Sonntag, März 30, 2008

Grrraskopf!

Außer der Pest hat J. von der Klassenfahrt zum Reiterhof auch etwas nettes Selbstgebasteltes mitgebracht. Erst hatte der putzige Geselle hier eine komische Glatze, nu' grünt und sprießt er. Genau wie die Natur draußen. Heute kletterte die Quecksilbersäule auf 16°C und der Regen roch ganz anders...

Mittwoch, März 26, 2008

Wieder mal...

Womit ich zur Zeit so hadere, ist dies: ich liebe meine Kinder. Wirklich. Trotzdem GRAUSTE mir von vornherein vor diesen Ferien. Das Wetter ist trostlos, richtig wahrhaftig trostlos. Meines Alltagstrotts beraubt, muss ich zusehen, wo und wie ich die üblichen alltäglichen Arbeiten verrichte, der Routineablauf ist futsch und ständig funkt wer dazwischen.

Nebenher ist da die Brut, die sich langweilt. Eigentlich DIE Gelegenheit, als Familie etwas zu unternehmen und eben damit der Genervtheit zu entgehen. Womöglich selbst auch mal sowas wie Urlaub zu haben, zwischendurch einfach mal für mich nur das tun, wozu ich gerade Lust habe.

Na ja, keine Termine zu haben, ist ja auch schon was.

Aber die gelangweilten Kinder bespaßen, damit sie nicht übermäßig fernsehen und am Computer sitzen, sich nicht dauernd "in die Köppe kriegen", die Hausarbeit erledigen und Freizeit haben wollen is' schwierig, wenn frau Tarifurlaub nur noch vom Zuschauen kennt.

Unter diesen Umständen ist die Nerverei in den Ferien vorprogrammiert - und dabei könnten sie so schön sein, die Ferien.

Sonntag, März 23, 2008

Abrechnung & Erkenntnis - ein Versuch, meine Gedanken zu ordnen


Als ich noch klein war, so ungefähr bis in die Grundschulzeit hinein, hat mich meine Mutter vergleichsweise regelmäßig verprügelt. Sie hatte einen gelben und einen orangenen Kochlöffel aus Bakelit und das war meistens ihr Werkzeug für die Züchtigung. Noch heute macht sich an meinem Po ein unbehagliches Gefühl breit, wenn ich das Wort "Kochlöffel" sage, denke oder schreibe.


Irgendwann ist einer der beiden Löffel, ich glaube, es war der orangene, abgebrochen beim Verprügeln. "Siehst du, was du angerichtet hast!" waren die vorwurfsvollen Worte meiner Mutter dazu. Ich erinnere noch genau das Gefühl, wie sie mich am Handgelenk hielt und ich versuchte, mich durch Hängenlassen nach unten den Schlägen zu entziehen.

Nicht weniger demütigend war ihre Angewohnheit, mir einen Schlag auf den Hinterkopf zu geben, wenn sie die Geduld mit mir verlor. "Leichte Schläge auf den Hinterkopf erhöhen das Denkvermögen!" habe ich oft zu hören bekommen.

"Mach' mich doch nicht wütend, dann brauche ich dich auch nicht zu verhauen!" war die Überzeugung meiner Mutter. Das Gefühl, zu blöd und immer schuld zu sein verankerte sich damals vergleichsweise fest in mir. Heute weiß ich, dass das nicht so ist und meistens fühle ich es auch.

Irgendwann habe ich erfahren, dass meine Mutter und ihre Geschwister von ihren Eltern auf dem Hof mit einem Gummischlauch gezüchtigt worden waren. Dass im Elternhaus meiner Mutter liebevolle Wärme fehlte - vorsichtig ausgedrückt - hatte ich schon zu Lebzeiten dieser Großeltern wenn nicht gewusst, so doch gespürt.

Jedenfalls konnte ich eines Tages aufhören, meine Mutter zu hassen - obwohl "verstehen" etwas anderes ist, als "Verständnis haben".

Wenn in meiner Umgebung Schläge als einzig richtiges Erziehungsmittel propagiert werden, kommen mir noch heute die Tränen vor Wut. Ich möchte so gern das verzweifelte, verängstigte kleine Mädchen, das ich damals war, in den Arm nehmen und trösten. Ihm sein Leben ein kleines bisschen erträglicher machen.

Das war nicht alles, was mein Elternhaus ausmachte. Aber es hat lange gedauert, bis der verzweifelte Schmerz aufhörte, alle anderen Kindheitserinnerungen zu übertönen.

