Sonntag, März 23, 2008

Abrechnung & Erkenntnis - ein Versuch, meine Gedanken zu ordnen


Als ich noch klein war, so ungefähr bis in die Grundschulzeit hinein, hat mich meine Mutter vergleichsweise regelmäßig verprügelt. Sie hatte einen gelben und einen orangenen Kochlöffel aus Bakelit und das war meistens ihr Werkzeug für die Züchtigung. Noch heute macht sich an meinem Po ein unbehagliches Gefühl breit, wenn ich das Wort "Kochlöffel" sage, denke oder schreibe.


Irgendwann ist einer der beiden Löffel, ich glaube, es war der orangene, abgebrochen beim Verprügeln. "Siehst du, was du angerichtet hast!" waren die vorwurfsvollen Worte meiner Mutter dazu. Ich erinnere noch genau das Gefühl, wie sie mich am Handgelenk hielt und ich versuchte, mich durch Hängenlassen nach unten den Schlägen zu entziehen.

Nicht weniger demütigend war ihre Angewohnheit, mir einen Schlag auf den Hinterkopf zu geben, wenn sie die Geduld mit mir verlor. "Leichte Schläge auf den Hinterkopf erhöhen das Denkvermögen!" habe ich oft zu hören bekommen.

"Mach' mich doch nicht wütend, dann brauche ich dich auch nicht zu verhauen!" war die Überzeugung meiner Mutter. Das Gefühl, zu blöd und immer schuld zu sein verankerte sich damals vergleichsweise fest in mir. Heute weiß ich, dass das nicht so ist und meistens fühle ich es auch.

Irgendwann habe ich erfahren, dass meine Mutter und ihre Geschwister von ihren Eltern auf dem Hof mit einem Gummischlauch gezüchtigt worden waren. Dass im Elternhaus meiner Mutter liebevolle Wärme fehlte - vorsichtig ausgedrückt - hatte ich schon zu Lebzeiten dieser Großeltern wenn nicht gewusst, so doch gespürt.

Jedenfalls konnte ich eines Tages aufhören, meine Mutter zu hassen - obwohl "verstehen" etwas anderes ist, als "Verständnis haben".

Wenn in meiner Umgebung Schläge als einzig richtiges Erziehungsmittel propagiert werden, kommen mir noch heute die Tränen vor Wut. Ich möchte so gern das verzweifelte, verängstigte kleine Mädchen, das ich damals war, in den Arm nehmen und trösten. Ihm sein Leben ein kleines bisschen erträglicher machen.

Das war nicht alles, was mein Elternhaus ausmachte. Aber es hat lange gedauert, bis der verzweifelte Schmerz aufhörte, alle anderen Kindheitserinnerungen zu übertönen.

Und natürlich habe ich mir geschworen, meine Kinder niemals so zu demütigen, wie ich gedemütigt worden bin!

Aber das reicht nicht.

Denn die Situation, in der eine nicht ein noch aus weiß vor lauter Wut, die kommt unweigerlich irgendwann im Alltag mit Kindern. Der Moment, wo frau sich fragt:"Was tun außer schlagen?" kommt, ganz sicher.

Und da sollte sie eine echte, praktikable Alternative in petto haben, die NICHT auf ihre Kosten geht!!!

Derartige Momente sind vielfältig vorhanden. Da ist einmal die Tagesform, sind die Rahmenbedingungen, die eine dahin treiben können, nicht mehr klar zu sehen, nicht konsequent zu sein. Kennt jeder, der intensiv mit Kindern lebt. Manches reißt unbemerkt ein, "Betriebsblindheit" gibt's nicht nur im Berufsleben.

Und dann ist da noch der Wunsch, keine hirnlosen Gehorchmaschinen heranzüchten zu wollen, der zur Falle werden kann: frau wird selbst immer kleiner dabei, begibt sich in die Position, auf der Ebene Gleichaltriger zu diskutieren, die Sache persönlich zu nehmen, anstatt als Erwachsene über der Situation zu stehen.

Jedenfalls bin ich sehr selbstkritisch im Umgang mit den Kindern. Ständig. Wohl manchmal viel zu sehr - und dann mache ich mich selbst zur Schnecke ;)

Kommentare:

Deep blue Nyx hat gesagt…

Hallo und schöne Ostern ;)

Oh wie ich dass kenne!! ich kann dich so gut verstehen. Wirklich... Genau so geht es mir auch, auch wenn mein Hintergrund etwas ein anderer ist als deiner. Und meiner mir erst aufging als ich Anfangs 22 war, weil viele Symptome einfach nicht mehr tragbar waren und ich etwas unternehmen musste. Dies hatte eher mit der Partnerschaft zu tun.

Das was meine Kinder zu spüren bekommen ist meine Inkonsequenz, aus der Angst etwas falsch zu machen, die Böse zu sein, genau wie deine gedanken gehen meine in die selbe Richtung, ich will mein Kind ja nicht zu was zwingen, will kein kind das nur ja und amen sagt zu allem. Möchte mit ihm drüber reden, meist eben zerreden. ich fühle mich meist wie ein Wagenlenker der Die Zügel in den Händen hält aber sich nicht durchsetzen kann... mein Denken will den rechten weg einschlagen aber das Fühlen zieht und wehrt sich um dann den linken Weg zu gehen. Und dann bin ich selber über mich frustriert über mein Unvermögen das ganze so zu lenken wie ich das Will.

Und ich hab es einfach noch nicht wirklich geschaft das Muster zu durchbrechen. Ja, und auch ich komme manchmal an den Punkt wo ich mich frage ob es ohne Schläge nicht geht, doch ich hab bis auf einmal mein Kind nie geschlagen. Danach hab ich mich entschuldigt und fühlte mich so was von mies.

Kingsizefairy hat gesagt…

hm..

1. es geht ohne schläge
2. mit kleinkindern diskutiert man nicht
3. ich bin der boss, basta
4. es gibt eine handvoll regeln, und der rest ist (ab einem gewissen Alter) diskussionsfähig

ist anstrengend, geht aber.

Inkonsequenz ist stellenweise auch einfach der Mut zu sagen, dass man seine Meinung geändert hat *ggg*

schönen Tag noch



PS.: auch ich habe meinen Mädels zweimal FUBAK verpasst. Bin ich nicht stolz drauf, aber da war ich wirklich über die Grenze hinaus und die Damen auch. Wir haben später drüber geredet und ich haben alle draus gelernt. Ich, mich weiterhin besser unter Kontrolle zu halten und die Mädels wissen jetzt genau, wo Mutters Toleranzgrenze absolut überspannt ist.

