Mittwoch, August 13, 2008

Chronik des galoppierenden Irrsinns

Es mag zweieinhalb oder drei Jahre her sein, da hatte ich eine unruhige Nacht gehabt, war froh, als die Kinder im Schulbus saßen und legte mich dankbar noch einmal ins Bett, nicht ohne mir den Wecker für ca. 2 Stunden später gestellt zu haben.

Geweckt wurde ich jedoch früher und zwar vom Telefon. Zu dieser Zeit hatte unser Telefonanbieter, die Firma mit dem "dunkelpinken" Logo (ich nenne das jetzt ganz bewusst nicht "magentafarben", das widerstrebt mir), firmenfremde Call-Center mit einer Art "Kalt-Akquise" beauftragt.

Ich versuchte noch, meine grauen Zellen wieder in die richtige Reihenfolge zu bringen, als der junge Mann am anderen Ende der Leitung bereits fröhlich seinen "Ganz-sensationelles-Angebot-nur-heute-nur-jetzt"-Schwall über mich ergoss.

Im Grunde ging es darum, dass unsere Telefongesellschaft uns in einen anderen Vertrag locken wollte, der nicht uninteressant klang, aber: ich wollte mich partout nicht am Telefon entscheiden müssen, ich wollte Papier sehen.

Ich weiß nicht mehr, wie es kam, Alkohol war in der Nacht davor nicht im Spiel gewesen, jedenfalls nicht bei mir; ehe ich's mich versah, wurden wir beide sehr unfreundlich zueinander am Telefon.

Dabei gebe ich zu bedenken, dass der junge Mann nicht bei unserer Telefongesellschaft arbeitete, sondern bei einem Subunternehmer, sprich, irgendein Billig-Call-Center mit zweifelhaft geschultem Personal.

Jedenfalls sagte ich mehrmals klar und deutlich, dass ich mich nicht am Telefon entscheiden wolle und legte irgend wann einfach auf.

Als nächstes bekam ich per Post eine Auftragsbestätigung für besagtes Angebot. Da ging mir zum ersten Mal der Hut hoch.

Vermutlich war es aber ein Fehler, meinen Unmut telefonisch an den Mann zu bringen. Denn darauf bekam ich ein bedauerndes Schreiben, warum wir denn nicht mehr im Telefonbuch stehen möchten?

Dunkelrot war die Farbe, die ich dann sah.

Wieder griff ich zum Telefon, um mir ganz unmittelbar Luft zu machen. Der Mensch, mit dem ich sprach, wollte alles wieder in Ordnung bringen und bot mir an, für das Beantworten von vier Fragebögen innerhalb zwei Jahren jedes halbe Jahr 50 Euro gutgeschrieben zu bekommen auf unserer Telefonrechnung, als Entschädigung.

Zu diesem Zeitpunkt blickte ich schon nicht mehr durch, wie die Konditionen des alten Vertrages waren und was der Inhalt des neuen war, das gestehe ich. Richtig in den Ursprungszustand kamen wir jedenfalls nicht mehr, aber da wir nur schwer miteinander darüber sprechen konnten, Grejazi und ich, blieb es irgendwie dabei. Durchblick hatte ich, wie gesagt, gar keinen mehr.

Die Fragebögen waren irgendein Larifari in Sachen Image und Kundenzufriedenheit und das Geld kam zuverlässig. Später änderte Grejazi unsere Vertragsbedingungen online, wir bekamen Flatrate und erstmal war Ruhe.

Vor einem Jahr etwa bekam ich wieder so einen Werbeanruf. Aus Schaden klug geworden, äußerte ich Interesse und bat um Rückruf, weil ich das nicht abschließen wollte, ohne mit Grejazi gesprochen zu haben, ich braves Hausschaf, ich.

Der Holde fand das Angebot gut, könnten wir machen, meinte er. Leider rief die Dame jedoch nie zurück und wir vergaßen die Sache. Zwei, drei Monate später - unser Telefonanbieter hat ständig "noch neuere und noch bessere Konditionen im Programm" - kam wieder so ein Anruf und diesmal nahm ich das Angebot an, mit Bauchweh zwar, aber mit der Zusicherung, innerhalb zwei Wochen schriftlich "stornieren" zu können.

