Donnerstag, Januar 20, 2011

Begegnung der dritten Art oder so...

Meine schöne Heimatstadt hat nun eine neue Bücherei. Hochmodern. Die alte war urgemütlich, aber ein wirtschaftlicher Totalschaden, allein schon hinsichtlich ihrer Beheizbarkeit.

Ein Zeitungsbericht vor einigen Wochen verhieß nix Gutes: das neue Gebäude sei ungemütlich. DAS fand ich bei meinem ersten Besuch heute gar nicht - zumal es neben einem göttlichen kleinen Cafe im Erdgeschoss noch immer viel luftiges Tageslicht im neuen Haus gibt.

Aber zweierlei bemerkenswerte Erlebnisse hatte ich. Zunächst das weniger Erregende:

Ich:"Sind die DVD's alphabetisch geordnet?"
Fachangestellte für Medien- und Informationsdienste (FfMuI):"Die sind gar nicht geordnet."
Ich (entsetzt):"Muss ich die ALLE durchgucken, wenn ich einen Film suche??"
FfMuI(heftig):"So viele sind das doch gar nicht!"
Ich (zögernd):"Nnajaa..."
FfMuI (aufgeräumt):"Ich seh' mal nach, ob der Film nicht verliehen ist, damit Sie nicht umsonst suchen." Nachsatz (leicht pikiert): "Hätten Sie reserviert, hätten WIR ja für Sie gesucht..."

Nein, der Film war nicht verliehen. Also ging ich systematisch vor. Eine beiläufige Feldzählung und Hochrechnung ergab, dass es sich um etwa sechshundert durchzuschauende Exemplare handelte. (Ich hatte Glück - das gesuchte Stück war ca. das einhundertfünfundneunzigste, das ich erkramte....).

Das zweite Erlebnis war bedenklicherer Natur:

Bei meiner Suche hatte ich noch einen weiteren Film gefunden und ging neugierig zur "Selbstverbuchung". Mehrere schlichte Podeste, großzügige Ablagefläche vor ebensolchem Display.

Die Filme nebst Handtasche ablegen und den Bildschirm taxieren war eins. Ja. Da stand dann sinngemäß: "Ausleihkonto Frau Kvinna Krawall, Film A, Film B, Ausleihen?"

Huppsela.

Okay, die Filme haben einen Chip. Aber ich hab' doch keinen. Also fragte ich fassungslos die nächsterreichbare FfMuI, woher die Maschine denn wisse....? Na, die lese meinen Leihausweis, wurde mir erklärt. Ja, aber wie denn??

Die Antwort, hört und staunt, war: "Mit Licht!" Neee. Kann nicht. Kann mir keiner erzählen. Infrarot funktioniert schon nicht, wenn was dazwischen ist. Und mein Ausweis hatte definitiv in meinem Portemonnaie in meiner Handtasche gesteckt.

Ich bin nicht technikängstlich wegen Strahlung oder so, beileibe nicht, aber Licht, "dat gibbet nich'!" Also, liebe FfMuI? (Fingertrommel auf der Theke). "Die haben uns das so erklärt!" Aha. Die Frage, wer "die" sind, ließ ich mal ungeklärt im Raum stehen und beschloss, mich im Web klüger zu machen.

"Es gibt auch noch eine Broschüre dazu!" meinte die FfMuI und drückte mir einen Vierseiter in die Hand. "Ah ja, danke!"

Ich lachte noch, als ich mein Auto bereits erreicht hatte.

(Bei dem Papier handelte es sich übrigens um eine Erläuterung zu einer bereits letzte Woche beendeten Fotoausstellung im Foyer des Gebäudes. Und Wikipedia weiß, was die FfMuI nicht wusste!)

Kommentare:

Ursel hat gesagt…

Hallo Kvinna,

ich glaube, ich hätte genauso gelacht, ist ja nicht wahr :)

Wer weiss, was uns sonst noch alles
abgelesen wird, hm ?!

LG Ursel

Stela hat gesagt…

Also,wenn ichs richtig verstanden habe hattte der Ausweis in deiner Tasche so ein Dings das elektromagnetische Wellen sendet?Ähnlich wie die Klamotten und Sachen im Kaufhaus vor Diebstahl gesichert weden??? Hammerhart!!!
Stela

kvinna hat gesagt…

Tja, Tatsache ist, dass das Ding permanent aus meiner Handtasche sendet. Ich streu' sozusagen ständig Informationen über mich in der Gegend herum.

Da die Selbstverbuchung sooo bequem ist - und per Außenschalter sogar Rückgaben außerhalb der Öffnungszeiten ermöglicht! - ist das eine verführerische Falle, schon irgendwie.

Abhilfe ist, den Ausweis in Alufolie zu packen. ;) Dann sendet er zumindest nur, wenn ICH will.

Allerdings frage ich mich soeben, wieviele Transponder ich noch in meinem Portemonnaie hab'.