Mittwoch, Februar 06, 2008

Orakel und anderes Unbewiesenes...

Zu den Tarotkarten (von hier) hat sich im vorangegangen Post ein Austausch ergeben, der mir Anstoß genug ist, mal was zur Intuition zu schreiben. Gauzi meint, ich solle das richtig lernen mit der großen und kleinen Arkana. Sie gebraucht Ausdrücke wie: Früchte ernten... intensives Lernen... das mag seinen Sinn haben.


Abendrot hinterm Garten

Aber dazu muss frau bereit sein, der Sache den entsprechenden Platz in ihrem Leben einzuräumen.

Und ich will runter von der kopforientierten Wegfindung. Eigentlich habe ich mich mit meinem Blog schon wieder viel zu weit in eine Kopfwelt hineinbegeben. Die Widderin vom Alpenrand hat mir mal zu mehr Körpererfahrung, Körpererleben geraten und sie hat Recht damit.


Schön geordnete Vasen, Museum Insel Hombroich

Um so schmerzlicher wird mir klar, dass ich immer unbeweglicher geworden bin in den letzten Monaten, regelrecht statisch. Hier sitze ich und tippe und war seit Wochen nicht mehr draußen. Kaum mehr als die paar Schritte von der Tür zum Auto. Und zwei Drittel meines Lebens finden zur Zeit in meinem Kopf statt... ach, ich schweife ab.

Ich betrachte die Tarotkarten so, dass die Karte mich findet, so, wie die Bücher in der Bücherei mich immer finden.

Wie auch viele andere Orakel, wie soll ich sagen, einfach so stattfinden. Z.B. hat mich mal bei Ikea an einem Tag, an dem ich wirklich verzweifelt und ratlos war, immer wieder dieser Satz angesprungen:"Finde deinen Weg!", wieder und wieder. Und in der Situation war das für mich eine unangenehme Wahrheit.

Dabei war es nur die Aufschrift auf den Lageplänen, die überall in dem schwedischen Möbelhaus den Standort bestimmen und Einkaufsorientierung bieten sollen. Damals sprang der rotgeschriebene Satz mich an jeder Ecke an, wenn ich heute dort bin, muss ich ihn suchen, obwohl er noch genauso oft da ist.

Oder die Sache mit dem angeschlagenen Quarz, den ich in der Stadt im Regen auf dem Parkplatz fand. Bergkristall meinetwegen. Jedenfalls steht er für klares Sehen. Als ich letztens bei den Hexen im Laden war und den von Grejazi zu Weihnachten geschenkten Gutschein genussvoll einlöste, griff ich auch noch in den Behälter mit den getrommelten Quarzen.

Trümmelbachfälle, Schweiz

Weil ich weiß, dass ich mich mit Vorliebe irgendwo in den unteren Etagen, im alltäglichen Getriebe verzettele und oft störrisch dort verharre, den Überblick über das Ganze verliere, den Durchblick durch das, was um mich geschieht. Ich weiß, dass das mein Stein ist zur Zeit. Dazu brauche ich keinen wissenschaftlichen Beweis, keine Literatur.

Oder das Waldschaumkraut, das plötzlich überall im Garten wuchs im letzten Jahr, in der Wiese und in den Pflasterritzen:"Vergiss' die Vergangenheit, Leben ist jetzt!".

Was ich meine: Alles ist immer da. Es liegt an mir, zu sehen, dass die benötigten Informationen und meine Möglichkeiten immer alle da sind. Und das zu erkennen und umzusetzen, das lässt sich nicht büffeln.
Eine wilde Orchidee mit Namen "Geflecktes Knabenkraut", Schweiz

Kommentare:

der Gauzibauz hat gesagt…

Das lb. Kvinna hat mit TAROT gar nix zu tun. Da gibt´s keine Kopflastigkeit. Das verstehst du was falsch. Übrigens bist du in deiner Wesenskarte nicht das Rad, sondern die 11= Die Kraft. Weisst schon. Deine Persönlichkeitskarte ist die 2, die Hohepriesterin. Vorausgesetzt, dein Geburtsdatum stimmt, das ,das ich habe.
Eine Frage, wie z.b. soll man Karten interpretieren auf den denen nix als Zahlen stehen? Dwer Tarot ist viel viel älter als die Bunten Tarotkarten?

Corriendo Mundo hat gesagt…

Ich finde, hier stimmt alles. Es gibt inzwischen sehr viele Möglichkeiten und Wege, und der, der gerade paßt, zeigt sich schon. Dieser kann allerdings durchaus auch in Form von Tarotkarten begleitet werden - ich kann da keine Trennung finden und wie Gauzi sagt: Tarot resoniert nicht im Kopf. Es resoniert in der Seele (ich nenne das mal so an dieser Stelle). Einfach schon deshlab, weil es Bilder sind, die da Schwingungen erzeugen.

