm zu beschweren - etwa weil eine Kuh beim Kalben die ganze Nacht stöhnt oder tagelang nach ihrem Kälbchen ruft, das woanders mit der Flasche aufgezogen wird...


Erstens haben sie in ihrer Eigenschaft als Mütter mein volles Mitgefühl und zweitens waren sie zuerst da.


Ja, und die Schweiz ist absolutes Kuhland, jedenfalls in der Ecke, in der wir waren. Schön ist, dass die Kühe - und bei den Freibergen auch die Pferde! - dort völlig frei herumlaufen.


Schade finde ich, dass auch sich auch in der Schweiz die gefleckte Holsteinerin breit macht, die eingeborenen Kuhrassen sind viel hübscher. Und leider gehn' auch die Schweizer Landwirte immer mehr dazu über, die Hörner zu entfernen und Zäune zu ziehen.

Kommentare:

artemis hat gesagt…

Als 7jährige durfte ich beim "Urlaub am Bauernhof" einmal bei der Geburt eines Kalbs zusehen, und ihm anschließend auch einen Namen geben. Ich war von der ganzen Prozedur klarerweise zutiefst beeindruckt. Ein Jahr später musste ich dann erfahren, dass "mein" Benjamin bereits zu Kalbsschnitzerl verarbeitet worden war, was mich schwer getroffen und meinen Hunger auf Fleisch gründlich gezügelt hat. Aber auch schon vor Benjamins Geburt haben mich Kühe von allen Tieren im Stall am meisten fasziniert. Aus irgendeinem Grund liebe ich den "Gestank" ihrer Hinterlassenschaften - vielleicht liegt's an meinen Genen, denn meine Uroma und Oma haben sich anno dazumal auf den Weiden noch die verfrorenen Zehen in Kuhfladen aufgewärmt... Mir wird beim Kuhgeruch jedenfalls wie meinen Ahninnen ganz warm ums Herz ;)

artemis hat gesagt…

P.S.: Habe gerade den Link zu den Frauenbiografien bei dir gefunden - toll!

der Gauzibauz hat gesagt…

Nur dumme, gefühlsarme "Bauern" entfernen ihren kühen die Hörner.
In Norddeutschland und drüben hat es Höfe mit 2000, in Worten: Zweitausend Kühen pro Betrieb. Da kann kein Kontakt mit den Tieren sein. Dabei sind sie so meditativ. Kuhscheisse lieb ich auch, da assoziiere ich irgendwie Spinat. Ich bin auch oft drinngestanden und hab die Konsistenz und andere Dinge in Erfahrung gebracht. In Indien sammeln sie die Fladen, statt Holz, als Brennstoff zum Kochen. Auf den Einödhöfen im Allgäu und in Schweiz/Südtirol verwenden sie die bestimmt auf zum Brennen.
Das Rindviech beschenkt uns reich und wir danken es ihm so schlecht.
Dazu muss man noch nicht mal Vegetarier sein, sondern einfach das Tier ehren und achten solange es am Leben ist.

der Gauzibauz hat gesagt…

Ach, hab was vergessen. Parallel dazu ist es auch herrlich wenn eine Kuh brunzt. Wie das rauscht und plättschert, beneidenswert! Diese riesige Menge! Das nenn ich loslassen können.

Corriendo Mundo hat gesagt…

Demnächst heißt das übrigens nicht mehr Kinder sondern Krinder .... wenn die Kuh bzw. das Rind mit dem Menschen gekreuzt ist (habe gerade was gepostet zu dem neuen Modell).
Da geht es nicht mehr nur um die schönere Kuhsorte. Muh, Kuhnuja

kvinna hat gesagt…

Immer hat alles zwei Seiten. Dass Bauern zwangsläufig dumm und gefühlsarm sein müssen, um ihren Kühen die Hörner zu entfernen, bezweifle ich.

Es geht um ihre Existenz, wenn in der Milch Medikamente sind. Der Tierarzt sagt aber: "Joo, die entzündete Schramme da, die kriegen wir nur mit Penicillin in den Griff!"

Schramme an der Kuh kommt gern vom Horn ihrer Kollegin und den Rest muss ich, glaube ich, nicht erklären.

Ich will das ja gar nicht schönreden. Nur erklären, wie's funktioniert.

Logo, der Bauer ist am Nahesten dran, der müsst' eigentlich kapieren, was läuft. Aber der Bauer an sich ist ja auch schnoddrig, wenn's um die Soft Skills in der Viehhaltung geht.

Das mit dem Füßewärmen im Kuhfladen kenn' ich auch aus Erzählungen. Ich lauf' ja gerne barfuß, aber ich glaub', so ohne Weiteres steck' ich meinen Fuß trotzdem nicht hinein... :P

Interessant finde ich aber, wie sich so ein Kuhfladen im Laufe der Wochen entwickelt, was so alles darin lebt und das die Kühe das Gras, das da nachher rauswächst, erst mal nicht anrühren...