Und natürlich habe ich mir geschworen, meine Kinder niemals so zu demütigen, wie ich gedemütigt worden bin!

Aber das reicht nicht.

Denn die Situation, in der eine nicht ein noch aus weiß vor lauter Wut, die kommt unweigerlich irgendwann im Alltag mit Kindern. Der Moment, wo frau sich fragt:"Was tun außer schlagen?" kommt, ganz sicher.

Und da sollte sie eine echte, praktikable Alternative in petto haben, die NICHT auf ihre Kosten geht!!!

Derartige Momente sind vielfältig vorhanden. Da ist einmal die Tagesform, sind die Rahmenbedingungen, die eine dahin treiben können, nicht mehr klar zu sehen, nicht konsequent zu sein. Kennt jeder, der intensiv mit Kindern lebt. Manches reißt unbemerkt ein, "Betriebsblindheit" gibt's nicht nur im Berufsleben.

Und dann ist da noch der Wunsch, keine hirnlosen Gehorchmaschinen heranzüchten zu wollen, der zur Falle werden kann: frau wird selbst immer kleiner dabei, begibt sich in die Position, auf der Ebene Gleichaltriger zu diskutieren, die Sache persönlich zu nehmen, anstatt als Erwachsene über der Situation zu stehen.

Jedenfalls bin ich sehr selbstkritisch im Umgang mit den Kindern. Ständig. Wohl manchmal viel zu sehr - und dann mache ich mich selbst zur Schnecke ;)

Mittwoch, März 19, 2008

Stoßseufzer - Plädoyer für die Tagesform!

Ich bin sehr nah an diesen Kindern, die ich geboren habe.
Manchmal habe ich nahezu das Gefühl, IN ihnen zu sein.
Nähe kann zur Qual werden, vor allem, wenn keiner
dazwischen geht - und für Entspannung sorgt.
Stets beide Seiten zu sehen, kann wehtun!
Es gibt 'nen Überschuss an Verständnis,
der an Selbstaufgabe grenzt.
Nicht immer.
Aber
oft.

Dienstag, März 18, 2008

Beschnitten! Entstellt!

Das ist die Platane an unserer Schulbushaltestelle. Ein uralter, riesiger Baum. Wenn's mir auch bei starkem Wind nicht geheuer war, die auf den Bus wartenden Kinder allzu nah da heran zu lassen (da kamen ganz schöne Knüppel 'runter manchmal!), so fand ich diesen Anblick am Ende unserer Straße doch immer sehr majestätisch.

Sicherlich waren baumpflegerische Maßnahmen vonnöten, der zur benachbarten Gaststätte gehörende Parkplatz ist stark frequentiert.

Aber hätt' man da nicht einen Fachmann fragen können???

Mich deucht, wenn sie grünt, wird sie aussehen wie ein Broccoli.

So eine Stümperei!

Donnerstag, März 13, 2008

Whisky!


Ja, ich habe noch ein ausgefallenes Interesse, das zudem auch ziemlich frauenuntypisch ist. Beredtes Zeugnis davon gab die absolute Unterzahl meines Geschlechtes bei der Veranstaltung, die ich letzte Woche in diesem Kontext besucht habe.

Sah ich mich doch ca. 40 Männern mit dem gleichen Interesse völlig allein gegenüber: Whiskytasting beim örtlichen Fachhändler!

Anders als in Fauna und Flora bin ich auf dem Gebiet allerdings noch SEHR ahnungslos, fange gerade an, mich durchzufinden. Macht aber Spaß!

Gekommen bin ich zu dieser Vorliebe wie die Jungfrau zum Kind. Ich brauchte vor einigen Jahren Whisky zum Backen. Und dachte mir im Supermarkt, nimm' mal nicht so'n ganz billiges Zeug, sonst hast du da ewig eine angefangene Flasche 'rumstehen, die keiner trinken mag. Tja, und irgendwann fing ich dann an, mir gelegentlich mal abends "einen einzuschenken".

Mein offensichtlicher Genuss bewog Grejazi, mir zu Weihnachten eine noch ältere Flasche vom gleichen Abfüller zu schenken. Und da tat sich dann eine neue, wieder ganz andere Welt auf als bei der Flasche vom Edeka ;)

Nicht, dass wir uns hier missverstehen: für mich ist das sowas wie eine Praline, nicht die Menge macht den Genuss aus. Mehr als 4cl nehme ich nicht zu mir und für die brauche ich locker eine halbe Stunde. Genuss hat da gar nichts mit Menge zu tun. Ihr werdet mich also nicht lallend unter der Brücke finden als Folge dieser Leidenschaft.

