Donnerstag, Dezember 24, 2009

Das habe ich geschenkt bekommen und schenk's jetzt weiter:

Ich wünsche Dir nicht alle möglichen Gaben.
Ich wünsche Dir nur, was die meisten nicht haben:

Ich wünsche Dir Zeit, Dich zu freu‘n und zu lachen
Und wenn Du sie nützt, kannst Du etwas daraus machen.

Ich wünsche Dir Zeit für Dein Tun und Dein Denken,
Nicht nur für Dich selbst, sondern auch zum Verschenken.

Ich wünsche Dir Zeit, nicht zum Hasten und Rennen,
Sondern die Zeit zum Zufriedenseinkönnen.

Ich wünsche Dir Zeit, nicht nur zum Vertreiben,
Ich wünsche, sie möge Dir übrig bleiben.

Als Zeit für das Staunen, Zeit für Vertrauen,
Anstatt nach der Zeit, der Uhr nur zu schauen.

Ich wünsche Dir Zeit nach den Sternen zu greifen
Und Zeit, um zu wachsen, das heißt um zu reifen.

Ich wünsche Dir Zeit, zu Dir selbst zu finden,
Jeden Tag, jede Stunde als Glück zu empfinden.

Ich wünsche Dir Zeit, um Schuld zu vergeben,
Ich wünsche Dir: Zeit zu haben zum Leben.

Frohe Weihnachten und ein gesundes neues Jahr 2010 !
Das wünsche ich der ganzen Blogrunde und allen andern Vernetzten!

Montag, Dezember 21, 2009

Zwei Wilmas

Die eine war eine liebe Nachbarin, die hier geboren und aufgewachsen ist. Grejazis und meine Kinder haben sich durch alle Gärten hindurch frei bewegen können und so habe ich manche schöne Sommerstunde plauschend auf nachbarlichen Bänken verbracht.

Auch bei Wilma saß ich früher öfter. Wilma hat so ein helles Wesen gehabt, wie ein freundlicher kleiner Stern. Ihr Enkelsohn wohnte an Wochenenden und in vielen Ferienwochen immer bei ihr . Obwohl deutlich älter, spielte er gern mit der krawallschen Rasselbande.

Handarbeiten waren Wilmas Ding, in weiser Voraussicht ließ ich mir von ihr zwei Paar Topflappen häkeln. Habe ich mich jemals richtig bedankt? Vor einigen Jahren feierte sie goldene Hochzeit mit ihrem Mann, der mir neben ihr immer ein Männlein zu sein schien.

Die Kinder wurden größer, wir sahen uns nicht mehr so oft. Sie war zwar aus meinen Augen, aber nie aus meinem Sinn.

Und jetzt ist sie tot. Für mich ist ein kleiner Stern erloschen.

Die andere Wilma freilich, die Mutter der Prinzessin, die lebt. Wieder, könnte ich beinahe sagen. Denn nachdem sie ihr Häuschen verkauft hat und in eine "altengerechte" Wohnung gezogen war, erlitt sie einen Schlaganfall.

Sie kam in ein Pflegeheim. Anfangs sah es nicht so gut aus. Inzwischen sitzt sie zwar im Rollstuhl, aber das ist schon ein Fortschritt, weg von der Bettlägerigkeit.

Gestern habe ich sie besucht. Sie kann wieder artikuliert sprechen. Und ich glaube auch nicht, dass sie verwirrt ist. Ihre Sätze scheinen nur deshalb keinen Sinn zu ergeben, weil sie manchmal zu den falschen Worten greift. "Schwägerin" und "Schwester" zum Beispiel, ich kann mir vorstellen, wie das durcheinandergeht in ihrem Kopf, obwohl sie genau weiß, wen sie meint.

Sie wusste meinen Namen nicht und ich sagte ihr dreimal, wie alt meine Kinder sind. Aber sie konnte sich erinnern, dass ich ein "großes Auto" habe.

Auf dem Weihnachtsmarkt nach einem Geschenk suchend, hatte mich ein dunkel leuchtender, hühnereigroßer Karneol angeschrien: "Wilma!"

Sie hat ihn gleich in ihre warmen kleinen Hände genommen.

Sonntag, Dezember 06, 2009

Eine andere Seite...


