Donnerstag, Mai 26, 2011

Intermezzo: Ohrenarzt!

Ist ja nun nicht so, dass hier neben dem Freiräumen, Aufräumen, Platz schaffen Langeweile aufkommt im Hause Krawall. Der schwerst ;) pubertierende Dreizehnjährige klagte über Ohrgeräusche und das mit einer gewissen Ausdauer. Der Ohrenarzt diagnostizierte einen Tinnitus und ich beschloss, dem Kinde die entsprechende fünftägige Infusionstherapie angedeien zu lassen.

"Das zahlt aber die Kasse nicht!" erklärte mir nachdrücklich die Sprechstundenhilfe bei der Terminabstimmung am Telefon. Dreizehn Euro für's Medikament, knapp hundert Euro für die Behandlung sollte ich gleich am ersten Tag zahlen. Humm. "Und unterschreiben sie doch bitte die Erklärung, dass Sie von uns informiert wurden, dass die Kasse die Kosten nicht trägt!"

Ich bekam also ein grünes Rezept, nahm den Schrieb mal mit und fragte die Apothekerin. "Das Medikament ist verschreibungspflichtig und also auch verschreibungsfähig. Ich versteh' nicht, wieso der Arzt da ein Privatrezept erstellt, noch dazu bei einem Kind!" Mit dieser Information verweigerte ich erst mal die Unterschrift, zumal diese in meinen Augen besagte, dass ICH die Behandlung als Privatleistung wünsche und damit mein Recht verliere, die Kosten doch erstattet zu bekommen.

"Dann wollen wir aber eine schriftliche Erklärung von Ihrer Kasse, dass die die Kosten trägt!" war dann die Aussage der Sprechstundenhilfe. Die Schreibtischtäterin von der Krankenkasse vermutete, der Arzt wolle nur deshalb privat abrechnen, weil er dann mehr verlangen kann, als im Falle der Abrechnung mit der Kasse. Das führte dann beim zweiten Termin zu einer Auseinandersetzung zwischen mir, den Sprechstundenhilfen :D und dem Arzt.

Ich schäme mich nicht! Kein Stück!

Da die Praxis die Behandlung abbrechen wollte, wenn ich nicht bezahle oder keine schriftliche Zahlungszusage der Kasse vorlege, habe ich dann bezahlt. Ich will, dass mein Kind sagen kann: "Es brummt nicht mehr in meinem Ohr!" So!

Und die Auflösung ist:
Bis zum 1. April 2009 haben die Krankenkassen die Kosten für Tinnitusbehandlung getragen. Dann hatte das für diese Richtlinien zuständige Gremium beschlossen, dass es keine nachweislich wirksame Behandlung gegen Ohrgeräusche gibt und seither haben Betroffene die Wahl: dem Arzt glauben und die Behandlung selbst bezahlen oder auf die Richtlinien vertrauen und schulmedizinisch gar nix unternehmen.

Ob für ein Medikament ein Kassenrezept ausgestellt werden kann, hängt von der Indikation ab. Eine Infusion gegen Durchblutungstörungen wird also bezahlt, wenn es sich nicht ums Innenohr handelt.

Ich gehe davon aus, dass diese Infusionsgeschichte, pharmazeutisch hin oder her, eine hohe Suggestivkraft hat. Und die lässt sich nun mal nicht messen - dennoch halte ich sie bei Tinnitus für auschlaggebend.

Kommentare:

waldviertelleben hat gesagt…

ich habe gerade deine ganze todoliste nachgelesen. nein, ich beneide dich nicht. meine ist viel kürzer, und ich jammere auch bei der schon vor mich hin.
kopf hoch und du schaffst es, wie du alles schaffst.
lg in deinen abend

kvinna hat gesagt…

Danke Ingrid!

mondin hat gesagt…

Hm, als ich noch in der HNO in D gearbeitet habe, hatten wir ständig Tinnituspatienten STATIONÄR zur Infusionstherapie. Das war bis 2004...hat sich anscheinend ne Menge geändert...
Hoffe, er kriegt die Ohrgeräusche gut wieder los !

365 Tage hat gesagt…

meine Schwester sagt, wenn sie Ohrgeräusche hat macht sie Yoga-Wechselatmung und das hilft grandios. Ob allerdings bei einer 13-jährigen?