Freitag, Januar 09, 2009

Wintermärchen

Ganz im Ernst: Menschen, die so etwas jeden Winter haben, finden mein kindliches Staunen vielleicht komisch; aber was mich zur Zeit umtreibt, sind die vielen kleinen und großen An- und Einsichten - sowohl im engeren als auch im weiteren Umfeld - die ich sonst nur aus dem Urlaub kenne. Alsdann: Juuut, vorn überbelichtet und unscharf, dafür ist das Filigrane im Hintergrund aber gut zu erkennen!
Der Himmel; Himmel, dieser Himmel!
(Ziemlich in der Bildmitte ist auf der Wiese ein schwarzer Fleck zu sehen: Maulwürfe halten keinen Winterschlaf!)

Selbstverständlich sind die Temperaturen Gesprächsthema Nummer eins; aktuell hat's zehn Grad minus bei Sonnenschein und das ist sowas von außergewöhnlich, dass mir dazu nix mehr einfällt!
Auf Rang zwei der Themen der sehr kommunikativ gewordenen Mitmenschen steht das Thema "Schuhe". Knapp gefolgt von "Hilfää! Ich hab' doch noch Sommerreifen 'drauf!"
Letzeres übrigens meist von Menschen, die im gleichen Atemzug über festgefrorene Züge lästern, wo die Verkehrsbetriebe doch wohl auf den Winter hätten vorbereitet sein können - sooo plötzlich komme der ja schließlich nicht!
Köstlich!
Überhaupt finde ich all' das sehr spannend: durch Atemluft einfrierende Nasenhaare kenne ich sonst nur vom Harzurlaub. Und die Elektronik von unserm Bus macht mir Spaß: das Auto spinnt! Die Hinterreifen sind luftgefedert und ein elektronisch gesteuerter Kompressor regelt das Niveau - normalerweise zwar nicht bei abgeschlossenen Türen, aber trotzdem sitzt die Karosserie erst seit dieser Kälte morgens auf den hinteren Rädern. Da ich morgens selten zwingend irgendwo hin muss, kann ich mich glücklicherweise ganz in Ruhe damit befassen.
Die beheizte Heckscheibe geht mal, mal nicht.
Die Batterie müsste eigentlich noch fit sein, aber die vielen Kurzstrecken mit jeder Menge eingeschalteten Verbrauchern (Licht, Heizung, Radio, Scheibenwaschanlage...) machen die Nutzung letzterer zu einem Pokerspiel; wenn die Kutsche dann mal nicht anspringt, war's wohl ein Gimmick zuviel bei der letzten Fahrt.
Schön auch die kleine Feinheit, dass DIESES Auto die Eigenheit hat, im Moment der völligen Entleerung der Batterie eine laut ratternde und knisternde Lightshow mit den vielen bunten Lämpchen im Armaturenbrett zu veranstalten und alle elektrisch bedienbaren Fenster auf einen Schlag zu öffnen.
Nein, ich beklage mich nicht. Ich finde das eher lustig. Und: Selbst schuld! (Nein, in diesem Winter ist mir das noch nicht passiert, lernfähig bin ich doch.)
Inzwischen habe ich auch gelernt, den Wagen mit einem Startgerät zu starten - und das, obwohl der Hersteller wirklich viel getan hat, dies zu verhindern. Zu beschreiben, WIE blödsinnig die Batterie unterm Fahrersitz angebracht ist, verkneife ich mir hier - nur so viel: über Starterkabel per anderem Auto den Bus wieder ans Laufen zu kriegen, IST unmöglich. Es sei denn, Kabel von mindestens acht Metern Länge stehen zur Verfügung.
Aber riesige weiße Flächen, auf denen der Nebel wabert, aus welchem scherenschnittschwarze Bäume in den rosazartblau ins Dunkel übergehenden Abendhimmel ragen!
(Da war keine Knipse zur Hand!!!)
EISZAPFEN!
Die Schlitten flottmachen!
Rotbäckige Kinder, die sich STUNDENLANG im zu anderen Zeiten nicht mehr so spannenden Garten aufhalten können.
Allerlei bizarre Gebilde, die durch leichtes Antauen und erneutes Festfrieren entstehen!
Zugefrorene Wässer...
...ich hör' lieber auf!

Kommentare:

Stela hat gesagt…

nein,mach weiter es ist mitreißend wie du deine Verzauberung beschreibst.
(ich selbst hab langsam ein bißchen genug davon)
Liebe Grüsse,Stela

Anonym hat gesagt…

hach ja
das ist wieder so ein astrid lindgren winter bullerbüberall ich komme beim wandern vor lauter fotografieren nicht vom fleck
und morgens muss ich erst aus dem bürofenster bilder machen
zu schade dass an den doppelfenstern keine eisblumen mehr wachsen
winterwunderlandgrüße
birgit

waldviertelleben hat gesagt…

ich kann dieser tage von der schönheit auch nicht genug kriegen - denke immer, so schön wars noch nie, was natürlich nicht stimmt. klirrkalte mondnächte, reif auf den bäumen, strahlesonne, blauer himmel - winter vom besten.
liebe grüße
ingrid

kvinna hat gesagt…

Ich möchte mal anmerken, dass der niederrheinische Winter ansonsten GAR KEINEN Schnee bringt!!! Jedenfalls keinen ernst zu nehmenden. Und die seltene Spezies der Eisblumen hat dennoch überlebt: an Autoscheiben und Stallfenstern! Vorläufig ist das Ganze eine solch' verblüffende Ausnahme, dass mich daran GAR NICHTS nerven oder stören kann. Ich nehm' das alles!!!

Ursel hat gesagt…

Liebe Kvinna,

herzlichen Dank für die herrlich erfrischenden Fotos :) Hab mir eins gleich runtergeladen als Desktopmotiv :))
Jou, vor 13 Jahren hat João in seinem ersten Winter in Deutschland noch solche Temperaturen erlebt ;)
Mir ist die Wärme schon fast zuviel, "Schnee" gibt's nur im Gefrierfach..
LG Ursel