Sam hat gesagt…

Ich schliess mich der Kingsizefee rundum an.
Bloss das Bossein ist etwas, das ich ab und zu "vergesse", weils sooo anstrengend ist. Manchmal hätte ich gern das Gemüt eines Mulitreibers: Wachsam, geduldig, aber unerbittlich. Und bestimmen, wos grundsätzlich lang geht natürlich.
Mir sind ja Mulis prinzipiell über, immer gewesen:)) Ich musste mir auch abgewöhnen, mit irgendeiner Sanktion zu drohen und sie dann nicht durchzuziehen. Ich hab hier grad in aller Konsequenz zu verschärften Massnahmen gegriffen, das erste Mal in Sohns Leben! und siehe da, mit Kandare gehts. Am Halfter nicht.

Kvinna, ich glaub nicht, dass Du Gefahr läufst, Gehorchmaschinen heranzuzüchten. WIR gehorchen unsern Kindern oft ohne es zu merken - umgekehrt sind sich die Kinders ihres Gehorsams schon bewusst, glaub ich.

Kingsizefairy hat gesagt…

danke sam :-)

eines habe ich noch vergessen, gibt es auch glaub ich in Buchform und ist ganz, ganz wichtig:

Kinder brauchen Regeln

Und wer gegen die Regeln verstößt, muss eben auch die Konsequenzen tragen.
Wenn meine, als sie noch Kinder waren, gegen Regeln verstoßen haben, habe ich konsequenterweise etwas Schönes gestrichen. Und sei es nur das abendliche Geschichte vorlesen.
Durch den Regelverstoß haben sie mir Zeit gestohlen. Zeit, in der ich Dinge erledigen musste, damit ich abends wiederum Zeit für sie hatte (Geschichte lesen).
Ergo...

Wenn man ihnen das erklärt, verstehen sie das ganz fix.

Mein früherer Chef ging noch einen Schritt weiter.
Eine Familie ist eine Gemeinschaft. Jeder in dieser Gemeinschaft ist dazu aufgerufen mitzuarbeiten, damit die Gemeinschaft Bestand hat und eine gute Zeit hat.
Wer aus dieser Gemeinschaft nur die guten Dinge haben will und schmarotzt, wird von Vergnügen, die alle betreffen ausgeschlossen. Nehmen und Geben muß im Gleichgewicht sein.

Das kann durchaus dem Alter angepasst werden. Auch Zweijährige können schon Papier aufheben und in den dafür vorgesehenen Behälter werfen.

Darüber hinaus denke ich schon, dass jeder Mensch lernen muss, dass es Situationen gibt, in denen sich den allgemeinen Regeln angepasst werden muss.

Das hat nichts mit Gehorsammaschinen zu tun! In einer Gruppe wird das Individuum Teil einer Gemeinschaft. Da gelten andere Regeln. Sowas muss man lernen und zwar früh. In Sportvereinen z.B. . In einem Fußballspiel kann noch lange nicht jeder machen was er will.

LG
die Kingsizefairy

Sam hat gesagt…

Was im Eifer des Gefechts verloren ging:
Gibts bei Euch glatt noch wilde Schachbrettblumen!
*staun*

kvinna hat gesagt…

Zunächst mal habt ihr ja alle Recht. Konsequenz ist das A und das O. Logisch. Weiß ich.

Es kostet aber all' meine Kraft. Ja, Boss sein ist anstrengend. Und ich bin nur ein Mensch. Noch dazu einer, der sich vor nichts so sehr fürchtet als vor einem verzweifelten Kind.

Und dies immer unbewusst zu vermeiden sucht. Weil das eigene innere kleine Mädchen, das verzweifelte, sanktionierte, NIE getröstet worden ist. Das ist nötig, vor allem andern. Sonst komm' ich da nicht 'raus.

kvinna hat gesagt…

Ja, Sam, wilde Schachbrettblumen gibt's hier noch. Aber auch nur im Reservat, nicht einfach so.

Sam hat gesagt…

Kvinna, ich bin auch so ein verdroschenes Kochlöffelkind gewesen. Ich find, es pubertiert sich gründlicher, wenn man eine kranke Mutter hat.

Was ist denn bei Dir mit Zorn?? Ich krieg bis heute einen heiligen solchen wenn mich so eine dumme Kuh ansäuselt, ich riech diese feige Art kilometerweit gegen den Wind. Und finds nicht ungesund. Es schützt mich vor Vereinnahmung und Manipulation.

Ich bin nicht der Meinung, dass man als verzweifelt gewesenes Kind verzeihen muss, ja noch nicht mal verstehen. Es ist doch nicht umsonst passiert, was passiert ist! Wo Du verprügelt wirst, gehörst Du nicht hin und solltest abhauen sobald Du gross genug bist. Das muss reichen, ich find das Leben spricht da eine klare Sprache.

Diese Freidenschliesserei ist vielleicht ein hehres Ziel, aber wenn es jemand erreicht, dann nicht übern Kopf (das wär dann ne hübsche Rationalisierung, effektiv Verdrängerei) sondern durch Erfahrung: Dass Dir sone Energie nix mehr ankann, weil Du sie jederzeit und überall im Leben ERKENNST. Das macht Dich auch unabhängig von Käuflichkeiten aller Art - diese Spezies ist auch sehr materiell. z.B. drohen sie gerne mit Enterben oder wollen Dich mit anderen Gütern zu irgendwas locken, zu ihnen hin halt:)

Ja, ich würde sogar sagen: Es ist Deine Aufgabe (oder die eines jeden "Opfers"), sie blosszustellen wo immer Du sie antriffst. Diese Gschichten gedeihen nämlich nur verdeckt, perfiderweise auch noch unter dem Mäntelchen der Fürsorge.

Überleg mal: Niemals hätte Dich Deine Mutter vor Publikum verdroschen, zumindest nicht vor Leuten, die nicht genauso gestrickt waren. Solche Weiber haben nicht die Spur von Rückgrat (ahja und natürlich keinen Arsch in der Hose:D)

Ich wüsst nicht, warum ICH es verzeihen sollte, wenn die sich ein Leben lang winden und buckeln und biegen und ich krieg als schwächstes Mitglied die Quittung?

