Donnerstag, November 22, 2007

Integration!?

Immer wieder beschleicht mich skrupelhaft dieses Gefühl, in einer wohlbehüteten, gutbürgerlichen Blase zu leben, in die wenig eindringt von den rauhen Realitäten, mit denen diejenigen sich herumschlagen, die vom Schicksal weniger begünstigt sind als ich.

Klartext: He, es geht mir saugut und es erschüttert mich total, wenn ich sehe, was für menschliche Katastrophen im Kleinen oder auch im Großen um mich her geschehen. Es macht mich völlig perplex, was es alles gibt!

Polen ist in der EU. Das bedeutet, dass ein polnischer Familienvater, der eine gesicherte Arbeitstelle in Deutschland nachweisen kann, ohne weitere Umstände mit seiner Familie herziehen kann. Daran ist ja auch nix Verwerfliches.

Aber vier Tage nach dem Herzug kann sein sechsjähriger Sohn, jüngstes seiner drei Kinder, ohne ein Wort deutsch zu sprechen in die hiesige Grundschule eingeschult werden. Über drei Monate können vergehen, in denen die Schule mit den Eltern Kontakt aufzunehmen versucht, was immer wieder daran scheitert, dass niemand in der Familie auch nur ein Wort deutsch spricht.

Da ist niemand, der die Familie mal an die Hand nimmt und sagt, passt mal auf, wenn ihr hier leben wollt, habt ihr folgende Möglichkeiten, deutsch zu lernen und das ist mal das A und O.

Die Direktorin der Grundschule begnügt sich damit, der Mutter mit Händen und Füßen mitzuteilen, sie solle die hiesige VHS besuchen. Dass diese vielleicht das Geld dazu nicht hat, kommt ihr nicht in den Sinn.

Alle Informationen, die man bekommen kann und die einem bei der Integration helfen könnten, gibt es nur auf deutsch, bestenfalls mal auf englisch und vielleicht auf türkisch. Das war's.

Ständig kommt es zu Missverständnissen und Schwierigkeiten, weil keine gemeinsame Sprache da ist. Und allem Anschein nach gibt es an der ganzen Schule (15 Klassen, 385 Schüler) nur ein einziges Kind mit dieser Problematik. Der Ausländeranteil ist überhaupt gering und die andern sind alle mindestens ausreichend, wenn nicht sogar sehr gut integriert.

Na ja, nachdem ich die Probleme erfahren habe, habe ich mal ein paar Dinge ins Rollen gebracht. Ich will mir hier nicht selbst auf die Schulter klopfen, aber mal mitteilen, dass ich nicht nur gemotzt, sondern auch etwas unternommen habe. Mit der Schule, mit dem Integrationsbeauftragten unserer Stadt und so weiter. Gelobt sei das Internet, mich zu informieren war eigentlich einfach.

Was bleibt, ist das Kopfschütteln, dass so etwas möglich ist. So, wie sich das jetzt darstellt, sitzt die Mutter möglicherweise allein zu Hause - die älteren Kinder sind an weiterführenden Schulen und ich hoffe, dass sich von dieser Seite bald mal auch etwas bewegt - und kann sich nicht helfen.

Wer schon mal in einem fremden Land, dessen Sprache er nicht spricht, Urlaub gemacht hat, kann sich vielleicht das Unbehagen vorstellen. Ich jedenfalls habe mich in Spanien und in Schweden hie und da wie die letzte Idiotin gefühlt, weil ich die Sprache nicht sprach.

Und nun übertragt dieses Unbehagen aus dem Urlaub mal gedanklich in euren Alltag, in das Land, in dem ihr lebt. Grusel. Einkaufen. Telefonieren. Ämter. Vermieter. Arbeitgeber. Kollegen. Und die Sprache zu lernen, kostet Geld, das ihr vielleicht nicht habt. Dass es staatliche Förderung und Hilfen gibt, sagt euch keiner.

Ich finde diese Vorstellung einfach unerträglich.

Meine Freundin M. meinte lakonisch: "Das ist doch normal. Solche Kinder gehen unter!" Das darf doch nicht wahr sein!

Aber anscheinend bin ich ganz schön naiv.

Kommentare:

Stela hat gesagt…

Hi Kvinna ,da hast du recht,es ist nicht zu fassen wie bescheiden und gedankenlos so eine "Amtshilfe" zuweilen aussieht.
Ich finde es gut,dass du so unbürokratisch zugepackt hast.
Vor zwei Jahren versuchte ich einem türkischen Jungen durch eine Lehrstelle in unserem Betrieb zu helfen:Er war Sonderschüler und hatte keinen Abschluss.
Die amtliche Hilfe war echt o.k.
die hätten einige Förderungen bezahlt aber leider kapierte der Junge nicht ,dass es wirklich ein gutes Angebot war.
Ich hab beschlossen mich nicht verdrießen zu lassen und bei nächster Gelegenheit wieder zu helfen.Eigentlich sollte es uns alle,denen es gut geht selbstverständlich sein so zu handeln.
Liebe Grüsse,Stela

Sam hat gesagt…

Hi Kvinna,
Dieses Design passt viel besser, passt super zu Deinem Bloginhalten und lässt sich soo gut lesen.

Ich war ganz verdutzt, ich dachte zuerst, ich hätte einen der jüngst aus den Favoriten gelöschten Polit- und Journalistenblogs angeklickt. Die hatten fast alle diese Vorlage...

Grüsse ausm Schneesturm!
Sam

Iris H. hat gesagt…

Mir gefällt Dein neues "Haus" auch sehr gut!!! dachte schon, ich wäre falsch! Immer mal was Neues und nie Stehen bleiben.

Schöne Woche liebe Kvinna!!

kvinna hat gesagt…

Hi, Sam, Schneesturm, jo, just gestern rief die Verwandtschaft aus der Schweiz an, die wohnen auch so auf knapp tausend Metern und haben Schnee. Das Paradies bei dir ist in weiß bestimmt auch sehenswert. Ich wollte eigentlich noch die Berg-rauf-Bilder posten, aber die Zeit fehlt.

Grüße aus der Regenzeit :)

Hallo Iris, ja, das pink fing an, mir auf die Nerven zu gehen. Und diese Vorlage heißt "Harbour", das passt ja prima zu einem Gedanken-Fluss, dachte ich mir.

Alles fließt, immerdar! LG