Mittwoch, August 27, 2008

Das Hohelied der Liebe

- Überarbeitete Version -
(...)
"Die Liebe ist langmütig, die Liebe ist gütig.
Sie ereifert sich nicht, sie prahlt nicht, sie bläht sich nicht auf.
Sie handelt nicht ungehörig, sucht nicht ihren Vorteil,
lässt sich nicht zum Zorn reizen, trägt das Böse nicht nach.
Sie freut sich nicht über das Unrecht, sondern freut sich an der Wahrheit.
Sie erträgt alles, sie glaubt alles, hofft alles, hält allem stand.
Die Liebe hört niemals auf."
(...)

Eigentlich mag ich ihn ja nicht, den Paulus und seine Briefe. Der Mann kommt mir oft vor wie ein ziemlich von sich eingenommener, manchmal etwas weinerlicher, dicker, glatzköpfiger kleiner Mann mit einer ausgeprägten Profilneurose.

Aber so einfach ist das nicht. Manche meiner Mutmaßungen mag auf Paulus zutreffen, trotzdem hat er auch noch ein paar andere Facetten, die ihn doch lesenswert machen.
Das geht eben nicht, Idole aufgrund bestimmter Wesenszüge zu "machen" und sie dann wegen anderer Eigenschaften zu stürzen. Dazu hat ein einzelner Mensch viel zu viele verschiedene Aspekte.

Und meine "Schubladen" werden mir gelegentlich sehr gründlich ausgetrieben. Dafür bin ich dankbar, ebenso wie für die Menschen, die mir manchmal die Augen öffnen über mich selbst.

"Ich will einen Strich unter das Gewesene ziehen, ja, aber erst soll mein Gegenüber begreifen, wie sehr ER MICH verletzt hat, einsehen, dass ich durch ihn genauso leide wie er durch mich."

Das ist ein Widerspuch in sich und ich kann gar nicht glauben, dass ich das nicht gesehen habe; im Kern entspringt es eben doch dem Wunsch nach Aufrechnung, die genau ich ja in Wahrheit gar nicht will.

Ich will nicht "wurscht" und "widerwurscht" spielen, "Du hast aber...", "Ja, und dafür hast du..." und was das wirklich bedeutet, für mich und meine Gefühle, fange ich gerade erst an, zu begreifen.

Groll hegen und kleinlich sein, tatsächlich, es gibt Bereiche in meinem Leben, in denen ich das sehr ausgiebig tue und es überhaupt nicht bewusst wahrnehme. Seltsamer Weise eher bei den kleinen Dingen, bei den alltäglichen Verletzungen. Die großen Schmerzen heimzuzahlen bin ich nicht imstande. Ich kann nicht anders als sie auszuhalten.

Dabei liebe ich doch. Schlicht und ergreifend, nichts weiter als das. Und eben kein Konto aufmachen, das gegenrechnet, das ist doch, was ich will. Einen Strich ziehen. Und der wird nicht mit "Ja, aber..." gezogen.

DAS sollte ich mir auf den Spiegel schreiben! MERKEN!

Diese Blindheit meinem eigenen kleinlichen Groll gegenüber macht mich sprachlos. Und die Tiefe meiner Gefühle erschüttert mich bis ins Mark. Denn ich sehe, dass ich für meine Liebe bereit bin, meinen Groll in aller Konsequenz aufzugeben. Völlig.