Montag, Januar 27, 2014

...

Ich war dreizehn Jahre alt und nicht ganz Fisch noch Fleisch.

So, wie jetzt meine Tochter.

Er war mein Opa und hatte einen großen Gemüsegarten, jede Menge Kaninchen und Hühner.

Ein bisschen eigenbrötlerisch war ich vielleicht und verbrachte deshalb viel Zeit bei ihm anstatt mit Gleichaltrigen.

Es war immer schön mit meinem Opa.

Ich kriegte so um den Zeitraum herum zum ersten Mal meine Regel und meine Brüste fingen an zu wachsen. Ich weiß noch genau, dass ich damals am Liebsten schlabberige, sackartige Klamotten trug. War ich mir doch selbst noch nicht so ganz geheuer.

Und eines Tages wollte mein Opa, der der Vater meiner Mutter war, mit mir Geheimnisse haben. Ich sollte in seiner Gegenwart ruhig oben ohne herum laufen, das sähe ja keiner und ginge auch sonst niemanden was an.

Das war schon seltsam.

Als er mir von Mal zu Mal immer anzüglichere Andeutungen machte, war es plötzlich gar nicht mehr schön, auf seinem Schoß zu sitzen und von ihm angefasst zu werden.

Ich ging dann nicht mehr hin.

Es ist mir schwer gefallen, mit jemandem darüber zu sprechen.

Zwei Wochen brauchte ich ungefähr, bis ich es meiner Mutter anvertraute.

Was dann folgte, war eine Familienfehde ohnegleichen. Meine Mutter machte mir Vorwürfe (!!!) und alle Erwachsenen waren mit IHREN Gefühlen beschäftigt.

Schade, dass keiner von denen mich mal in den Arm genommen und getröstet hat.

Aber ich habe einen Weg gefunden, für mich damit abzuschließen und kann wirklich mit Fug und Recht sagen, dass diese Stellen in meiner Biografie heute heile sind.

Der Opa ist lange tot, ich hatte nie wieder Kontakt.

Diese Geschichte ist dreißig Jahre her.

Gestern rief sein Sohn mich an, mein Onkel. Der Mann ist weit über siebzig Jahre alt und nicht nur vom Anblick her die perfekte Kopie meines Großvaters.

Ob ich nicht mal herkommen und mit ihm kuscheln wollte. Wenn seine Frau nicht da sei. Und seinen Töchtern solle ich auch nichts sagen.


*schiefguck*


Ich bin gewachsen in den letzten drei Jahrzehnten.

Bei einem Freund habe ich mir gründlich Luft gemacht und brauchte nur ein, zwei Stunden, bis ich klar sah, wie am Besonnensten zu reagieren sei.

Eine klare Ansage habe ich ihm gemacht, wie er es gewünscht hatte, per Email.

Kurz und knapp.

An seiner Reaktion liegt es, ob meine arme Tante und meine mir sehr nah stehenden Cousinen davon erfahren müssen.


Das Einzige, das wirklich in mir rumort, ist die Frage, ob er das auch mit denen macht oder gemacht hat, die damit nicht so umgehen können wie ich.

Was jetzt gefragt ist, ist Fingerspitzengefühl.

Aber nicht noch mehr Heimlichkeiten!

Samstag, Januar 25, 2014

Kraft und Trauer

Meinen Ehering habe ich vom Frühjahr 1996 bis zum 28. November 2012 getragen.
Eine lange Zeit.
Ich war an ihn gewöhnt.
Hie und da wollte ich unbewusst daran drehen und stutzte jedes Mal.

Auch der nicht vorhandene Klang, wenn ich spielerisch wo gegen klopfte, brachte mich immer kurz aus dem Konzept.
Das durfte so sein und nach diesem Ring hier habe ich nicht gesucht.

Aber als er mir in die Hand fiel, fühlte er sich richtig an.

Er ist schwarz  - angemessen für die Trauer,  die sein darf.

Aus einem Stein,  von dem gesagt wird,  er gäbe Stärke.

Also ist aus dieser Stelle an meiner Hand, die ich ohnehin so bald nicht mehr werde neutral betrachten können, eine neue Kraftquelle geworden.

Freitag, Januar 24, 2014

Eine Hafenstunde...

...schob ich heute bewusst in meinen Alltag. Ein Pausenzeichen.
Es war gerade das erreichbarste Wasser  -  und das richtigste.

Der Duisburger Innenhafen und ich:

In den Siebzigern des vorigen Jahrhunderts lernte ich in der Grundschule, dass Duisburg den größten Innenhafen Europas (der Welt?) hat. Wir haben dann auch mit der Klasse eine Hafenrundfahrt gemacht. Ich trug meine Kommunionssandälchen mit eigenartigen Häkelsöckchen und hab' gefroren wie ein Schneider.

Da hatte die Küppersmühle den Betrieb schon eingestellt. Der Kornspeicher, der angemalt war wie eine riesige "Mr. Softy"-Milchtüte, stand noch Jahrzehnte und war, weil von der Autobahn aus sichtbar, (A59, im Volksmund "Achse" genannt, weil wohl irgendein Planer mal den Ausdruck "Nord-Süd-Achse" gebrauchte!) lange Jahre eine wichtige Orientierungsmarke - eine Ausfahrt ist gleichbei.

Irgendwann in den Neunzigern mal beim Speicher mit Grejazi auf den stillgelegten Schienen am Kai herumgeturnt zu sein, erinnere ich mich auch sehr genau. Da war noch nix mit "schickem neuen Stadtteil".

Vom Wasser aus begegnete ich dem Hafen dann im neuen Jahrtausend mittels meiner Teilnahme an einer Drachenbootregatta. Das war eine gute Erfahrung - auch, weil ich mit 20 Leuten in einem Boot denselben Schlag haben musste...

Die Kunst mag ich eigentlich meistens, die da so rumsteht. Und die Synagoge beim meiner Meinung nach sehr gelungenen "Garten der Erinnerung" habe ich schon besucht.

Das Marode, das ist hie und da noch vorhanden. Inzwischen gibt's aber sogar "Grachten".

Nun.

Leerstände gibt's auch.