Dienstag, Dezember 11, 2007

Etwas verstehen...

ist nicht dasselbe wie "Verständnis haben".
Eine Frau, die ihre fünf Kinder tötet, mag manchen als Perversion der Mutterschaft gelten. Als etwas, das so fern von ihnen selbst ist, dass sie es nicht mehr sehen können. Manche mögen auch psychische Abwegigkeiten mit physischen Fehlern erklären können.

Worauf ich aber hinauswill, ist etwas ganz anderes.

Selbst linksliberale Atheisten können in sich den Bodensatz des Katholizismuns und das Gedankengut eines verdorrten Österreichers tragen. Denn was die Mutterschaft anbelangt, ist etwas seit Generationen so tief in Köpfen und Herzen eingepflanzt, dass es nicht mit Ideologien weggewaschen werden kann, die erst seit vielleicht dreißig Jahren gesellschaftsfähig sind.


Die Katholiken mit ihrer Maria als Urbild und Ideal der Mutterfigur, die sie hoch auf einen Sockel gestellt haben. Hoch, so hoch, dass KEINE drankommt. Die Nazis mit ihrem Mutterkreuz. Trautes Heim...

Mutterglück. Mutterliebe. Das ist etwas so Hehres, so Reines, dass ja jede Frau sofort in Glück und Liebe erstrahlen muss, die endlich ein Kind in ihren Armen hält. Schön für die, die das so erleben.

Aber wie viele sind da, denen es ganz anders ergeht. Die den Wurm in ihren Armen halten und sich fragen, was ist falsch mit mir oder was ist falsch mit diesem Kind? Die sich verzweifelt bemühen, glücklich zu sein und trotz vieler Versuche nicht drankommen an das schöne Bild auf der Babynahrungs-Werbung.

Ganz natürlich.
Aber das sagt ihnen keiner. Keiner hat Verständnis.
"Sei doch glücklich!" heißt die Parole. "Denn was gibt es Schöneres?" In ihren Ohren klingt das wie Hohn und zieht sich durch ihr ganzes
Mutterleben.

Ich habe hineingeschaut in meine Abgründe. Ich kenne sie. Und mache mir nichts vor.
MEIN Monster ist gebannt.

Weil ich ihm ehrlich ins Gesicht gesehen habe.

Kommentare:

Sam hat gesagt…

Der Mord, der am Körper eines Kindes geschieht ist grausig sichtbar.
Die vielen Morde an Kinderseelen nicht so direkt, die reichen dafür oft für mindestens ein Leben voller Leid (wenn man die Beziehungen der seelisch Gemordeten miteinbezieht)

Ich konnte vieles, was ich meinem Kind an Verletzungen mitgegeben habe nicht erkennen, so verstrickt war ich selbst noch. Ich wäre foh gewesen um eine echte "Mutter" oder andere erfahrene, ihr Selbst lebende Frau an meiner Seite, am liebsten eine mit Schneid und Löwenherz.
Letzteres hatte meine Freundin, ich weiss nicht, was ich sonst getan hätte inmitten der Erfahrung abgrundtiefer, wenn auch gehübschter Dummheit, Tristesse und geistiger Unterwürfigkeit der Spielplatzmütter. Heut denk ich mir: gar nicht so schlecht, je stärker die Begrenzung, umso höher der Anreiz, rauszupubertieren.

Ich frag mich aber doch, wo da eigentlich die Väter bleiben in solchen Konstellationen - hat die Mutter von vorherein irgendeine Lusche gewählt, die sich gegen die Mutter nicht durchsetzen kann, so dass sie ihr Verdrängtes möglichst umfassend den Kindern -v.a. die Töchter nehmens gern- mitgeben kann? Oder haben die Väter mit der Zeugung, und manchmal noch der Versorgung von Mutter und Kind, quasi ihr Soll erfüllt, naturgemäss?

Das christliche Marienbild klammert imo die mörderischen Aspekte einer Mutter deshalb aus, weil kein Herrgott der Welt ihnen beikommt.
Siehe Lilith (gell Kvinna) die, vertrieben oder geflohen, am Strand eines fernen Meeres täglich dreitausend Ungeheuer gebiert, weil ihr die göttliche Weltordnung weder eine andere Aufgabe zuweisen konnte noch sie selbst in der Lage gewesen wäre, sich eine solche zu erschaffen.

kvinna hat gesagt…

Nicht umsonst trägt Lilith den Geruch der Kindermörderin mit sich herum. So ist sie in einer Schublade und beunruhigt niemanden...

Danke, Sam!

Sam hat gesagt…

Doch, sie beunruhigt. Grad weil sie gut verräumt in einer Schublade liegt - und auch das hübsche Lavendelsäckchen daneben ihren scharfen Atem auf Dauer nicht parfümieren kann.

Kennst nicht die Lilith- Amulette? Die hat man den Kindern umgehängt oder ins Bettchen gelegt - so gefürchtet war diese Kraft als man sie noch wahrnahm, bzw. wahrhaben durfte, natürlich nicht offiziell und kirchlich.
Die waren schon nicht blöd, die Alten!