Die Kirch hat aus dem Zorn eine Todsünde gemacht. Die warn nicht blöd: Zorn hat eine reinigende, befreiende Wirkung, wenn man ihn sich aus ganzem Herzen zugesteht. Die Kinder zeigen uns noch, wies geht. Wenn der Impuls kommt ein Kind wg. seines ausgedrückten Zornes zu schlagen, weisst Du, woher der Hase läuft. Du willst in ihm niederdrücken, was Dir selbst verwehrt wurde, bzw. Du Dir später aus Angst selbst verwehrst.

Stela hat gesagt…

Hi Kvinna,
ich habe manchmal den Eindruck ,dass du dein Muttersein mit derselben akribisch perfektionistischen Art verfolgst,mit der du auch andere Dinge im Leben anpackst.
Das ist unmöglich,kein Mensch kann diese Rolle ausfüllen ohne dabei "Fehler" zu machen -garantiert würdest du später Dinge anders machen als heute und 100% werden deine Kinder dir später Vorwürfe machen-ganz egal was du tust.
Aber das ist halt so.
Meine Mutter hat mich übrigens nie verprügelt,dazu war sie zu schwach und zu feige.Sie hat was viel fieseres getan:sie hat meinem Vater abends,wenn er heimkam so lange Horrogeschichten über uns erzählt,bis er aufstand und uns
züchtigte.Das fand er normal,denn er hat seinerzeit mit dem Gürtel Schläge bekommen,die seine Mutter auf diesselbe Art bestellt hatte.
Bei meinem Mann lief es genauso und meine Schwiegermutter-eine Heilige,die nie einen Fehler machte,konnte dann sogar noch die Chance nutzen selbst friedenstiftend dazwischen zu gehen wenn "Vati" ZU BÖSE wurde-oder zu gewalttätig.
Zum Kotzen!Da finde ich ja die selbstschlagenden Mütter echt noch
vielmal besser,die stehen wenigstens zu ihrem Zorn und dessen
Folgen!
Ich werde meinem Vater diese Scheisse nie verzeihen,das hab ich ihm gesagt und ihn auch gefragt warum er seinem Vater das je verzeihen konnte.
Don't worry,du machst das echt gut!
Stela

Kingsizefairy hat gesagt…

Stela, das ist ja echt übel....

Kvinna, ich denk auch, mach dir nicht so einen Kopf. Fehler sind dazu da, gemacht zu werden.

Und wenn dich die Wut übermannt, geh nach nebenan und prügel auf ein Kissen ein oder so.

der Gauzibauz hat gesagt…

Ich lese mit Interesse eure kommentare.
@Sam: Deine Theorie hat einen Denkfehler! Kein misshandeltes und zerstörtes kind wird sich von selber wehren oder sich den berechtigten Zorn auf die Mutter erlauben. Die Praxis zeigt, dass die mit einer ganz starken Liebe an Ihren Peinigern hängen. Denn die sind alles was sie haben. Schläge, Misshandlungen sind ein weites Feld und ich möchte nicht abwägen wer "mehr misshandelt" wurde.

Und wenn wir grad beim Schlagen sind, meine Jüngste hab ich noch nicht einmal geschlagen. Gewürdigt wurde das nicht. Heut, nachdem mein e Welt total aus den Angeln gehoben wurde frag ich mich schon, ob meine Mutter viell. oft nicht anders konnte. was wäre wenn...

Sam hat gesagt…

Gauzi, das ist keine Theorie, das ist Praxis.
Kinder, die wie auch immer daheim übel behandelt wurden (es gibt ja viele Arten der Perfide) und sich NICHT aus diesem System befreien, wenn sie HERANWACHSEN, werden zwangsläufig krank.

Das, was Du beschreibst ist genau dieses Phänomen: Sie bleiben in vermeintlicher "Liebe" an Ihren Peinigern hängen, weil sie den nötigen Sprung, von dem sich übrigens kein Kind ewig drücken kann, nicht stehen.
Das ist keine echte Liebe, das ist kindlichste Bedürftigkeit, in der sie hängengeblieben sind. Denen wächst keine eigene Identität zu, keine Persönlichkeit, und die suchen sich natürlich ihr Leben lang Übungspartner um das Pubertieren zu lernen. Die werden solang "Co-" irgendwas, bis sie völlig am Ende sind.

Drum sing ich ja ein Loblied auf den Zorn. Ich glaube jeder trägt das Potential dazu in sich. Wenn Du z.B. körperlich angegriffen wirst, also richtig lebensbedrohlich oder auf Deine Würde zielend, kommt der hoch. Das ist dann Adrenalin pur. Ein Notprogramm. Du hast eine unglaubliche Kraft wenn Du Dich dem stellst (ähnlich wie beim Gebären - tierhaft) keine Schmerzen, wenn Du verletzt wirst, jeder Moment dauert endlos,Du erlebst ihn mit hellwachen Sinnen und grosser Klarheit, wenn Du jetzt sterben würdest wärs auch wurscht.
Mit dieser Anlage kommst Du durch jede Angst, auch die Angst vorm Sprung. Ich z.B. erwecke sie mir absichtlich bei Spinnen:), das ist dann meine einzige Chance.

Vermeidest Du den Zorn, fällst Du in die Lähmung. Das ist ein Verhalten, das sind so alt und so in unserer Biologie verwurzelt, dass Du es nie leugnen kannst. Eine Mutter kann Dir das sowenig rausprügeln wie das Zwinkern, wenn Dir was ins Auge fliegt.

Die Praxen von Therapeuten sind aus dem Grund knallevoll, weil diese Anlage unterdrückt und damit pervertiert wird
z.B. äussert sich das auch über prügelnde Männer und die Frauen, die immer wieder zu ihnen zurückgehen bzw. nur in die nächste destruktive Kiste flüchten.

Und Gauzi, wieso sollte Deine Jüngste das bitte "würdigen" dass Du sie nicht geschlagen hast??? Ich weiss ja nicht, was los war, aber sie scheint sich von Dir gelöst zu haben. Ist das nicht sowas von gesund und ok? Vielleicht hatte sie grad einen richtigen Zorn auf Dich:)? Oder wärs Dir lieber, sie spielte Dein Programm nach?

Sorry Kvinna, das ist jetzt schon wieder GANZ weit von deinem Thema. Mich triggert das immer. Weil dazu soviel gedacht und rationalisiert wird, aber sowenig empfunden.

der Gauzibauz hat gesagt…

Ja-ja, das Triggern!
Trotzdem fall ich nicht dein Selbstlobhalleluja ein. Ganz sicher ist nicht alles Gold was glänzt und durch mehrfaches wiederholen werd auch nix wahrer.Meine Erfahrung sagt, dass bei denen die im Leben der Andern immer so gut Bescheid wissen
i. d. Regel gar nix stimmt. Papier und Tasten sind geduldig. :)

kvinna hat gesagt…

Ihr Lieben!

