Donnerstag, März 06, 2008

Christliche Kunst und Zölibat... -editiert-

Als ich 2006 meinen jährlichen Ganz-Alleine-Urlaub in Trier verbrachte, steckte ich gerade mitten in dem Buch "Das Kreuz mit der Kirche - Eine Sexualgeschichte des Christentums" von Karlheinz Deschner und fand die Erhellungen darin geradezu ungeheuerlich, als habe jemand eine riesige Windmaschine angeworfen und den süßlichen Nebel der offiziellen Kirche vom Christentum heruntergeweht.

Diese Darstellungen hier trafen mich daher so sehr, dass ich an mich halten musste, um meine Erkenntnis nicht in lautem Gelächter zu äußern. Im Bischhöflichen Dom- und Diözesanmuseum wurde ich nämlich ob meines Verhaltens schon die ganze Zeit etwas schräg angesehen ;)



Diese Dame war, wenn ich's recht erinnere, irgendeine italienische Adlige, die für ihren Glauben gefoltert und deshalb heilig gesprochen wurde. Der Künstler hat sich große Mühe gegeben, sehr plastisch darzustellen, was die Übeltäter mit den Brüsten der Dame machten. Damit hat er sich selbst entlarvt.


Dieser Steinmetz muss Humor gehabt haben. Was dem Pilger da seitlich am Gürtel baumelt, gehört anatomisch eigentlich woanders hin.




Irgendwann kam von irgendwoher die Vorstellung ins Christentum hinein, sich Gnade und Erlösung durch Verzicht und Selbstkasteiung erkaufen zu können und zu müssen. Kam den klerikalen Obrigkeiten natürlich sehr gelegen.


Ein Priester, der keine Frau und keine Kinder zu ernähren hat, ist durch seine mangelnde Verankerung im Weltlichen leichter zu regieren, kostet weniger und bei seinem Tod kommen den Kirchenvätern keine Erbansprüche Angehöriger in die Quere. Dumm nur, dass die Triebe irgendwohin müssen und sich bis zum Wahn steigern können, wenn sie nicht befriedigt werden. Viele "Erscheinungen" verdanken wir ganz sicher diesem unnatürlichen Zustand.


Mich deucht, viele unbefriedigte Nonnen halluzinierten Jesus so, wie pubertierende Mädchen sich heute Popstars in ihr Bett träumen... von dem, was die Pfarrer trieben - und ganz sicher heute noch treiben - ganz zu schweigen.


Kann frau übrigens nicht nur beim Herrn Deschner nachlesen - der alle seine Enthüllungen SEHR sorgfältig belegt hat - sondern auch in einem älteren Werk namens "Der Pfaffenspiegel" von Otto von Corvin. Letzeres ist ein bisschen kurzweiliger, aber in seinen Aussagen nicht minder sorgfältig belegt. Woran man ja wirklich gut tut, wenn man sich mit einer solch riesigen Organisation wie der Kirche anlegt.

Edit: Falls es irgend jemandem bis hierhin noch nicht aufgegangen sein sollte, hier noch ein Fundstück aus dem Tölzer Stadtmuseum. Ein Phallusglas für ein Frauenkloster. Das sagt alles. Bezeichnend auch, dass die Ausstellungsmacher es verschämt auf seine Seite gelegt haben, anstatt es aufrecht auf seinen Fuß zu stellen. ;)

Kommentare:

Zwillings-Sonne hat gesagt…

"Dumm nur, dass die Triebe irgendwohin müssen und sich bis zum Wahn steigern können, wenn sie nicht befriedigt werden. Viele "Erscheinungen" verdanken wir ganz sicher diesem unnatürlichen Zustand."

Genau, manche sagen auch Visionen dazu. Es ist nur ein wenig diffiziler, finde ich.
Das Zölibat ist m.E. deswegen völlig unsinnig, weil die wenigsten Menschen wirklich gewillt und somit auch überhaupt nicht in der Lage
sind, ihre Sexualität energetisch zu nutzen. Nur darum geht es ja dabei - die Transformation der vorhandenen Energie, Umleitung in andere Bahnen.
Das machen z.B. auch manche Taoisten - und andere Taoisten gehen den Weg der sexuellen Erfüllung. Alles ist legitim. Das, was nicht legitim ist, ist eine Verordnung von Enthaltsamkeit - und genau die führt zu den vielen Übertretungen dieser Regel.

