Montag, Oktober 01, 2007

Mutterliebe!


Sie sitzen in mir drin, die Tölzbilder, und sie wollen 'raus, 'raus, 'raus!

Meine Mutter hatte letzten Freitag Geburtstag, eine Waage, nicht ausgewogen. Ich rief sie vom Hotelzimmer aus an:

"Alles Liebe zum Geburtstag, Mama!"
"Ach, danke! Wo bist du denn?"
"In Bayern!"
"Und was machst du da?"
"Urlaub!"
Stille.
"Das findest du wohl komisch?"
"Ja, allerdings. Wo du doch gar nicht arbeitest!"

Als ich später auflegte, dachte ich noch:"Nein, du ärgerst dich jetzt nicht!" Aber irgendwie habe ich es nicht ganz verhindern können, so ein leises bisschen habe ich mich doch geärgert. Aber Hauptsache, ich habe den Mechanismus durchschaut. IHR Problem ist nicht MEINS!

Die Wirtin im Hotel war auch so eine, kann's nicht genau in Worte fassen. Auf der Website vom Hotel wird mit Versorgung geworben, man soll sich ZU HAUSE fühlen und dass man sich WOHLFÜHLT ist sehr wichtig. Jedenfalls hat die gute Frau keine Ruhe gegeben, bis alle Gäste im Frühstücksraum ihr mitgeteilt haben, dass sie eine gute und angenehme Nacht hatten. Solcherlei Fragen können schnell mal als penetrant empfunden werden. Aber vielleicht ist das auch nur meine persönliche Vorbelastung.

Ich jedenfalls achte sehr auf mich, wenn ich meine Kinder frage, ob es ihnen gut geht. Besitzergreifender Kontrollwahn liegt näher, als eine manchmal denkt. :)



Die Vulva jedenfalls hat mich plötzlich auf eine Idee gebracht: rührt daher vielleicht in Wahrheit die Herzform, das Symbol, das man dafür verwendet? Denn das Organ in der Brust war den Menschen ja nie so gegenwärtig und hat doch eigentlich auch eine ganz andere Form!?

Kommentare:

Ursel hat gesagt…

Oha, das könnt' MEINE Mutter sein, die Wirtin, die jeden ausquetscht, ob er gut geschlafen hat. (Jeden Tag wieder auf's Neue, zuhause !!)

Mail kommt noch ;)

LG Ursel

IrisH hat gesagt…

Was für ein Baum!!
Genial! Warm! Herzlich!

Sam hat gesagt…

Es gibt gute Gratis Medizin beim kontrolliert/beeinflusst/geärgert werden von dem Müttern:
PUBERTIEREN! Und zwar vollständig, zu Ende, alle Beine und beide Flügel aus der Larve

Ich mein, schau sie Dir mal an die Mütter, die am wenigsten ihre Kinder sein lassen können:
Diese Mütter sind alle krank, kannten keine Freiheit und Eigenständigkeit ihr Leben lang und wollen jetzt den Töchtern ihre Massstäbe aufdrücken.
Das ist lächerlich und absurd, das muss man aber wagen zu erkennen.

Corriendo Mundo hat gesagt…

"Das findest du wohl komisch?"
"Ja, allerdings. Wo du doch gar nicht arbeitest!"

Hahahahahahahahahahahahahahahaha
hahahahahahahahahahahahahahahaha
hahahahahahahahaha ...........
Verzeihung, aber ich schmeiße mich gerade weg vor Lachen, der war richtig gut!
So sind sie halt, die lieben Mitmenschen und Mütter.
Sam bringt es auf den Punkt.
Es ist wirklich absurd.

Ich glaube allerdings kaum, daß es auf ein waages Sternzeichen zurückzuführen ist, denn solche Mütter und andere derart beurteilende Menschen gibt es zu allen Jahres- und Geburtszeichen.

Gruß, Anuja

der Gauzibauz hat gesagt…

Der Baum ist toll! Ich glaub auch, dass das Herz von der Vulva kommt.

Diese Art Mütter ist grässlich und noch lange nicht am Aussterben. Und die Varianten sind unzählig. Meine Mutter hat nie viel gefragt, sie hat ihre Macht anders ausgeübt; die Schuldgefühle verfolgen mich noch heute.Am Schlimmsten ist wenn du bei andern den Hass, der mal Liebe war, spürst. Da könnt ich weinen.

Eins muss ich noch loswerden: Ich fühl mich richtig wohl unter euch, Menschen aus Fleisch und Blut.

CresceNet hat gesagt…
Der Kommentar wurde von einem Blog-Administrator entfernt.
Ursel hat gesagt…

@Sam,

hat schon seinen Grund, dass ich Sooo weit von zuhaus weggezogen bin, hehe.
Ich glaube, das musste so sein.