Grejazi steht ja mehr auf Brandy. Den einen oder andern mag ich auch, aber geschmacklich treffen wir uns am sichersten bei den trockenen spanischen Rotweinen.

Jetzt habe ich mir ein paar verschieden geformte Gläser gekauft und experimentiere mit deren Auswirkungen auf die Geschmacksentfaltung. Außerdem habe ich beim Tasting ein Buch geschenkt bekommen und lese mich auch im Internet ein.

Allerdings hatte ich am andern Tag nach der Veranstaltung dann doch unter einem gewissen Unwohlsein zu leiden - ich hab' zwar jeweils bloß einen Fingerhut probiert und es gab Behälter, in denen frau das "Zuviel" auskippenderweise entsorgen konnte (spucken is' nich' beim Tasting) - aber, holla, VIERZEHN verschiedene(!) Fingerhüte läppern sich dann doch, trotz viel Brot und einem großen Teller Irish-Stew.

Na, jedenfalls hat es mir einen Heidenspaß gemacht, richtig aufzufallen als Frau mit so einem Interessensgebiet. Das gebe ich ganz unverblümt zu. SOWAS hat mich schon immer gereizt...

Montag, März 10, 2008

So ein Mist...

Heute früh ging ich mit den Kindern wie üblich zur Schulbushaltestelle, als wir zu unserer Überraschung vor der Hofeinfahrt unseres Milchkühe haltenden Nachbarn auf dem Bürgersteig einen Mistkäfer fanden.

Der Sechsbeiner war ein bisschen lethargisch und es war auch schnell zu sehen, warum: massiver Milbenbefall! Ich bin ja in solchen Dingen nicht pingelig und da er sich mit letzter Kraft gegen meine helfenden Finger wehrte, habe ich ihn kurzerhand kräftig abgepustet und damit die Milben SEHR effektiv entfernt.

In meiner Jackentasche wurde er dann ziemlich kregel und wehrhaft, wohl auch durch die Wärme meiner Hand. An der Bushalte durften alle Kinder mal gucken und das war ein Highlight am allseits ungeliebten Montagmorgen. Selbst die Mütter riskierten einen Blick.

Auf dem Rückweg habe ich den Käfer dann in der Nähe des Fundortes auf Laubstreu wieder ausgesetzt, nicht ohne vorher noch zwei, drei verspätet zum Vorschein gekommene Milben zu entfernen.

Mist! Hätte ich ihn mal mit nach Hause genommen und ein ordentliches Foto gemacht vor dem Auswildern! Sowas kann mich ja total ärgern! Geotrupidae ist nämlich eine artenreiche, verwechslungsfreudige Käferfamilie. Jetzt weiß ich nicht, war das ein Frühlingsmistkäfer? Oder ein Waldmistkäfer? Mangels Pelz bin ich mir zumindest sicher, dass es kein Stierkäferweibchen war... grummel!

Lacht mich ruhig aus!


Der hier krabbelte mir 2006 bei Trier am Moselufer vor's Fahrrad. Aber da war Herbst! Nicht März!

Eine bemerkenswerte Frau, die meine Interessen offenbar teilte, findet sich hier! Was für ein Leben! Und das schon vor über 300 Jahren! Wow!

Donnerstag, März 06, 2008

Christliche Kunst und Zölibat... -editiert-

Als ich 2006 meinen jährlichen Ganz-Alleine-Urlaub in Trier verbrachte, steckte ich gerade mitten in dem Buch "Das Kreuz mit der Kirche - Eine Sexualgeschichte des Christentums" von Karlheinz Deschner und fand die Erhellungen darin geradezu ungeheuerlich, als habe jemand eine riesige Windmaschine angeworfen und den süßlichen Nebel der offiziellen Kirche vom Christentum heruntergeweht.

Diese Darstellungen hier trafen mich daher so sehr, dass ich an mich halten musste, um meine Erkenntnis nicht in lautem Gelächter zu äußern. Im Bischhöflichen Dom- und Diözesanmuseum wurde ich nämlich ob meines Verhaltens schon die ganze Zeit etwas schräg angesehen ;)



Diese Dame war, wenn ich's recht erinnere, irgendeine italienische Adlige, die für ihren Glauben gefoltert und deshalb heilig gesprochen wurde. Der Künstler hat sich große Mühe gegeben, sehr plastisch darzustellen, was die Übeltäter mit den Brüsten der Dame machten. Damit hat er sich selbst entlarvt.