Am Samstag war ich in Neuss und habe diese Herren gesehen, gehört und persönlich kennengelernt. Um halb acht am Sonntagmorgen waren wir zu Hause, Grejazi und ich. Locker hätte ich mich noch bis zum Mittag weiter unterhalten können. Fühlte sich jedenfalls so an.
Die kommen aus Kulmbach. Womit ich der Liste "meiner" mehr oder weniger südlich von mir wohnenden Deutschländer nun um ein paar Oberfranken ergänzen kann. ;)))

Dienstag, Dezember 01, 2009

Vom Leib schreiben...

...werde ich mir nun diese Geschichte hier, nachdem ich sie lang' genug gedreht, gewendet und erzählt habe.

Als ich am vorigen Freitag in Wind und Wetter mit meiner Freundin den Gemeindebrief austrug, bekam ich auf dem Handy einen Anruf von der Schule. Die Sekretärin bat mich, M. abzuholen. Als ich ihn am Telefon hatte, erzählte er weinend, dass er von einem Klassenkameraden, Y., nach dem Sportunterricht in der Umkleide gewürgt worden ist. Zunächst mit der Hand am Hals gegen die Wand, dann im Schwitzkasten. Sehr schlimm war auch, dass alle anderen Jungen nur zusahen. Erst J., der als letzter in die Umkleide kam, griff sofort ein, befreite M. und ging mit ihm zur Sportlehrerin.

Ich habe dann mit M. auf dem Schoß im Sekretariat gesessen und wir haben beide geweint. Mir kommen jetzt noch die Tränen. Seine Klassenlehrerin, Frau A., kam dazu und versicherte mir, dass die Schule sofort in dem Sinne aktiv geworden ist, dass ein solcher Übergriff nicht geduldet wird, sprich, einen Tadel erteilt (der ein vollwertiges Rechtsmittel ist!) und Y.'s Eltern hinzuzieht.

Jedenfalls ließ ich mir im Sekretariat gleich die Unterlagen für eine Unfallanzeige mitgeben (ich habe M. später gesagt, dass das kein "UNFALL" war und Versicherungen bloß keine gescheiteren Formulare haben) und zu Hause legte ich M. erst mal auf die Couch. Er klagte über ein Druckgefühl am Kehlkopf und Bauchweh (wie auch nicht?!) und war einverstanden, zum Arzt zu fahren. Erst mal haben wir aber ein bisschen durchgeatmet, und ich habe ihm eindringlich erklärt, dass er, was immer er gesagt oder getan hat, niemals Schuld ist an diesem Angriff. Er hat mir versichert, er habe nur 'rumgealbert und gar nicht mal Y. gemeint damit. Er habe so getan, als hätte er seine eigene Hand nicht mehr unter Kontrolle und diese wolle ihn erwürgen und daraufhin sei Y. auf ihn losgegangen. Ich glaube ihm das genau so, wie er das erzählt hat.

Es ist noch am Freitag in der Klasse darüber gesprochen worden, aber M. hat auch gesagt, dass er seiner Lehrerin nicht erzählt hat, wie schlimm er fand, dass ihm niemand geholfen hat. Inzwischen weiß Frau A. das aber. Und ich habe M. erzählt, dass es ja vielleicht auch sein könnte, dass die anderen viel zu erschrocken waren, sozusagen vor Schreck erstarrt. Y. hat keine Erklärung geben können und sich nach M.'s Empfinden sehr widerwillig entschuldigt. Ich selbst habe Y. nicht gesprochen noch gesehen.

Zu Hause jedenfalls hatte ich einiges zu telefonieren, die Sprechstundenhilfe von unserem Hausarzt sagte mir, ich solle direkt ins Krankenhaus fahren. Meine gleich nebenan wohnende Schwägerin hatte frei und hat mir sehr geholfen. Nachdem also der Waffelteig einen Weg zu J. und dem Weihnachstmarkt fand (wo ich mit ihm hätte stehen und Waffeln für einen guten Zweck verkaufen sollen), mein Schwiegervater später seinen Enkel von dort abholte und B. von der Mutter einer Klassenkameradin vom Schulbus abgeholt werden konnte, hatte ich den Kopf frei ;)

Im Krankenhaus waren wir zuerst in der chirurgischen Ambulanz, dann bei einer sehr netten Kinderärztin, die ganz auf M. eingegangen ist. Sie hat seinen Kehlkopf mittels Ultraschall untersucht und wir haben sehr viel mit ihr über alles gesprochen. M. fing immer wieder zu weinen an. Aber als wir mit den Untersuchungen soweit fertig waren, hatten wir beide ordentlich Hunger und gingen erst mal in die Kantine des Krankenhauses. Da ging es ihm insgesamt schon ein bisschen besser.

