Mittwoch, Oktober 15, 2008

Netze weben

Der gerade entdeckte Link bringt mich auf etwas.
Noch immer beschäftige ich mich intensiv mit Achtbeinern. So sehr, dass ich Ende September in unserer Grundschule in vier zweiten und in einer vierten Klasse je eine Unterrichtsstunde über Araneus diadematus, die Gartenkreuzspinne, gemacht habe.
Es hat mir großen Spaß gemacht. Aber es war auch sehr anstrengend. Absichtlich habe ich es nicht als Vortrag gestaltet, sondern mich einfach bestmöglich auf alle zu erwartenden Fragen vorbereitet, ein lebendes Exemplar und eine recht realistische, apfelsinengroße Plüschversion mitgenommen und mich dann einfach mit den Kindern darüber unterhalten.
Das hat sehr gut funktioniert.
Die Spinne, die ich knapp vier Tage in einer durchsichtigen Dose hielt, hat es sehr gut überstanden und spinnt wieder ihre Netze in unserem Garten. Allerdings jetzt nicht mehr auf Augenhöhe, sondern etwa zwei Meter darüber. ;)
Allerdings hatte ich nicht bedacht, welche langfristigen Folgen die Aktion für mich haben könnte: ich werde jetzt überall angesprochen und befragt.
Na ja. Hier in meinen kleinen Kreisen eine Art Botschafterin für mitteleuropäische Spinnen zu sein, missfällt mir nicht wirklich. Undifferenziertheiten und Vorurteile gingen mir schon immer massiv auf die Nerven, das ist wohl meine Natur - obwohl meine eigene Brille sicher auch oft genug nicht die angemessene ist.

Kommentare:

Grey Owl Calluna hat gesagt…

Hallo Kvinna!
Das finde ich gut,...mit den Kindern. So werden vielleicht nicht so viele Spinnen einfach mal mutwillig totgetreten,...sondern man sieht sie auch mal mit anderen Augen,...als "Lebewesen". die genausoeine Berechtigung zum Leben haben,wie wir auch.
Liebe Grüße
Grey Owl

Sam hat gesagt…

Danke, dass Du für meinen Kreislauf auch was tust, die ist wirklich gelungen, die Animation!
Was für ein Vergnügen, die Spinne mitm Mauszeiger beim Genick zu packen, hin-und herzubeuteln und übern Bildschirm rutschen zu lassen:)

kvinna hat gesagt…

Der Witz bei den Spinnen ist: je mehr diejenigen wissen, die sich eigentlich nur "normal" fürchten oder ekeln, desto mehr gehen Furcht und Ekel zurück. Da stimmt wirklich: Wissen ist Macht. Denn (Eigen)Macht ist durchaus auch schlicht die Abwesenheit von Angst und Unwissenheit. Mit den echten Phobikern verhält es sich aber leider ein bisschen anders, denen nutzt mehr Wissen nicht so viel.

Ja, Sam, als ich das Ding gefunden hab', dachte ich sofort an dich. Du kannst sie übrigens nicht nur beuteln und mit ihr die ganze Karte putzen, du kannst sie auch in Farbe, Geschwindigkeit, Proportionen und Größe verändern.

Letzteres sag' ich nur, weil ICH das total spät erst entdeckt habe.

Zieh' sie mal an einem Bein durch die Gegend, das kommt auch gut! ;)

Sam hat gesagt…

Was meinst, was wir hier schon die ganze Zeit machen (mein Sohn hat diese Phobie leider auch), alle Gimmicks durch inklusive Hüpfen lassen in bedrohlichster Perspektive.
Ein richtiges Übungsfeld.

Ich dacht mir noch: Prima! Ich kanns schon ganz locker sehen. Da hab ich versehentlich die Seite neu geladen, (Spinne grad auf dick und fett gestellt) da saust sie überraschend ins Bild - und ich weg vom Tisch:)

Du würzt Dich wegschmeissen...
Nein, mir nutzt Wissen auch nichts.

Aber ich werd in jedem Fall mit Deinem Link weiterüben, der ist wirklich klasse!

kvinna hat gesagt…

Ich tu' mich echt schwer, mir vorzustellen, wie DU kreischend aus dem Zimmer rennst! Und dein Sohn ist doch eigentlich auch eine Ausnahme, oder?

Ich mein', Spinnenfurcht ist 'was für Mädchen...

Nicht böse sein...

Sam hat gesagt…

:)
Ich renn nicht kreischend ausm Zimmer, wahrscheinlich nur deshalb nicht, weils nix nützt - ist ja meist keiner da, der mir das Viech (n echtes) vom Hals (uah welche Vorstellung) schaffen würde.
Wenn der Schreck vorbei ist hab ich nur noch den einen Fokus: Die Spinne nicht aus dem Gesicht zu verlieren (das ist das Schlimmste, wenn sie Zeit hat, sich zu verkriechen und ÜBERALL sein könnte) und sie dann plattmachen.

