Donnerstag, Dezember 28, 2006

Stupps!

(...)

"Egal, zu wem du dich bekennst
oder wie du dich nennst
Ob du Moslem bist
oder Christ oder Buddhist
Von mir aus glaub' an Zarathustra
Hauptsache ist doch
es macht dich bewussta!"

(...)

aus dem Lied "Oh du fröhliche, o du selige" in der Version von Jan-Christof Scheibe feat. Gökhan Asil & B-Low von der CD "Fröhliche Weihnacht überall - in 18 Liedern um die Welt", h&h music... www.h-h-music.com

...undichhoffeichhabejetztkeinurheberrechtverletzt...

:-b

Dienstag, Dezember 26, 2006

Weihnachten

Frau Bärtschi rät mir heute mit ihrer Tageskarte: "Sei still!" und diesen Rat werde ich beherzigen, vor allem, wenn heute Nachmittag meine Eltern auf Weihnachstbesuch kommen.

Ich wünsche Euch allen eine schöne, stille Zeit!

Sonntag, Dezember 24, 2006

Fragezeichen

Habe gerade 134 - in Worten: einhundertvierunddreißig! - Müllabfuhrtermine für 5 verschiedene Müllsorten in meinen Kalender für 2007 eingetragen. Wobei ich brave Müllsortiererin das Altglas auch noch selbst wegbringe...

Fragt sich, was sich stärker auf die "Wir-haben-die-Umwelt-geschont"-Bilanz auswirkt: die geringere Vergrößerung des Abfallberges - wenn ich davon ausgehe, dass der Müll nicht doch am Ende in EINEN Ofen kommt (was ich definitiv einfach nicht weiß) - oder die vielen, vielen zusätzlichen LKW-Fahrten.

Samstag, Dezember 23, 2006

Deutlich?!

Als ich heute mit meinem Auto an einer großen Ampelkreuzung auf Grün wartete, hielt neben mir ein PKW aus Bad Segeberg. Zunächst mal nicht ungewöhnlich, schließlich ist Weihnachten, da fahren manche Leute halt' 500 km, um die liebe Familie zu besuchen. Was mich mit Bad Segeberg verbindet, sind die beiden spießigen Nachtkonsolen - ich steh' dazu! - die wir vor ungefähr elf Jahren dort gekauft haben. Hm. Und meine Eltern kaufen dort immer noch Möbel, aber das steht auf einem andern Blatt.

Was mich wie ein kleiner Schlag traf, war das Wort, das die Buchstaben auf dem Nummernschild ergaben: SERM. Mein Herkunftsdorf. Der Ort, wo meine Oma begraben liegt.

Kurz darauf suchte ich in der Haushaltswarenabteilung eines sehr großen Einkaufsmarktes nach Holzschabern für Raclettepfännchen. Im Haushaltsfundus, den ich mir mit meiner Schwägerin teile, gibt es drei Raclettegeräte. Theoretisch also was zwischen 18 und 24 Holzschabern. Schätze ich.

Na ja, irgendjemand frisst die Dinger. In diesem Jahr sind es dann mal nur sieben, die sich auftreiben lassen. Für elf Leute an Heiligabend eindeutig zu wenig.

Also suche ich zwischen Backformen, "Pfannenfreunden" (wer denkt sich eigentlich sowas aus?) und anderen KÜCHENARTIKELN und finde - batteriebetriebene Grablichter. Später dann auch die Spatel, okay, aber da stehe ich und gucke auf diese Grablichter. Und denke: "Na gut, das kriegt sie von mir, die Oma. Aber mehr nicht."

Zuhause taucht dann irgendwie so ein Tchibo-Blättchen zwischen meinen Einkäufen auf. Blättere es grob durch. Und auf jeder Seite steht hinter den Bestellnummern eine offenbar willkürliche Buchstabenkombination, die auf jeder Seite bei mindestens einem Artikel das Wort SERM ergibt. Manchmal dreimal.

Freitag, Dezember 22, 2006

Was ich will...

...ist:

1. Dass Frauen aufhören, Sätze anzufangen mit: "Ich bin ja nur..." oder "...schon so lange 'raus aus diesem Beruf..."
2. Dass Berufstätige nicht auf Hausfrauen herabsehen oder umgekehrt, warum auch immer sich wer für was entschieden hat.
3. Dass Berufstätigkeit so eingeteilt werden kann, dass daneben noch Leben & Familie Raum hat.
4. Dass vernünftige Streitgespräche nicht auf dem Hühnerhof landen.
5. Dass keiner sich rechtfertigen muss, der die Wahl getroffen hat zwischen Kindern und Karriere.
6. Dass keiner von Brunnen spricht, aus denen er nicht getrunken hat.
7. Dass Frauen aufhören zu jammern.
8. Dass weniger prestigeträchtige Arbeiten auch von Männern freiwillig gemacht werden.
9. Dass Frauen sich endlich nicht mehr automatisch für letztere Tätigkeiten zuständig fühlen.
10. Dass ich es selber auch schaffe, zumindest einen Teil dieser Forderungen zu erfüllen.

´N Abend allerseits!

Ohne weitere Worte...

mutter mein
die du bist hier!
deine kraft sei allgegenwärtig!
mein reich sei da!
und schütze mich!
immer und überall
heiterkeit und gelassenheit
gib mir täglich
und lass mich mir immer
alles verzeihen
und durch genaues
hinschauen
wirklich wahrnehmen
erlöse mich
von ängsten
und zwängen
und führe mich
zu ekstase und liebe
denn meine eigenmacht
ist bedingungslos
und unendlich
so sei es

(Bei Luisa schamlos geklaut!)

Donnerstag, Dezember 21, 2006

Respekt!

Neulich im Kindergarten aufgeschnappt: "...dass die das nicht schafft, wo die doch den ganzen Tag zu Hause hockt!" lästerten zwei berufstätige Mütter auf der Treppe über eine andere, die "NUR Hausfrau und Mutter" ist.

Verachtung aller Orten für die, die zu Hause verblöden. Und die, die das nicht tun, sind womöglich Rabenmütter. Eine Zwickmühle? Als Frau noch keine Wahl hatte, hatte sie dies Dilemma nicht. War sie da in ihrer Rolle als Nesthüterin besser angesehen?

Wirklich, toll, wenn eine das geregelt kriegt, Kinder, Haushalt und Beruf. Doch! Das ist eine Leistung!

Aber wieso eigentlich?

Ich meine, in meiner Lebenswelt sieht es meistens so aus, dass, wenn beide Elternteile arbeiten gehen, die Frau diejenige ist, die trotzdem noch zu 100% den Haushalt schmeißt, weil ER "das nicht geregelt kriegt, das nicht sieht..." im Grunde doch wohl manchmal auch, weil sie nicht zufrieden damit ist, wie er's macht und es sich dann eben lieber selbst aufhalst, oder?

Bäh, diese alte Leier von der Rollenverteilung, ich kann's nicht mehr hören.

Haben wir Frauen in der Realität unsere Männer zu unfähigen Embryonen gemacht, weil sie es uns eh' nicht recht machen?

Wenn ich mich mal für einige Tage aus dem Staub mache - was ich nur tue, wenn mein Holder Urlaub hat - führt er den Haushalt ganz prima. Anders, als ich das täte, aber das habe ich inzwischen gelernt, zuzulassen. Die Kinder kriegen jedenfalls was sie brauchen.

Ich hab' das mal ein paar Monate gemacht, Berufstätigkeit und Haushalt und Kinder. Und seltsamerweise wurde da stillschweigend damit gerechnet, dass sich an der Arbeitsteilung innerhalb der Familie nix ändert.

Obwohl ich faktisch meinem Haushalt jede Woche 15 Arbeitstunden entzogen und diese außer Haus verbracht habe.

Das hat mich schon geärgert. Aber nachher hat sich das dann von selbst erledigt, ich habe mich gerade bei Ingrid unter ihrem Post Global lang und breit dazu ausgelassen.

Das piekt noch immer, dass dieser Mann, der mir mal klargemacht hat, dass sein Einkommen genausogut meines ist, hier im Grunde lebt wie ein Junggeselle bei Mama, egal, wieviel ich grad' am Hals hab'.

Aber wenn ich als Frau schon selbst keinen Respekt vor meiner Tätigkeit habe und mich als NUR-Hausfrau tituliere, wie soll dann irgend jemand sonst Achtung haben vor diesem Beruf?

Das hat mir vor Jahren mal meine Therapeutin klargemacht, und genauso ist das: müsste mein Mann jemanden einstellen, der all' das macht, was ich leiste, das könnte er gar nicht bezahlen!