Als ich dann schließlich mit allen Kindern wieder zu Hause war, war's auch schon Zeit, mit den selbstgebackenen Plätzchen zum Adventlesen aufzubrechen. M. wollte zu Hause bleiben und J. sich um ihn kümmern. Da Grejazi ohnehin wenig später nach Hause kam, war es für mich in Ordnung, die beiden allein zu lassen - auch wenn ich da jetzt beim Hinschreiben ein Störgefühl habe. Übers Wochenende haben Grejazi und ich auch immer wieder über den Vorfall gesprochen.

Abends hatte ich dann den Eindruck, dass es M. so gut ging, wie es nach einem solchen Erlebnis überhaupt gehen kann. Ich jedenfalls war so voller Adrenalin, dass ich dann doch noch bis spät zu einem geselligen Abend zu Freunden ging.

Am Samstag haben wir zusammen ein neues Fahrrad für M. gekauft, das war ohnehin für diesen Tag geplant. Sonntag hatten wir dann J.'s Geburtstagsfeier mit der Familie und M. war über Mittag auf einem Geburtstag eines Klassenkameraden, auf dem auch andere Jungen aus seiner Klasse eingeladen waren. Y. aber nicht. Ich glaube, dass die Jungen M. auch noch sehr aufgebaut haben, insofern traf sich das gut, dass sie vor dem Montag alle nochmal zusammen sprechen konnten.

Ich habe auch mit beiden Jungs über mögliche Rachegelüste gegenüber Y. gesprochen und beide waren da sehr verständig. In der Schule wird noch ein weiteres Gespräch stattfinden.

Die Geschichte ist mir sehr nahe gegangen und ich sehe, dass es Zeit gebraucht hat, sie zu verdauen. Wieviel mehr Zeit braucht M.?

Die vollkommene Krönung des Ganzen ist, dass M. gestern mit Tränen in den Augen aus der Schule kam, weil er beim Wichteln Y.'s Namen gezogen hat. Dass er diesen aber auf der Weihnachtsfeier der Klasse beschenkt, kommt überhaupt gar nicht in Frage. Da müssen nun die Lehrer 'ran.

Wie mich das freut ^^



Da

könnt'

ich

ja

glatt

auf Ideen kommen...

Montag, November 30, 2009

Was mir mein Orakel heute rät...

Hach! Ganz meine Meinung. Meine Bronchien ärgern mich. Seit gestern verliere ich wieder Blut. Und Außerdem ist Montag... einen schönen Wochenstart allerseits!

Sonntag, November 29, 2009

Ich kann nich' anders...

...als mal wieder Luisa Francia zu zitieren, die dies hier heute früh in ihr Online-Tagebuch geschrieben hat:

"natürlich werden wir alle manipuliert und betrogen, aber es ist doch langweilig, sich darüber zu beklagen. wahrnehmen! strategien entwickeln!"

Denn es passt einfach zu gut zu meiner eigenen Haltung.

Mittwoch, November 25, 2009

Souvenirs, Souvenirs! Ha! Von Johnny Halliday! Und ich dachte an Chris Howland oder Bill Ramsey! Aber klasse! Hier klicken!

Diesen Fingerring - gar nicht so leicht, als Rechtshänderin einen Ring an der rechten Hand zu fotografieren und das überbelichtetste Bild ist leider auch das schärfste - habe ich mir in Blaubeuren im "Schöne Lau Shop" gekauft. Tatsächlich, er hatte auch mal geöffnet, der Laden. Dies war nur absolut sporadisch der Fall und meist nicht, wenn ich dort vorbei kam.

Das Sortiment kam mir ein bisschen ulkig vor, es gab alles Mögliche und Unmögliche, aber nicht unsympathisch. Und Begegnungen im Urlaub können auch Souvenirs sein. ^^

Der Ladeninhaber fragte mich jedenfalls nach den Silberdrachen, den ich an diesem Tag um den Hals trug. Ob ich denn "Mittelalter und so" mögen tät. Nun, entweder spricht eine Sache mich an oder eben nicht. (Der Ring tat's. Mitten zwischen all' dem Andern...) Da ist mir eigentlich egal, unter welchem "Etikett" sie daher kommt. Es ergab sich noch ein nettes Gespräch...