Ob jemand nun seinen Körper liest, in der Natur liest oder in Karten - alles geschieht zur rechten Zeit und in der rechten Mischung.

Eines finde ich noch wichitg: Ein fundiertes Hintergrundwissen ist nur schädlich, wenn man es zum Dogma erhebt und als Wahrheit deklariert - gilt für jede Form von hilfreichen Konzepten. Zum Beispiel arbeitet ja Sam viel mit der Astrologie, die ein ungeheuer umfangreiches Konzept ist und im Grunde nichts anderes als die Arbeit mit Tarotkarten oder Runen oder sonstwas. Halt ein bissel anders gefärbt. So verhält es sich für mich mit allen Konzepten: Sie können mir auf vielerlei Arten dienlich sein - solange ich sie nicht zur alleinigen Wahrheit erhebe.

Beschränkend und abschneidend finde ich solche Trennungen in "echt versus falsch", "vernunftbetont versus intuitiv", "körperbetont versus kopflastig". Du schrubst ja daselbst, das ALLES IST - so isses. Und alles kann, aber nichts muß.

Viel Spaß also bei was-auch-immer,
Anuja und das intuitiv fliegende, studierte Tier

kvinna hat gesagt…

Gauzi, das mag ja alles gut und richtig sein. Aber ich gehe da ganz anders dran, aus dem Bauch.

Das goldene Klimt-Tarot habe ich mir gekauft, weil ich Klimt - und Jugenstil, Art Deco, überhaupt - sehr mag, weil mir das Gold darauf gefiel, weil ich in der Stimmung war.

Genauso "What Tarot-Card are you", online, das war aus einer Laune heraus.

Mehr nicht. Ich muss nicht wissen, wieviel "da dran" ist, ob ich das glauben darf.

Glauben ist nicht Wissen.

Und ich nehme mir die Freiheit, einfach zu wissen, warum ich einen Quarz finde, warum diese Pflanze grade massenhaft in meinem Garten wächst, warum dieser eine Satz mich dauernd anspringt.

Und mehr möchte ich auch nicht. Ich will nicht mehr alles nachlesen und ergründen. Das macht mich ganz wund.

Nichts von alledem kann ich BEWEISEN. Nur wissen.

kvinna hat gesagt…

Hm, Anuja, wir ham' uns überschnitten.

Ich wollt' doch einfach nur sagen, dass ich weg will von der Wissen-Schaft; das erstickt mich, das Wiegen, Messen, Zählen - Nachlesen!

Fundiert, dagegen ist ja gar nix zu sagen.

Ist nur in dem Zusammenhang grad' nicht meins.

Corriendo Mundo hat gesagt…

PS: Wo ich derzeit so be-geistert bin vom Herrn Storl - der ist ein gut vorzeigbares Exemplar Mensch, bei dem sich die hingebungsvolle Praxis mit einem enormen Hintergrundwissen (er ist ja ein hochversierter "Ethnobotaniker", so nennt er sich, und weiß nicht nur um die Mythologie dieses Universums bestens Bescheid)verbunden hat - und der ganz sicher weit entfernt davon ist, kopflastig zu sein.
Traditionelle Schamanen müssen teils erst jahrzehntelang lernen, bevor sie ihre garantiert nicht kopflastige Arbeit ausüben dürfen/berufen werden. Etc. pp. - also eine Trennung ist hier wohl nicht wirk-lich dienlich und beschneidet nur die Welt desjenigen, der eine sich eine solche Trennung vor-stellt - vor den eigenen Horizont.

Schöner Beitrag. Da kann ich bei mir nochmal nachgucken, ich habe auch lange getrennt und skeptisiert und prüfe auch immer noch nach, wohin das aufgenomme Wissen/die Hintergrundinformation sich wendet.
Anuja

Iris H. hat gesagt…

wenn du das so machst, wie du das hier alles geschrieben hast, Kvinna, dann bist du schon auf einem guten weg.

dein bauchgefühl wird Dir so vieles zeigen, Du musst nur die augen auf haben und es sehen und danach handeln. schritte zurück wird es immer mal geben, das ist doch normal.
und wenn dich ein wunderschönes tarot anspricht, dann gut so. wissen und fühlen- beides ist für den einen oder den anderen richtig.
du musst nur das für dich ganz alleine herausfinden was für dich wichtig ist. da ists egeal welche wahrheit die anderen haben.