Danke für das mitfühlende Verständnis. Ich seh' die Ferien immer so auf mich zukommen und habe keinen Plan B. Also habe ich auch ein gutes Stück weit selbst Schuld. Obwohl ich der Meinung bin, dass das nicht allein MEINE Aufgabe ist.

Wut und Angst, da hat Sam was aufgerührt bei mir.

Gauzi, aus meinem Erleben kann ich dir nicht zustimmen in diesem Punkt: "Kein misshandeltes und zerstörtes kind wird sich von selber wehren oder sich den berechtigten Zorn auf die Mutter erlauben."

Ich habe mich angepasst und geduckt, solange ich klein war. Als Heranwachsende kam irgendwann der Punkt, an dem ich wusste, ich wäre im Stande, meine Mutter zu töten. Da bin ich unter äußerst dramatischen Umständen ausgezogen.

Heute hasse ich meine Mutter nicht mehr. Ich weiß, warum sie so gehandelt hat, wie sie es tat. Sagen wir, es ist so eine Art schräger Waffenstillstand von meiner Seite entstanden. Aus ihrer Sicht ist alles sauber zwischen uns.

Sicher bin ich indes nicht vor meinen Gefühlen.

Ich dachte eigentlich, die Wut wäre erledigt.

Jetzt habe ich einiges zu denken.

Und bitte, Gauzi, was soll der Angriff am Schluss? Ich sehe nicht, dass du Grund hättest dazu.

der Gauzibauz hat gesagt…

Kvinna, tut mir leid, dass ich deine Plattform für meinen Zorn missbraucht habe.

Ja, du hast ganz recht, irgendwann wehrt sich das kind in irgendeiner Form. Ich tat es indem ich meiner Mutter die Arme festhielt. Was ich meinte war Hilfe von aussen holen, das wird kein misshandeltes Kind tun. Wie kommen sonst die vielen toten Kinder zustande?
Aber, das ist kein Grund den Rest seines lebens aus dem Herzen eine Mördergrube zu machen. Ich finde es vermessen sich anzumassen, zu wissen und zu fühlen was andere fühlen und darüber zu urteilen. Mit Personen im Leben kann ganz leicht gebrochen werden, aber, wenigstens fühle ich es so, mit der Mutter ist das anders. Und du wirst auch zugeben, dass im Nachhinein Vieles in anderem Licht erscheint. Ich weiss jedenfalls, dass meine Mutter oft nicht anders konnte, sie hatte Fehler und Schwächen wie wir sie auch haben.
Und noch was zum Schluss: Arsch in der Hose hat jede Raupe, jeder Wurm, vorausgesetzt man trätzt ihn lang genug!

Deine Diskussion kommt meinem Thema ganz nah. Der verlogene Muttermythos! Ich meine nicht die blöden Lilliththeorien, sondern ganz einfach das was du jetzt im Moment auch hast. Einfach dieses in die Enge getrieben sein, die ständigen Streitereien die eine kirre machen. Und das NICHT zuschlagen, obwohl in diesem Moment
der ganze Körper danach schreit.
Ich wünsch dir weiterhin die nötige Geduld//E.

Kingsizefairy hat gesagt…

Ohne dir nahetreten zu wollen, Erika, aber ich finde du projezierst hier deine Probleme ganz massiv auf Kvinnas.

Ist es nicht einfacher zu akzeptieren, dass jeder sein Päckchen zu tragen hat und jeder trägt es auf seine Weise?

Du kannst für dich sagen, dass du es so und so empfindest und/oder empfunden hast.

Kvianna wird das vermutlich ganz anders. Sam auch. Ich auch.

Jeder Mensch ist anders und jedes Empfinden auch. Das kann man nicht generalisieren

Und das mit der nicht erfolgten "Würdigung" deiner Tochter. Entschuldigung, aber es sollte eigentlich normal sein, dass man seine Kinder nicht verdrischt. Dazu bedarf es keiner Würdigung des Kindes.

Irgendwie kann ich deinen Denkkonstruktionen oftmals nicht folgen. Sie sind mir zu... äh..."weird". Mir fällt grad das deutsche Wort nicht dazu ein, sorry.

der Gauzibauz hat gesagt…

Meine Rede!
Ich projeziere nix auf niemanden. Wenn du mir nicht folgen kannst, naja, viell. drück ich mich manchmal ungeschickt aus. Dieser Kommentar steht am Ende einer langen Reihe und mir war schon beim Schreiben klar dass ich dafür Schelte ernte. Aber keine Sorge, ich trags mit Fassung :)

Mit nicht würdigen meine ich, dass obwohl meine Tochter nie Gewalt erfahren hat, sie Gewalt ausgeübt hat. Oder würdest du in diesem Fall Danke sagen?

Sam hat gesagt…

"Ich habe mich angepasst und geduckt, solange ich klein war. Als Heranwachsende kam irgendwann der Punkt, an dem ich wusste, ich wäre im Stande, meine Mutter zu töten. Da bin ich unter äußerst dramatischen Umständen ausgezogen."

Gell? Sowas passiert aus verzweifelter Not-wendigkeit und nicht als Geste.
Ich hasse meine Mutter übrigens auch nicht, ois lang rum - und ohne das Erlebte wärn mir nicht da, wo wir sind, das ist auch klar. Aber diese Energie dahinter, die hats mir einfach angetan:))

@gauzi:
"Mit nicht würdigen meine ich, dass obwohl meine Tochter nie Gewalt erfahren hat, sie Gewalt ausgeübt hat. Oder würdest du in diesem Fall Danke sagen?"

Gauzi, ich weiss wie gesagt nicht, was los war mit Dir und Deiner Tochter, Du ergehst Dich da wieder mal in Andeutungen und ihre Komments auf Deinem Blog hast Du zum Teil wieder gelöscht. Vor allem den, dass es ihr jetzt gutgeht.

Ich finds schwer daneben was Du da mit Deiner Tochter treibst, also hier mal ein Ründchen Klartext:

Keine Gewalt will sie erfahren haben von Dir???
Vielleicht keine körperliche.
Ich empfinde die Art, wie Du Ihren wichtigen Schritt in Deinen Blog zerrst und ihr dann dort auch noch den Mund verbieten willst durchaus als Gewalt.
Deine Wut in allen Ehren, ich nehm Dir jedenfalls die verfolgte Unschuld nicht ab. Kein Kind löst sich mit Gewalt, wenn es nicht MUSS (siehe oben)
He!!! das ist Deine jüngste Tochter und nicht irgendeine Nachbarin, die sich locker wehren könnte!

