Donnerstag, März 22, 2012

Wahrheit! Gerechtigkeit!

Vor einigen Wochen fing auf einer großen Erotikplattform in der Philosophie-Gruppe jemand eine Diskussion an zu der Frage, ob es denn DIE Gerechtigkeit gäbe. In meinen Augen geht die ja mit DER Wahrheit Hand in Hand: es kann beide immer nur relativ geben, niemals absolut.

Besonders die Männer können sich damit nicht abfinden, dieweil die Frauen sich nach und nach aus dem Thread zurückgezogen haben.

Unser Rechtsystem sei ja absurd und sinnlos ohne DIE Gerechtigkeit, ohne DIE Wahrheit sei ja alles beliebig und damit könne ja jeder tun, wie ihm beliebe, ohne Rücksicht, ohne Mitleid.

Mal abgesehen davon, dass ich an die Menschlichkeit glaube, die dies immer verhindern wird, denke ich, dass unsere Gesellschaft gar nicht den Anspruch hat, den Stein der Weisen gefunden zu haben. Unsere Welt (die auch nicht DIE Welt ist, sondern nur ein Teil von ihr!) funktioniert dennoch, weil unsere relativen Wahrheiten und relativen Gerechtigkeiten simpel auf Vereinbarungen beruhen.

Das System hat seine Macken, ist verbesserungswürdig, gar keine Frage!

Aber ich kann in diesem Land überleben ohne Hunger zu leiden und ohne Burggraben um mein Haus. Ich komme ohne Raub und Mord zu meinem Lebensunterhalt. Ich weiß, dass es Menschen gibt, denen es bedeutend schlechter geht, auch "bei mir um die Ecke".

Deshalb ist aber nicht das große Ganze innerhalb meines Lebensraumes vollständig falsch.

Ich kann mich auf den Kopf stellen, auf der Suche nach DER Wahrheit und DER Gerechtigkeit werde ich niemals ein für alle Organismen, alle Orte und alle Zeiten gültiges Ergebnis finden.

Niemals. Dazu müsste ich aus dem Menschlichen heraustreten ins Göttliche. Nur von da geht das!

Mit dieser Erkenntnis habe ich mich dann auch nicht mehr um diesen Diskussionsfaden gekümmert: bei den Frauen stellte ich im persönlichen Schriftwechsel fest, dass sie das ähnlich sehen wie ich und den Männern kann ich meinen Gedankengang nicht begreiflich machen; aber nur, weil ich weiß, dass es nie ein absolutes Ergebnis geben wird, dass in dem Maße, wie Wissen und Erkenntnis errungen wird, auch Wissen und Erkenntnis verloren geht im kollektiven Bewusstsein, ist mein Streben danach doch nicht sinnlos! Im Gegenteil: es macht ja mein Leben aus!

Ja, mir hat's was gebracht.

Und dann las ich am 19.3. bei Luisa Francia in "Salamandra" dies:
"ich habe aufgehört projekte in afrika mit meinen bazaars zu finanzieren. das brachte mich so in konflikt: schule gut, fernseher für den vater schlecht? hebammenprojekt gut, shopping tour der hebammen schlecht? ich wollte auch nicht mehr die reiche tante aus europa sein, die immer mit geld kommt, das ist irgendwie widerlich und ändert nix an der grundsituation wie ich nach jahren feststellen musste. es gibt keine individuellen lösungen. geld und güter müssen gerecht verteilt werden.das wird alles ändern. alles."

Das brachte etwas zum Vibrieren in mir.

Ich meine, mich wundert nicht, dass jemand, der sich in dieser Weise engagiert, irgendwann in diesen Konflikt gerät. Was mich wundert, ist, dass, wer erkannt hat, dass es im Kleinen vor Ort nicht zu entscheiden ist: "Was ist richtig?", verlangt, dass das im Großen, weltweit, funktionieren soll.

Ist das ein Delegieren an "die da oben"? Oder irgendwelche anderen? Oder was ist das?

Es beschäftig mich. Sehr.

Dienstag, März 20, 2012

Es tulpt...



Ich hab' mich ja früher nie um die Eimer mit den Schnittblumen in Supermärkten und bei diversen Discountern gekümmert. Bis eine liebe Bekannte den Beginn des Tulpenhandels vor einigen Wochen bejubelte.







Es ist wahrscheinlich nicht nachhaltig noch umweltfreundlich. Aber es hat mein Herz hinübergerettet aus dem tristen kahlen Bild draußen in den nun real stattfindenden Frühling.


Hachja.


Die Funkkamera auf dem Dachboden zeigt synchron zu den inzwischen vertrauten Raschellauten keinerlei Bewegungen an. Das Rätseltier sitzt also in Fußboden des winzigen Speichers, der gleichzeitig die Decke ist vom Schlaf- und vom Arbeitszimmer.

Dieweil der Holde auf der Straße einen ausgebüxten Irish Setter traf (der zweite große Hund innerhalb kurzer Zeit, der halterlos herumsauste), im Garten ein Tier, von dem wir inzwischen vermuten, dass es ein hier nicht heimischer Degu gewesen ist (Mäuse, Ratten, Hörnchen, Bilche, Bisams und Nutrias können wir alle relativ sicher erkennen und benennen!), M. entdeckte im Dämmer "ein großes braunes Tier" auf der Kuhwiese, das sich aber als Nilgans entpuppte....

Ganz schön viecherig gerade, der Niederrhein.

Freitag, März 16, 2012

Ich wüsste gern....


