Dienstag, Januar 22, 2008

"Warum es Vorurteile gibt" oder "Objektivität ist unmöglich"

"(...) neuere Wahrnehmungstheorien kennen allerdings nur „selektive Wahrnehmung“. Wahrnehmung ist per se immer selektiv, da der Mensch nicht alle Daten, die von außen auf ihn einwirken gleichzeitig wahrnehmen kann. Daten werden erst dann zur Information für das Subjekt, wenn sie in dessen mentale Struktur „eingebaut“ werden können. Da unsere Wahrnehmung immer historisch-biografisch bedingt ist, gibt es keine andere Möglichkeit als die der „selektiven Wahrnehmung“, „objektive“ Wahrnehmung als solche ist unmöglich. (...)"

Zitat aus dem Wikipedia-Artikel "Selektive Wahrnehmung"

Eigentlich irrelevantes, aber anschauliches Beispiel: Sind tatsächlich seit e-bay und Online-Bestellung mehr Paket-Auslieferer unterwegs oder fallen sie mir nur verstärkt auf, weil ich darauf achte? Habe ich überhaupt eine Möglichkeit, das für mich sicher zu klären?

Für mich ein Aha-Erlebnis: Ich war mir sicher, das vorderste Auto in dem Unfall vor knapp einem Jahr sei dunkelrot gewesen und habe direkt an der Ampel gestanden. Ich sehe das Bild deutlich vor mir! Aber meine Freundin M., die zwar dabei, aber nicht in den Unfall verwickelt und daher sicher nicht so neben sich war wie ich, erklärte, jenes dunkelrote Fahrzeug sei schwarz gewesen und die Ampel noch ca. 100m entfernt.

Schön finde ich in dem Wikipedia- Artikel auch die Darstellung der selektiven Wahrnehmung als simple Notwehrreaktion, sinngemäß: "Wenn du das Übel eh' nicht ändern kannst, nimm' es am besten erst mal gar nicht war!" Schützt die betriebsinternen Abläufe zunächst mal zuverlässig vor heißlaufen und wundreiben, gell? Daher wird die Selektion ja auch per Auto-Pilot und nicht bewusst gesteuert. Das wär' ja sonst nicht zum Aushalten ;)

Mit der Gewissheit, nun wieder einige Geister auf die Barrikaden getrieben zu haben, wünsche ich uns allen eine förderliche Wahr-Nehmung...

Kommentare:

Sylke hat gesagt…

Vor einem Unfall habe ich auch immer Horror*fingerkreuz*
"Selektive Wahrnehmung"-da erinnert mich an den "kognitiven Filter", von dem ich vor vielen Jahren gelesen habe.
Im Grunde eigentlich (fast) das gleiche.

Ingrid Jahn hat gesagt…

100% nehmen wir alles selektiv wahr. deswegen ist es ja auch so müßig über die "Realität" zu diskutieren.