Oder das alte Ehepaar vor dem Münster in Ulm, die späte Sonne genießend. Die Frau war die Tochter eines Wehrmachtssoldaten, der kurz vor dem zweiten Weltkrieg von Bochum nach Ulm versetzt wurde - für die Ulmer Kinder war die damals Achtjährige eine Art Alien. Ihr Mann, im Rollstuhl, war ein Pommernflüchtling - wie die Eltern meines Vaters.

Die Erklärbären im Münster, alles Rentner mit eigenen, interessanten Geschichten. Einem von ihnen war es sehr wichtig, mir eine ganz bestimmte Marienfigur in einem Seitenteil zu zeigen, weil sie so irdisch, erdig, weiblich daherkommt mit ihrem runden, fröhlichen Baby auf dem Arm.. Solche Marien gibt's in der Tat nicht viele.

Der schon im Blaubeuren-Post erwähnte Volvofahrer aus Düsseldorf, der mir in Urspring entgegenkam.

Der Wirt vom Café in der Blautopfmühle, der früher bei Volvo in Ulm gearbeitet hat und einen viel besseren Weg zu der Werkstatt wusste, als den, den der ADAC-Mensch mir empfohlen hatte. Bei ihm hatte ich die Ulm-Karte gekauft.

Im Badhaus der Mönche: ein junger Mann, vermutlich Student, kam in Begleitung herein und entdeckte, dass er und die Kassiererin aus zwei verschiedenen Balkanländern kommen, die früher eins waren, heute aber offiziell als verfeindet gelten. Die beiden fielen sofort in Landesprache und waren so herzlich, so erfreut miteinander, dass der Begleiter und ich uns augenblicks überflüssig fühlten. Allerdings fotografieren musste ich die beiden später noch mit seiner Kamera.

Als dann im Gegenzug er mich fotografierte, kamen wir doch noch ins Gespräch ^^.

Später erzählte die Frau von der Kasse mir, dass sie auch gern allein verreist, aber die einsamen Abende seien so schrecklich dabei. Ich verriet ihr meinen Kniff: den Tag so verbringen, dass ich am Abend nur noch müde bin und glücklich ins Bett falle ;)

Und der Service-Mitarbeiter in der Ulmer Autowerkstatt war einfach nur lecker.

Dienstag, November 24, 2009

DAS überrascht mich gerade gar nicht...

...welche Filmheldin ich bin:
Beatrix Kidow (Kill Bill) : 77%
Trinity (Matrix) : 75%
Leeloo (The fifth élément) : 73%
Ellen Ripley (Alien) : 70%
Jean Grey (Xmen) : 68%
Vivian Ward (Pretty woman) : 64%
Catherine Tramell (Basic instinct) : 63%
Michelle (American pie) : 62%
Baby (Dirty dancing) : 61%
Bridget Jones : 54%


Quelle héroïne de film es-tu ?

Nur - s' nützt nix. ^^

Freitag, November 20, 2009

Geist-Reich

Abends, kurz vor'm Einschlafen, ich, stoßseufzend:
"Ach, Schatz, alles ist relativ, oder?"
Er, beipflichtend:
"Ja, absolut!"

Mittwoch, November 18, 2009

Preise...

Heute bekam ich einen Anruf, dass doch Autofahren immer teurer werde, nicht? Mir sollte eine Mitgliedschaft verkauft werden, die ich nicht haben wollte.

Tja, die Benzinpreise. Auf die gucken immer alle. Und auf den Euro, der ja mit einem Schlag alles teurer gemacht hat. Hm.

Spontan fällt mir dazu ein Rechenexempel (selbstredend aus einem Autofahrermagazin) ein, in dem mir vorgerechnet wurde, dass eine 3000!!!-km-Urlaubsfahrt gerade mal 50 Euro teurer wäre als im Vorjahr und alle schreien, sie könnten wegen der gestiegenen Benzinpreise nun nicht mehr in den Urlaub fahren. Wäre im gleichen Zeitraum der Urlaub im Ferienhaus um dieselbe Summe teurer geworden, hätte niemand ein Wort darüber verloren.