LG Ursel

kvinna hat gesagt…

Ich habe allerdings manchmal den Eindruck, dass diese ganze Generation meiner Mutter ziemlich daneben ist. Eigentlich erstaunlich, dass es ihnen nicht gelungen ist, alle Frauen MEINER Generation gleich mit zu verkorksen....möglicherweise hat das ganze Konstrukt etwas mit dem 2. Weltkrieg und seinen Folgen zu tun??

der Gauzibauz hat gesagt…

Glaub ich nicht, Kvinna. Einige Wenige gabs immer schon, die nachfühlen konnten und ihren Kindern nicht so was antun wollten. Und die andern standen sicher noch unter dem Einfluss der Jahrhunderte alten Erziehung.Deshalb war ja viell. das 3. Reich erst möglich, weil alle parierten. Also 1800 hätt ich nicht leben wollen. Im Grunde hat sich glaube ich, bis in die Adenauer Zeit daran nichts geändert. Erst so um ende 50ger Jahre ging es langsam los mit Rockandroll. Gott sei Dank. Die rigiden Erziehungsstile haben ja immer noch Einfluss auf die jetzige Gesellschaft. Die Unsicherheit, wie mach ich es richtig hat auch etliche Opfer produziert.Irgendwie empfinde ich das alles als ein grosses Drama.
Der Mutter/Tochter Zwiest ist aber viell. auch einfach eine natürliche Entwicklungsstufe, die immer sein wird, weil sie zur Persönlichkeitsreifung nötig ist.

kvinna hat gesagt…

Da mag was dran sein, Gauzi!

Und ein Drama ist es ganz bestimmt.

Jedoch hat das Schicksal meiner Mutter meinen Blick geschärft für die Defekte in ihrer Generation.

Mag sein, dass ich nicht mehr objektiv sein kann diesbezüglich - aber ich glaube trotzdem, dass sehr viele dieser Frauen ziemlich kaputt sind. Und ihre Mütter es auch waren.

der Gauzibauz hat gesagt…

Ja, der Kelch wird weitergereicht. Leider! Ich selber war so beflissen damit beschäftigt meinen Kindern nicht DAS anzutun was mir angetan wurde und trotzdem hab ichs falsch gemacht. Ich will nichts entschuldigen oder schön reden, aber ich vermute man KANN es gar nicht recht machen, sonst hocken die Kids noch mit 50 bei Mama. Neulich hab ich schonmal bei Iris des Satz gesagt:Was würde die Liebe tun? Aber da sind auch gleich im nächsten Unheilstopf. Welche Liebe?
Uneigennützige Liebe, wer kann die schon IMMER haben? Das müsste ein Übermensch sein.

Corriendo Mundo hat gesagt…

Manchmal reicht völlig aus ...

kvinna hat gesagt…

Speziell für Gauzi:

Ich finde ja, dass wir uns das Mutterideal viel zu hoch hängen. Völlig uneigennützige Liebe, hm, wir sind doch alle nur Menschen.

Und das sollten wir uns verzeihen können!

Als ich mit zwanzig voller Wut zu Hause ausgezogen bin, glaubte ich, all' die Fehler meiner Eltern glasklar vor mir zu sehen - und sah auch nur die, ließ kein gutes Haar an Papa und vor allem nicht an Mama!

So habe ich dann ganz bewusst mit meinen Kindern alles anders gemacht, als meine Mutter mit mir.

Bis mir eines Tages aufging, dass das genauso zwanghaft ist. Dass das Kriterium eben nicht lauten kann:"Hauptsache, ich mach' mit ihnen nicht so, wie mit mir gemacht wurde!", weil das nämlich AUCH einschränkt und unfrei macht; mich in meiner Eigenschaft als Mutter und meine Kinder in ihrer Entfaltung.

Der Maßstab muß sein: was kommt dem RICHTIGEN am NÄCHSTEN? Dann kommt niemand zu kurz.

Ich habe ja nun mal einen Hang, BEIDE Seiten einer Sache zu betrachten und auch gelten zu lassen. Daraus habe ich für mich den Schluss gezogen, dass es immer nur einen ausgewogenen Mittelweg geben kann, oder der jedenfalls immer noch besser ist, als sich mit zu hoch gesteckten Zielen selbst zu quälen.

Es gibt nichts Absolutes.