Sylke hat gesagt…

Interessant.
Das Tarot "hat mich" ja nun schon seit 16 Jahren und es war auch von Anfang an immer beides: eigene, gefundene Interpretation aus dem Bauch und nachschlagen der Bedeutung aus dem Buch.
Manchmal springen einen die Botschaften ja schon regelrecht entgegen, so wie dir der Satz bei Ikea.
Manchmal weiß man (gestern gings mir so, da war ein Unternehmerinnenstammtisch zu Gast bei mir)auch, d. von allen ausgelegten Karten eine Bestimmte eigentlich alles enthält, was der Tarot der Fragenden sagen will.
Und der schmallippigen Schwerterkönigin, die gestern auch anwesend war( eine sehr schnippische und arrogante Dame) hat Mama Tarot auch gleich die "Verderbnis" auf den Zukunftsplatz gelegt-exakt über diese hatte sie schon im Vorfeld genöckert und wollte wissen, was sie bedeutet.Irgendwie war es ja Situationskomik und das sie den ganzen Abend über fleißig Sekt geschlampft hat, zeigte mir, d. Mama Tarot die Zeichen mal wieder erkannt hat.*gg*
Kvinna, wenn es nicht deins ist, ist es doch völlig ok.Man probiert vieles aus und einiges ist eben unser Ding, anderes nicht.
Manches wird erst später interessant oder auch niemals.

artemis hat gesagt…

Ich habe vor Jahren meine Arbeit mit dem Tarot begonnen. Bei mir war das eine Mischung aus Hirn- (Nachlesen, Lernen) und Herz-Arbeit (jede Karte mit meinen persönlichen Erfahrungen & Erkenntnissen beleben). Ich habe diese Vorgehensweise als sehr bereichernd empfunden, weil ich mich entlang eines vorskizzierten Wegs bewegen und zugleich meinen eigenen beschreiten konnte. Heute fällt mir auf, dass ich die Karten immer weniger benütze, je mehr ich sie als Werkzeug beherrsche.

Irgendwann hab ich begriffen, dass die Kunst darin liegt, die richtigen Fragen zu stellen. Oft findet man schon während dieses Prozesses Antworten.

Ich verstehe deinen Wunsch - ich bin selbst zuweilen sehr verkopft. Ich halte die Entwicklung von Herzenskraft und -offenheit für eine sehr wichtige Sache, vielleicht die wichtigste überhaupt.
Schade finde ich nur, dass dabei so häufig der intellektuelle Part unserer selbst so verteufelt wird. Oft scheint es, als würde Intuition gleichbedeutend sein mit Ablehnung aller Wissenschaftlichkeit (die ja auf Neugier beruht!) und Ratio.

Ich denke, ein wirklich geöffnetes Herz kennt solche Ablehnung und Aufspaltung nicht. Die gängige Meinung, dass Entwicklung von Intuition nur durch Verbannung der Ratio möglich ist, ist ja wiederum ein Konstrukt des Intellekts, der trennt und ordnet (wofür ich ihm unerhört dankbar bin).Starke Intuition hingegen hat keine Angst davor, sich ins Reich der Fakten oder Beweise zu begeben. Wenn sie gut entwickelt ist, kann sie sich in allen Bereichen bewegen, nicht nur in denen, die ihr der Verstand vorschreibt.

kvinna hat gesagt…

Tja, Artemis, das ist eben, was mich in die Arme der Intuition treibt: die Bekämpfung eines sehr ausgeprägten Ungleichgewichts in meinem Innern.

Wobei ich mal wieder aufpassen muss, nicht von einem Extrem in ein anderes zu geraten.

Eine meiner schwersten Übungen. ;)

Corriendo Mundo hat gesagt…

... "und anderes Unbewiesenes" im Titel ... läßt mich immer wieder daran denken:
Es gibt nichts "Bewiesenes" auf diesem Planeten. Es gibt immer nur Absprachen, Abmachungen, Übereinkünfte, daß etwas so sei, wie es sei. NIchts von allem, was der Mensch so zur Erklärung der Welt hernimmt, ist wahr. Gar nichts. Alles Agreement. Lebenshilfe-Maßnahmen. Nicht mehr. Wir könnten die gesamten Termini der Menschheitsgeschichte ändern - es würde nichts an dem ändern, was ist.
Andersrum: Am Anfang der Hypnose war das Wort... und das erschuf alle folgenden Realitäten. Je mehr sich zusammentun, etwas für wahr zu nehmen, desto ansteckender wird das - und macht es nicht wahrer, es ist nur dieser Herdenvirus, der dann kursiert.

Will sagen: Auch die "anerkannten Naturwissenschaften" haben in Wirllichkeit keinerlei Beweise zu bieten.

Wahr ist, was ich für wahr nehme. Gut, wenn ich auch weiß, daß es nur für mich so ist.

Einen schönen Frühlingstag wünscht das Zweigestirn

der Gauzibauz hat gesagt…

Ich staune immer wieder wie gut die junge Frau sich auszudrücken vermag!
Sie spricht mir aus dem Herzen.