Und neulich ging unser Wasserkocher kaputt. Drei bis vier Jahre alt - ich hatte die Rechnung leider im Datum gelocht - und täglich mindestens einmal benutzt, war's wohl das Thermostat, das den Geist aufgab. Einschicken dauert ewig und neben den Reparaturkosten fällt auch noch Porto an. Selbst reparieren ist bei dem vielen Plastik 'drumherum auch indiskutabel - erst recht bei einem Gerät, dass 19,95 Euro gekostet hat. Tjaaa. Exakt dasselbe Model kostet heute im selben Laden 27,95 Euro.

Also annähernd um die Hälfte verteuert, das gute Stück. INNERHALB der Eurozeit.

Wollt' ich nur mal gesagt haben.

Samstag, November 14, 2009

Ulm!

Der am Montagabend in Blaubeuren herbeigerufene ADAC-Mensch hatte meine Hoffnung, mit einem beherzten Griff ließe sich das Elchauge wieder einrenken, zunichte gemacht und mich an die nächste Vertragswerkstatt in Ulm verwiesen: ohne Ersatzteil war da nix zu machen.

Eigentlich hatte ich diese Stadt gar nicht auf dem Plan. Aber nachdem der Beschluss gefasst war, einen Tag dort zu verbringen dieweil der Elch verarztet wurde, regte Sam an, ich solle mir das Münster nicht entgehen lassen. Gesagt, getan.

Bombastisch - phallisch - auch schön!

Meine Oma Emma hatte eine Schwester, deren eineiige Zwillingsschwester mit acht oder neun Jahren in der pommerschen Ostsee ertrunken ist, wenn ich das recht erinnere. Diese überlebende Zwillingin, Tante Lieschen war ihr Name, lebte in Ulm und kam manchmal für ein paar Tage zur Oma auf Besuch, als ich noch sehr klein war. Die Sache mit dem Spatz fiel mir peu a peu wieder ein, dämmerte an die Oberfläche. Ich weiß gar nicht, ob sie jemals verheiratet war, diese Großtante - also nicht mal, ob sie noch Möske hieß oder anders.

Beim Umrunden des Münsters traf ich eine Ulmerin, die intensiv die erklärenden Tafeln studierte. Sie erzählte, dass sie Besuch von auswärts erwartete und sich nun schlaumachte, damit sie den Gästen auch was erzählen könnte über das Gebäude: "Ich geh' ja jeden Tag 'dran vorbei und guck' jetzt erst mal richtig hin!"

Martialisch, kämpferisch - gut und richtig. Auch und gerade bei den Gedenktafeln für die Gefallenen in einer Kirche! Finde ich jedenfalls.

Also das Münster. Im Gegensatz zu einem den Bischofssitz repräsentierenden Dom ist diese Kirche von den Bürgern für die Bürger gebaut worden. Ich empfand sie wohnlich und lebendig. Viele Fragen habend, lauschte ich, wie ein älterer offizieller Erklärbär einer ebenfalls nicht mehr ganz jungen Frau vom Bildersturm und seinen Folgen erzählte. Fragte die doch am Ende:"War das Münster denn schon immer evangelisch?" Seufz.

Naja, die Menschen, die für die Touristenfragen parat standen, versammelten sich irgendwann um mich, weil ich so viel wissen wollte. Unerwartet traf ich hier auch noch auf ein Foucaultsches Pendel, das mir eine Menge sagt, seit ich den danach benannten Roman von Umberto Eco gelesen habe. Nicht nur an dieser Stelle in Zeit und Raum haben sich mal wieder mehrere Ebenen berührt.

Die Turmbesteigung schaffte ich nur bis hierher, nicht höher. Das lag aber mehr an den schlauchartigen Wendeltreppen als an der Nähe zum Himmel.

Keith Haring - voll integriert :)

Sehr rücksichtsvoll künftigen Restauratoren gegenüber: das bemalte Rathaus. Ich stell' mir halt' vor, dass sich so etwas leichter erhalten lässt als filigrane Metzarbeiten aus Sandstein.

Die Brücke zwischen Ulm und Neu-Ulm. Donau auf- und abwärts betrachtet. Sucht's euch aus.

Der Metzgerturm, der, wenn ich mich recht entsinne, sogar schiefer steht als der Turm in Pisa. Klar, gründet ja auch auf weichem Donauufer.

Das Fischerviertel allerdings kann ich nicht anders als herrlich nennen. Ich hab' mich an jeder Ecke gefreut wie ein kleines Kind, was es da alles zu entdecken gab - die Leute waren zwar alle nett zu mir, aber ich glaube, sie fanden mich schon ein bisschen komisch. Übrigens mündet dort die Blau in die Donau.