Wäre ich an ihrer Stelle, Du könntest vermutlich was erleben.
Vielleicht hätt ich Dir aber auch nur ein paar Deiner Porzellanengerl und Schamanenrasseln um die Ohren gehauen, so als Geste:)

der Gauzibauz hat gesagt…

Danke Sam, jetzt warst wenigstens mal ehrlich und hast dich nicht hinter dem verhassten Waage-Aspekt, dem pappigen Griessbreigemüt und dem fehlenden Arsch in der Hose versteckt. Das hab ich mir zu lange unerwidert reingezogen. Hat deine damals plötzliche Abneigung was damit zu tun, dass ich keine Beratung mehr brauchte?

Kingsizefairy hat gesagt…

Sach mal...

kloppt euch doch privat, wie wär es denn damit?

Das hier ist KVINNA's Blog und kein Forum.

Und bis zu einem gewissen Grad muss ich mit Sam's Worten anschließen:
so lange ich nicht klar weiß, worum es geht (bei dir und deiner Tochter), kann ich mir auch kein Urteil erlauben (...oder würdest du Danke sagen?...)Ich kann es aus der Ferne nicht beurteilen, da ich nicht dabei war. Ich habe versucht, es puzzlemäßig aus deinem Blog rauszuziehen, mir einen Reim drauf zu machen bzw. einen Raff an die Sache zu bekommen. Geht aber nicht. Daher kann ich dazu auch nicht viel sagen.

Gewalt hat viele Gesichter und ist nicht nur körperlich.

Außerdem, wie schon mal ein Philosoph so treffend schrieb: nichts kann ohne Sinn existieren.

Es haben schon die sanftesten Ehemänner ihre Frau erschlagen, weil sie von morgens bis abends nur nörgelte und klagte. Auch eine Form von Gewalt.

Wenn ich früher nicht "spurte", war ich tagelang für meine Mutter Luft. Sie sprach nicht mit mir und ignorierte mich völlig, bis ich regelrecht darum winselte, dass sie doch meine Entschuldigung annehmen und mich wieder zur Kenntnis nehmen würde. Keine Gewalt?

Friedliche Grüße

die Kingsizefairy

Anonym hat gesagt…

Hallo,

in mir kochen auch schon seit einigen Wochen Zorn und Wut. Zum Verprügeln habe ich hier leider niemanden, vielleicht auch ganz gut.

Also, mein Vater hatte mit seiner ersten Frau zwei Kinder, meine 25 Jahre ältere Halbschwester und meinen 20 Jahre älteren Halbbruder.

In dieser Ehe begann dann das Verhältnis mit meiner Mutter. Ich wurde geboren und die Ehefrau meines Vaters brachte sich mit Gas um, als ich drei Monate alt war. Mein Halbbruder fand sie, mein Vater soll da gerade bei meiner Mutter gewesen sein.

Jedenfalls hatte ich immer das Gefühl, dass ich an allem Schuld bin.

Meine Halbschwester lebt alles über die wildesten Krankheiten aus. Mein Halbbruder ist eine tickende Zeitbombe, fast authistisch "immer lieb".

Vor vier Jahren wurde mir mitgeteilt, dass er das Grab meines Vaters aufgelöst hat. Mich hat niemand gefragt. (Wahrscheinlich wollten sie mich nicht belasten, weil ich zu der Zeit meine Mutter drei Monate beim Sterben begleitete.)

Ich hab die Wut darüber mit mir bis heute rumgeschleppt. (Ich hatte immer Angst, wenn ich das anspreche tickt mein Halbbruder völlig aus.) Doch dann ging es nicht mehr.

Ich habe ihm vor einiger Zeit gesagt, dass ich gern gefragt worden wäre, wegen der Grabauflösung.

Er ist total ausgeflippt, und behauptet zusammen mit seiner Frau, dass sie es mir gesagt hätten, für meine Vergeßlichkeit könnten sie nichts!

Sie wollen nicht mehr darüber reden, die Vergangenheit wäre abgeschlossen!

Und es soll doch alles so gemütlich bleiben wie es war!

Also ich bin gerade mal wieder ein ganzes Stück erwachsener geworden.

Meine Wut reagiere ich mit 10 km Läufen und Holzhacken bei meiner Freundin ab.

Vielleicht ist es wirklich gut, den Familienverband hinter sich zu lassen, sich seine eigenen Gedanken zu machen und Wut von Früher und Jetzt rauszulassen.

Was sie tun oder lassen ist ihre Sache.


Ich als Kind wurde außer Ohrfeigen nicht geschlagen, meine Mutter hat immer mit Selbstmord gedroht.

Ich spüre erst so seit fünf Jahren richtige Wut. Und ich lasse sie raus!


Grüße aus Dresden,

Ulrike

Zwillings-Sonne hat gesagt…

Ich finde - übrigens aus eigener und gelebter Erfahrung - es geht gar nicht darum, die Wut ungenutzt "herauszulassem", sondern sie als eigene Kraft zu erkennen, die dann - nach erfolgter Lösung vom jeweiligen Clan und den jeweiligen alten Geschichten - für einen selbst wirken kann. Sie herauszulassen oder gar gegen die vermeintlichen PeinigerInnen zu richten, ist Vergeudung von purer Power.

Wenn ich Wut empfinde, gibt mir das meistens gleichzeitig sehr viel Kraft, zum Beispiel um einen Gegener zu schlagen. So habe ich mal einen Wettbewerb gewonnen - und lief zur Höchstform auf, nur, weil eine arrogante Person mich stinkwütend gemacht hat.

Es gibt aber auch diese Wut, die gar keine ist und deshalb ist es mit dem "Herauslassen" derselben nicht wirklich gut: Bei mir ging es über einige Monate lang so, daß ich mich über mich selbst erschrocken habe,zu was für einer Furie ich binnen Bruchteilen mutieren kann, wenn einer den Finger in meine offene Wunde legte. Das ging soweit, daß ich mich völlig selbst vergessen habe, das versteht man wohl unter "blind vor Wut".
Irgendwann habe ich festgestellt, daß mir das letztlich zutiefst selbst schadet und mein System vergiftet - und außerdem, daß sich hinter dieser unbändigen Wut ein tiefer liegender Schmerz verbarg, der gefühlt werden wollte. Aber eine Erfahrung war es schon wert.