He, ich bin unbezahlbar! :0)

Der Stumpfsinn, der mich damals in diese Firma getrieben hat, in die Berufstätigkeit, der ist weg. Ich habe meine Fühler ausgestreckt, mir Horizonte geöffnet, neue Menschen in mein Leben gelassen. Ich bin irgendwie zufriedener.

Aber die Diskussion über die Arbeitsteilung, die ist noch nicht beendet innerhalb meiner Ehe.

Mittwoch, Dezember 20, 2006

Unsortiertes

Heute früh zeigte das Thermometer erstmalig eine Temperatur unter Null an. Undurchdringlicher Nebel und die Spinnweben sehen aus wie dicke weiße Bindfäden.

Spinnweben. Ich gönne mir den Luxus eines Fensterputzers, der alle sechs bis acht Wochen günstig meine 16 Fenster säubert. Ich schätze seinen Tarif und dass er nicht nur die Scheiben, sondern auch die Rahmen und Profile gründlich säubert. Sorgfältig Rücksicht nimmt er dabei auf sämtliche Krabbeltiere. Besonders "meine" Spinnen.

Darüber bin ich wirklich froh. Ich hätte ein Problem mit ihm, würde er sie ertränken oder sonstwie töten. So bekommt er zur Belohnung einen Kaffee und ist trotzdem in anderthalb Stunden fertig!

Selber würde ich das niieee in dieser Zeit schaffen!!! Ich sehe das als Investition in mein Wohlbefinden, ich hab' gern saubere Fenster.

Na ja. Spinnen. Die Prinzessin muss nur an Spinnen denken, da kann man an ihr beobachten, wie sich die Nackenhaare aufstellen. Ich teile diese Phobie nicht.

Diese Tiere behandele ich mit Respekt. Es gibt ein Verstehen zwischen ihnen und mir. Ich finde sie faszinierend und entschuldige mich ausdrücklich bei ihnen, wenn ich versehentlich oder aus zwingenden Gründen ein intaktes Netz beschädige oder zerstöre.

Ich mach' das dann immer mit einem Fliegenopfer wieder gut. Ich glaube, sie akzeptieren das, denn sie sind in und um das Haus sehr zahlreich.

Genau wie Gehäuseschnecken. Nacktschnecken empfinde ich ebenso als Geschmeiß wie Fliegen, ich gestehe es. Ich bewundere die Buddhisten für ihren Respekt vor JEDER Kreatur.

Aber die Schnecken mit Häuschen faszinieren mich. Im Küchengarten habe ich eine zahlreiche Population der gefleckten Weinbergschnecke, die sich zu meiner außerordentlichen Freude in dieser Saison zahlreich vermehrt hat, entdeckt.

Eine Art, die eigentlich nur südlicher vorkommt, nun aber auch in unseren Breiten Fuß fasst. Wohl, weil's immer wärmer wird. Und der niederrheinische Winter immer weniger hart.

Wärmer. Globale Erwärmung. Auch so'n Thema. Ich empfinde es ja als Hybris von uns Menschen, uns dafür verantwortlich zu fühlen. Quark! (Trotzdem bin ich nicht der Meinung, dass wir uns in unserer Welt aufführen sollten wie die Axt im Walde!!!)

Klimawandel gibt es seit Millionen von Jahren. Konstante Wetterbeobachtung auf wissenschaftlicher Basis existiert noch keine 150 Jahre. Also wie aussagekräftig ist die?

Dass im Winter Schnee und Kälte zu regieren haben, ist doch auch eine menschliche Wahnvorstellung. Wie verlässlich sind unsere Kindheitserinnerungen an Spiele im Schnee? Interessiert sich das Klima für unsere selbstgestrickten Kalender??

Leider kann ich's nicht nachweisen, aber mein seelenruhiger, über siebzigjähriger Nachbar hat mir mal von einer alten Schrift erzählt, die von Erdbeeren im Dezember berichtet im 13. Jahrhundert in unseren Breiten.

Übrigens ist kalendarisch der Herbst ja erst am 21. Dezember zu Ende.

Ich lasse mir keine Angst machen. Ängstliche Menschen sind leichter zu regieren. Nochmal danke an Labbatú und den Raben.

Genau wie unverheiratete katholische Priester; nicht durch Familie im weltlichen verankert, lassen sie sich leichter beherrschen. Und siehe, auch das Zölibat ist nur Mittel zum Zweck, eine Machtfrage.

Erzwungene sexuelle Enthaltsamkeit radiert den Sex eben nicht aus der Gedankenwelt, sondern verstärkt ihn, bis alle Gedanken vom Sex besessen sind. Was im Extremfall zu Wahnvorstellungen und Besessenheit führen kann (Völlig zu schweigen von unehelichen Kindern, inzestuösen oder anderen Vergewaltigungen, vertuschten Verhältnissen...). Was wiederum entweder die Exorzisten auf den Plan ruft oder den Papst zwecks Heiligsprechung.
Lustiges Völkchen, die Katholiken.

Äh, ja, ich bin noch immer nicht mit dem Deschner fertig....

Meine persönliche Religionsgeschichte - auweh, dafür braucht's dieser Tage einen neuen Post. Aber ich glaube, jetzt habe ich mein Gedankenkraut wieder ein bisschen geordnet und bin frei dafür... ;D

Donnerstag, Dezember 14, 2006

Begraben

Vorgestern war ich an der Tankstelle. Bei meinen Eltern und meinem Bruder. Eine Anfahrt von ca. 17 km, über die Autobahn.

Auf dem Weg dorthin habe ich gedacht:"Nein, ich werde mich nicht aufregen. Ich werde mich verhalten wie ein Seegrashalm in der Strömung: Keinen Widerstand bieten, fließen lassen und achtgeben, wie sich das anfühlt! Und ich werde sie alle sein-lassen, so, wie sie sind."

Dorthin zu kommen, ist immer eine Berührung mit der Vergangenheit. Aufgewachsen bin ich im Ort in der Nähe, meine Eltern sind dann erst in das zur Tankstelle gehörende Haus gezogen, als ich schon verheiratet war. Und auch die Tankstelle selbst wurde abgerissen und total neu aufgebaut.

Deshalb fühlt sich wohl alles so abgemildert an: die äußeren Merkmale sind alle verschwunden, da sind nur noch die Menschen.

Was soll ich sagen? Mein Bruder machte die Winterreifen an meinen Bus, mein Vater fuhr den Wagen durch die Waschanlage und tankte ihn voll. Ohne dass ich darum gebeten hatte und trotzdem ohne Vorwürfe. "Danke, Papa!" und alles war sauber zwischen uns. Beobachtete die Spielchen zwischen meinen Eltern und hielt meinen Mund.

Verabschiedete mich herzlich und ohne Groll.

Von der Tankstelle aus kann man den Gutshof sehen, auf dem mein Vater aufgewachsen ist. Meine Oma und mein Opa lebten dort bis zu ihrem Tod.

Manchmal fahre ich dort hin und lasse meine Kindheit auf mich einstürmen. Dort hatte ich Wildnis und Heimeligkeit beieinander. Der Kohlenofen im Wohnzimmer. Meine Oma, die Fliegen mit der Hand aus der Luft fing. Der Geschmack roher Erbsen, vom Strauch geklaut. Kirschen. Wie die Anger gerochen hat. Heute steht das kleine Häuschen leer und der Garten, Lebensinhalt meiner Oma, verwildert.

Ganz seltsam anders die Begegnung mit meinem Herkunftsdorf, durch das ich auch manchmal gondele, wenn ich von der Tankstelle aus wieder nach Hause fahre.

Diesmal habe ich angehalten. Am Friedhof. Dort liegen die Eltern meiner Mutter begraben. Normalerweise gehe ich nur zu Beerdigungen auf den Friedhof.

Auf diesem hier war ich lange, lange nicht.

Ein Schmetterling schaukelte an mir vorbei nachdem ich die Pforte passiert hatte. Ein Admiral. Meine Tante, die sich umgebracht hat, ist im Winter begraben worden. Auch damals ist mir unwahrscheinlicherweise ein Schmetterling begegnet. Ein Tagpfauenauge.

Mir geht gerade auf, dass das ja eigentlich ein militärischer Dienstgrad ist, Admiral. Die Mutter meiner Mutter, die sich von mir nicht "Oma" nennen ließ, wurde gehässig als "Generalin" bezeichnet. "Admiral" und "Kadett" hießen damals die Autos in der Werkstatt von "Opa Boss". Der Vater meiner Mutter. Aber da war ich noch sehr klein.