...was es für eine Geschichte war, die dazu geführt hat, dass meine Kinder dieser Tage an der Böschung des Baches eine etwa kuchentellergroße Rotwangen-Schmuckschildkröte entkräftet auf ihrem Rücken strampelnd fanden.

Beschmiert mit Erde und mit Krallen so lang, dass ich mir nicht vorstellen kann, dass sie sich damit vor dem Winter ein- geschweige denn, dieser Tage wieder selbst ausgegraben hat.

Dass die Krallen in der Winterruhe so sehr wachsen, dass sie Beineslänge erreichen, kann ich mir nicht vorstellen?!

Ihre Augen waren verrotzt, nach Ratsuche im Internet - natürlich war's Abend, als ich heimkam und die Kinder mir aufgeregt ihren Fund präsentierten - legten wir das Tier in flaches Wasser (in allem andern wär' sie ertrunken!) und hängten eine Wärmelampe darüber.

Gestorben ist sie trotzdem.

Mittwoch, März 14, 2012

Poltergeist...

Ich sitze hier im Arbeitszimmer und erledige meinen Kram. Rechts vor mir ist ein Fenster, das nach Osten sieht. Eine Art Hochnebel dämpft den Tag. Weil die Heizung Mühe hat, den Raum zu wärmen, lasse ich den Heizlüfter ein Weilchen laufen.

Sein Rauschen kann das Wesen über mir nicht übertönen.

Auf dem Speicher raschelt und krüschelt es schon seit ein paar Wochen zu seltsamen Zeiten: vom frühen Morgen bis in den späten Vormittag. Erst hatte ich die Dohlen im toten Zug des Kamins im Verdacht, aber inzwischen bin ich sicher, dass da ein vierbeiniges Geschöpf herumrauscht.

Der Spitzboden ist klitzeklein und für mich schlecht zu erreichen.

Zweimal habe ich Fieplaute vernommen und für Marder ist gerade Fortpflanzungszeit.

Seufz.

Sonntag, März 11, 2012

Dicke!

Ich weiß, dass es Frauen gibt, die so dick sind, dass sie nicht im Stande sind, ihren Intimbereich zu berühren - geschweige denn, ihn ohne Verrenkungen vor einem Spiegel überhaupt zu sehen. Und ich weiß, dass es ihnen miserabel geht damit.

Eine kenne ich, für die ist der Sicherheitsgurt in meinem Auto zu kurz. Dieselbe Frau tut sich eine dicke Schicht Kräuterbutter auf die Pizza vom Lieferdienst - eine Idee, die mir noch nie kam???

Einige dicke Frauen gehen sehr offen mit ihrer Fülle um und was sie mir erzählen, wie es ist, so dick zu sein, was sie als Gründe für ihr Übergewicht ausgemacht haben, ist oft ganz anders, als ich denke.

Aber es macht mich betroffen.

Freitag, März 09, 2012

Spam

"Angelika Koch" fragt mich heute früh, ob mich meine Figur stört. Und "Olga Müller" verspricht mir einhundert Prozent Gewichtsabnahme.

Mir wird bange.

Montag, März 05, 2012

Besserwissen...

Wenn ich mich so im Spiegel der Blogs und Foren betrachte, zu denen ich meinen Senf hinzufüge, dann finde ich mich eine ganz schöne Klugscheißerin, oft.

Das hindert mich aber nicht, mich mitzuteilen.

Dafür werde ich sowohl gestreichelt, als auch gehauen. Und ich habe gelernt, beides gleichermaßen anzunehmen. Wie ich ja auch gelernt habe, diese meine Wesensseite als einen Teil von mir zu akzeptieren.

Hinzunehmen, dass ich mir manchmal selbst auf den Keks gehe und mich dennoch nicht mehr selbst zu zerfleischen dafür.

Und Klugscheißen ist ja auch nur EIN Teil von meinem Internetleben.

Freitag, März 02, 2012

Hellsehen...

Es ist Mittagszeit. Durch das Ostfenster sehe ich eine Horde Schuljungen, johlende Bengel, mit den Rädern die volle Straßenbreite einnehmen. "Sieh' nur,"teile ich dem Holden mit:"wie die Könige! Was haben die mit dem Radweg am Hut? Nix!" Unsere Straße ist zwar eine sehr schnelle, aber keine vielbefahrene.

Sie haben die Nordfenster passiert, da klingelt's an der Tür. Ahnungsvoll geh' ich öffnen - und richtig, keiner da. Ein paar Fahrräder sind schon unter Gelächter davon.

Als hätten die Burschen mein Lästern vernommen... :))))

Donnerstag, März 01, 2012

Nötigung...

Heute früh, Zeit für die Kinder, sich aufzumachen um zum Bus zu gehen. Ein Schultag eben. Die beiden Jüngeren kommen in die Gänge, der Älteste liegt auf der Couch, stellt sich tot.

Stöhnt dann in die Kissen:"Ich glaube, ich muss heute mal einen Tag aussetzen, ich bin total kaputt!"

Er hatte gestern ein anstrengendes Training. Der Donnerstag ist der längste Schultag, erst am späten Nachmittag wird er heimkommen. Ich verstehe, dass er seine Unlust artikulieren muss.

ABER NICHT MIT MIR! Nicht in dem Moment, in dem er aus der Tür muss, nachdem er bis dahin wortlos funktioniert hat. Mir eine Minute für die Entscheidung zu geben, die eigentlich dann keine ist, IST Erpressung.

Es ist mir gelungen, ihm das klarzumachen.