Sam hat gesagt…

Ich kenn auch kaum ein geborgeneres Gefühl als wenns durchs offene Schlafzimmerfenster rupft, rülpst und plätschert.
Vor allem, wenn ich zuvor in der Stadt war und nachts das ewig gleiche Rauschen der Autos und Lüftungsanlagen gehört habe. Weghören ist soooo schwierig. Da gehts mir wie Heidi :)

Warmer Kuhdreck, der über die Zehen quillt macht nicht nur ein feines Gefühl, er half mir auch dauerhaft bei meinen angefrorenen Zehen, die mich mit ihrem Gejucke bei Wetterumschwüngen schon zur Verzweiflung getrieben hatten - und soll auch gut gegen Fusspilz sein.

kvinna hat gesagt…

Eben hab' ich an dich gedacht! :)

Ja, die Kuhgeräusche, die nerven nicht so leicht wie eine Autobahn...

Fußleiden habe ich keine, außer vielleicht vermehrte Hornhautbildung. Da arbeite ich zur Zeit mit Fußbädern mit flüssiger Schmierseife dran :D

Eigentlich kann Kuhscheiße auch gar nicht so schlimm sein... Kot aus pflanzlicher Nahrung ist erträglicher als der Fleischfressern... hm.

IrisH hat gesagt…

Und schön warm und weich sind die Kühe auch, ich habe zu DDR- Zeiten als Melker gearbeitet (da oute ich mich gerade)und das Wunder der Geburt von Kühen hautnah miterlebt. Freut Euch wenn Kuhe noch draußen stehen!

Stela hat gesagt…

Hi kvinna,
lustig bei dir Kühe zu entdecken, grad jetzt wo bei uns daheim die heiße Diskussion
Zwergzebus anzuschaffen wieder entbrannt ist.
Unsere steilen Weiden drohen zu verbuschen,wir schaffens nicht mehr mit der Motorsense-das spräche eigentlich für die Kühchen,aber noch mehr Angebundenheit und die Furcht vor neuen Problemen,wenn sie z.B. aus der Weide ausbrechen,hemmen meine
Begeisterung dann wieder.
Stela,frisch aufgetaucht

der Gauzibauz hat gesagt…

Hallo Stela :))

warum kann ich dein Blog nicht gross schalten und wenn ich auf meinen Link gehe dann kommt error?!?
Freu mich von dir zu lesen!
Zwergzebus - geben die auch Milch?
Aber ich krieg ja noch noch nicht mal die Ziege trächtig. Vermutlich sind alle Wiederkäuer (Schafe) so angenehm in ihrer Art.
Elektrozaun hält Ziegen sicher, sind Zebus neugieriger u. ausbruchsfreudiger als Ziegen?

kvinna hat gesagt…

Zwergzebus?! Was es alles gibt! Warum ausgerechnet die? Weil das Gelände so steil ist? Wieso keine Ziegen?

Aber das mit dem Angebundensein kann ich gut nachvollziehen...

Stela hat gesagt…

Hallo ihr!
Angeblich sind Zwergzebus richtige Buschfresser und nicht so kälteempfindlich wie Ziegen.
Die Weiden ,auf denen ich seit zehn Jahren sehr extensiv Pferde weiden lasse wurden vorher wie überall auf der schwäbischen Alb von Schafen kurz gehalten.Es ist eine Kulturlandschaft
die ohne Pflege zuerst verbuscht und dann verwaldet.Pferde sind Schleckermäulchen und lassen alle Baumtriebe stehen.
Dieses Jahr sind die Triebe mannshoch ausgetrieben,die steilsten Hangstücke wurden zu Buschland-ich laufe Gefahr dass die Weiden, die mir nicht gehören von der Gemeinde wieder "weggenommen"
werden...
ich weiß noch nicht was ich machen soll,auch nicht ob die Zebus diesen Urwald überhaupt noch packen würden.
Stela,grübelnd
Nein Gauzi,sie werden nicht gemolken.Sie sind ziemlich klein so 80-100cm hoch und auch schwer zu zähmen,das macht mir auch Kopfzerbrechen.

kvinna hat gesagt…

Der Nabu setzt hier am Niederrhein auch Schafe gegen Verkrautung ein - um die Bauern vom Gift abzubringen.

Aber junge Baumlinge werden auch von Schafen ab einer gewissen Größe nicht mehr gefressen, oder?

Jedenfalls ist das ja alles schön und gut mit den Rindern, die uns so viel schenken - nichtsdestotrotz braucht das Erzeugen von Rindfleisch durch den Anbau von Futtermitteln viel mehr Ackerfläche, als die gleiche Menge vegetarischer Nahrung brauchen tät ;)