Der Friedhof ist nicht so groß. Ich fand "meine" Toten alle recht schnell. Ein Freund, der sich mit neunzehn Jahren totgefahren hat. Ein Nachbar. Na ja, die Vergangenheit eben. Damals war das Dorf noch ein Dorf im Wortsinn.

Doch der erste Weg führte mich zu meiner Oma. "Mutter Elli", so wurde sie von uns genannt. Von allen. Auch von ihren Enkeln.

Gepflegtes Grab. Sehr sauber. Ich hockte mich auf eine Steinplatte mitten auf das Grab und hatte die ganze Zeit das Gefühl, die dunkle Erde wallt hoch und umfängt mich gleich. Als wollte meine Oma mir dringend was sagen.

Aber ich hielt mich im "Hier" und "Jetzt" fest, nahm das leere Schneckenhaus mit, das dort lag (die sammle ich) und ging. Ich habe ihr etwas verweigert und weiß nicht, ob das mein Recht war. Es fühlt sich komisch an.

Letzte Nacht habe ich dann ein Kraut geträumt, ich schüttel' noch immer den Kopf. Ich krieg' nicht auseinander, was da gelaufen ist.

Gegenwart und Vergangenheit haben sich miteinander vermischt, alles war ganz anders und doch genauso.

Wie gesagt, ein krautiger Traum.

Weil sowas von sowas kommt?

Freitag, Dezember 08, 2006

Kann nicht mal eben einer die Welt anhalten??!

Damit ich noch 'ne Überschrift setzen kann...die hab' ich da unten vergessen... ;)
Ich glaube, dieser ganze Vorweihnachtsstress hat gar nicht nur mit Kommerz zu tun. Einerseits möchte ich gern, dass was los ist, andererseits scheint das aber auch der Grund für den Druck zu sein, unter dem ich stehe. Weil einfach der Alltag nicht mehr rund läuft.

Denn ein Termin jagt den nächsten. Im November habe ich wegen der Geburtstage meiner beiden Jungs 4 Feiern ausgericht, d.h., sie mir ausgedacht, dafür eingekauft bzw. organisiert, und sie bis ins letzte vorbereitet.

Laternen in Schule und Kindergarten wurden gebastelt, zwei Martinszüge besucht. Meinen Bruder habe ich an seinem Geburtstag nicht mal telefonisch erreicht. An meines Schwagers Geburtstag kurze Verschnaufpause.

Für die Füllung von 96 Adventkalenderbeutelchen sowie für den Nikolaus eingekauft und geplant. Plätzchenbacken in der Schule fand auch für mich in zwei Klassen statt. Dazwischen der Geburtstag der Prinzessin, dessen Feier wir mit Möbeln unterstützten. Für den Geburtstag meines Schwiegervaters habe ich fast nur gedankliche Energie aufwenden müssen.

Am Wochenende werden wir mit 5 Kindern und 4 Erwachsenen Plätzchen backen bei uns. Was sicher ein Heidenspaß wird, aber auch Arbeit - klar, alle helfen mit! Weihnachtsmärkte und andere vorweihnachtliche Sonderveranstaltungen locken auch noch.

Die Aufführungen in Kindergarten und Schule finden in der kommenden Woche statt. Die Weihnachtsfeier vom Sportverein war grad'. Zwischen Weihnachten und Silvester liegen 5 Geburtstage im engsten Familien- und Freundeskreis. Adventlesen im Gemeindezentrum für die Kinder mit Kaffee, Punsch und Gebäck (ca. 100 Leute jedesmal), Kerzenlicht und Gitarre. Schön, aber auch Arbeit.

Dazwischen der ganz normale Wahnsinn von Mamas Taxi: 3 Kinder, fünf Freizettermine wochentags. Heim- und Auswärtsspiele am Wochenende. Dazwischen Hausaufgaben und...!!! Elternsprechtage nicht zu vergessen.

Ich hab' bestimmt noch was vergessen, was sich in diese letzten 2 Monate des Jahres quetscht. Aber darum geht's auch gar nicht. Schön, das mal alles so aufgelistet zu haben, gibt mir das Gefühl, Dampf abzulassen. Eigentlich mag ich mich ja auch gar nicht beschweren.

So viele Dinge, von denen die einzelnen für sich genommen meist schön und erlebenswert sind. Aber so geballt fühl' ich mich manchmal ganz schön gejagt. Irgendwie muss ich mich anders mit der Dunkelheit arrangieren, die kommt so früh und gibt mir immer das Gefühl, zuwenig Zeit zu haben.

Ich versuche, bewusst gegenzusteuern. Nehme mir mal einen Vormittag frei von meinen Pflichten und gehe mit der Prinzessin frühstücken. Leg' mich einfach platt und hör' Entspannungsmusik mit Räucherstäbchenduft. Pflege meinen Körper, wo's geht - denn der sagt: "Halt! Stopp!". Erst diese elend lange Erkältung im Oktober/November ("Nase voll?"), dann nahtlos im Anschluss die Magengeschichte ("Zum Kotzen?")und als kleine, kurze, effektive Krönung 3 Tage jämmerliche Rückenschmerzen ("Zuviel aufgebürdet?"). In die Sauna möcht' ich auch mal wieder...

Die Geselligkeit läd mir ja auch die Batterien auf. Intensive, interessante Gespräche finden statt. Erhöhte gegenseitige Aufmerksamkeit. Aber mir zerreisst's den Alltag völlig. Liegengebliebenes stürmt in den Atempausen doppelt und dreifach auf mich ein. Und ständig aufpassen, das nichts vergessen wird, keine Termine vertauscht werden. Mich manchmal zweiteilen.

Der Job "Mutter" hat das gleiche Anforderungsprofil wie eine Position im mittleren bis gehobenen Management. Das musste ich jetzt einfach mal 'rauslassen. Uff. Gesund bin ich ja jetzt auch wieder. Darum: "Genug gesudert!", sagte Artemis (http://wolken-los.blogspot.com/) in ihrem Blog mal treffend und so ist's hier jetzt auch.

Leider kann ich nicht so elegant verlinken wie sam (http://samstage.blogspot.com/).....

Donnerstag, Dezember 07, 2006

Religion 1

Ich habe den Broder gelesen und sacken lassen.

Einige Stellen im Buch habe ich mir dick unterstrichen, weil ich beim Lesen dachte: "Ja, genau, das ist es!"

Trotzdem habe ich ambivalente Gefühle gegenüber den Aussagen dieses Buches. Weil mir die Belege fehlen für manche Behauptungen. Papier ist schließlich geduldig.

Ich denke, unsere Unsicherheit und mangelnde Konsequenz im Umgang mit Moslems rührt auch daher, dass wir nicht mehr so fest verhaftet in unserer christlichen Religion sind, wie viele "Menschen mit Migrationshintergrund" im Islam.

Das macht uns unsicher, dass jemand seinen Glauben so konsequent lebt. Das heißt aber nicht, dass dieser Jemand sich nicht anpassen muss. Christen in muslimisch geprägten Ländern tun das schließlich auch.

Und dann ist da noch das schlechte Gewissen. Da stimme ich dem Autor weitgehend zu. Ich glaube, dass es in meiner Generation vielen so geht wie mir: als ich Kind war, war der Nachwuchs der "türkischen Gastarbeiter" tabu. "Spiel nicht mit den Schmuddelkindern!", war das Motto. In meinem katholischen (<-ich betone das immer wieder gern!) Heimatdorf waren sie die Außenseiter.

Dass sie da lieber freiwillig eine Parallelgesellschaft errichteten, könnte ein naheliegender Gedanke sein. Also haben wir sie dazu getrieben?

Pustekuchen! Das erklärt zwar unser schlechtes Gewissen "Wir wollen doch nicht weiter so gemein zu ihnen sein!", rechtfertigt aber noch längst nicht, dass wir uns von ihnen alles gefallen lassen.

Die Italiener im Dorf hatten es auch schwer - und die wahren katholisch! Sind die aggressiv geworden? Nö. Und die Ägypter waren voll integriert. Ob die Christen waren, weiß ich gar nicht...

Montag, Dezember 04, 2006

Besitz

Als ich ungefähr 13 war, hat mein Opa mütterlicherseits mir an meine grade so ein kleines bisschen sprießenden Brüste gefasst und auch zwischen die Beine. Das sollte unser Geheimnis sein, "das braucht keiner zu wissen!". Zwei Wochen habe ich mich damit gequält, bis ich es meiner Mutter erzählt habe.

Was ich erntete, waren Vorwürfe von allen Seiten und das schwarze Gefühl, am daraus sich verschärfenden Familienstreit - mein Vater und die Schwester meiner Mutter haben sich nie gut verstanden und danach überhaupt nie mehr miteinander geredet - schuld zu sein.