Erforderlicher Mut in Grenzsituationen hat für mich weniger was mit Wut zu tun.

So ein wenig mehr Wut in angebrachten Situationen stände glaube ich einigen Frauen gut. Ist zumindest schon mal klarer im Ausdruck als diese mir verhaßte Subtilität, oft gepaart mit vorwurfsschwangerem Tonfall oder der Erwartung, das gegenüber solle hellsehen und die Wünsche an der Stellung der Haarspitzen ablesen können.

Die Wut kommt genau so in Form von Serpentinen wieder, um nochmal angeschaut zu werden, wie alles andere. Deswegen denken wir auch so oft, wir wären "fertig" mit was, bis es sich dann wieder meldet, nur ein wenig anders und tieferliegend.

Zur Zeit habe ich gerade Frieden und gemerkt, daß alle Vorstellungen über Familie und Frieden und Verzeihen eben auch nur Vorstellungen sind.
Es geht mir gut, ich bin gesund und das Leben erweist sich mir gegenüber als freundlich - das ist wirklich sehr erholsam. Und ich bin ein freier Mensch.

Kvinna, wieso regelst du das nicht irgendwie anders, daß die Kinderchen partiell woanders bespaßt werden? Oder läßt sie halt mal konsequent vor irgendwelchen Bildschirmen rumhängen und/oder sich langweilen - das gehört auch zum Leben -, statt für Bespaßung zu sorgen? Den Vorschlag von Kingsizefairy, sie sollen dir mindestens eine Stunde am Tag für dich allein schenken, finde ich gut! Vielleicht finden die das sogar spannend?

Manchmal habe ich übrigens den Eindruck, bis auf Stela sind hier alle Mütter meist überfordert mit den Kindern und die Kinder werden teils wie Blutsauger dargestellt ... trotz besagter Liebe.
Wo ist eigentlich die andere Seite der Medaille, nämlich, daß Kinder auch ungeheuer viel geben?
Steinigt mich dafür ...
ich bleibe dennoch frohen Mutes,
Anuja

Kingsizefairy hat gesagt…

Klar geben Kinder auch viel, aber je älter sie werden relativiert sich das. Mein Teenager gibt mir zur Zeit nur erhöhten Blutdruck und Plakk *narf*
Meine große Tochter gibt mir viel Fürsorge zurück zur Zeit, gerade dann, wenn ich eine emotionale Schieflage habe, verordnet sie mir eine Auszeit mit einer Tasse Kaffee oder sonstwas.

Es kommt immer auf das Alter der Kinder an, finde ich .
Mein Stiefenkelchen zum Beispiel hat mir wieder mal gezeigt, dass es nichts schöneres gibt, als zwei klebrige Händchen im Gesicht und ein angemanschtes Kinn...vor lauter Liebe *gggg*
Aber bitte nur von Kleinstkindern.

Nebenbei fühlte ich mich von meinen Kindern seltenst überfordert. Und wenn, kam die Überforderung meist von mir, weil ich die Messlatte für das, was meiner Meinung nach von meiner Seite aus kommen sollte, viel zu hoch gelegt hatte.

Nur auf die Teenagerzeit / Pubertät kann ich offen gestanden dankend verzichten...

Ursel hat gesagt…

Hallo zusammen,

na, da war ja wieder alles dabei ;)

Danke, Kvinna !
Auch für die schönen Frühlingsfotos ! Ist das nicht die Küchenschelle/Pulsatilla ??

Hab zum Glück wenig Fänge bekommen, aber, wie gesagt, es gibt auch andere Arten von Gewalt..
Selber sind mir schon einige Male die Hände ausgerutscht, war nicht schön, aber ich glaube, meine Kinder und ich haben dadurch gelernt, wo meine Grenzen liegen. Mittlerweile geht es auch ohne, zur Not kann ich meine Stimme auch mal erheben. Gesangsunterricht, hehe !
Ich kann Kingsizefairy und Sam echt nur zustimmen.
Und Anuja, ich gehör' auch noch dazu :)
Zu den weniger überforderten Müttern. Bin manchmal ganz baff, was die beiden Mädels alles allein managen :) Da zeigt die 10-jährige Schwester der 6-jährigen ohne Aufforderung, wie man über die Strasse gehen muss. Und es funktioniert !!

LG an alle
Ursel (ohne Osterferien)

kvinna hat gesagt…

Uff, das ging ja Schlag auf Schlag, so lange war ich doch gar nicht weg??

Ja, Ursel, es ist von allem was dabei. Und das sind wirklich Schachbrettblumen, ob mit Pulsatilla verwandt, weiß ich grad' nicht, könnt' aber sein.

Ulrike, deine Wut kann ich gut verstehen. Mein Vater hatte das mit den Schuldgefühlen auch gut drauf bei mir, dieses "Sieh nur wie ich leide!" Damals, frisch 'raus aus diesem irren Elternhaus, habe ich einen Kanal für meine Wut gesucht und erst mal keinen gefunden. Meine Mutter kam in die geschlossen Psychiatrie nach einer Zeit und so jemanden kann frau nicht treten, das geht gar nicht. Das schwierige - jedenfalls für mich - war immer, dass ich die Wut gegen mich selbst gerichtet habe und dazu neige ich wohl heute noch.

Gauzi, ich finde schon, du projizierst. Meine Mutter hat mir auch Egoismus vorgeworfen, als ich ging. Was in deinem Blog auftauchte, erinnerte mich allerdings sehr stark an das, was MEINE Mutter mit MIR angestellt hat, als ich dabei war, zu gehen. Letzten Endes war es für MICH eine lebenserhaltende Maßnahme, mich ihrem Machtbereich zu entziehen.

Und ich fand nicht deine Wut sondern deinen Stich gegen Sam unangebracht, weil sie dich nicht gestochen hat. Nur freundlich auf etwas aufmerksam gemacht, über das nachzudenken sich lohnen könnte.

Und ich weiß, dass meine Kinder sich eines Tages auch freistrampeln werden, um ihren Weg zu gehen. ICH sammle heute schon meine Kräfte, damit ich sie DANN loslassen kann.

Ich mache bestimmt viel falsch. Ich schlage sie nicht, aber ich WEIß, dass sie mir dennoch einiges vorzuwerfen haben werden an diesem Tag, der noch kommt. Das KANN ich gar nicht verhindern, dass sie mir berechtigte Vorwürfe machen, das ist unmöglich.