Mit allen Symptomen der Angst: trockener Mund, Schwindel, Herzklopfen, Schweiss, Zittern und einer RIESENERLEICHTERUNG wenn ich sie erlegt habe.
Ich lass neuerdings die Flecken an der Wand, als Trophäe.

Was dem Steinzeitkerl sein Säbelzahntiger ist mir Zivilisationstusse eben die Spinne, nur leider ohne irgendwelchen "Gewinn" daraus...

Ich hab mal eine Frau wie eine Rakete aus dem Moorsee kommen sehen, als dort eine Natter auftauchte, obwohl die ganz schnell von ihr wegschwamm.

Also irrationale Reaktionen gibts in vielen Farben, ich find das sehr spannend, das DAHINTER interessiert mich ungeheuer. Komischwerweise hat mich aber noch keine der vielen Deutungen berührt, die die Psychologie dazu von sich gibt.

Sam hat gesagt…

Ahja, und noch besser: Wenn einer sagt: Ich mach Dir die Spinne weg und ich halte den nicht für schnell/zuverlässig/ den "Ernst" der Lage genug erkennend, mach ich sie lieber selber weg, bevor sie am Ende unauffindbar ist.

Und in jedem Fall steh ich daneben, um zu SEHEN, dass sie WIRKLICH erwischt wurde.
Strange, gell:)

kvinna hat gesagt…

Die Mutter der liebsten Freundin meiner Tochter ist auch so ein Fall, wie ich letztens erfuhr. Die kann sich nicht mehr bewegen im Angesicht einer Spinne.

Mit all' diesen körperlichen Symptomen ist das eine echte Phobie - und dieser Begriff wird ja leider oft sehr undifferenziert eingesetzt, als bequeme Ausrede für alles Mögliche.

Sich die Bequemlichkeit einer undifferenzierten Weltsicht erhalten zu können, sich nicht auseinandersetzen zu müssen mit dem eigenen Unbehagen.

Aber deine Furcht, Sam, die kommt schon fast mystisch daher. Ich meine, die Ursachen, die Hintergründe von Phobien, die sind nicht nur ziemlich vertrackt - Phobie ist nicht gleich Phobie, auch wenn sie sich am selben Objekt entzündet - sondern auch sehr individuell.

Mit andern Worten: das ist mir echt ein Rätsel - ein spannendes. ;)

kvinna hat gesagt…

Ach ja, noch eins: wenn ich aus dem Augenwinkel etwas wahrnehme, das nach großer Spinne aussieht - es muss nicht mal eine sein, eine ähnelnde Struktur reicht schon aus - zuckt's bei mir auch für Sekundenbruchteile, das ist mir neulich wieder aufgefallen.

Aber das ist so kurz, wie ein Reflex, und sofort wieder weg, bevor ich auch nur den Hauch einer Chance hab', unkontrolliert zu reagieren.

Es kommt nicht mal zum Schaudern. Das ist bei mir mit Sicherheit 'was Archaisches.

Sam hat gesagt…

Ja, wenn da "nichts" wäre hättest Du sicherlich nicht dieses anhaltende Interesse, Dich ziehts doch immer wieder hin...
Irgendwas habt ihr sicher gemeinsam :)

Muss ich Dir noch erzählen: Ein Verwandter, nach eigener Aussage überhaupt nicht spinnenphobisch war in Australien und dort auf einem Plumpsklo. Sitzt er da und denkt sich, er habe beim Klotür Zumachen einen kleinen Zweig eingezwickt, da ein paar Ästlein reinhingen.
War aber leider kein Zweig und auch nicht eingezwickt - also der hat sich halb zu Tode erschrocken und sicherte von da an den ganzen Urlaub ständig rundum nach Spinnen, wenn er im Busch war, was ihm einiges an Offenheit und Entspannung genommen auf seiner Tour.

Kingsizefairy hat gesagt…

Kleine Spinnen kann ich noch halbwegs akzeptieren, bei großen Exemplaren dreh ich durch, kann ich machen, was ich will.

Ich habe dann einfach nur noch Angst, Panik, Herzrasen und was weiß ich nicht noch alles. Das ist mir sehr peinlich, aber da nützen auch keine Bildschirmspielereien was.

kvinna hat gesagt…

Tja Fairy, ich hab' ja schon angedeutet, dass den wirklich phobischen Menschen so nicht beizukommen ist. DAS ist vertrackter...