Was meine Mutter mir vorwarf, war, dass ich ihr das nicht viel früher anvertraut hatte, "stell' dir mal vor, was noch alles hätte passieren können!" Niemand hat mich damals nach meinen Gefühlen gefragt. Niemand hat mich mal in den Arm genommen oder sonstwie getröstet.

Heute habe ich für mich damit abgeschlossen, ich kann wirklich sagen, dass ich keinen schlimmeren Schaden davongetragen habe als die bittere Empfindung, dass damals alle Erwachsenen nur an ihre eigenen Gefühle gedacht haben.

Mein Vater, der bis heute nicht in der Lage ist, Dinge, die ihm nahegehen angemessen zu behandeln und zu äußern, hat mir gegenüber damals nur immer wieder sehr plastisch beschrieben, was er mit dem Opa am liebsten machen würde. Seine persönliche Wut sollte mir illustrieren, wie sehr ER leidet unter dem, was mir widerfahren ist - um damit von hinten durch die Brust ins Auge seine Liebe zu seiner Tochter zu verdeutlichen.

Daran muss ich in letzter Zeit sehr oft denken, wenn über Stefanie oder Natascha berichtet wird. Vor allem in Stefanies Fall tut sich der Vater sehr hervor. Tritt als Nebenkläger auf. Von der Mutter keine Spur in dem Rummel. Woher kommt nur dieses eklige Gefühl bei mir, dass es um männliche Besitzansprüche geht?

Montag, November 27, 2006

Unser Haus...

...wurde 1904 oder 1907, so genau weiß ich das grad' nicht, vom Ururgroßvater unserer Kinder mit seinen eigenen Händen gebaut. Aus Backstein, auf einem Streifenfundament, die Zwischenböden aus Holz, der kleine Keller hatte bis ca. in den 60er Jahren noch offenen Lehmboden. Erdig, erdverbunden, dass ist schon ein treffender Begriff - finde ich.

Kennengelernt habe ich es als das Haus meiner Schwiegereltern. Da wohnte mein Mann noch bei ihnen. Unsere erste gemeinsame Wohnung war dann woanders, ein halbes Jahr vor unserer Heirat starb meine Schwiegermutter. Ein weiteres Jahr später wurde unser Sohn geboren, mein Schwiegervater verliebte sich in eine Frau mit Haus und meine Schwägerin wollte bauen.

Da war die Sache klar: Das Grundstück wurde geteilt, wir kriegten das alte Haus, mein Schwiegervater zog zu seiner Lebensgefährtin und Schwager und Schwägerin bauten "bei uns im Garten".

Ich war paralysiert: ich habe bis zur Zahnbürste meiner verstorbenen Schwiegermutter den gesamten (!!!) Hausstand meiner Schwiegereltern übernommen. Irgendwie war das lange, lange nicht mein Zuhause. Gefühlsmäßig war ich bei meinen Schwiegereltern eingezogen

Obwohl ich alte Häuser liebe! Neubauten wirken auf mich immer merkwürdig nackt, ohne dass ich das an einem bestimmten äußeren Merkmal festmachen könnte.

Nun wohne ich hier seit 8 Jahren mit inzwischen drei Kindern und erkämpfe mir dieses Haus eigentlich noch immer, Stück für Stück. Langsam wird für mich ein Heim daraus, wie vielleicht auch mein Mann sehr langsam begreift, dass er nicht mehr bei seinen Eltern wohnt.

Meine Schwiegermutter ist noch immer da. Besonders in der Küche. Und manchmal mischt sie sich ein. Dann frage ich mich, ob sie objektiv bleibt oder prinzipiell für ihren Sohn Partei ergreift. Ich bin mir da nicht so sicher... aber es sind ja auch all' die Generationen davor, die hier, wie soll ich sagen, in den Ritzen kleben. Die hier geliebt und gehasst haben, gestorben sind, geboren wurden...

Die Materie selbst: die Elektrik, die Anfangs gar nicht da war und dann, Generation um Generation, gewachsen ist, weitergehäkelt wurde, früher war da ein Plumpsklo und ein Schweinestall, heute sind's Zimmer, der Kohlenschacht im Keller, der nun nicht mehr gebraucht wird, fließend Wasser gab's wahrscheinlich erst gar nicht und dann irgendwann erstmal nur kaltes in der Küche usw., usw.

Also das Haus ist schon irgendwie organisch gewachsen. Damals in der Altbauwohnung hat's mich schon manchmal gegruselt. Hier habe ich mich nie wirklich gefürchtet.Dieses Haus war mir nie unheimlich. Aber ich habe mich erdrückt gefühlt und nur langsam freigekämpft.

Ich hatte damals beim Einzug nicht die Kraft, etwas auszuradieren oder überzutünchen und heute bin ich froh darüber. Dieser allmähliche Prozeß, der mir das Haus zum Heim gemacht hat - noch nicht bis in jeden Winkel, aber doch schon so, dass ich wieder durchatmen kann - war vielleicht genau mein Weg.

Montag, November 20, 2006

Aliens?!

Als Star-Trek-Gern-Guckerin musste ich am Samstag bei der Lektüre unserer Tageszeitung unwillkürlich an das Volk der Borg und ihren monoton vorgetragenen Spruch "Sie werden assimiliert werden!", denken.

Borg fliegen durch's All auf der Jagd nach Individuen, die sie vereinnahmen können. Wer das Pech hat, ihnen in die Hände zu fallen, geht sozusagen in der Masse auf, zentral gesteuert von einer Königin, des freien Willens beraubt, der Einzelne zählt nichts, das Volk alles.

Assimilation, sagt Meyers, bedeutet in der Soziologie dies: "Vorgang, bei dem Einzelne oder Gruppen die Traditionen, Gefühle und Einstellungen anderer Gruppen übernehmen und in diesen allmählich aufgehen," (...) "ferner jede Angleichung des Einzelnen an die umgebenden Gruppen" (...) "Die A. ist ein wesentlicher Faktor des Wachstums von Stämmen, Völkern, Sprach- und Religionsgemeinschaften." (!!!)

Die "Neue Rhein Zeitung" (NRZ) vom Samstag, 18. November berichtet in ihrem politischen Magazin unter der Überschrift "Die Wut und der Stolz" von Vortrag Necla Keleks, neuer Professorin an der Uni Duisburg, einer türkischstämmigen Islam-Kritikerin. Sie hält es "für eine Stärke, die Gratwanderung zwischen zwei Kulturen beendet zu haben. Der Preis für diese Anstrengung, die Verminderung persönlicher Entwicklungschanchen, erschien ihr irgendwann als nicht nur unangemessen hoch, sondern viel wichter, als unnötig."

(...)

"Mit ihrer Bereitschaft, Assimilierung als richtige Strategie zu kennzeichnen, hat es die Autorin und Soziologin zum Liebling all jener gebracht, die mit der Naivität des traditionellen Integrationsdiskurses hadern. Umgekehrt ist sie der Feind aller, die eine mehr oder weniger ausgeprägte Parallelgesellschaft so schlecht nicht finden. Besser jedenfalls als die Vorstellung, die Migranten von heute könnten sich - wie einst die Polen im Ruhrgebiet - am Ende spurlos integrieren."

(...)

Sie sieht den Islam als nicht integrationsfähig: "Der alle Lebensbereiche umfassende politische Anspruch der Religion, die Betonung des Kollektivs zu Lasten des Individuums mache eine Integration des Islam in eine säkulare, vom Recht des Einezlnen geprägte Gesellschaft unmöglich. Integrierbar sei aber sehr wohl der einzelne Muslim in seinem Bedürfnis, Gott nahe zu sein, bietet Kelek als ihre Zukunftshoffnung an."

(...)

Frank Stenglein, den ich der Vollständigkeit halber (ich alte Erbsenzählerin) hier noch als Autor des Artikels nennen muss, berichtet dann noch von einer Diskussion, die im Anschluss an den Vortrag im Foyer der Audimax stattfand, "die da und dort interkulturellen Charakter hatte": (...) "Die junge Muslima mit dem strengen Kopftuch hingegen, eine eloquente und sehr gebildete Studentin, verweist auf ihre Anstecknadel mit den verschränkten Flaggen Deutschlands und der Türkei. Dies sei und bleibe ihr Spagat, ihre Welt, sagt sie, und man spürt den Wunsch und den unbändigen Stolz, anders zu sein. Koste es, was es wolle."

Noch Fragen?

Donnerstag, November 16, 2006

Für die Schule lernen wir...?!