Und Friede, Freude, Eierkuchen wär' ja auch unerträglich. Kein Kind, das seine Eltern nicht im Rückblick mit einer gewissen Ernüchterung betrachten kann, ist wirklich gereift.

Und, Anuja, ich liebe meine Kinder. Ich finde sie wunderbar, ich würde JEDERZEIT wieder drei Kinder so kurz hintereinander kriegen. Sie sind unschlagbar, sie sind originell, entlarvend, erhellend.

Aber sie können auch zermürbend sein. Manchmal tun wir uns gegenseitig nicht gut. Und nur dann tauchen sie hier in meinem Blog auf, das macht das Bild vielleicht etwas einseitig.

Nur Schokolade gibt's eben nicht. Das ist mal wieder typisch für mich: ALLES hat zwei Seiten.

kvinna hat gesagt…

Botanischer Nachtrag für Ursel: die Schachbrettblume gehört zu den Lilien-, die Küchenschelle jedoch zu den Hahnenfußgewächsen.

Sam hat gesagt…

Astrologisch-anatomischer Nachtrag für Gauzi:

Ich hab Dich als Löwe/Jungfrau in Erinnerung und nicht als Waage und Deinen Hintern, mit Verlaub, den kenn ich nicht, nie gesehen.

Gauzi, wenn Du in Deinem Blog, also öffentlich, Nebelkerzen nach Deiner Tochter wirfst um sie damit blosszustellen, brauchst nicht glauben, dass ich mich höflich wegducke.

Ich hab dieses Spiel ungezählte male miterleben dürfen und kenns überdies aus eigener Erfahrung: Eltern, aber zu 99% Mütter, die ihre Kinder ein Leben lang verfolgen mit ihrem Anspruch und ihrem Hass, der dann zutage tritt, wenn die Kinder ihr eigenes Leben leben. Also ihr Schicksal, ihre Lebenskraft aus der Verfügungsgewalt der Mutter holen.

Das ist eine knallharte Machtfrage kein Spass, da gehts um Leben und Tod.
Warum sonst meinst Du, kommen soviele Mütter in die Psychatrie oder werden lebensberohlich krank wenns die Tochter oder der Sohn (manchmal ists auch ein Ehemann) geschafft haben, sich zu lösen?
Weil sie ihr Verdrängtes nicht mehr an ihnen loswerden und auf den Schlag selbst damit klarkommen müssen, nichts mehr davon delegieren können.

Schaffens die Kinder nicht, den Kleber der Mutter abzustreifen haben sie die Arschkarte. Kriegen kein eigenes Leben zusammen, (keine eigene Existenz mein ich) fangen das Saufen an oder zerstören sich sonstwie.
So einfach wie lebensgefährlich ist das.

Drum hab ich dem Zorn ein Loblied gesungen (nicht mir, wie Du mir unterstellt hast) weil das eine klare, rücksichtslose Energie ist, an der beleidigtes Leberwurschtverhalten, Moralität, Liebesentzug, Drohungen, Lockungen, maskierte Niedertracht, Erpressungen etc. pp. abperlen. Drum ist er auch tabuisiert: Einem Zornigen kannst du so schlecht an wie einen Lachenden. Er ist frei und an diese uralte, universelle Energie angeschlossen, gemeinhin "Lebenskraft" genannt. Ein Ego zählt da nimmer.

Vielleicht triffts das lat. Wort "furor" besser, da wird die Wildheit desselben klarer.

Auch Dir Ulrike, kann ich nur wünschen, dass Deine Wut eines Tages Kontur und Richtung kriegt. Der Furor ist ein Brennglas, der notfalls mit einem einzigen Funken einen Wald abfackelt, wenn er dir die Sicht und die Luft zum Leben nimmt.

kvinna hat gesagt…

"furor" DIE Furie, fällt mir grad' auf. Danke, Sam, deine Kommentare sind wie Schnaps - brennend, scharf, aber glasklar und aufräumend!

Und ich bin mir nicht sicher, ob ich mein eigenes Unerledigtes ausreichend von meinen Kindern fernhalte... denn einfach nur alles anders machen als die eigene Mutter reicht nicht, hilft nicht.

Wär' schön einfach, ja.

Kingsizefairy hat gesagt…

off topic (tschuldigung Kvinna)

was sind Nebelkerzen und warum ist man ein "Menschlicher Abgrund", wenn man das anprangert?


*nixraff*

Sam hat gesagt…

Kvinna, ich glaub niemand hält seine alten Gschichten von den Kindern fern, ob er will oder nicht.
Na und? Sie sind so voller Lebenskraft, der besten Medizin gegen Moder damit werden die fertig. Die haben noch keinen falschen Respekt vor unserem Selbstbild und unseren Vorstellungen und ich bin sicher dass Du ihnen auch keinen aufzwingst.

Ich find ja, dass einem die Kinder oft erst zeigen, wo noch ein Hase im Pfeffer liegt, bzw. bie mir ist das so. Ich hab eine Menge von meinem Sohn gelernt und lerne immer noch.

@kingsizefairy: "Nebelkerzen" ist Blödsinn, sorry. Entweder Nebler (Disco, Konzerte = Trockeneiswabermaschine) oder Rauchkerzen. Das sind so Stäbe, die aktivierst Du und die machen dann eine irre Menge dicksten Rauch. Z.B. für die Bergrettung - damit der Heli Dich findet.
Ich meinte damit: Auf eine Tatsache hinweisen, sie deutlich "markieren" aber eben gleichzeitig verschleiern. (Verständlich jetzt??)

Und wenn Du dann einen Einer Wasser hinkippst weils Dir zuviel stinkt bist Du ein menschlicher Abgrund. Schätz ich jetzt mal.

Stephanie hat gesagt…

Wenn Frau zum Thema Mütter – Töchter – Großmütter im Internet recherchiert, wird ein Trend besonders deutlich. Die eigenen Mütter sind problematisch, inkompetent, zerstörerisch, sie besitzen eine Verfügungsgewalt, mit der sie nicht umgehen können, sie können ihre Kinder nicht lieben und ihre Niedertracht verhindert die Entwicklung der Tochter zum freien Individuum.
Dieser manchmal schon geballte Hass, lässt mich nach Luft schnappen und mein Aufruf zur Mütter - Solidarität bleibt mir im Hals stecken.
Sam schreibt:
„Warum sonst meinst Du, kommen soviele Mütter in die Psychatrie oder werden lebensberohlich krank wenn, die Tochter oder der Sohn (manchmal ists auch ein Ehemann) geschafft haben, sich zu lösen?..."