Dieser Steinmetz muss Humor gehabt haben. Was dem Pilger da seitlich am Gürtel baumelt, gehört anatomisch eigentlich woanders hin.




Irgendwann kam von irgendwoher die Vorstellung ins Christentum hinein, sich Gnade und Erlösung durch Verzicht und Selbstkasteiung erkaufen zu können und zu müssen. Kam den klerikalen Obrigkeiten natürlich sehr gelegen.


Ein Priester, der keine Frau und keine Kinder zu ernähren hat, ist durch seine mangelnde Verankerung im Weltlichen leichter zu regieren, kostet weniger und bei seinem Tod kommen den Kirchenvätern keine Erbansprüche Angehöriger in die Quere. Dumm nur, dass die Triebe irgendwohin müssen und sich bis zum Wahn steigern können, wenn sie nicht befriedigt werden. Viele "Erscheinungen" verdanken wir ganz sicher diesem unnatürlichen Zustand.


Mich deucht, viele unbefriedigte Nonnen halluzinierten Jesus so, wie pubertierende Mädchen sich heute Popstars in ihr Bett träumen... von dem, was die Pfarrer trieben - und ganz sicher heute noch treiben - ganz zu schweigen.


Kann frau übrigens nicht nur beim Herrn Deschner nachlesen - der alle seine Enthüllungen SEHR sorgfältig belegt hat - sondern auch in einem älteren Werk namens "Der Pfaffenspiegel" von Otto von Corvin. Letzeres ist ein bisschen kurzweiliger, aber in seinen Aussagen nicht minder sorgfältig belegt. Woran man ja wirklich gut tut, wenn man sich mit einer solch riesigen Organisation wie der Kirche anlegt.

Edit: Falls es irgend jemandem bis hierhin noch nicht aufgegangen sein sollte, hier noch ein Fundstück aus dem Tölzer Stadtmuseum. Ein Phallusglas für ein Frauenkloster. Das sagt alles. Bezeichnend auch, dass die Ausstellungsmacher es verschämt auf seine Seite gelegt haben, anstatt es aufrecht auf seinen Fuß zu stellen. ;)

Mittwoch, März 05, 2008

Glaube, Liebe, Hoffnung! Ganz und gar subjektiv!



Der Kalvarienberg in Bad Tölz

Mein Vater hat damals als evangelischer Pommernflüchtling in eine rheinische Katholikenfamilie hineingeheiratet, als er meine Mutter ehelichte. Der Dünkel meiner Großeltern mütterlicherseits war enorm: was war schlimmer - seine Konfession oder seine Herkunft??

Ein Phallus, der den Himmel penetriert? Oder doch ein mahnender Zeigefinger?

Meine erste Erinnerung in Sachen Kirche ist die, dass meine Oma beschlossen hatte, ich sei nun "groß und vernünftig" genug, um durch meine Kindlichkeit die Messe nicht zu stören. Daher wollte sie mich eigentlich zum Gottesdienst mitnehmen. Dummerweise fiel ich fürchterlich auf meine sommerlich-nackten Knie und wurde, blutig und heulend, wieder nach Hause gebracht. Ich erinnere noch ganz genau das Hüpfen der Plastikperlen auf dem Bürgersteig, als bei meinem Sturz die gerade geschenkt bekommene Kette zerriss. Völlig aufgelöst taugte ich natürlich nicht für die Würde des Gotteshauses.

Deggendorf

Meine Mutter schickte mich später immer in die Kirche, damit sie in Ruhe den Sonntagsbraten vor- und zubereiten konnte. Selbst haben meine Eltern keinen Gottesdienst besucht. Erklärt hat mir niemand etwas. Der Schulpfarrer auf dem katholischen Mädchengymnasium, das ich besuchte, war nicht nur eine armselige, allgemein belächelte Figur, er war auch genausowenig wie meine Grundschullehrerin imstande, mir Religion, Kirche, Gott irgendwie nahezubringen, mir wirklich zu vermitteln, worum es geht, was es damit auf sich hat.


Eine Krippendarstellung in einer Tölzer Kirche. Den Dialog denke ich mir so: "Wo ist das Kind?" "Das Kind ist in den Brunnen gefallen!"