Gestern war ich mit meiner Tochter an der örtlichen Grundschule, um das Kind dort anzumelden. Im nächsten Schuljahr werde ich also tatsächlich für ein Jahr drei Kinder an derselben Schule haben.

Sieben Jahre Kindergarten haben mich gelehrt, dass man eine Einrichtung auch ZU gut kennenlernen kann...manche Dinge will man einfach gar nicht wissen.

Nun waren wir also im Warteraum und die Klassenlehrerin meines Ältesten holte sich immer vier Kinder in einen separaten Raum, um sich mit ihnen zu unterhalten.

Da meine Tochter absolut nicht bereit war, sich von mir zu lösen, ging ich - der Situation ergeben - also mit hinein. In dem Raum war es einfach grauenhaft kalt und keines der anderen Kinder hatten wir beide je zuvor gesehen. Und mein Kind verweigerte die Kooperation: versteckte sich hinter mir und war nicht zu mehr als Kopfschütteln und Nicken bereit, den Finger immer im Mund.

Nun ja. Die Lehrerin kennt uns und unsere Familiensituation ziemlich gut. Von daher weiß ich, dass sie die Kleine richtig einschätzt. Diese Frau wird keine Zicken machen bezüglich des Entwicklungsstandes meiner Tochter.

Man kann über unser Schulwesen sagen, was man will. Ich jedenfalls bin bereit, mich da hineinzufügen und meinen Kindern das zuzumuten. Obwohl ich die Unzulänglichkeiten sehe, heule ich mit den Wölfen und schicke meinen Nachwuchs nicht in eine Waldorfschule.

Was ich sehe, ist, dass seit meiner Grundschulzeit Schule menschenfreundlicher geworden ist. Das berücksichtigt wird, dass Kinder toben müssen, auch Möglichkeiten brauchen, sich zurückzuziehen. Das verschiedene Kinder verschieden lernen.

Das Schule sich einfach mehr bemüht, es richtig zu machen statt die Kinder herzurichten.

Aber ich saß in diesem Raum und dachte:"Warum bist du nicht wie deine Brüder? Offen, freundlich und unkompliziert? Warum blamierst du mich hier als Klammermutter? Lässt die Zicke raushängen, die an Mamas Rockzipfel hängt?"

Das dachte ich, von Schuldgefühlen geplagt und gleichzeitig voller unterdrücktem Groll gegen mein Kind. Es hat einen halben Tag und gutes Zureden von der Prinzessin gebraucht, bis ich wieder klar gesehen habe.

Dieses Kind ist anders. Und das ist gut so. Sie darf sich so benehmen und zugleich von mir geliebt fühlen. Sie weiß und ich weiß, das sie klug ist, körperlich und geistig fit. Diese kleine Showeinlage von ihr - die definitiv nicht ihrer Natur entspricht! - war ihr gutes Recht.

Sie braucht ihr eigenes Tempo, ihre eigene Methode, um sich dem "Thema Schule" zu nähern. Und ich weiß, daß sie keine Angst hat. Sie hat nur ein bisschen die Bremse angezogen, damit ich genauer hinsehe.

"Warum seid ihr nicht so, wie ich euch haben will?" ist eine Frage, die mir insgeheim manchmal zu schaffen macht, wenn es zu Reibereien zwischen mir und den Kindern kommt. Es ist ein Prozess, ihr Anders-Sein zu akzeptieren und zuzulassen. Oft genug ein sehr schmerzhafter.

Aber das ist gut so. Gelegentlich ein geistiger Tritt vor mein Schienbein schadet nicht. :)

Grade sehe ich auf der Wiese gegenüber die Kühe vom Melken kommen. Sie sind so froh, draußen zu sein. Keine Selbstverständlichkeit im November, der Bauer ist da sehr gnädig. Eine, zwei, lösen sich aus dem Pulk und galoppieren übermütig um die Wiese herum. Das hat was Rührendes... sie genießen die Sonne, die Bäume leuchten golden.

A propos, da es heute trocken und warm (16°C!) ist und ich endlich mal einen Vormittag ohne auswärtiges Herumgerüsel habe, werde ich mir gleich nochmal das Laub vornehmen. Juchhu! Draußen arbeiten!

Montag, November 13, 2006

Der Kreis schließt sich!?

Freitag haben wir Kindergeburtstag gefeiert, mit allem Grusel, der aufzubieten war: verdunkelte Räume, Kerzengeflacker, ermordeter Kuchen, Spinnweben...

Als die kleinen Vampire dann abends abgeholt wurden, hatten sie einen Heidenspaß gehabt - und ich war so müde, ich hätt' im Stehen einschlafen können.:)

Gestern waren wir zum ersten Mal in dieser Saison wieder Eislaufen (eislaufen? Eis laufen?). Es war rappelvoll in der Halle und das Eis sehr zerfurcht, voller Löcher.

Dennoch hatten die Kinder den Bogen schnell wieder 'raus und wir alle einen Heidenspaß! Ich habe mich, glaube ich, auch nicht allzusehr blamiert. Der Große legte ein Riesentempo vor, der Mittlere ließ bis zuletzt den Pylon nicht los und die Kleine lief zum Schluss ungefähr so gut wie ich :0).

Das Broder-Buch, von dem Sam schreibt, hat mich natürlich neugierig gemacht. Zur Zeit lese ich "Das Kreuz mit der Kirche - Eine Sexualgeschichte des Christentums" von einem Herrn Deschner.

Dauernd geht mir dabei ein Licht auf, es ist zwar etwas mühsam zu lesen, weil der gute Mann ungefähr jeden seiner Sätze im Anhang literarisch belegt - saugut recherchiert, möchte ich meinen - aber die Aha-Erlebnisse sind einfach unschlagbar gut! Kann ich nur empfehlen.

Und hinten auf dieser Taschenbuch-Ausgabe von 1991 steht eine Kritik von einem H.M.Broder, der den Deschner einfach nur gut findet. Also nach diesem Wink war ich dann mal schnell bei Amazon einkaufen. ^^

Hm.

Langsam glaube ich, ich sollte mir einen Leseplan aufstellen. Ein Buch pro Woche ist bei mir guter Schnitt, manche sind zäh - wie der Deschner, der liest sich etwas mühsam - aber es ist trotzdem eine Lust.

Bin halt' doch recht verkopft. Macht nix, meistens.

Mit dem Islam beschäftige ich mich ja nun auch schon länger, dabei passiert es mir jedes Mal, dass ich mich wieder ins Christentum 'reinhängen muß, um die Sache rund zu kriegen. Kulturelle Werte lassen sich nun einmal nicht von religiösen trennen, das ist so.

Dienstag, November 07, 2006

Gesundheit!

Sonntag ist mein einer Sohn, mein mittleres Kind, sieben Jahre alt geworden. Er hat eine Armbanduhr von uns bekommen, da er schon lange sicher die Uhr lesen kann. Er ist so'n kleiner Genauer, wir kriegen jetzt dauernd die Zeit angesagt. ;0)

Nachmittags saßen wir mit 17 Leuten zum Kaffee. Ich hatte Coppenrath & Wiese (Riesenerkältung, keine LUST einen ganzen Tag in der KÜCHE zu stehen) backen lassen und hab' die Kuchen im Ofen warmgemacht. Dabei ist es mir gelungen, mir beide Hände zu verbrennen.

Die Prinzessin brachte einen neuen Mann mit. Sie ist frisch verliebt. Ich gönne es ihr von Herzen, aber nun will sie mich auch glücklich sehen. Lass' mal, Schatz, das wird schon!

Auch meine Eltern waren da, jedenfalls körperlich. Mein Vater hat sich, glaube ich, ganz gut unterhalten. Aber meine Mutter war völlig im Medikamentennebel verschwunden, nur die Kinder haben sie ein wenig erreichen können. Nun macht sie sich auch noch dünne, ihre Kleidung schlackert beängstigend an ihr.

Ach, Mama!

Heute war ich beim Frauenarzt, die übliche Vorsorge. Eine Überschrift auf der Brigitte: "Wie gefährlich ist es, eine Frau zu sein?" Irgend ein Gesundheitsreport.

Ich kann mir nicht helfen, in letzer Zeit fühle ich mich in meiner Eigenschaft als Frau kontrolliert und gegängelt von der Schulmedizin. Anscheinend wird es immer schlimmer.

Plötzlich wollen sie uns auch noch an den Muttermund, die Herren Mediziner. Gegen Krebs impfen. Damit wir geschützt sind. Überall eindringen, alles kontrollieren, erforschen.

Sie können halt' nicht aus ihrer Haut, wollen alles ganz genau wissen; wiegen, messen zählen.