Anonym hat gesagt…

Da hast du schon recht, aber WIE soll man das bei Zeiten erkennen? Ich habs erst gemerkt als es zu spät war. Obwohl ich finde, dass meine Mädels überaus gute Karten gezogen haben, sagen sie manchmal, dass sie nicht gebären wollen. Das sei alles blöd und nicht richtig hinzukriegen. Da schrillen natürlich meine Alarmglocken und warscheinlich zwanghaft beziehe ich das auf mich.Vergleichen kann man natürlich nicht, aufrechnen noch weniger. Wenn jeder sein Bestes gibt, wirdds schon werden. Mehr kann eine nicht tun.
Heut nacht hab ich was gesehen. Da gings um loslassen. Mütter von behinderten Kindern. Ich hatte Gänsehaut. Da richten sich Eltern auf eine lebenslange Eltern=Mutterschaft ein. KEINE andere Lebensalternative. Wenn dann sogar behinderte kinder mit 30, 25 usw. von zu Hause fortstreben wirds eng für Muttern. Die eine Frau sagte, das Kind fehle an allen Ecken und enden. Ihr fehle das Atmen des Kindes als Hintergrundgeräusch. Sie wisse nicht was sie mit sich anfangen solle. Vom Autor des Filmes her war schon klar, dass es Losslassprobleme sind. Deshalb auch die Fragestellung im film, wem es schwerer fällt und die Antwort war eindeutig: Den Müttern.Das Versteh ich beim besten Willen nicht. Schon der natürliche Selbst erhaltungstrieb müsste da ein Ende machen, oder? // Erika

Sam hat gesagt…

Ein Kind, und seis anstrengend, behindert etc. LEBT.

DARAN kann sich Muttern andocken, teilhaben, sich gebraucht fühlen, dran rumformen, das erfüllt zu kriegen suchen, was sie im eigenen Leben nicht erlebte, oder auch das pure Gegenteil. Sie kann es klein und nieder halten oder lieber gross und stark machen wollen, wies die Mamma halt gern hätte - ohne dass das Kind irgendwas dagegen unternehmen könnte.

Hauptsach, sie ist beschäftigt, bezogen, kriegt Resonanz - manche (behinderten) Kinder dienen dem Verlangen der Mütter nach Aufmerksamkeit und der Daseinsberechtigung, die sie in sich sonst nicht spüren, ja, die wissen nicht mal, was sie sonst hier sollen auf Erden, so völlig ohne Lust, Bestimmung, Aufgabe.

Mutter sein ist/war immer zweischneidig, weils auch eine gesellschaftlich geachtete Identität ist, die man dann natürlich nicht leicht hergibt, wenn darunter das gähnende Nichts lauert.

Drum lassen m.E. die Mamas nicht los und treiben manipulative Spiele. Sie spüren instinktiv, dass sie vom Leben ihrer Kinder zehren und wenn diese Quelle wegfällt (die Kinder in ein eigenes Leben reinpubertieren) kriegen sie natürlich Angst. Manche sterben dann sogar vorsichtshalber oder kriegen zumindest Herzattacken, damits Kind, falls unpubertiert, wenigstens anständige Schuldgefühle hat nachdem es auf das Leid und das Versäumnis der Mutter um ein eigenes Leben gepfiffen hat.

Klingt hart, aber ich sehs oft genug: Da gehts um Leben und Tod, um Krebs, um Existenzen, Ehen... wird alles über die unbewusste Konkurrenzschiene ausgekartelt.

Es ist kein Spiel und äusserlich weggehen ist nur die halbe Miete. Das Gift der Mutter wirkt über alle Entfernungen bis das Dings erkannt, benannt, gebannt ist.

der Gauzibauz hat gesagt…

Ja Sam,
das ist ein perfides Spiel. Sätze wie DU BRINGST MICH NOCH INS GRAB oder WIE KANNST DU MIR SOWAS ANTUN hab ich noch im Ohr. Aber nicht nur Ausgesprochens lähmt und tötet. Die ewig zur Schau getragene Leichenbittermine tut auch ihr Werk. Bei Manchen bleibts ins Gesicht geschrieben wie bei meiner Schwiegermutter. Und weitergegeben wirds nicht nur an die Töchter, auch Söhne müssen dran glauben.Ja, so zweischneidig wie du sagst. Ist doch furchterlich. Wenn ich mich da jetzt einfühle wird mir ganz anderst. So stehe ich noch unter dem Druck, dem Verlangen nach Mutterliebe. Manchmal ist sie mir so nah. Und dann wieder erkenne ich erschreckt was es wirklich ist und es schaudert mich.Und ich sorge mich ob ich auch vergifte. Das wär mir schlimm. Aber warum sollte ich eine Ausnahme sein?

kvinna hat gesagt…

Du kannst nicht früh genug anfangen, deine Kinder loszulassen. Für mich ist das immer deshalb ein Balanceakt, weil ich die Verantwortung habe, die meiste Zeit die unmittelbare - im Verhältnis zu meinem Mann, der auf der Arbeit ist.

