Mittwoch, April 02, 2008

Wachsen!


Wir sind eine handballorientierte Familie. Unsere Kinder kamen schon als Babies im Tragekorb zu Papas Spielen mit, die Frauen und Kinder der Mannschaftskollegen machten die meisten Heim- und auch viele der Auswärtspiele immer zu einem Familienereignis.



Eigentlich logisch, dass unser Nachwuchs sich sportlich ebenfalls in diese Richtung entwickelte. J. hat die dritte, M. die zweite Spielsaison hinter sich und für B. fand der Wechsel in die F-Jugend nach drei Jahren "Ballgewöhnung" bei den Minnis gestern statt. Der Trainingsort, -termin und Trainerinnen haben sich geändert, aber sowohl Halle als auch Leute kannte sie vorher schon ganz gut. Auch besteht die F-Jugend nun zum größten Teil aus ehemaligen Minnis und damit aus Kindern, die sie seit drei Jahren kennt - UND ihre beste Freundin ist auch dabei.

Also bat ich sie gegen Ende der Mittagszeit, ihre Trainingstasche zu packen. Der Ausdruck, den ihr Gesicht bei dieser Tätigkeit bekam, war selbst für ihre Verhältnisse extrem finster. Zum Sprechen aufgefordert, brach sie in Tränen aus und ich nahm sie auf den Schoß:

"Ich kann doch noch gar nicht spielen!"

"Schatz, niemand wird etwas von dir verlangen, was du noch nicht kannst. Die Saison fängt erst nach den Sommerferien an, bis dahin hast du genug Zeit, das in Ruhe zu lernen und du musst ja auch nicht sofort bei allen Spielen mitspielen!"
"ICH KANN DAS ABER GAR NICHT!!!"
"Na hör' mal, konntest du schon schwimmen, als du zu Frau D. zum Schwimmunterricht gegangen bist? Konntest du lesen, bevor du in die Schule kamst?"
"Nö! (Schnief! Schluchz!)" Intensives Rückenstreicheln meinerseits.
"Siehst du, und heute kannst du beides! Hat doch prima geklappt!"

Das "Mut fassen" ist ein starkes Schauspiel in ihrem Gesicht, sie sammelt und beruhigt sich wieder.

Am Ort des Geschehens klammert sie sich dann panisch an mich, ich muss energisch werden, damit sie mich wenigstens aus der Umkleide lässt. Ich begleite sie in die Halle, wieder schluchzt sie. Geduld ist gefragt, mehr die nervliche als die zeitliche.

"Kannst du nicht hierbleiben?"
"Hör' mal, Schatz, ich hab' noch etwas anderes zu tun als mich anderthalb Stunden auf die Bank zu setzen, ich hol' dich nachher hier wieder ab!"
Weinen, anklammern. Ich knie' mich hin und seh' ihr in die Augen.

"Jetzt pass' mal ganz genau auf: Ich verstehe, dass das ein bisschen aufregend ist, aber soo schlimm ist das auch nicht. Du kennst die Halle, du kennst die Leute. Ich weiß, dass du das schaffst!"
Schlucken, Nicken.
"Ein Kuss noch, Mama, und noch einmal drücken!"

Danach bin ich entlassen. Puuh!

Ein leiser Zweifel bleibt mir, warum sie das macht. Ich finde nämlich, dass diese "Show" weder ihrer Persönlichkeit noch ihrem Entwicklungsstand entspricht. Aber ich kann ihr ja nur vor den Kopf gucken...

Als ich sie zur verabredeten Zeit abhole, ist sie vergnügt wie immer nach dem Training.
Und ich bin stolz auf sie.

Kommentare:

Kingsizefairy hat gesagt…

wie alt ist deine Tochter?

kvinna hat gesagt…

In gut zwei Monaten wird sie sieben Jahre alt.

Kingsizefairy hat gesagt…

ich meine mich dran zu erinnern, dass sie so in dem Alter auch noch mal die Phase haben.... am liebsten wieder ganz klein sein...

Hast du doch gut gemeistert, die Situation. Ich weiß nicht, ob ich so geduldig gewesen wäre. Am Anfang vielleicht...

Anonym hat gesagt…

Hi Kvinna,ich finde du kannst auch stolt auf dich selber sein:
du warst total geduldig und hast der Kleinen den Mut und Rückhalt gegeben,den sie dafür brauchte und dann losgelassen-so geht das.
Das Verhalten deiner Tochter find ich total normal.
Wegen meiner Tochter musste ich mal in den Schwimmunterricht kommen,sie war sieben,so wie Deine.
"Mama es ist abartig,die Schwimmlehrerin quält mich.Das Schwimmen ist ganz furchtbar.Du MUSST dir das ansehen!!!!!"
Ich ging voll angezogen,barfüssig mit hochgekrempelten Hosen in die
heissdämpfige Schwimmhalle.
Dort sah ich:mein Kind das lustig
johlte,tobte und sich köstlich mit den anderen im Wasser amüsierte.
Die nette Sportlehrerin sah mich verlegen- dämlich grinsen und sagte:
"Ja die finden irgendwas ganz schrecklich und im nächsten Augenblick ist alles ganz anders...
so sind halt Kinder...
ja so sind halt Kinder...
Stela

kvinna hat gesagt…

Das Gefühl, doch auch noch mal was richtig zu machen mit meiner Bande hat mir gut getan und ab und an ist das sehr wichtig.

Sonst tät' ich ja total verzweifeln.

Ihr habt schon Recht, Kinder halt! Aber wer behauptet, dass Familienalltag nie nervig und blöd ist, hat einfach gar keine Ahnung.

Das muss ausgestanden werden. Umso schöner sind dann solche Erlebnisse.

Danke für den Zuspruch!