Wen geht es was an, ob eine wechselnde Sexualpartner hat und sie damit in eine statistische Risikogruppe gehört? Mich macht dieses Deckmäntelchen schulmedizinischer Gesundheit "Es ist ja nur zu deinem Besten!" tierisch misstrauisch.

Die letzte Sicherheit. Die absolute. Die muss unbedingt errungen werden.

Warum?

Donnerstag, November 02, 2006

NEIN!

"Ich kann nicht!" heißt manchmal auch ganz einfach "Ich will nicht!". Schon klar!

Ich will mich nicht verbiegen, um gemocht zu werden.

Mit einer alten Freundin bin ich mal - mitten in Barcelona, die Spanier dachten wahrscheinlich, die spinnen, die deutschen Weiber! - furchtbar in Streit geraten wegen einer Nichtigkeit.

Sie hatte mir geschildert, wie sie sich nach einem üppigen Abendessen auf dem Heimweg hinter ein Auto "so'n Transit oder so!" hockte, um zu pinkeln. Ich bemerkte, laut denkend, "Ein Ford!" und das war zuviel.

Sie regte sich ganz grauenhaft darüber auf, dass ich so eine olle Haarspalterin bin, dass ich immer mein Wissen raushängen muss und dass ich doch wirklich mal lernen könnte, meine Klappe zu halten. Dann wäre ich wirklich liebenswert.

Ach je! Ich kann sie ja verstehen.

Wahrscheinlich habe ich tatsächlich eine Profilneurose, muss unbedingt zeigen, dass ich das kann, das weiß, das gelesen habe...

Ja! Kann schon sein!

Mal drängt es mich mehr, mal weniger, mich darzustellen und wenn es ganz schlimm kommt, geht es mir selbst auf die Nerven.

ABER ICH MUSS MICH MITTEILEN! Sonst ersticke ich. Wenn es gut läuft und der Druck gleichmäßig abfließt, ist es ganz nett mit mir. Meine Prinzessin nennt mich ihr Lexikon.

Nur wenn sich zuviel aufstaut, dann werde ich neurotisch und oberlehrerhaft... dann kann's gruselig werden. Jedenfalls erinnere ich mich, dass ich damals in Spanien einen unheimlichen Widerwillen gefühlt habe, dieses Bedürfnis zu unterdrücken.

Wie früher in der Schule, wenn die Lehrer mich beseite nahmen und meinten: "Hör mal, du solltest wirklich dieses oder jenes an dir ändern..." dann grollte es in mir drin und ich dachte: "Wieso denn? Nur, damit die andern mit mir spielen?" Das konnte ich nicht einsehen.

Weiß nicht, was das ist. Hab' mich schon öfter gefragt, ob das angeboren ist oder was.

Mittwoch, November 01, 2006

Nicht fertig!

Im Kinderradio kam heute was über Abschied nehmen und Tod und wie Kinder damit umgehehen können. Passend also zu Allerheiligen, dem traditionellen Totengedenktag. Soweit ich weiß, in beiden Kirchen.

Wahrscheinlich auch wieder sowas, das vom Christentum aus dem sogenannten Heidnischen übernommen wurde. Werd's vielleicht gleich mal googeln.

Halloween hin, Tradition her: mit dem November beginnt für mich alljährlich der Horror. Sich Weihnachten zu entziehen ist spätestens jetzt nicht mehr möglich, die Dunkelheit wird immer lauter und ein Fest folgt auf das andere. St. Martin, Nikolaus, Weihnachtsfeiern in Schule, Kindergarten und Verein, Weihnachtsessen mit Freunden.

Zu allem Überfluss haben wir bis zum Jahresende auch noch unzählige Geburtstage in der näheren Familie.

Was mich daran stört, ist der ganze Konsumlärm und das ich nicht mehr zu Atem komme. Diese aggressive Werbung! Im Lokalradio benutzen sie jetzt tatsächlich schon Fäkalsprache.

Dabei ist Weihnachten selbst bei uns immer sehr schön. Ruhig. Leise. Sehr familiär. Liebevoll. Nur - bis dahin!

Es ist auch nicht so sehr der übliche Stress, Geschenke besorgen, Plätzchen backen, Hausputz machen.

Nein!

Mich stört diese eigenartige Ruhelosigkeit, die alle erfasst, als müsste man im zu Ende gehenden Jahr schnell noch jede Menge unterbringen. Als würde die Zeit knapp! Kann man das nicht alles besser über's Jahr verteilen, statt so eine Endzeitstimmung machen?

Sagen wir, einmal im Monat ein meditativer Tag für Ruhe und Besinnlichtkeit, Liebe und Zuneigung, Zeit für sich, Zeit für die, die einem am Herzen liegen...

Ach, das ist ja schon wieder uferlos... und diese Zeit müsste man sich eigentlich einmal am Tag gönnen - oder sie immer haben... ne, ich seh' schon, die universelle Lösung finde ich jetzt auch nicht! :0\

Dienstag, Oktober 31, 2006

Steine und Pflanzen

Der Gauzibauz rät mir, einen Smaragd unter mein Kopfkissen zu legen gegen die erkältete Nase. Das war einmal meine Lieblingsfarbe: smaragdgrün. Ich liebe es noch immer.

Nun ist rot dazugekommen, und es wird immer lauter. Leider habe ich, glaube ich, nur Jade. Rosaquarz hat meine Tochter in mein Leben gebracht, blauer Goldfluss hat mich ausgesucht, und ein Bernstein ist genauso zu mir gekommen.

Steine, das ist ein Thema: die Kinder schenken mir dauernd welche, das ganze Haus ist voll damit. Flint am meisten.

Manche sind unglaublich: einige muss ich gleich wieder 'rauswerfen, weil ich sie nicht ertragen kann.
Einer ist mal mit den gekauften Kartoffeln ins Haus gekommen, den hatte ich eine Zeit lang in meiner Küche, der sah selbst aus wie eine Kartoffel und war ganz gemütlich. Einer der ersten, bei denen ich das Gefühl hatte, er ist zu mir gekommen und bringt etwas mit.

Ich kann das nicht so ganz ausdrücken.

Aber danke für den Rat, werde mich mal nach einem Smaragd umtun, die dunkle Zeit kommt ja grad' erst.
Das mit den Pflanzen, das Sam schreibt, interessiert mich auch.

Ich habe mal bei Luisa sowas gelesen, dass die Pflanzen zu uns kommen, das sich bei uns ansiedelt, was wir im weitesten Sinne brauchen.

Nun, die Holunderin war vor mir da, aber dieses Haus ist ein-, zweimal über die weibliche Linie vererbt worden.

Schwarzer Nachtschatten fing an, sich auszubreiten, als wir einzogen und ich erklärte ihn zum Feind - mein Ältester konnte grade laufen und das war mir zu gefährlich, ich hab' die Pflanze ausgerissen, wo ich ihr begegnet bin. Noch heute zuckt meine Hand, wenn ich sie seh'.

Johanniskraut und Wegerich kommen oft und werden mehr. Wegen unseres Vorgartens halten die Leute unser Haus für unbewohnt. Inzwischen trau' ich mich gar nicht mehr so recht, ihn zu verändern, was da alles lebt!

Auch dem Garten hinterm Haus lass' ich, wo's geht, die Wildheit.

Gerade habe ich mir den dritten Teil von "Herr der Ringe" angesehen und die Musik säuselt mir immer noch im Kopf herum. Es ist fast zwanzig Jahre her, dass ich das Buch gelesen habe und ich kann mich erinnern, dass öfters die Rede davon war, dieser Stoff sei nicht zu verfilmen. Damals habe ich das auch gedacht, all' das, was sich da in meinem Kopf abgespielt hat bei der Lektüre, auf Leinwand? Unvorstellbar!

Die Schlachtenbeschreibungen fand ich, zugegeben, eher ermüdend und unübersichtlich auf dem Papier - in der Glotze waren sie jetzt recht plastisch, aber trotzdem - brüllen und stechen, brüllen und stechen, zur Abwechslung mal draufhaun', naja, und ein bisschen viel Pathos, weniger Musik wär' manchmal mehr gewesen.

Natürlich hab' ich geweint am Schluss, für Hollywood sind sie, glaube ich, sehr nah am Buch geblieben - obwohl ich mich an Verstärkung aus dem Totenreich nicht so recht erinnern kann?! Adler, Warge, Olifanten, Orks, auch die Ents, gut getroffen. Alle Achtung.