Konkret heißt das: erlaube ich meiner sechsjährigen Tochter deshalb nicht, über zwei "schnelle" Straßen quer durch den Ort auf Inlinern zu fahren, weil sie noch zu klein ist, um das halbwegs ungefährdet zu bewältigen oder erlaube ich ihr das deshalb nicht, weil sie damit ihren Horizont erweitert, wächst und sich meiner Kontrolle entzieht?

Sicher, meine Kinder sind klein im Vergleich zu euren. Aber so geht es permanent, immer prüfen, wie weit kann ich sie jetzt loslassen, was wird ihnen gerecht und WO denke ich nur an meine eigenen Gefühle, wie meine Mutter das getan hat:"Das geht nicht, da habe ich zuviel Angst um dich!"

Wenn man's auf diesen Punkt bringt, ist es ein ungerechtes Geschäft: ich bin verantwortlich und soll trotzdem nicht jederzeit immer alles hundertprozentig unter Kontrolle haben.

Aber nur so funktioniert das.

Und das ist der Punkt: es graut mir eigentlich nicht so sehr davor, dass die Kinder sich lösen.

Eigentlich bin ich froh um den entstehenden Freiraum. Andererseits weiß ich noch nix rechtes damit anzufangen.

Das macht mir zwar keine Angst, aber es macht mich unzufrieden. In die bisherige Lücke bin ich reingewachsen, einigermaßen, aber die wird ja weiterhin größer :D

Und, nein, das ist kein Spiel. Das ist bitterer Ernst.

kvinna hat gesagt…

Eins noch (oder zwei? :): du wirst das von deiner Mutter nicht kriegen, was du so dringend haben willst. Weil sie es dir nicht geben kann. Wenn sie keine Arme hätte, verlangtest du ja auch nicht von ihr, sie solle dich umarmen, oder? Ich nehme an, sie ist inzwischen tot. Aber mach' deinen Frieden mit ihr.

Und was deine Töchter anbelangt, wenn sie sagen, sie wollen nicht gebären, dann musst du das so hinnehmen. Das ist ihr gutes Recht, egal, ob DU das richtig oder falsch findest.

SIE haben ein Recht darauf, ihren eigenen Weg zu gehen. Das ist nicht deins. Überhaupt nicht. Und wenn du hunderttausendmal Enkelkinder haben willst.

kvinna hat gesagt…
Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.
der Gauzibauz hat gesagt…

Bin erst kurz vorher nach Haus gekommen :)

Damals als meine noch klein waren hab ich aufgepasst. Aber du kannst nicht alles im Blick haben. durch die wohnsiedlung damals ging eine stark befahrene Ausfallstrasse. Mein Sohn war immer unterwegs, auch mit Sachen, die ich nicht wusste. So hat man mir erzählt, dass er mit seinem kleinen Kinderrad, einen Wollteppich im Gepäckträger eingeklemmt und in voller Länge hinter sich herziehend, Johanna im Schlepptau, ihrerseits mit Rad, die Strasse überquert hat. Ha da kriegst du doch die Motten! Genauso lief der Kanal direkt am Wohnhaus vorbei und begrenzte ein Stück des Weges. Damals hab ich schon auf viel geachtet. Aber seit etlichen Jahren lass ich los, vielmehr, ich hab nie geklammert. Und, ich hab überhaupt kein schlechtes Gewissen und weiss auch was mit mir anzufangen.
Das mit den Enkeln ist so eine romantische Idee. Wer weiss ob ich das erlebe wenn sie sich Zeit bis in die 30iger lassen. Unbedingt brauchen tu ich das nicht. Und zwingen tu ich sie nicht. Die Kleine will eine Weltreise machen - Hoffenlich realisiert sie das auch. Und die Grosse, wer weiss, wenn die Liebe stark genug ist, dann wird sie ihre Meinung schon ändern. Ich hab ja meine Tiere. Das erleichtert die Sache ungemein. Oft sind die Mädels drauf eifersüchtig, dann sag ich: Mit dem Hund darf ich das. Wenn ich euch sooo an mich binden würde, wäre das nicht recht.
Das Klammern meiner Mutter war schrecklich. Ich bin ihr schon lang nicht mehr böse. Sie war auch nur ein Opfer. Und dass sie Alkoholikerin war hat seine Gründe. Meine Mutter war medial veranlagt und hatte Angst davor. Die hatte niemand so wie wir jetzt im Netz, zum Reden und austauschen.
Das Schlimmste was ich ihr antun konnte war bei Gewitter nicht SOFORT heimzukommen. Die hatte eine solche Angst, du glaubst es nicht.
Zwei, drei jahre vor sie starb hat sie mir dann erzählt, dass in ihrer Jugend der Blitz auf einem Berg am Bodensee direkt hinter ihr eingeschlagen hatte. Da war mir dann alles klar.

kvinna hat gesagt…

Warum sagst du dann, dass "deine Alarmglocken schrillen"? Lass' sie doch einfach sein!