Auf der Bank am Baum habe ich klares, kaltes Wasser getrunken und meinen Apfel mit einem hübschen, frechen Sperlingsmann geteilt.



Na ja, das "Schiefe Haus". Davon gibt's bestimmt schon fünf Millionen Bilder...

Häuser im Wasser, Stege von Tür zu Tür... eine ganz eigene Atmosphäre und hier Venedig zu zitieren, finde ich völlig unpassend. Juuut, ich war noch nie in Venedig. Aber das Fischerviertel in Ulm braucht mit nix verglichen zu werden. Es kann ganz einfach für sich selbst stehen.

Samstag, November 07, 2009

Blaubeuren

Die Fahrt war ein bisschen schweißtreibend gewesen; nicht nur wegen des wunderbaren Wetters, sondern auch, weil baustellenbedingt selbst am Sonntag einige Staus zustande kamen.
Da war ich dann mal wieder relativ abgenervt kurz vorm Ziel und in den Serpentinen vor dem Ortseingang so wahnsinnig, ein Auge in die Karte zu werfen. Ein sattes "Rrrrumms!" holte meinen Blick umgehend wieder nach vorn: weia! Ausgerechnet mit Grejazis Liebling war ich nun saftig gegen den Bordstein geknallt.

Später stellte sich heraus, dass das Scharnier des rechten Scheinwerfers - der kleine Elch hat nämlich Schlafaugen - durch diesen Anprall gebrochen war. Die Felge war wunderbarer Weise völlig unbeschädigt. Aber bei Ankunft ließ ich erst mal Auto Auto sein und traf die Vermieterin vor dem Haus.
Da Sam noch im Anflug war, packte ich nach der Begehung und Schlüsselübergabe erst mal mein Zeug in den Aufzug - tatsächlich, den gibt's in diesem uralten, sanierten Fachwerkhaus! - und wählte den Schlafraum zur Blau hin. Sam war später ganz zufrieden mit ihrem Zimmer ^^.

Eine der vielen Schlafmöglichkeiten auf der Galerie - die Sam und ich aber gar nicht nutzten.

Der Wohn- und Küchenraum ließ keine Wünsche offen.



Die Schimmelmühle gleich nebenan: während meiner Woche unter den Schwaben sah ich quasi an jedem Rinnsal ein Mühlrad... ein missverstandenes Toastbrot habe ich hier vollständig und mit großem Vergnügen an die zahlreichen Forellen verfüttert.

Sam entdecke diese Höhle gleich bei Ankunft, ging aber spinnen- und rußbedingt nicht hinein. Kinder taten ihr dann nach einigen Tagen den Gefallen, zu inspizieren und zu berichten... hier parkte auch Sams schicke weiße Vespa "Wölkchen".

Dieweil der kleine Elch hier gleich an der Haustür stand, vielleicht zwanzig Meter von dem Höhlchen entfernt.

Das vollständige Blau passte immer nur sehr schwer auf's Bild. Übrigens hatte der Himmel die ganze Woche dieselbe Farbe wie der Topf. Besseres Wetter wäre gar nicht möglich gewesen. ;)

Sehr schön fand ich es auch, hier mit hochgelegten Füßen ein kaltes Bier zu genießen und auf den Überlauf zu sehen. Im Gegensatz zu den Bayern wissen die Schwaben auch, was ein richtiges Pils ist. Zwei ältere Herren am Nebentisch mokierten sich, dies sei ein "Grüntopf". Ich habe es geschafft, meinen Mund zu halten!

Ein Teil der ehemaligen Klosteranlage. Diesen Blick hatten Sam und ich von dem Gasthof aus, der Einzelzimmer - ich glaube sogar, mit Frühstück - für 20 Euro die Nacht anbot. Nur leider waren im fraglichen Zeitraum nicht genug davon frei. Dafür war hier das Essen ganz ausgezeichnet. Ha! Und der Handkarren gehört einem STRAßENKEHRER. Den gibt's hier offenbar ebenso immer noch wie die weiß-/buntbekittelte ältere Dame, die VOR IHRER EIGENEN TÜR KEHRT.