He, es ist Halloween, und im Lokalradio haben sie sich heute darüber mokiert, dass die Karnevalsvereine diese Veranstaltung nicht als Tradition betrachten. Nee, es ist keine! Jedenfalls nicht unsere! Eine irische und dann eine amerikanische.

Wie haltet ihr's mit Allerheiligen?

Liebe

Manchmal gehe ich mir selbst auf die Nerven.

Immer weiß ich alles besser. Glaube, genau zu wissen, wie andere ihr Leben leben sollen. Zu wissen, wo sie sich selbst betrügen, wo sie noch an sich arbeiten sollten.

Meine große Klappe!

Was weiß ich schließlich über Labbatus Vater oder Stelas graue Haare? Über die Ehen meiner Freundinnen oder die Erziehung der Kinder, die nicht meine sind? Ich steck' doch nicht drin!

Was tue ich da? Flüchte ich vor meinen eigenen Problemen und wälze lieber die der anderen? Kann ich mich nicht mit mir selbst auseinander setzen und bei mir bleiben? Muß ich immer gucken, wie andere das machen, um mich dann daran zu orientieren?

Entsetzt stelle ich fest, dass ich mir auf Gebieten, über die ich eigentlich nicht genug weiß, schnell meine Schubladen herrichte, in die alles hineinpasst. Kommt dann jemand daher, der ganz offensichtlich mehr darüber weiß als ich, stürzt der ganze Kram ein und ich in Verzweiflung, weil der Orientierung verlustig gegangen. Hätte ich halt' abgewartet!

Passiert aber auch, dass ich unwissend und ratlos bin und es kommen Schwätzer daher und ich schwanke: glauben oder nicht glauben? Und mancher Schrecken tut sich auf und ich denke: so schlimm ist das? Glücklicherweise gibt es einen guten Geist, der dann sagt: he, Geschwätz, fühl' mal bei dir selbst! Und dann geht's wieder.

Aber ich bin verletzbarer geworden. Wahrscheinlich ist das so, wenn man sucht.

In letzter Zeit merke ich, dass ich mir selbst verloren gehe, wenn ich immer fremde Erwartungen erfülle. Draufzahle, wenn ich mich immer nur nach außen orientiere. Ich fühle mich wund. Früher war das mal einfacher: das Gegenteil meiner Mutter zu sein war mein roter Faden.

Und nun? Ich habe das Gefühl, ich müsse mich selbst neu erfinden. Ich will meine innere Ruhe wiederhaben! Na ja, inzwischen habe ich eine Vorstellung davon, wie es sein kann, wirklich völlig ich selbst zu sein. Land in Sicht, sozusagen. Aber dieser Weg hat seine Hochs und Tiefs und manchmal verzweifle ich.

Meistens kommen die Schläge unerwartet. "Du vergisst doch sowieso sofort wieder alles, was ich sage!" heißt in meinen Ohren: "Du liebst mich nicht genug!". Das ist ein Beispiel aus meiner Beziehung, so vor zwei Wochen. Nur ein Beispiel, aber symptomatisch. Nicht genug Liebe gegeben zu haben, dieses Gefühl trifft mich auch woanders. Meine Kinder, meine Eltern, die ganze Familie drumherum, meine Freunde.

Und dann: nicht geliebt zu werden. Renne ich dauernd hinter der Liebe her? Ein Urmuster bei mir, von frühester Kindheit an: Du hast einen Fehler gemacht, jetzt haben wir dich nicht mehr lieb. (Mein Vater, meine Mutter!) Ich merke, dass das in meinem tiefsten Innern festsitzt: einen Fehler eingestehen heißt, den Verlust der Liebe zu riskieren. Und wie überlebenswichtig war die Liebe meiner Eltern für mich als Kind - genau wie für jedes Kind, auch für meine Kinder.

Also welches Verhältnis habe ich zu meinen Fehlern? Ich kann sie mir nicht verzeihen. Weil ich als kleines Kind gelernt habe, dass sie meine Existenz bedrohen. Das muss ich mir abtrainieren. Kritikfähig werden. Annerkennen, dass ich geliebt werde auch da, wo ich nicht alles richtig mache. MICH SELBST LIEBEN, AUCH DA, WO ICH MIST MACHE! Nur dann kann ich Fehler eingestehen, mir selbst und den andern.

Und da steht es wieder: dieses "muss". Gelassenheit geht da flöten, wo das "müssen" anfängt. Misstrauisch werden gegenüber den eigenen Erwartungen und denen, die die Umweilt SCHEINBAR an mich hat. Die Projektionen entlarven.

Jetzt geht es mir besser.

Samstag, Oktober 28, 2006

Bilder

Tja, das mit den Bildern muss noch ein bisschen warten, mein Rechner und meine Kamera verstehn' sich zur Zeit gar nicht. DER Rechner - DIE Kamera; ein Zeichen? DER Mann und DIE Frau verstehn' sich nämlich im Augenblick auch GARNICHT. Und dieses Pink hier hatte ich eigentlich auch GARNICHT geplant. Dachte mehr an dunkelrot. Na ja, das findet sich, werd' sicher noch öfter umbauen, man hat ja so eine Vorstellung davon, wie man sich präsentieren will; oder kann sich hier jemand davon freisprechen?

Selbstdarstellung, das ist auch so ein Ding bei mir. Jahrelang hab' ich angezogen, was zweckmäßig war, gekauft, was keine Arbeit macht. Und nun habe ich immer öfter mehr als zwei, drei Teile zum Bügeln in der Wäsche. Bügel' aber nur, wenn ich wirklich Lust dazu habe! Lasse mich nicht stressen. Jedenfalls dachte ich beim letzten Plätten: "Sieh' mal einer an, früher hättste dir so ein Teil nicht gekauft!". Und es macht mir Spaß, mich allmählich zu verwandeln.

Meine Tochter, grade fünf, hat bei mir sehr viel bewegt in Richtung Weiblichkeit. Ich meine, innen und außen weiblicher zu werden, nicht mehr so burschikos zu sein. Auch meine Freundin, die Beziehung zu ihr ist ca. so alt wie meine Tochter, bezeichnend, oder? (da ich vorher eigentlich gar keine Freundin hatte, "Weiber!!!" dachte ich) hat mich sehr stark beeinflusst.

Weil ich immer dachte, weiblich sein heißt so sein wie meine Mutter und das wollte ich ja niiiee! Und dann kam diese Frau daher, die Fußkettchen trägt, sich die Zehennägel lackiert und Handtaschen benutzt und auch sonst eine Prinzessin ist. Da ist bei mir ein Knoten geplatzt.

Denn das war vorher keine Freiheit - sein zu können wie ich wollte, aber immer nur danach zu entscheiden, ob ich es auch ja anders mache als meine Mutter. Das reichte bei mir bis in die Kindererziehung hinein und war schon ein ziemlicher Krampf.

In den letzten Jahren hat sich alles nach und nach entspannt bei mir. Und das macht sich auch an meinem Körper bemerkbar. Ich hab' es noch nicht ganz 'raus, aber alles ist lockerer geworden, Kopfschmerzen habe ich praktisch gar nicht mehr, nächtliches Zähneknirschen gehört der Vergangenheit an.

Ich denke auch, dass Geistes- und Körperhaltung eine Menge miteinander zu tun haben. Wenn's mir schlecht geht, lass' ich wirklich die Schultern hängen, richte ich mich aber bewusst auf, straffe meinen Körper, wird's auch im Gemüt ein bisschen heller. Also, das jetzt mal als ganz simples Beispiel.

Den dicken Bauch habe ich, so glaube ich, davon, dass ich alles 'runterschlucke - und damit meine ich keine Kalorien. Aber manchmal beiße ich mir eher die Zunge ab, als mir Luft zu machen. Neulich hatte ich mal wieder die Nase voll - sprich, einen Schnupfen im Anzug - und habe mir die Holunderin ins Bett geholt. In meinem Garten steht eine, die ist schon recht alt, und der Saft ihrer Beeren hilft mir immer gut durch die dunkle Zeit.

Komisch, am andern Tag fühlte ich mich unbesiegbar. Oder gerade nicht komisch. Holunder kann gar nicht männlich sein, das ist unmöglich. Leider ist mein Mann immer grade gar nicht da, wenn mir die besten Argumente einfallen. Wenn ich grade am klarsten sehe. Zum verrückt werden.

Die Frage ist doch gar nicht, ob ich ihn liebe oder nicht. Denn es ist ja längst nicht alles in Ordnung, nur weil man sich liebt. Ich liebe ihn nämlich wirklich sehr. Und ich will ihn. In jeder Hinsicht.