Natürlich hätte ich das nicht tun sollen. Es war die entgangene Gelegenheit davor, die mich dazu verleitete. Mir fehlte es an Durchblick durch die Konditionen und an technischen Kenntnissen.

Die Auftragsbestätigung kam, Grejazi war nicht einverstanden. "Kein Problem," sagte ich, "ich kündige das schriftlich, dann ist alles wieder wie zuvor!"

Yessss, "Seeing myself making every possible mistake!"

Also kündigte ich diesen jüngsten Abschluss fristgerecht per Einschreiben. Um daraufhin EINE ZWEITE AUFTRAGSBESTÄTIGUNG zu erhalten. Da war ich dann nicht mehr rot- sondern bereits weißglühend wütend.

Wider besseres Wissen suchte ich nun die nächstegelegene Niederlassung unseres Anbieters auf und ließ mir mündlich zusichern, dass dies ein Versehen eines Kollegen gewesen sein müsse und nun alles online in meinem Interesse geändert worden wäre.

Dieses geschah jedoch nicht, dennoch verlief die Angelegenheit im sprichwörtlichen Sand.

Das Thema "Telefongesellschaft" ist in unserem Hause ein recht sensibles. Kommunikation ist es, um die es geht. Und zwar nicht nur die mit dem "Tele-" davor.

Sei es, wie es sei, gerade sitze ich wieder über dieser Angelegenheit und bin so weit vorgestoßen, wie nie zuvor. Online hatte ich um Rückruf gebeten und die Dame sagte mir eben zu, bis Montag alles in Ordnung zu bringen. Dann rief sie noch einmal an und erklärte, dass sie es nicht nur um monatlich 10, sondern sogar 15 Euro günstiger machen könne und wir oben drein eine einmalige 20-Euro-Gutschrift bekämen.

Kunststück, nachdem wir ca. 9 Monate lang jeweils 10 Euronen zu viel gezahlt haben, weil uns etwas zur Verfügung gestellt wurde, das wir aufgrund der Leistungsfähigkeit unserer Zuleitungen gar nicht in Anspruch nehmen können. Außerdem könnten wir diese Konditionen regulär erst zum November 2009 kündigen, "rein aus Kulanz" macht sie es sofort, die gute Frau, soso. Aber was weiß ich denn schon!

Ich glaube das erst, wenn ich das Schreiben in der Hand habe.

Kommentare:

Kingsizefairy hat gesagt…

Ich habe schon mal drüber nachgedacht, ob dass eine Spezialität derer ist, die einstmals das Monopol hatten.
Denn was du von den Leuten mit dem Buchstaben im Namen erzählst, kommt mir sehr bekannt vor. Ich hatte ähnliche Erlebnisse hier mit der British Telecom. Die haben sich bei meinem Umzug so blöd angestellt (ich behaupte nach wie vor bewusst), dass ich nun nicht wie ursprünglich geplant jetzt im August raus aus dem Vertrag kann sondern bis nächstes Jahr warten muss...

kvinna hat gesagt…

Nuja, ein bisschen besser aufpassen hätte ich ja, gelinde gesagt, auch können. Aber die Frage, ob dieser Wahnsinn Methode hat, liegt nahe.

Ich erinnere mich noch gut, als aus gelb pink wurde, gab es auf RTL eine Sendung, die hieß "Wie bitte?", dort bekammen gefoppte Verbraucher eine Stimme. "Schpass mit der Telekom" (damals schrieben die sich doch tatsächlich noch mit "k", oder?) war bald eine eigene Rubrik, eine allwöchentlich wiederkehrende Lachnummer.

Luiza hat gesagt…

Guten Morgen!

Vielen Dank für Deinen nächtlichen Besuch bei mir:-)

Werde heute nach der Arbeit mal bei Dir schauen kommen; auf der Arbeit ist etwas gefährlich:-)

Viele Grüsse,

Luiza