Im "Schöne Lau Shop" gleich daneben habe ich mir MEIN Souvenir gekauft. Vielleicht stell' ich noch ein Bild davon 'rein ;)

Tja, die Kapelle innerhalb der Klosteranlage birgt allerlei kunsthandwerklich Beeindruckendes. Aus dem Zierrat rechts ist sicherlich beim Bildersturm die Figur entfernt worden. Die sehr große, ortsbeherrschende Klosterkirche vermittelt im Innern dagegen die Atmosphäre einer Schulaula: da ist nur noch Weltliches 'drin zu sehen.

Ein Teil der Klosteranlage: ganz Blaubeuren strahlt noch Mittelalter aus. Fachwerk allerorten.

An einem Tag bin ich ungefähr zum Rusenschloss gelaufen. Ohne richtig in die Karte zu gucken und ohne ordentliche Beschilderung. Ich folgte ein wenig der Blau, ich fragte. Kam durch Wohngebiet, sicher nicht der "Touristenweg", aber ich kam an und mir gefiel's. Eine Schulklasse überholte ich, die Lehrerin schnappte empört nach Luft, als sie mich später wieder einholte mit ihren Schützlingen: stand ich doch mitten in der Blau! Aber die Verbotsschilder galten nur für das Befahren mit Kanus in der Brutsaison der Watvögel - da verstummte ihr empörter Protest sehr schnell ^^ Tja, wer lesen kann...

Hm, der Knoblauchfelsen kurz vor dem Rusenschloss...

...da habe ich mich mit Macht gegen den Felsen hinter mir gedrückt, um dieses Bild zu machen; obwohl der Vorsprung eigentlich genug Platz bot.

Schön, nicht?

So wie ich das sehe, muss vom Rusenschloss mal ein ganzer Teil mitsamt Felsen abgestürzt sein; denn dieser Fensterbogen ragt über einen Abgrund. Die Geschichte dieses Gebäudes scheint auch nicht ganz klar zu sein. Und die Sagenwelt ist ja allerorten voll von Schlössern, die vollständig abstürzen.

Die Sonne! Die Luft! Die Blau! Dies Grün! ^^

Ich fürchte, ich wiederhol' mich...

Uuuuund nochmal die Wohnung der schönen Lau...


Auch die Ach fließt in die Blau, der Achtopf ist nicht weit weg. So treiben die beiden Gewässer sich also allgegenwärtig in Blaubeuren herum. Die Schwaben leben und bauen offenbar ganz gut damit.

Im Hintergrund der Tum der säkularisierten Klosterkirche. Das Haus liegt am Weg zu den Bleichwiesen, die heute ein gut genutzter Sportplatz sind und der Bleichturm diente früher vielleicht dazu, den Frauen beizeiten Bescheid zu geben, wenn sich am Waschtag den Wiesen Ungemach näherte...

Dies hier war eine seltsame Geschichte. Am Tag zuvor hatte ich irgendwie mit Sam über Mönchsgrasmücken gesprochen, ich weiß nicht mehr, in welchem Zusammenhang. Am nebligen Morgen dann war ich oben in der Galerie, um mal von dort aus nach dem Wetter zu schauen.

Da flog etwas mit lautem "Pock!" gegen die Gaube unter mir. Von meinem Schlafzimmerfenster aus hangelte ich dann den in die Dachrinne gekullerten Mönchsgrasmückenmann auf die Fensterbank. Er hatte sich an der Fensterscheibe das Genick gebrochen.

Sam! Hier siehst du, woher der Dodelweg seinen Namen hat. Dem Richter ist im Heimatmuseum, welches im Badhaus der Mönche ist, eine ganze kleine Vitrine gewidmet. Muss die Blaubeurer nachhaltig beeindruckt haben, der Wilhelm Dodel.

Ja, und das Heimatmuseum. Das hat mir sehr gefallen. Im Gegensatz zum abgehobenen Urgeschichtlichen Museum, das ich mir wirklich hätte sparen können.

Der Kasten erinnert mich stark an seine Kollegen im Bad Tölzer Heimatmuseum. Vielleicht nicht ganz so ungelenk bemalt. Andererseit war sich der "Künstler" womöglich bewusst, dass er besser beim mehr Dekorativen bleibt und sich mit Darstellendem übernimmt.

Diese Schmerzensmaria scheint mir allerdings aus derselben Werkstatt zu stammen wie die zahllosen andern in Bad Tölz.