Das heißt aber auch, dass ich mich nicht nur mit ihm, sondern auch mit mir selbst auseinandersetzen muß. Was will ich und wie weit bin ich bereit, dafür zu gehen? Ertrage ich ihn, erträgt er mich? Denn den man liebt, kann man nicht auf einen Sockel stellen, das geht schief. Man muss ihn auf den Boden der Tatsachen holen und realistisch betrachten. Und was bleibt, wenn man die ganzen Projektionen beiseite schiebt?

Mittwoch, Oktober 25, 2006

Holz und Stein

Ich mach' ja immer eine Feier aus meinem Frühstück. Erst mal'n Kaffee - na ja, in letzter Zeit auch mal öfter einen Tee - wenn die Kinder verteilt sind und dann in aller Ruhe Brote machen, schon mal opulenter und mit Käse, Käse, Käse. Was das angeht, bin ich echt ein Freak. Faszinierend, was man aus Milch alles machen kann, geschmacklich und die Konsistenz betreffend.

Dann kann der Tag kommen...

Am Sonntag werden wir mit unseren Kindern einen Ausflug machen zum Bergbaumuseum in Bochum. Nun beschäftige ich mich schon länger mit dem Thema Kohle.

Eine Essenz ist: der Bergbau ist in unserem Land unrentabel geworden, weil er menschlicher wurde. In der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts lag die durchschnittliche Lebenserwartung eines Bergmanns bei 45 Jahren. Atemschutz oder Lärmschutz waren Fremdworte. Aber eben: diese Dinge kosten Geld.

Und alles, was die Arbeitswelt unter Tage menschlicher macht, macht die Preise kaputt. Deshalb beziehen wir das Zeug jetzt aus Asien. In den dortigen Bergwerken fragt noch keiner nach Humanität.

Wenn man sich das mal auf der Zunge zergehen lässt...

Ich bin schon mal in den Rammelsberg im Harz 'reingefahren, wo ist da eigentlich der Unterschied, ob man mit einem Aufzug in die Tiefe fährt oder mit einer Lok geradeaus in einen Berg hinein, in jedem Falle hat man doch Tonnen Gesteins über sich. Und nach knapp zwei Stunden wollte ich raus, raus, raus.

Erdrückend, beängstigend, zerstörerisch, kein Tageslicht zu sehen. Und das ein Arbeitsleben lang, wieviel Sonne sieht ein Bergmann in seinem Leben?

Metall, Erze, Kohle, was immer, das können sich doch nur Männer ausgedacht haben? Okay, es haben auch Frauen unter Tage gearbeitet, ich weiß.

Aber Steine und Metalle scheinen so vereinnahmend zu sein. Wieviel angenehmer ist dagegen Holz.

Unser Haus ist aus Backstein und ein eigenes Kapitel. Aber wir haben in Holz angebaut. Und wenn ich die Männer, die mit Zement und Eisen das Fundament gemacht haben, mit den Zimmerleuten vergleiche, die das Holz aufgestellt haben, dann tun sich da zwei völlig verschiedene Welten auf.

Die Baustoffe machen etwas mit einem. Sie haben ihre eigene Kraft. Die Betonbauer: Ärger, Unzufriedenheit, Mühsal. Die Zimmerleute: Heiterkeit, Stolz, wortloses Verstehen.

Wobei das mit dem Zement und gebranntem Baumaterial auch noch mal so eine Sache ist. Vielleicht hat das mit Wasser zu tun?

Montag, Oktober 23, 2006

Beziehungen

Inzwischen habe ich mir angewöhnt, Luisas Tagebuch und Ingrids Blog "Tage und Nächte" so ziemlich täglich zu lesen. So kenne ich also die Lebensumstände beider einigermaßen, sagen wir mal, die Rahmenbedingungen.

Jedenfalls leben beide schon ein bisschen anders als ich mit Mann, drei Kindern, nicht berufstätig. Ich sehe mich eigentlich nicht als "Heimchen am Herd", aber wenn Ingrid anfängt von ihren anderen Gesellschaftsmodellen, die sich eben nicht um Familie und Ehe drehen oder Luisa schreibt, dass sie statt dem Terminkalender ihren Gefühlen folgt, fange ich schon mal an, meinen eigenen Lebensentwurf, na, sagen wir mal, nicht in Frage zu stellen, aber doch kritisch zu beleuchten.

Diesen Mann wollte ich und Kinder zu haben ist unkomplizierter, wenn man miteinander verheiratet ist. Pragmatismus?

Bin ich jetzt seriös?

Aus dem elterlichen Nest geflüchtet, bin ich wohl ein paar Jahre allein gewesen, finanziell und auch sonst auf mich gestellt, der Kontakt zur Familie war eine Zeit lang ziemlich gestört. Aber eben auch: frei. An jeder Straßenecke entscheiden: "Geh' ich jetzt links oder rechts herum?" Niemandem erklären müssen, wann ich wo bin. Einzig meinem Arbeitgeber Rechenschaft schuldig...

Und dann frage ich mich, ist mein Leben jetzt nur eine Phase, von Hormonen bestimmt? Fortpflanzung, und dann? Werde ich nicht mehr Teil eines Paares sein wollen, wenn die Kinder uns nicht mehr brauchen? Manchmal klingt "allein leben" sehr verlockend. (Das mag aber auch an den Kindern liegen, die mich manchmal aufzufressen drohen.)

Aber andererseits verkörpert mein Mann die stärkste Persönlichkeit, die ich kenne. Nach meinem Vater. (Suchen Töchter sich Männer aus, die ihren Vätern ähneln? Wahrscheinlich schon. Nicht alle und nicht unter allen Umständen, aber die Option ist da.) Und ich teile meine Ansichten mit diesem meinem Mann. Niemandem kann ich so gut Themen begreiflich machen, die mir am Herzen liegen. Oft finden Dritte meine Meinung zu extrem.

So ist mein Gatte schon gelegentlich mein Hafen. Aber andererseits reden wir in vielen, vor allem den ganz alltäglichen Dingen, so völlig aneinander vorbei, dass ich mich schon frage: "Sprechen wir überhaupt dieselbe Sprache? Weiß der eine eigentlich genug vom andern?"

Das ist oft genug mit Schmerzen verbunden. Es ist anstrengend. Und manchmal wäre ich froh, die Kraft, die das kostet, für andere Dinge zur Verfügung zu haben. Aber aufgeben, weil es schwierig wird?? Da regt sich Trotz in mir. Ob der gesund ist, weiß ich nicht.

Also, hormongesteuert oder triebgesteuert, keine Ahnung, ob das auf diese "Nestbauphase" im Leben einer Frau zutrifft. Ich trage zur Zeit noch eine Hormonspirale, bin also außen vor, was die natürlichen zyklischen Kräfte angeht. Gedanken darüber, dass Menstruation etwas mehr ist als ein aus hygienischer Sicht lästiger Vorgang, hat mir das Internet zugefügt.

So, wie ich in der Leihbücherei von den Büchern ausgesucht werde, fließen mir auch aus diesem Netz die Informationen und Eindrücke zu, die, wie soll ich das mal ausdrücken?? Hm, die mir das Puzzle allmählich vervollständigen? Die mir in jedem Falle helfen, mich weiter zu entwickeln.

Irgendwie passt es immer. Alles mit allem. Und es ist ein fließender Vorgang.

Freitag, Oktober 20, 2006

Kvinna heißt Frau

Ich habe mir das Hirn zermartert, wie ich mich denn nennen soll, wenn ich bloggen will. Ein Name, der interessant sein soll und cool. Man möchte sich ja gut "verkaufen". (Hallo Gauzibauz, hallo Corriendo Mundo und nicht zuletzt hallo Ingrid!).

Nachdem ich all' meine Interessensgebiete durchforstet habe, habe ich mich für "Schweden" und "Frausein" entschieden, denn Schweden mag ich gern und eine Frau zu sein ist zur Zeit ein Thema für mich, das mich sehr beschäftigt.

Gut, weiblich bin ich seit 36 Jahren, so langsam sollte ich's 'raushaben, was es damit auf sich hat. Könnte man meinen.

Aber durch vielerlei Einflüsse - erwachsen werden, lieben, Kinder kriegen, auch durch Luisa Francia, besser gesagt, ihre Bücher und vor allem ihre Website www.salamandra.de - bin ich in völlig neue Dimensionen vorgedrungen.

Eine Essenz aus all'dem ist, dass alles mit allem zusammenhängt, das alle Wissenschaft, alles wiegen, messen und zählen nur an der Oberfläche kratzt...ach, ein weites Feld.

Darauf werde ich im Verlauf meiner Posts noch oft und ausführlich kommen.

Mal sehen...