Die Wandlung, die ganze Heiligkeit, das gibt mir bis heute nix. Vielleicht wäre mein Verhältnis dazu ein anderes, wenn ein geliebter Mensch es mir auf liebevolle Weise nahegebracht hätte. Stattdessen kriegte ich solche Sprüche wie "Der liebe Gott sieht alles!" und "Kleine Sünden straft der liebe Gott sofort, große nach neun Monaten!" 'reingewürgt. Und alles, was das Leben angenehm macht, ist irgendwie Teufelswerk. Diese ganze Huldigung von allem, was mit Leid zu tun hat... bis heute sehe ich das für typisch katholisch an.

Grejazi (evangelisch) und ich (damals noch katholisch) haben nicht kirchlich geheiratet, weil wir das als unehrlich empfunden hätten. Es um der Romantik willen zu tun, wäre uns sehr inkonsequent, um nicht zu sagen, verlogen vorgekommen. Unsere Kinder sind bisher nicht getauft.
Aber irgendwas war da. Irgendwann, ich kann es nicht festmachen, beschlich mich das Gefühl, der Sache noch einmal eine Chance geben zu müssen. Es hatte was mit Menschen zu tun, die ich mochte, die ich respektierte und bei denen ich dann mit Überraschung einen freudvollen Glauben wahrnahm. Dass jemand mitten im Leben stehen und glücklich über Gott sein kann, hat mich total verblüfft.
Zunächst mal bin ich aus der katholischen Kirche ausgetreten. Und dann ins evangelische Gemeindeleben eingetaucht. Meine Freunde sind dort, mein soziales Netz gründet darauf. Und also bin ich 2006 im September evangelisch geworden. Voller Freude.

Ich kann mich nicht des Gedankenkens erwehren, dass dieser Heilige sich beim Pinkeln segnet. Ohne jemandes Gefühle verletzen zu wollen.

Das Lebensgefühl der evangelischen Christen ist ein ganz anderes. Es ist legitim, auf sich selbst acht zu geben, zu lachen und sich des Lebens zu freuen. Es gibt keine Marienverehrung!!! Und, mindestens genauso wichtig, keine Heiligen!!! Was für eine Befreiung! Das Kreuz, dieses unsägliche Symbol des Leidens, sucht frau vergeblich in, an und um evangelische Kirchen. Die ganzen vorgegeben Bilder, diese Darstellungen, mit denen katholische Gotteshäuser zugepflastert sind und vorschreiben, wie zu fühlen ist, fehlen ebenfalls.


Im Tölzer Heimatmuseum

Die Sache mit der Maria macht auch, dass das Frauenbild in der evangelischen Kirche ein anderes ist. Das Presbyterium wird demokratisch von den Gemeindemitgliedern aus den Gemeindemitgliedern gewählt und besteht in unserer Gemeinde knapp zur Hälfte aus Frauen.

Nun mache ich mir keine Illusionen. Mein Gemeindeleben ist ein echter Glücksfall und die christliche ist noch immer eine Vater-Sohn-Religion. Meine Vorstellung von Göttlichkeit widerspricht nicht nur den Vorgaben der Amtskirche, sie deckt sich wahrscheinlich nicht einmal annähernd mit denen meiner Freunde.
Ich mache mir Aspekte vieler Religionen, Philosophien und Vorstellungen zu eigen. Ich brauche keinen Pastor, um Göttlichkeit zu fühlen. Dennoch empfinde ich das weder als Lüge noch als Betrug an meiner Gemeinde. Ich nutze sie, um meinen Glauben zu leben, als Vehikel gewissermaßen.
Und meine Religiösität sieht so aus, dass ich an eine liebende, göttliche Kraft glaube, die in mir wohnt und mich hält und trägt. Sich aufgehoben und geliebt zu fühlen, diese Intention deckt sich mit der meiner Mitchristen. Das mag die kleinste Schnittmenge sein, aber sie genügt.
Die Vatervorstellung ist das einzige, was ich an diesem Gottesbild strikt ablehne - und auch gar nicht für seinen Kern halte. Das ist nur, was die Amtskirche daraus gemacht hat. In meiner Gemeinde darf ich darüber diskutieren, darf das aussprechen und von allen Seiten beleuchten. Und werde damit respektiert.

Tölzer Spätsommer


Ich kann weder die Kirche noch das Patriarchat auf links ziehen und aushebeln. Aber ich für mich bin imstande, meine eigenen Bilder zu entwickeln und zu leben.
Und das allein genügt, um MEINE Welt zu verändern.