Mittwoch, Februar 13, 2008

Der Tod hat angeklopft...

Unsere Nachbarschaft ist die beste, die ich mir vorstellen kann. Wir sind schon eine kleine Enklave, unsere Straße führt aus dem Ort heraus, ist bis auf zwei Höfe nur einseitig bis zur Hälfte bebaut und die Gärten der kleinen abzweigenden Sackgasse grenzen an unsere. Zwanzig Haushalte sind schon fast ein Dorf im Dorf.


Es gibt zwar keine jungen Familien, unsere Kinder sind die einzigen, aber man kennt sich. Im Falle meines Mannes schon ein ganzes Leben. Wenn man Gesellschaft will, mal eben über'n Zaun klönen oder eine Feier, kann man das jederzeit haben. Wenn man seine Ruhe will, hat man die auch. Nachbarschaftshilfe wird hier tatkräftig gelebt. "Hässlichen" Tratsch und jedwede Häme sucht man hier vergeblich.
Im Winter sieht man sich weniger. So ist es in jedem Frühjahr immer wieder ein kleines Ereignis, wenn alle so langsam "aus den Löchern kommen". Vor zwei Tagen nun stand ich in der Sonne an der Gartenmauer und hielt den ersten Draußentratsch des Jahres mit der Nachbarin, die ihren vierjährigen Enkel zu Besuch hatte. Wir freuten uns des Sonnenscheins und tauschten Neuigkeiten. Schön.
Da kam der Schwager der Nachbarin über'n Hof auf uns zu, durch seinen Garten in ihren. "Leider habe ich schlechte Nachrichten!" In der Nacht davor ist die Lebensgefährtin eines andern Nachbarn gestorben. Völlig unerwartet. Sie war nicht erkennbar krank, sie wäre im Sommer sechzig geworden.
Eben bekam ich den Anruf mit Ort und Zeit der Beerdigung, es wird gesammelt, den Kranz stiftet die Nachbarschaft gemeinschaftlich, so, wie sie sich auch gemeinschaftlich um Hochzeiten und Ehejubiläen kümmert, federführend jeweils durch den direkten Nachbarn organisiert.
Es mag ja mal wieder banal sein, jeden Tag stirbt irgend jemand irgend wo. Und vor dem Tod habe ich keine Angst, ich akzeptiere ihn als etwas, das genau so zum Leben gehört wie die Geburt.
Aber der Mann, der da jetzt allein zurückbleibt, hatte eine Tochter, die vor Jahren an Krebs gestorben ist und zwei Jahre nach dieser Beerdigung starb dann auch seine Ehefrau an Krebs. Seine Lebensgefährtin war auch Witwe. Ich dachte immer: "Schön, dass die beiden sich gefunden haben!". Sie wirkten zufrieden.


Und nun ist sie tot.
Einfach so.
Das trifft mich
eben doch.