Einen Abend nahm ich die Treppe neben der Pizzeria und stieg zum Blaustein hinauf, jenseits der Straße auf immer unwegsamerem Geläuf. Dafür war ich da oben entgegen meiner Erwartung - wochentags im Abenddämmer - überhaupt nicht allein: der ganze Stein voller wohlgerüsteter Kletterer, sogar ein Freeclimber. Kein Quadratmeter Fels ohne "Piercing", ein Seil neben dem andern, Geklimper und Geklirre, leise Rufe, der Boden schier lückenlos bedeckt mit "Needful Things". Hmja. Der Abwärtsblick flößte mir einmal mehr Respekt ein.

Aber eine schöne Abendstimmung.

Das war auch eine nette Begegnung. Neben der Straße, an einer Genossenschaft, hatte Grejazi mir schon vor der Fahrt eine Flüssiggastankstelle herausgesucht. Ich war da völlig allein und brauchte eine Weile, bis ich die Selbstbedienungsmöglichkeit vollständig erfasst, verstanden und umgesetzt hatte. Dieweil diese junge Dame mit ihrer sehr exklusiven Färbung unbeirrt auf den Schienen entlangspazierte, von der Stirn bis zum Ende ihres Legeapparates wohl zehn Zentimeter messend. Diesen Tag und Ort hatte ich zum Tanken gewählt, weil ungefähr einen Kilometer weiter der Parkplatz war, von dem aus ich eine Wanderung startete.

Hier is' Erklettern verboten. War aber auch so beeindruckend.

Ohne Worte.
Na ja, eigentlich hatte ich mir ein Herz gefasst und wenigstens eine der vielen Höhlen besuchen wollen. Aber schon am Rusenschloss hatte mich der Blick in die als Keller genutzte Höhle beklommen gemacht. Nicht alle Höhlen sahen freilich so ungastlich aus, jedenfalls auf den Bildern. Trotz Karte kamen wir dann aber doch nicht so richtig zusammen, diese Hohlräume und ich. Meine Zielvorstellungen habe ich an diesem Wandertag noch oft über den Haufen geworfen ^^
So ging ich dann lieber von Schelklingen aus Richtung Urspring. Früher war das ein Kloster, heute ist es ein Internat. Und der Urspringtopf ist auf dem Gelände.

Blick zurück nach Schelklingen; was der Wald rechts gnädig verbirgt, ist der wenig dekorative Anblick eines der zahllosen Zementwerke der Umgebung.

Ins Internatsgelände einbiegend, kam mir plötzlich dieses Auto entgegen. Ich musste so fürchterlich lachen, dass der nette Herr mittleren Alters, der am Steuer saß, natürlich anhielt und fragenden Blickes sein Fenster herunterkurbelte.
Ein kleiner Elch! Und dann auch noch aus Düsseldorf! Er freute sich, als ich ihm erzählte, dass ich auch mit einem so seltenen Auto unterwegs bin und obendrein aus seiner Gegend komme. Er war gerade erst angekommen und fragte mich nach einer guten Rad- und Wanderkarte. Eigentlich hätte ich ihm meine schenken können, es war mein letzter Urlaubstag. Aber ich wollte erst noch sicher zum Auto zurückfinden. Wir haben uns noch sehr vegnügt unterhalten.

Und das ist die Urspringquelle. Deutlich kleiner als der Blautopf, aber nicht weniger erfrischend. Mit dem eiskalten Quellwasser habe ich meine Trinkflasche wieder vollgemacht. Da die isoliert ist und auch über Nacht im Kühlschrank stand, war auf der ganzen Heimfahrt am nächsten Tag das Quellwasser noch kalt. Herrlich.

Manche Asphaltschuster sind AUCH kreativ.

Die Goldene Acht war gerade dabei, zur abendlichen Ruhe zu finden. Und ich musste noch an der Bundesstraße entlang zurück zum Parkplatz. Denn im Dunkeln durch den unwegsamen Bannwald noch dazu über den Berg, das wollte ich nicht und traute ich mir auch nicht zu.
Das hier war schon ein wenig bedenklich, aber eigentlich waren nur die letzten 500m bis zum Wanderparkplatz so richtig brenzlig. "Like a hobo" ging mir durch den Kopf, ich fühlte mich genauso.

Was für eine Freude, HIER wieder anzukommen. Ich hatte mich nicht verlaufen!

Um das Geißenklösterle abzulichten, hab' ich dann auf dem Rückweg nach Blaubeuren noch schnell am Straßenrand gehalten. Das Licht war einfach unwiderstehlich...