Dauerhafte Enthaltsamkeit ist im Grunde nur etwas für die Menschen, die etwas viel Ergötzlicheres und weit öfter Verfügbareres gefunden haben, als Sex - der ja nur einen winzigen Bruchteil unserer sexuellen Kraft ausmacht und von daher ist das Geschrei ums Zölibat noch unverständlicher.

Den Herrn Deschner mag ich sehr.

Anuja

Sam hat gesagt…

Hi Kvinna,

leider hab ich den Deschner nie zu lesen gekriegt. Muss ich jetzt mal ändern - damals war er vergriffen und hat gebraucht um die 150€ gekostet, das war mir zuviel. Ich werd mich mal in der Bibliothek danach umtun, wenn ich Zeit hab.

Zölibat heisst im übrigen "Ehelosigkeit" und beinhaltet nicht zwangsweise Enthaltsamkeit. Katholischen Pfarrern wird Sex zugestanden.
Vor Jahren, in moralisch engeren Zeiten (den 50ern z.B.), hat man das so gehandhabt: Der Pfarrer konnte seine "Köchin" umtauschen, bzw. eine neue kriegen, wenn er mit der Zuteilung nicht einverstanden war.

Die Kirche zahlt übrigens die Alimente klaglos bis zum dritten Kind.

Grad junge Pfarrer sind grundsätzlich von immer mindestens einem Mädel aus den Jugendgruppen umschwärmt. Das "nicht-wirklich-zu-haben-sein" macht oft deren besonderen Reiz aus, ähnlich wie beim Schwärmen für einen Rockstar. Ziemlich transzendent... Trotzdem: Sie dürfen, wenn sie wollen. Wenn die Mädels alt genug sind. Wie bei den Rockstars.

Im übrigen macht es vielen Frauen, also auch Nonnen, gar nix aus, "nur" transzendet zu lieben. Ist auch sehr natürlich: ungefährlich im gefühlsmässigen Sinne und ungewollt schwanger wird man so auch nicht. Männer habens lieber in "echt" und das weiss auch die Kirche.

Dass kath. Pfarrer keinen Sex haben, stimmt also einfach nicht. Sogar die Schwulen drunter trauen sich inzwischen, zu ihrem Schwulsein zu stehen.

Beim Zölibat gehts m.E. auch (neben den Erb- und Geerdetseinsfragen, wie Du schon sagts) darum, dass, wie jeder weiss, eine Ehefrau zuhause und im sozialen Leben einfach mächtiger und eingewobener ist als der Mann.
Diese politische Macht der Frau wird im Zölibat unterbunden. Mutter Kirche musste die einzige bleiben, die Kind Pfarrer was anzuschaffen hatte.

Ein alleinstehender Mann hat oft einen seelisch wacklige Position, die er dann durch irgendeine äussere Macht stabilisiert. Das ist dann praktikablerweise die Kirche.

kvinna hat gesagt…

Hallo Sam,
hab' die Tage nachgesehen bei amazon, da waren drei Deschners, einer davon um 12 Euronen. Im Wesentlichen gebe ich dir voll Recht, aber das mit der transzendenten Liebe bei den Nonnen siehst du vielleicht anders, solltest du den Deschner denn lesen. Auch Frauen brauchens' demnach manchmal dringend "in echt". Und früher waren ja auch viele nicht ganz freiwillig im Kloster.

Anonym hat gesagt…

Kvinna danke für den Tip!
Ich werd mir den Deschner gleich bestellen.

gutnacht,
Sam

Zwillings-Sonne hat gesagt…

"Auch Frauen brauchens' demnach manchmal dringend "in echt"."
Dafür brauche ich nicht einmal und gewiß nicht den Herrn Deschner oder sonstwas zu lesen, um das zu wissen.
Genau die Mär, daß Frauen es nicht in echt bräuchten, ist doch eine von Kirche und von diversen Religionen in die Welt verstreute. Frauen, die Sex wollen, haben, ihn sich gönnen und das offen leben - das sind doch genau die Lilith-Typen, die die Kirche nicht will.
Anuja