Ja, die gescheiterten Mütter! Für so manche war und ist es der letzte Punkt des Verlassenwerdens. Alleingelassen. Endgültig aus der Sippe verstoßen. Die Ängste sind wahr geworden, die sie seit ihren Kindertagen als Bürde mit sich herum getragen haben. (Wovor hast du Angst? Dir geht es doch gut!) Als Kind, verlassen von der Mutter, gewissermaßen von allen Müttern, da diese auf den Mann eingeschworen wurden..
Sie reicht diese Verlassenheit weiter an ihre Kinder, sie hat nichts anderes gelernt (und unser Wissen, unsere Aufgeklärtheit, unser Bewusstsein ist auch erst 20, 30 Jahre alt, wie alle wissen). Vielleicht vom eigenen Vater nicht beschützt, eher bedroht und das muss keine körperliche Gewalt gewesen sein. Sowie dem permanenten Stress patriarchaler Verhältnisse ausgesetzt sein, der ja bekanntlich nicht weniger wird.
Und die eigenen heranwachsenden Kinder „nabeln“ sich nicht einfach mal so ab, indem sie erklären: he, ich kann schon dieses und jenes, lass es mich mal ausprobieren.
Nein. da wird auf die unsinnigste Weise gekämpft, meist gegen die Mutter. Und dabei vergessen alle, dass die momentanen Regeln gar nicht von den Müttern gemacht wurden. Als Vollzugsbeamte des Papasystems stehen sie quasi in Lohn und Brot der Gesetzgeber und müssen sich oft genug für Fehlentscheidungen oder Fehlentwicklungen bei der Steuerung des Nachwuchses verantworten. Ja, sie sind so gut gedrillt, dass sie sich und ihren Kindern in vorauseilendem Gehorsam eine tägliche Hölle bereiten. Aber vielleicht ist es auch dauernde Kraftlosigkeit, totale Erschöpfung, die sie gelernt haben zu verbergen und zu verdrängen.
Der Kampf der Einzelnen um Anerkennung, um Zuwendung, ohne richtige Unterstützung. Mütter sind in dieser Gesellschaft gestern und heute ziemlich einsame Wesen, selbst mit einem treusorgenden Gatten an ihrer Seite.
Diese Mütter können heute zusehen, wie die nächste Generation in den gleichen Fallen sitzt. Und die Halbwüchsigen mischen kräftig mit, dafür gibt es ja inzwischen 24 Stunden - Berieselung in Form von Serien, Filmen, Jugendliteratur, Comics, Artikel in Kinder und Jugendzeitschriften, die deutlich zeigen, dass der mündige dreizehnjährige Mensch sich auf alles mögliche, nur nicht auf die Mütter / Eltern verlassen sollte. Dementsprechend fallen ihre Aktionen auch weniger pubertär*, sondern eher kindisch oder gefährlich aus. Weil das alle so machen, weil das TeenieKind so was von erwachsen sein möchte, ohne die dazu gehörige Verantwortung gelernt zu haben. Es wird einem gesellschaftlichen Wertesystem hinterher gehechelt, nicht nur von den Jugendlichen und Kindern, sondern auch von den Müttern, die diese Ausbildung bereits durchlaufen haben.

* Jede soziale Fehlentwicklung im System oder diverse gesellschaftliche Verhaltensstörungen, wird dem einzelnen Kind als persönliches pubertäres Verhalten angelastete.

Es tut mir leid, der Beitrag ist ein bisschen lang geworden, aber kürzer ging es nicht
Stephanie

kvinna hat gesagt…

Stephanie, ich glaube, wir reden aneinander vorbei.

Sam, das genau sind diese kruden Situationen, die mir selbst auf die Nerven gehen und in die ich doch immer wieder hineingerate: ich versuche den Kindern etwas aufzuzwingen und sie in eine Form zu pressen, weil ich das mal so gelernt habe.

Und weil ich aus Angst ständig ALLES und JEDES hinterfrage, was ich von den Kindern verlange, mir also meiner selbst auch da nicht sicher bin, wo ich es sein dürfte und müsste, bin ich nicht überzeugend.

Da haben die Kinder dann keinen Respekt mehr. Auch nicht den gesunden und natürlichen.

Kingsizefairy hat gesagt…

kvinna, nur mal ein beispiel (ich glaub, ich habe zur zeit ladehemmung im hirn..)

wenn du zu deinen kindern sagst: mit dreckigen händen wird nicht bei tisch gesessen, also hände schrubben, bevor man sich an den tisch setzt zum essen.

hinterfragst du das?

wenn du etwas anordnest, weil du es so gelernt hast, dann achte doch mal auf dein bauchgefühl. fühlt es sich für dich richtig und gut an, ist doch in ordnung. dann musst du das vor den kindern nicht rechtfertigen, dann ist es eben so und basta. hugh ich habe gesprochen.

ist es etwas, was sich für dich nicht so gut anfühlt, dann vielleicht lieber erstmal nachdenken, ob es keine variationen oder alternativen gibt, die zum gleichen oder ungefähren ergebnis führen, die sich aber für dich im bauch besser anfühlen.

mütter sind nicht unfehlbar, keiner ist das.

auch der alte spruch: die freiheit des einzelnen hört da auf, wo die der anderen anfängt. Gilt auch umgekehrt. und gilt auch im hinblick auf mütter und kinder.

du machst das schon....



@ sam
halbwegs verständlich. Abgrund vermutlich eher, weil man nicht der gleichen Meinung ist und/oder das gutheißt. Oder so. Oder bei Obi ;-)

kvinna hat gesagt…

Danke, Kingsizefairy. Natürlich hast du Recht. Was mir oft fehlt, ist die innere Ruhe. Die ist mir irgendwo in den letzten Jahren flöten gegangen.

Im Bezug auf die menschlichen Abgründe kann ich nur sagen: die einen stellen sich zu sehr selbst in Frage, die andern zu wenig.

Schamanca hat gesagt…

Der Kochlöffel... daran erinnere ich mich auch, den gerbauchte meine Mutter und schlug ihn auf meinem Unterarm kaputt. Natürlich war ich schuld. Wie sich die Geschichten gleichen.

herzliche Grüße
silvia

kvinna hat gesagt…

Ja, Silvia, wenn frau über'n Tellerrand schaut, entdeckt sie überall dieselben Geschichten. Einerseits ernüchternd, andererseits aber auch erleichternd, dass der Scheiss nicht einzigartig ist.