Dienstag, April 01, 2008

Aussichten - Einsichten? Frühling!

So flach ist es mitunter am Niederrhein. Das einzig Hervor-Ragende sind meistens die Abraum-Halden vom Bergbau. Da steht dann sowas wie das Geleucht 'drauf, das Grejazi so überaus beeindruckend abgelichtet hat in einer dramatischen Vollmondkulisse. Oder ein Turm. Oder sowas hier das aussieht wie ein Baugerüst, jedenfalls unfertig, aber Kunst ist:

Na ja, jedenfalls verbaut sie nicht die Aussicht auf der Halde Norddeutschland, die Kunst. Und irgendwas muss ja gemacht werden mit den Halden, damit das bloß nicht so aussieht, als seien sie sich selbst überlassen worden. Wieso eigentlich nicht?

Als ich diese Übersichten (mit meinem Handy!) fotografiert habe, war es noch ganz schön frostig, windig, kalt und vor allem kahl in meinen Breiten.

Das hat sich geändert! Das Winter-Rest-Grün hat so einen Trick 'drauf, ich weiß nicht, wie der geht, aber ich bestaune ihn jedes Jahr: einen Abend ist z.B. die Wiese gegenüber grün. So grün, wie sie die ganze graue Zeit hindurch war, so ein "Ich-tu'-mal-so-als-ob!"-Grün.

Und am andern Morgen ist dieselbe Wiese plötzlich grüngrün. Über nacht, einfach so, hat jemand den Schalter umgelegt von "Durchhalten!" auf "Wachsen und Gedeihen!". In diesem Jahr war das die Nacht von Donnerstag, 13.03. auf Freitag, 14.03. Das verblüfft mich jedes Jahr auf's Neue, dass sich das auf so ein paar Stunden genau festmachen lässt.

Auf unserer kleinen Wiese unterm Küchenfenster, hinter der Blechgarage, ist es jetzt auch angekommen, das Grüngrün:

Heute früh habe ich ein Tässchen Sud aus einer Handvoll frisch gepflückter Schlehenblüten getrunken. Die Vogelmiere ist hier auf dem Foto nicht so gut zu sehen, aber sie sagt jedesmal "Iss' mich!", wenn ich sie treffe und das tu' ich dann. Der kürzeste Weg: von der Hand in den Mund. Gestern waren's Gierschblätter, die noch nicht voll entfaltet waren.

Die Kirschblüten sind aber sicher vor mir. Und der Baum war klug wie immer: erst schwollen ihm die Knospen und dann machte er eine Vollbremsung von ein, zwei Tagen. Es schneite. Danach erst lünkerten die Blüten aus der grünen Verpackung.

In circa zwei Wochen holt der Bauer wieder die Kühe aus dem Stall, dann ungefähr taucht auch die erste Schwalbe auf. Hummeln hab' ich schon zwei gesehen. Und die hier, die ist vorgestern aufgetaucht, zusammen mit vielen andern, die jetzt auch wieder am Haus hochkriechen.

Und der Farn, der tapfer unterm Zaun hindurch von der Schwägerin nebenan bei uns Fuß zu fassen versucht, ist auch wieder da. Macht mir jedesmal beim Rasenmähen Kopfzerbrechen:

Drumherum? Dran vorbei? Oder drüber? Eigentlich muss die Hartnäckigkeit ja gewürdigt werden...

Kommentare:

Sam hat gesagt…

Na, das sind ja WOCHEN dazwischen zwischen hier und Euch!! Du musst ja schon mähen! Unglaublich.

Soviel Horizont wie über den Halden, das hat was! Und der Bewuchs drauf auch. Wächst da was anfliegt oder werden die bewirtschaftet oder "gepflegt"?

kvinna hat gesagt…

Na, im Garten ist der Rasen noch nicht soweit, der geht nach Süden, hat nicht soviel Sonne. Der Farn kann sich also erst mal ungestört entrollen.

Die winzige Wiese unterm Küchenfenster geht nach Osten und wird nicht gemäht - irgendwie habe ich die in den letzten zwei Jahren immer vergessen, hö.

Was die Halden anbelangt - soweit ich weiß, ist da kein Mutterboden 'raufgefahren worden und daher gibt's erst mal nur Pionierpflanzen. Viel wird ja auch vom Wind weggetragen, also wenn Verrottung stattfindet, landen diese Materialien in den zahlreich vorhandenen Mulden. Da scheint kaum eingegriffen zu werden.

Aber Radfahrstrecken und eine Himmelsleiter gibt's, damit jeder 'raufkann. Ich hab' das mal im Post verlinkt, bei Wiki steht's ganz genau.

Und dann wird eben Kunst obendrauf gestellt - mir kommt's vor wie eine Art Legitimation, weithin sichtbar.

"Das Geleucht" find' ich da schon sehr authentisch, aber das Ding auf der Halde Norddeutschland - na ja.

Übrigens: dank 20% "Restkohle" und bei älteren Halden fehlender Verdichtung, also sehr lockerer Aufschüttung, kam's gelegentlich zu Bränden in den Halden.

So ein Brand ist extrem schwer zu löschen, kann daher bis zu EINHUNDERT Jahre dauern.

Manche brennen daher heute noch.

Sam hat gesagt…

Das ist ja interessant, merci für den Link.
Bergläufer und -radler laufen bei diesen Strecken wenigstens kaum Gefahr, sich zu überanstrengen :)

Ich kann, jetzt von den Bildern her, mit der "Kunst" dort auch nichts anfangen. Aber es stimmt schon. Mensch stellt an hohen Punkten offensichtlich gern irgenwas hin, kennzeichnet sie.

Ich fände ja den Bewuchs spannend, wie überall, wo nicht eingegriffen wird. Und dort ist der Boden wohl sauer durch die Restkohle, da gibts bestimmt Kräutlein, die sonst nirgends wachsen.
Hast Du mal nachgeschaut?

kvinna hat gesagt…

Ich war erst einmal dort und da hat es uns fast weggeblasen, wir konnten uns in den Wind lehnen. Als dann noch Regen dazu kam, sind wir geflüchtet. 365 Stufen sind's bis da 'rauf. Gras und Sand und niedrige Stauden erinnere ich, aber da müsst' ich echt nochmal hoch...

356 Tage hat gesagt…

Eigentlich schade, dass du kaum mehr was schreibst. Die Kinder?